Yeti in London
Shownotes
Wie bringt man Kinder zum lesen? Wen trifft ein Dichter in London? Und wie lesen sich Eine-Millionen-Euro-Erzählungen? Wir reden drüber. Im Gepäck: „Sieben leere Häuser“ und „Fragen an den Yeti“. Außerdem erinnern wir an Max Frisch.
Bücher Volker Sielaff, „Fragen an einen Yeti“ (Volland und Quist) Samanta Schweblin, „Sieben leere Häuser“ (übers.: Marianne Gareis, Suhrkamp)
Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger
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Transkript anzeigen
00:00:02: Hallo Josef, schön dich zu sehen.
00:00:27: Du wärst ja beide Eltern und ich lese immer wieder davon dass Kinder so schwer zum Lesen zu begeistern sind oder grundsätzlich weniger gelesen wird nämlich dazu, wie man Bücher wieder zum selbstverständlichen Teil des Alltags machen kann.
00:00:45: Darüber spricht Alison David die beim Verlagskonzern Harper Collins für Lesevorstellung zuständig ist also ein großer Verlag und die haben da anscheinend Geld dafür.
00:00:54: das finde ich sehr schön.
00:00:56: und sie hat auch vor zwölf Jahren den Elternratgeber Help Your Child Love Reading veröffentlicht.
00:01:03: Und jetzt gibt es eben eine neue Studie des Verlagstes zum Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen.
00:01:09: Und ich fand ehrlich gesagt, was in dieser Studie bzw.
00:01:13: von Alison David gesagt wird wie man Kinder zum Lesen bringt das fand ich sehr bemerkenswert weil meine Fantasie hat da jetzt nicht so weit gereicht außer dass Bücher halt Teil des Alltags sind.
00:01:21: aber sie hatte ein paar ganz konkrete Tipps.
00:01:23: Ich gehe da mal rein.
00:01:24: Also Sie sagt Bücher gehören nicht nur ans Kinderbett zum gute Nachtsagen Die sollen auch auf dem Sofa präsent sein im Bus am Küchentisch Auf der Picknickdecke im Freibad und am Badewannenrand.
00:01:36: Sie sagt, Zitat das Vorlesen sollte nicht nur selbstverständlicher Teil des Einschlafrituals von Kindern sein.
00:01:42: Sondern es sollte eben auch später wenn die Kinder schon selber lesen können trotzdem in den unterschiedlichsten Situationen beibehalten werden.
00:01:49: und sie schreibt eben auch und das fand ich so schön weil mich das an meinen eigenen Alltag so erinnert Also, dass wenn wir uns an Figuren oder Ereignisse aus Büchern erinnern.
00:02:00: Dass wir unseren Kindern davon erzählen sollen also wenn wir unterwegs sind und selber eine literarische Referenz quasi haben das wir zum Thema machen sollen.
00:02:08: Das wir zum thema machen sollen wenn wir an Bücher und Figuren und Geschichten denken die die Kinder gerade bewegen.
00:02:15: Dass das alles viel mehr auch einen Hallraum bekommt abseits der konkreten Leseereignisse.
00:02:21: Und sie sagt, dass man die Stimmen verstellen soll beim Lesen ebenso wie Kinder das mögen Im Vulkan.
00:02:33: Wenn du erinnerst dich sicher, dass wir über Samantha Schweblin gesprochen haben und falls nicht ...
00:02:39: Eine Million Euro sag ich
00:02:40: mal?
00:02:41: Genau das war der Preis in Spanien die sie bekommen hat.
00:02:43: und dann ging es um die Frage wie berechtigt war das alles?
00:02:47: also beziehungsweise nicht um die frage Wie berechtigte war das?
00:02:50: sondern um Die frage ist das nicht ein bisschen viel für eine einzige personen?
00:02:54: sollte man das geld nicht ein Bisschen mehr streuen Ist egal.
00:02:57: im endeffekt Es ist so und die kurzgeschichten von ihr sind durchaus auszeichnungswürdig und ich finde die wirklich fantastisch.
00:03:05: Du hast
00:03:05: sie direkt gelesen, ne?
00:03:06: Ich
00:03:06: habe direkt mein Buch, weil ich es halt auch wissen wollte, ne!
00:03:09: Ich wollte auch wissen okay sind das die eine Million Dollar Geschichten oder Euro-Geschichten?
00:03:13: und Sie sind's irgendwie für mich schon... Na gut lass uns mal einsteigen.
00:03:17: du weißt ich hab sowieso wir haben uns darüber unterhalten auch so eine Schwäche für Kurzgeschichten und finde dass die zu wenig stattfinden.
00:03:24: Und sieben leere Häuser ist für mich wieder so'n Beispiel dafür warum was Erzählungen so gut kommen.
00:03:30: Das Buch ist bei Soekamp erschienen und das ist aus dem Spanischen übersetzt von Marianne Gareis.
00:03:35: Und es sind sieben Erzählungen, es ein sehr schmales Buch.
00:03:38: Sechs davon sind sehr, sehr kurz und dann also so um die zehn Seiten.
00:03:42: Und einem mit dem Titel Die Höhlenatmung geht dann weit über fünfzig Seiten.
00:03:46: Also das ist wirklich eine lange Erzählung mit drin.
00:03:49: Lin, ich habe mich gefragt kennst du eigentlich die Filme von Jogos Lanthimos?
00:03:53: Also so Filme wie Doctor Who oder Poor Things oder so?
00:03:56: Nein!
00:03:57: macht gar nichts, aber das Besondere bei ihm ist sozusagen er macht oft so Filme mit Emma Stone.
00:04:02: Die werden dann auch oft mit Oscars ausgezeichnet und bei ihm wird man oft in Situationen geworfen die was die Figuren- und Orte angehen eigentlich was Vertrautes haben.
00:04:13: also zum Beispiel keine Ahnung eine Frankenstein Welt oder eine historische Welt also ne bestimmte Regentschaft in England oder aber auch eine moderne.
00:04:25: Das heißt, wir haben Welten.
00:04:27: Die können zwar ... Ich hab ja Frankenstein gesagt, durchaus auch fiktiv sein, aber eigentlich hat man das Gefühl, man kennt die Regeln dieser Welt so.
00:04:34: Man kennt das Setting und es gibt dann auch die passenden Kostüme und alles.
00:04:38: Aber dann verschiebt sich immer was bei ihm.
00:04:40: Sobald die Handlung losgeht merkt man, dass alles ein bisschen aus der Balance geraten ist.
00:04:45: Und man fühlt sich nicht mehr so ganz wohl.
00:04:50: Ich habe auf den ersten Blick gedacht, ich kenne die Welt.
00:04:52: Und es gibt auch die Schauspieler und Schauspillerinnen, die so sehr überzeugend sind und ich folge denen gerne.
00:04:57: aber jetzt so langsam frage ich mich was passiert hier eigentlich?
00:05:01: Ein Beispiel dafür und der Film, der Ihnen sozusagen nach Dr.
00:05:04: Tooth, der so ein Arthaus-Erfolg war dann wirklich nochmal größer bekannt gemacht hat, war der The Lobster...
00:05:10: Den kenn' ich sogar mit diesen Tieren!
00:05:12: Genau
00:05:13: Mit der Dating-Geschichte, wo alle zu Tieren werden oder so ähnlich?
00:05:16: Ich weiß es nicht mehr genau.
00:05:17: Also
00:05:17: die sind in einem Hotel und die, die keinen Partner finden weil sie das wichtig ist eine Partnerschaft und Fortpflanzung.
00:05:23: Die werden irgendwann zu Tiern gemacht sozusagen und ausgesetzt wenn sie's nicht schaffen einen Partner zu finden.
00:05:28: Das war ein
00:05:28: großartiger Film!
00:05:29: Genau.
00:05:30: also dann bist du ja sozusagen im Vibe so drin.
00:05:32: Also ich meinte dass auch gar nicht als Kritik.
00:05:35: aber es geht so irgendwie immer so bisschen alles ein bisschen verschoben.
00:05:38: was machen diese Menschen in dem Hotel und Stück für Stück
00:05:41: Und so sind auch diese Geschichten von Samantha
00:05:44: Schweblin?
00:05:44: Genau, der Grund warum ich ihn so ausgiebig erwähne ist dass ich einfach denke das ist ein guter sozusagen Fixpunkt.
00:05:50: Das kennen viele, da können sie sich vorstellen und dann kommt Samantha Schweblin mit Erzählungen denen etwas sehr ähnliches gelingt und vielleicht ist es auch kein Zufall das die Film studiert hat.
00:05:58: auch also sie ist schon auch eine Erzählerin die einem... Also man hat diese Situationen die sie beschreibt einfach sehr krass filmisch vor Augen.
00:06:06: Schrieb
00:06:06: die sind Bogen, den du da immer spanst?
00:06:08: Ich mag Filme!
00:06:10: Das ist schon das eine oder andere Mal durchgekommen.
00:06:13: Gut also einerseits haben wir die Schauplätze, das sind häufig Häuser, Autos ein städtisches Krankenhausgärten und die Beschreibung dieser Schauplatz haben bei mir erst auf einen ersten Blick immer so Assoziationen geweckt zu so ne Vorstadtwelt weißt Du ich mein so die irgendwie.
00:06:31: Ja, du hast alles was es braucht aber ist auch alles jetzt nicht so besonders.
00:06:35: So als Ort sondern das ist auch ein bisschen.
00:06:39: Ist auch so ein bisschen plus oder so ein bißchen auch in sich geschlossen irgendwie wie so ein kleiner Kosmos doch idyllisch.
00:06:48: manche finden das ja auch idyllische und haben dann nichts für eine schlechte Assoziation zu wie ich.
00:06:52: Idyllisch ist hier halt gar nix.
00:06:53: stattdessen folgen die meisten Figuren irgendwelchen Zwängen oder Spielen nach Regeln von denen man als Lesender nie genau weiß wer sie eigentlich gemacht hat.
00:07:01: Ich gebe dir ein paar Beispiele.
00:07:02: Es gibt eine Erzählung, die heißt nichts von alledem und die ich Erzählerin und ihre Mutter sitzen im Auto und fahren in der Nachbarschaft rum.
00:07:09: Und die Mutter hat einen zwanghaften Drang Dinge, die sie nicht in Ordnung findet, in Ordnungen zu bringen.
00:07:15: Das heißt, sie bricht dann den Häuser ein und geht dann irgendwie ins Bad von einer Person und richtet da die Sachen und sagt nee so was gehört nicht ins Bad?
00:07:22: Dann schmeißt sie das in Müll oder sie geht so in den Garten und fängt an.
00:07:27: da umzuräumen, weißt du?
00:07:28: Weil ihr das nicht gefällt.
00:07:29: Und die ich erzähle darin ist die ganze Zeit neben ihr und es immer so schwanken zwischen... Ich unterstütze da jetzt meine Mutter drin und ich finde das eigentlich auch nicht so gut aber irgendwie mache ich's dann doch weil also das hat so... Und das ist so.
00:07:42: einer dieser Zwanges gibt auch einen anderen eine andere Geschichte, meine Eltern und meine Kinder.
00:07:48: Ein Mann is im Haus seiner Eltern und seine Eltern laufen einfach nackt im Garten rum und jetzt kommt seine Ex-Frau mit ihrem neuen Partner und den Kindern.
00:07:59: Und die Ex-Frau findet die Eltern von ihm einfach absolut sowieso schon absolut schrecklich, und er hat jetzt damit zu tun dass seine Eltern aber auch noch zusätzlich ja nach dem Garten gerade rumlaufen das quasi seinen Punkt ihr gegenüber nicht stärker macht auch diesen Punkt dass die Kinder dort durchaus mit den Eltern zusammen sein können und das ganze geht dann in so eine Art Kriminal Bereich ab.
00:08:20: Also jetzt nicht so krass ermittlermäßig, aber ich will sozusagen den Plotpoint der dann kommt, nicht vorwegnehmen.
00:08:26: Aber das ist halt so.
00:08:27: funktionieren diese Geschichten.
00:08:29: Du bist sofort in so einem Strangen Situation mit denen du umgehst und Samantha Schweblin hat in ihrem Band einen Zitat vorangestellt was Ich finde es sehr gut auf dem Punkt bringt Was glaube ich so ihre Sache ist.
00:08:44: Das stammt von Juan Luis Martinez Und heißt Bevor seine fünf Jahre alte Tochter zwischen Esszimmer und Küche verloren ging, hatte er sie gewarnt.
00:08:54: Dieses Haus ist nicht groß und nicht klein doch bei der kleinsten Unachtsamkeit verschwinden die Wegweise Und dann hast du bis an deinem Lebensende aller Hoffnung verloren.
00:09:03: Das ist so.
00:09:04: dieses sich verirren in Orten, die eigentlich vertraut sind Auch in Beziehungen, die wirklich vertraute sind Ist einfach ein großes Thema von Samantha Schweblin.
00:09:17: Formal ist es einfach so, diese Geschichten sind extrem durchgearbeitet.
00:09:20: Sie haben alles was großartige Erzählungen für mich ausmachen also ein gutes Auge fürs Detail, Gespür von Motive.
00:09:27: Wann bringt man sie wieder?
00:09:28: Wie arbeitet man sie sozusagen im Text ein und durch?
00:09:31: dann die Fähigkeit zur Verdichtung der Sprache was ja auch einfach.
00:09:34: ich habe gesagt manche gehen seiten.
00:09:36: da musst du das einfach richtig gut können.
00:09:39: Und auch ein wichtiger Punkt bei Kurzgeschichten oder Erzählungen ist die Informationsverteilung.
00:09:44: wann bringe ich an welcher Stelle, welche Information und welche halte ich noch ein bisschen zurück.
00:09:48: Und das ist bei... also das finde ich mit die hohe Kunst bei Erzählungen.
00:09:54: Dazu ist es so, ich hatte dieses Zitat erwähnt und dass ... Ich finde alle Geschichten passen zu diesem Zitat.
00:10:01: so krass!
00:10:02: Und ich habe so ein bisschen so die Parallel zur Musik, der Band.
00:10:05: hier is kein Best of Album mit Erzählungen, wo man so merkt okay sie hatte halt die Erzählung in der Schublade.
00:10:11: Die kommen jetzt da rein und das sind alles Erzählungen in ihrem Ton sondern es ist mehr wie ein Konzeptalbum.
00:10:17: also alle Geschichten weisen Ähnlichkeiten auf.
00:10:19: wir haben ja auch Motive wie Häuser Kleidungsstücke Kisten Haushaltsgegenstände die sozusagen durch die Erzählung hinweg auftauchen immer wieder und auch große Rollen spielen.
00:10:30: Auch einzelne Figuren scheinen so ein bisschen in ihren Eigenarten miteinander zu korrespondieren.
00:10:34: Also ich dachte zwischendurch so dass die gut miteinander auch verwandt sein könnten oder sowas.
00:10:41: Einfach so diese Zwänge, die diese Figuren heim suchen sind bei vielen ähnlich.
00:10:46: Die Geschichte, die mich übrigens am meisten berührt hat heißt ein Mann ohne Glück und dir hat mir wirklich einen dieser... du kennst das Linn dieser literarischen Glücksmomente beschert und da können wir im Bogen schlagen.
00:10:58: zu dem was du am Anfang gesagt hast Ich saß nämlich in der Bahn und bin einfach zu weit gefahren, weil ich sie noch fertiglesen wollte.
00:11:04: Und auch irgendwie nicht ganz gerafft habe, dass ich jetzt aussteigen muss... ...und das ist ja so.
00:11:08: dieses Wenn Literatur sozusagen so in deinem Alltag drin ist und dich so rausreißt,... ...das ist ja die beste Werbung für Literatur, sozusagen!
00:11:17: Das ist die allerbeste Werbung und ich freue mich, dass du deinen Moment erwähnst.
00:11:20: Ich möchte meinen noch mit rein.
00:11:22: Gerne!
00:11:22: Ich erinnere mich jetzt noch und es ist schon so lange her wie ich mit siebzehn im Matheunterricht saß.... Also, das ist mehr als die Hälfte meines Lebens schon her.
00:11:33: Und ich saß im Matheunterricht und hab unter der Bank heimlich... ...habe ich Herr Tamüller gelesen.
00:11:42: In dieser Geschichte in diesem Roman, den ich von ihr gelesen habe, rauschte so ein Zug durch die Nacht.
00:11:46: Das war auf eine Art beschrieben, dass ich das Gefühl hatte hier rauscht der Zug an mir vorbei.
00:11:52: Ich war so gefangen, dass sich wirklich einfach völlig raus war.
00:11:58: nicht von dieser Welt in diesem Moment.
00:11:59: Ich saß da nur noch körperlich anwesend und alles andere von mir war nicht mehr existent, ich wurde nicht erwischt aber mein Mathelehrer hatte sowieso mich schon abgeschrieben.
00:12:07: Ich habe nicht gestört.
00:12:07: das hat gereicht, der Rest ist Legende.
00:12:12: Dann lass mich noch am Ende dieses kleinen Blog sozusagen kurz vorlesen wie der Anfang von einem Mann ohne Glück geht.
00:12:22: An meinem achten Geburtstag hat meine Schwester Die ist nicht der Trug, auch nur eine Sekunde lang unbeachtet zu bleiben.
00:12:28: Eine ganze Tasse Bleichmittel auf einmal ausgetrunken.
00:12:31: Abi war drei!
00:12:33: Zuerst hat sie gelächelt vielleicht weil es so eklig war?
00:12:36: Dann ist sie erschrocken und hat vor Schmerz das Gesicht verzogen.
00:12:39: Als Mama die leere Tasse sah, die von Abis Handherab baumelte wurde sie so plass wie sie.
00:12:55: Und ich freue mich sehr, dass wir heute mal über einen Sprechen der so scheint es mir zumindest ein Leben in Gedichten führt.
00:13:03: Zuletzt habe ich ein Gespräch gehört mit dem MDR von Volker Silav auf der Leipziger Buchmesse wo er sich wieder so wunderbar charmant darüber ausgelassen hat das die Medien solche Angst vor Gedichten haben.
00:13:14: und da sind wir auch bisschen bei den Erzählungen, die du heute nochmal mitgebracht hast hier eine Million Dollarerzählung Mit Erzählungen und Gedichten immer so Berührungsängste gibt.
00:13:27: Wir rollen das Ding aber jetzt mal von hinten auf, beginn mit dem Dichter selbst der neunzenhundertsechsten Sechzig in der Lausitz geboren ist und als Lyriker- und Kulturjournalist in Dresden lebt.
00:13:36: Er veröffentlicht seit den neunzigern Gedichte Essays und Kritiken und zwei tausend dreiundzwanzig debütierte er mit seinem ersten Band.
00:13:43: Seitdem sind rund neun Publikation entstanden Und mehrere Auszeichnung über den Tisch von Volker Silaf gegangen Zuletzt zum Beispiel das London-Stipendium des deutschen Literaturfonds.
00:13:54: Da werden wir beide direkt neidisch, aber Volker Silafat erzählt, dass er erst mal erschrocken war darüber – da bewirbt man sich nämlich nicht und wird halt quasi vorgeschlagen!
00:14:03: Und so war dann auch lange in London unterwegs und die Stadt spielt eine große Rolle im vorliegenden Buch.
00:14:10: Was Volker Sieler für mich am meisten auszeichnet, ist seine enorme Liebe zu Lyrik.
00:14:15: Der kennt gefühlt viertausend Jahre Lyrikgeschichte der Art mit Gedichte und ich unterstelle mal dass so einer gar nicht anders kann als auch Gedichte zu schreiben weil er sagt das auch über seinen Aufenthalt in London.
00:14:27: Er wollte halt eigentlich erstmal nur gucken Und gar nicht so viel schreiben und dann sind doch wieder Gedichte geworden.
00:14:33: aber Glück vor uns.
00:14:35: Wir gehen mal rein Für alle, die inhaltlich erst mal einen Überblick brauchen der Band hat sechs Teile.
00:14:41: Manche werden wir uns genauer anschauen als andere.
00:14:43: hier geht es ja auch nicht um eine Nachherzählung und ganz im Sinne des Dichters sei vorweggeschickt bloß keine Bürörungsängste zu haben.
00:14:51: Es gibt beispielsweise den Teil, in dem die titelgebenden Fragen an den Yeti drinnen stecken.
00:14:57: In vier Gedichten wird hier neugierig gefragt ob der Seehund über Nacht bleibt oder noch abgeholt wird und wie viel Geräusch in eine Tüte passt?
00:15:04: Du ernst die Richtung, in die das in diesen Gedichten geht?
00:15:07: Freilich!
00:15:07: ohne jemals Antwort zu bekommen.
00:15:09: Hier ist die Frage selbst entscheidend, hier geht es um Klang, um Spiel, die Lust am Spaß.
00:15:15: und so geht das auch im letzten Teil zu der unbedingt laut gelesen gehört.
00:15:18: da wird unter dem Titel Dritte Mystische Aubergine Die Gedichte eines früheren Bandes fortgeschrieben.
00:15:26: Und wer jetzt aber glaubt, es geht da ulkig zu oder so.
00:15:29: Der Irrt ... Ich hab ja schon die große Liebe des Dichters zur Dichtung angesprochen und dementsprechend wird auch in diesem Band wunderbar gehuldigt!
00:15:38: Es gibt viele Homages ... Weißt du den Plural von Homage?
00:15:45: Nee.
00:15:46: Vielleicht gibt's ihn nicht... Es gibt Homages an großer AutorInnen wie Derek Walcott, den Nobelpreisträger, aber auch abseitsstehende Hommagen.
00:15:55: Ich glaube schon, ich weiß es nicht genau.
00:15:57: Aber gut, wir gehen mal weiter!
00:15:58: Gut, ich sage, es gibt viele Homagen an Großautoren mit Eric Walkett aber auch abseitsstehende wie zum Beispiel die amerikanische Schriftstellerin Juna Barnes oder die Mitbegründerin des Dadaismus Emmy Hennings.
00:16:11: Hier wird neidfrei bewundert eine persönliche Beziehung aufgebaut nachgespürt gestaunt und natürlich fragt sich Silaf zwischen den Zeilen Wie ist man selbst als Dichter in einer solchen Echo-Kammer aufgestellt?
00:16:25: Also es ist auch immer eine Bezugnahme wie zu einem Koordinatensystem, in dem Volker Silav die anderen verortet und dabei sich selbst irgendwie plastisch macht.
00:16:38: Und die Frage, die auch immer mitschwingt ist – wie funktioniert Ruhmen und Erinnerung?
00:16:43: Es geht auch um Wiedergeburt, sterben und vergessen werden... Woran sich noch glauben lässt.
00:16:48: und es geht auch um Selbstdarstellung, das würde ich dir gern mal im Ganzen vorlesen.
00:16:54: Das ist ein Gedicht mit dem Titel «Bitte nicht».
00:17:09: Nicht nötig, dich vor einer Zimmerpflanze einem Weisdornbusch zu erkennen.
00:17:21: Und danke, dass du Dich für mich vor dem ältesten Baum der Welt hast fotografieren lassen.
00:17:26: oder weinend vor einer aufgeschnittenen Toten in der Pathologie!
00:17:31: Schöne Deine Hand im Katzenhaar!
00:17:33: Nur wäre es möglich, daß Du mir deinen Blick an den Krater des erloschenen Vulkanens ersparst?
00:17:40: Deine lässig übereinander geschlagenen Beine muss sich Zeuge sein, wie du nachdenkst in einem Garten zwischen namenlosen Steinen oder bei deinem Blind Date mit einer Buddha-Statue im Völkerkundlichen Museum?
00:17:52: Nicht nötig auf alles eine Antwort zu haben.
00:17:55: Aber könntest du bitte deine Hand da nicht so aufstützen, mir nicht zeigen, wie Du zu Füßen der Akropolis schreibst und zugleich in die Kamera
00:18:03: blickst?!
00:18:04: Ich will doch nur ein Gedicht von Dir lesen!
00:18:09: Das ist diese Schamante So subtil, humorvolle und auch ein bisschen schelmische Ars mit der Volker Silaf eben auch dann ins Heute blickt.
00:18:20: Und auf das Schreiben von Gedichten selbst in Szenierung hatte ich als Schlagwort schon erwähnt.
00:18:25: Da wird viel eingefangen.
00:18:28: Meine liebsten Kapitel waren aber die ersten beiden.
00:18:31: unter Jugend versammelt er eine Art Fotorauswahl überbelichteter Augenblicke des Aufwachsens also der frühe Tod einer Mutter die Tanten Mitschüler der Sommer selbst, Fledermäuse, Leichtigkeit.
00:18:44: Die DDR und die Gedankenfreiheit oder auch nicht bestehende Freiheit dahinter immer Schwere Traurigkeit, auch Melancholie.
00:18:54: Und die zeichnen sich eben für mich durch so eine ganz besondere Stimmung aus, die in so kleinen Details festgehalten wird.
00:19:02: So schafft das irgendwie in kurzen Gedichten fast schon so ein kleines Familienpersonal zu entwickeln und die Stimmung, die Grundierung eines Aufwachsens zu skizzieren.
00:19:19: An dieser ersten Gedichte des Buches musste ich dann auch später wieder denken als er in London ist.
00:19:23: das ist der zweite Teil dieses Kapitels.
00:19:27: wir folgen Volker Silaf nach London Und er steht dann irgendwann im College Garden in Oxford und sieht einen Sandstein Kopf in der Fassade.
00:19:36: und da heißt es dann Sein melancholischer Blick berührt mich.
00:19:47: Liegt er nicht?
00:19:49: Ein Lächeln unter all der Trauer?
00:19:51: Im Nu erfasst mich eine grundlose Freude, ich bin nicht allein!
00:19:58: Das fand ich irgendwie sehr rührend und auch das hat für mich gezeigt wie Volker Silav auf die Welt blickt.
00:20:07: Es ist so ne ganz besondere Art & Weise die Dinge zu betrachten.
00:20:11: Wir stecken jetzt mitten im zweiten Kapitel in London Und da musste ich gleich an dich denken.
00:20:16: Du kennst London ganz gut und, ich finde die Stadt glänzt in seinen Gedichten noch irgendwie mal neu auf!
00:20:22: Ich hab's wirklich geliebt.
00:20:23: also vom Flugzeug folgen wir Volker Silav in die U-Bahn und den Bus.
00:20:26: Wir sind dabei wenn das ich durch Vororte spaziert und alles so aussieht als Flögelgleichen Ball spielen der Kinder auf die Straße.
00:20:33: Das tut es aber nicht.
00:20:35: Aber auch hier das Echo der Kindheit und Jugend Die Teile der Gedichte und des Buches sprechen also auch so untereinander ein bisschen miteinander Seen, die man auch irgendwie nicht so richtig vergisst und die einem so nachgehen.
00:20:48: Und Volker Sieler verzeiht im Gespräch mit dem MDR gesagt er braucht eigentlich in der Fremde immer jemandem, der ihn bei der Hand nimmt.
00:20:54: So hat er sich an Silvia Plath geheftet und besucht ihre Orte in London und die Orte vieler anderer AutorInnen, an denen du sicherlich auch schon warst.
00:21:04: also er wandelt zum Beispiel auf den Spuren von Frank O'Hara, von Yeats Samuel Johnson Und hier schreibt einer, der nicht nur ein guter Dichter ist sondern eben auch ein fantastischer Leser.
00:21:15: Er besucht zum Beispiel die Isle of Dogs den Thamesebogen des British Museums aber auch Bars und dort wird dann sogar das Stolpern eines alten Mannes zum Gedicht von Welt ohne je zu behaupten mehr als ein Stolpern gewesen zu sein.
00:21:27: Das ist also wirklich so eine Wiederverzauberung der Welt jenseits von Glitzer und Pathos oder Romantik.
00:21:36: Hier steckt neben der Heiterkeit eine unerschütterliche Sehnsucht drin.
00:21:40: Die Melancholie hatte ich schon genannt und in den Beobachtungen hat mich vieles an fernöstlicher Haiku erinnert, wo dann irgendwie nichts weiter passiert als das Schnee von den Zweigen rutscht und man aber in dem Moment nie etwas Schöneres- und schmerzvolleres gelesen
00:21:54: hat.".
00:21:55: Also kann ich nur sagen keine Angst vor Gedichten!
00:21:59: Lest unbedingt Volker Silaf und mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Gedicht Harte Nüsse möchte.
00:22:10: Als ich das erste Mal kam, waren Haus und Garten noch verschlossen.
00:22:14: Ich klingelte aber es rührte sich nichts.
00:22:18: Nur zwei Eichhörnchen sprang einher unter dem Maulbärbaum.
00:22:21: Gedichte sind harte Nüsse denen man nachjagt Zeit seines Lebens.
00:22:28: Ich sah ein paar im Gras.
00:22:30: liegen sie wogen so leicht in meiner Hand
00:22:36: Was vom
00:22:37: Tage übrig blieb.
00:22:40: Linden wir reden heute eigentlich über einen alten Bekannten und ich mir ist aufgefallen, wenn wir diesen Podcast so weitermachen.
00:22:46: Dann werden wir immer wieder auch mal auf bekannte und bekanntisch... Also wir werden draufstoßen sozusagen immer mal wieder auf Leute, über die wir schon geredet haben.
00:22:54: es ist ja auch uns mit Katie Keter-Mora in der letzten Folge passiert.
00:22:57: Und ein alter Bekannter bei uns ist Max Frisch.
00:23:00: Wir haben über ihn gerede den verschiedenen Kontexten und heute wollen wir aber auch nochmal sein Leben durchgehen.
00:23:05: und Ich habe mich ein bisschen orientiert an dem Lemo.
00:23:08: kennst du das?
00:23:09: lebendiges Museum online.
00:23:11: Die machen eine sehr schöne Zusammenfassung von Biografien und ich wollte das einfach mal erwähnen, weil es eine gute Quelle ist irgendwie.
00:23:18: Ja
00:23:18: vielleicht auch ne gute Quellen im Gegensatz zu der KI-Seite.
00:23:21: Zu den Kali generierten Seiten.
00:23:23: Genau, genau!
00:23:24: Also Max Frisch wurde am fünftzehnten Mai, nineteen hundert elf geboren als drittes Kind des Architekten Bruno Frisch und seiner Frau Karolina Bettina Frisch.
00:23:34: Ich finde die Schweizer Namen haben echt immer sowas sehr... So sehr stabil irgendwie.
00:23:42: Ich seh da gleich so ein stabiles Haus vor mir irgendwie, Geburtsname Wildermut.
00:23:47: Er ist in Zürich, in der Schweiz geboren und besucht dort auch das Realgymnasium.
00:23:53: Zwischen neunzehn- dreißig und zweiunddreißig studiert er Germanistik an der Universität Züricher und muss aber das Studium aus finanziellen Gründen abbrechen nachdem sein Vater stirbt.
00:24:03: Er arbeitet dann als freier Mitarbeiter für die neue züricher Zeitung, die ja heute noch Komplett da ist.
00:24:08: In nineteen-vierunddreißig entsteht ein Roman von ihm unter dem Titel Jörg Reinhardt, auch das wieder sehr solide eine sommerliche Schicksalsfahrt.
00:24:18: Das klingt alles so bisschen ne?
00:24:21: Es ist noch nicht die weite Welt es ist noch Thema ist, also dieses ersten Romanis seine erste Auslandsreise im Jahr zuvor.
00:24:37: Also was man gleich von Anfang an merkt er schreibt über das was ihm in seinem Leben passiert.
00:24:41: Das sind seine großen Themen letztlich.
00:24:45: Nach seinen ersten schriftstellerischen Versuchen eben mit diesem Roman kommen ihn aber selbst Zweifel und er entschließt sich mit dem Schreiben aufzuhören und verbrennt alle bis dahin entstanden in Manuskripte.
00:24:54: Was ich schon auch echt...das ist schon interessant wenn man sich das bei ihm überlegt.
00:24:58: der hat wirklich Er wird veröffentlicht.
00:25:00: Also er hört nicht auf, weil er irgendwie nicht die Chance kriegt.
00:25:04: aber er veröffentlicht und denkt so ne.
00:25:06: Irgendwie nee das ist nicht das was ich schreiben will ich irgendwie und dann höre ich auf jetzt und mache etwas anders.
00:25:12: stattdessen studiert er jetzt Architektur dem Vater nach Eifern an der eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und schließt als Diplomarchitekt ab.
00:25:22: Im Gegensatz zu Germanistik, in den Sieben werden trotzdem wieder Texte von ihm veröffentlicht, nämlich die Plätter aus dem Brotsack Tagebuch eines Kanoniers und darin verarbeitet er die Erfahrungen, die er im Militärdienst während des Kriegsbewegens gemacht hat.
00:25:39: Die Schweiz war ja neutral, aber der Militärdienst war natürlich dann auch eine andere Frage und wichtiger als er vielleicht in den Jahren dazwischen gewesen war.
00:25:47: Er gewinnt frisch den ersten Preis in einem städtischen Wettbewerb um eine große Freibadanlage in Zürich und kurz darauf eröffnet er sein eigenes Architekturbüro.
00:25:59: Ich erwähne das auch deshalb, weil dieses Freibat ist so sehr berühmt in seiner Biografie, denn das ist eigentlich der große Bau, der heute noch steht, den er gemacht hat.
00:26:09: Ach, das war kein Literaturwettbewerb.
00:26:10: Nein, wir sind
00:26:11: in der Architektur.
00:26:12: Es hat jetzt ein bisschen
00:26:13: länger gedauert.
00:26:14: Alles gut!
00:26:15: Aber sozusagen dieses
00:26:16: Freibad und ich weiß nicht so verwirrt weil dieses Freibaat du sagst es schon dass ist extrem präsent.
00:26:20: Das hat er gemacht.
00:26:21: da gibt's Fotos von wie er da steht und da irgendwohin deutet.
00:26:24: Genau
00:26:24: Ich dachte jetzt guck das hat was mit seinen Texten
00:26:26: zu tun?
00:26:26: Nee aber sozusagen in dieser Architek-Tourperiode wenn wir sie so nennen wollen ist das so das große Ding was er dann baut weil sonst... baut er vielleicht an einigen Stellen, aber das ist so was auch noch da ist und was dann immer wieder erwähnt wird.
00:26:40: Er heiratet auch eine Architektin der Trude-Konstanze von Mayenburg... Das
00:26:44: ist auch sehr solide
00:26:45: würdig sein!
00:26:46: ...und die Ehe aus der drei Kindervorgehen wird, neunzigneunfünfzig nach längerer Trennung also sie hatten schon eine Weile nicht mehr zusammengelebt geschieden Aber während dieser Ehe beginnt Frisch wieder zu veröffentlichen.
00:26:59: Zwischen neunzehnundsechstenvierzig und einundfünfzig erscheinen die Stücke, nun singen sie wieder – die chinesische Mauer Graf-Öderland!
00:27:05: Und die Themen sind die Nachsichtszeit.
00:27:08: Frisch ist eigentlich von Anfang an einen sehr politischer Schriftsteller der sehr auf seine Zeit und auch auf sein Land, also diese solide Schweiz schaut und auch gerne hinter die Kulissen dieser soliden Schweiz schaut.
00:27:25: Ist das wirklich alles so ordentlich und sauber wie das ja aussieht?
00:27:29: Und er beschäftigt sich auch viel mit den Fragen sozusagen, was im Zuge des Nationalsozialismus in Deutschland aber letztlich einfach in Europa passiert ist.
00:27:39: Er begegnet... Also wir sehen ihn sozusagen in seiner Ehe, wir sehen ihm diese Bücher schreiben und gleichzeitig als Architekt arbeiten.
00:27:48: Und er begegnet in dieser Zeit unter anderem Berthold Precht Friedrich Dörnmatt und Peter Soekam den dann später verliebt verlegt.
00:27:54: Das heißt der hat da auch... Er ist gut vernetzt und dieses Foto was du erwähnt hattest wo er in dem Freibad steht und irgendwo hin zeigt.
00:28:03: Da steht ja Precht neben ihm und erklärt ihm quasi gerade mal was er da gebaut hat!
00:28:09: Dann kommt ein entscheidender Moment, glaube ich für ihn.
00:28:11: Weil er kriegt einen Rockefeller Stipendium und er geht nicht nach London sondern nach New York also kann ein Jahr da bleiben und diese Zeit ist für ihn sehr wichtig.
00:28:22: Ich kann nur Montauk in... Und
00:28:25: unbedingt
00:28:26: in die Wagschale werfen.
00:28:27: wir jetzt meine absoluten Lieblingsbücher von Frisch, muss ich sagen.
00:28:29: Genau und das erste Buch also New York bleibt dann ja so ein Fixpunkt oder ist man auch gesagt es kommt dann später raus aber auch das erste buch was er nach dieser New York Erfahrung schreibt nämlich stiller und da können wir auch wieder auf unsere Folge verweisen und auf die Verfilmung.
00:28:45: Das ist für ihn wirklich der literarische Durchbruch Also auf der großen Bühne sozusagen.
00:28:50: Und von da an bleibt sein großes literarisches Thema die Identitätsproblematik, die ja auch in weiteren Romanen wie Homophaber oder mein Name Sergantenbein verhandelt.
00:29:00: Ich habe mal ein kurzes Zitat mitgebracht Jeder man erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.
00:29:07: Und das ist so... Das fasst es einfach sehr zusammen.
00:29:10: Er hat sehr viele kluge und interessante Gedanken zur Identität in seinen Tagebüchern auch drinstehen wo er immer wieder darüber nachdenkt dass wir uns eigentlich nur so eine Geschichte erzählen, so ein Narrativform und er hat ja auch zum Beispiel über was reisen gesagt.
00:29:23: ich zitiere jetzt nur aus dem Kopf aber so dass man eigentlich reist damit man nochmal irgendwie wer anders sein kann.
00:29:28: Da spielt auch in seinem Roman eine große Rolle bei Humofarber.
00:29:32: Und diese Tagebücher, die sind wirklich ... Die kenne ich nämlich auch.
00:29:35: Die sind so fantastisch und interessant.
00:29:37: Er hat ja teilweise Textentwürfe mit drin aber denkt da viel nach.
00:29:41: Das ist eins der wenigen Zitate, die ich auswendig kann weil mich die so berührt haben.
00:29:45: Da sagt er in seinem Tagebuch, die Zeit verändert uns nicht sie entfaltet uns
00:29:50: nur.".
00:29:51: Auch das ist ein typisches Frisch-Zitat, dass die Identität, die Frage danach wer sind wir eigentlich?
00:29:59: Das ist total schön und wer so schöne Sätze schreiben kann, muss kein Architekt mehr sein.
00:30:04: Er wird mit sich jetzt ganz der Schriftstellerei und wird ... ... auch mit dem Georg Büchnerpreis ausgezeichnet.
00:30:11: Dann wird ein weiterer seiner Traben aufgeführt nämlich Herr Biedermann und die Brandstifter.
00:30:17: Und das ist sozusagen sein erster großer Bühnenerfolg.
00:30:20: also ich hatte ja über diese anderen Stücke geredet aber wie gesagt stille war seine literarische Durchbruch.
00:30:28: Durchbruch auf der Bühne.
00:30:29: Zwischen eighteen, fünfzig und neunzehntreiundsechzig hatte er eine sehr enge Beziehung zu Ingeborg Bachmann.
00:30:35: die beiden sind zeitweilig ein paar sie trennen sich.
00:30:37: das ganze ist viel in Büchern beschrieben worden.
00:30:41: es gibt sozusagen alle möglichen Perspektiven auf diese Zeit.
00:30:45: Es gibt Tagebücher die er geschrieben hat die sie dann verbrannt hat darüber.
00:30:49: Und ja ich will da jetzt gar nicht einsteigen es ist einfach nur eine dieser beziehungen wohl literarisch sehr viel oder auch von den Menschen drum herum, die solche Bücher schreiben.
00:30:59: Journalisten, Literaturkritiker und so alle mal was dazu zu sagen hatten.
00:31:04: Jedenfalls gibt es diese Beziehung – ich denke in Bayern kann man mit Fugun recht behaupten das für beide Schriftstellerinnen dieser Beziehungen einfach ein sehr wichtiger Punkt in ihrem Leben.
00:31:14: einfach war wie auch immer dass dann ausgegangen ist.
00:31:16: Er lebt dann in Rom.
00:31:18: Und Ninzeinsechzig ist die Uraufführung der Parabel Andorra im Züricher Schauspielhaus.
00:31:23: Auch das ein großer Erfolg Und das Stück behandelt das Thema Rassismus unter der Problematik des Geburts.
00:31:30: Du sollst dir kein Bildnis machen.
00:31:31: und auch da haben wir wieder so diese Themen, diese Identitätsthemen.
00:31:36: also wenn er sich mit Politik beschäftigt hat, hat es nicht bedeutet dass seine sonstigen Fragen ans Leben dann weg bleiben und sozusagen das jetzt so ganz klar ist.
00:31:45: so Jetzt kommt das rein politische der Fall ein bisschen verkleidet auf die Bühne, sondern er blieb seinen Themen und seine Fragen, die er ins Leben hatte.
00:31:54: Und dann als Mensch sein hat er schon immer auch treu.
00:31:57: In seiner Heimat-Ecke aber immer wieder an mit dem Essay unter anderem mit einem Tell für die Schule und Dienstbüchslain stellt frisch wesentliche mütenschweizerischen Selbstverständnisse in Frage und löst damit immer wieder heftige Diskussionen aus.
00:32:11: wie gesagt Man hat ein Bild von sich, wie sauber man ist.
00:32:14: Wie ordentlich das alles ist.
00:32:16: und dann kommt da jemand und beschmutzt dieses Bild und es sorgt teilweise wirklich für heftige Reaktionen.
00:32:23: Ich musste da auch so ein bisschen an dieses Unglück denken ich weiß nicht ob du dich daran erinnerst in Kranz-Montana als ein Silvester war das dieses Silvesta?
00:32:30: Gott, das geht alles so schnell.
00:32:32: Oder was letztes?
00:32:32: Ich glaube es war dieses Semester als da in diesem Skihütte das gebrannt hat und dann so viele gestorben sind.
00:32:39: und im Nachhinein... Und da habe ich ein Artikel gelesen über diesen Ort wie auch sofort alle nicht mehr mit den Journalisten geredet haben sich untereinander sofort und dann ja auch im nachhineinen rausgekommen ist.
00:32:51: Korruption bis oben hin, aber nach außen hin.
00:32:53: Wir machen hier die schönen Touristen kommen zu uns zum Feiern und das ist so herrlich in der Schweiz.
00:32:58: Die Postkarten des Postkartens.
00:33:00: Was hätte
00:33:01: Frischwoll dazu
00:33:01: gesagt?
00:33:02: Genau!
00:33:03: Er hätte auf jeden Fall einige gegen sich aufgebracht.
00:33:07: Wir müssen es erwähnen weil du es auch schon erwähnt hast und weil's einfach so herrig ist kommt die autobiografische Erzählung Montau raus.
00:33:16: Also für mich auch einfach einer der schönsten Texte überhaupt, die ich so kenne.
00:33:20: Auch zur Beziehung.
00:33:21: Es ist auch frisch persönlichstes Buch.
00:33:23: Er verarbeitet da höchstwahrscheinlich nach allem was man weiß viel von seiner Beziehungen zu Ingeburg-Bachmann und neunzigneunzehntig veröffentlicht er die Erzählung Der Mensch erscheint im Horro Zehn wo es um Alter und Einsamkeit geht.
00:33:36: das heißt der thematisiert auch da wieder so an seinem eigenen Leben entlang denn er is jetzt.
00:33:41: Der ist ein Schriftsteller mit großem Renommee, er hat viele Preisen und Ehrendoktorwürden enthalten.
00:33:46: Er hat viel beachtete Reden gehalten.
00:33:48: zum Beispiel am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb indem er sich nochmal fragt sozusagen ob sein ganzer Einsatz und das reflektiert für politische und soziale Veränderungen Ob das wirklich was gebracht hat?
00:34:02: Was bringt es wenn wir uns sozusagen hinsetzen und sagen Wir wollen etwas verändern.
00:34:09: Gleichzeitig ist es aber ebenso bei allem Renommee, bei allem Erfolg leidet er ein Krebs.
00:34:14: Und das ist auch eine ziemlich heftige Krebsform.
00:34:16: und am vierten April, Ninzehn-Einneinzig stirbt er in Zürich daran.
00:34:21: Und Lynn wir wollen auf Max Frosch jetzt anstoßen?
00:34:26: Das
00:34:26: machen wir ja und auf den Autor mit so ungewöhnlichsten Buchtiteln die immer gar nichts darüber verraten worum es eigentlich geht!
00:34:36: Und dann sehen wir uns nächste Woche wieder.
00:34:38: Ich freu
00:34:38: mich drauf.
00:34:38: bis dahin, tschüss!
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