Ingeborg Bachmann
Shownotes
Wieso werden Eichhörnchen zu Agenten? Wer wollte Stücke wie Stühle bauen? Und warum setzte sich Ingeborg Bachmann in den Garten, als die Bomben fielen? Wir reden drüber. In den nächsten zwei Folgen tauchen wir tief ein in den Bachmann-Kosmos. Heute geht‘s um gute Bachmann-Biografien, ihr vielfach ausgezeichnetes Hörspiel und den Kinostart von „Ingeborg Bachmann. Jemand, der einmal ich war.“
Bücher Andrea Stoll — "Zwei Menschen sind in mir" (Piper) Fleur Jaeggy — Die letzten Tage von Ingeborg (Suhrkamp)
Sonstiges Doku - Ingeborg Bachmann. Jemand, der einmal ich war (R.: Regina Schilling) Hörspiel - "Der gute Gott von Manhattan", unter:
Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger
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Transkript anzeigen
00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse.
00:00:07: Mit Lin Pinedope Miklitz und Josef Braun.
00:00:23: Hallo Joseph schön dich zu sehen!
00:00:25: Hallo Lin, schön dich zusehen.
00:00:27: Wir sitzen hier bei einem kühlen Getränk.
00:00:29: Ich hab meinen Tee dabei.
00:00:31: Du hast dir ein Tee.
00:00:31: Ja, Josef zieht auf jeden Fall durch hier.
00:00:34: Wie ist die Ratschläge?
00:00:35: Siehst du auch immer dieser Artikel, die es so zu Hitze gibt?
00:00:37: Da steht ja immer selbe drin!
00:00:38: Genau, irgendwann hast du es durchgedrückt.
00:00:40: Und dann wird immer irgendein
00:00:40: Typ von der Uni gefragt... Der hat jetzt natürlich richtig viel zu tun weil er muss jetzt allen Zeitungen quasi diese Interviews geben.
00:00:46: Das gleiche erzählen?
00:00:47: Ja
00:00:47: genau und gut.
00:00:50: aber kommen wir von den Getränken zu unserem Kinofilm.
00:00:53: Stimmt, wir waren am Mittwoch zusammen im Kino.
00:00:55: Das war sehr schön vor allem weil es auch kühl war.
00:00:57: Es ist vielleicht ein Tipp, so lange die Kinos nicht abgeschaltet werden.
00:00:59: Vielleicht gehen hier mal ins Kino am Wochenende.
00:01:02: Zum Beispiel in den Film Ingeborg Bachmann, jemand der einmal ich war.
00:01:06: Den haben wir am MittWoch angeschaut.
00:01:07: Wir haben auch schon zwei Freikarten verlost.
00:01:09: Herzlichen Glückwunsch übrigens an dieser Stelle.
00:01:11: nochmal und vor allem viel Spaß beim Film!
00:01:14: Wir wollen ganz kurz darüber sprechen wie's uns gefallen hat einfach damit alle sich fragen Ist das was für mich oder nicht?
00:01:20: Darüber sich ein bisschen Gedanken machen können.
00:01:22: Ja, genau.
00:01:24: Ich würde sagen der Film ist und darüber haben wir uns ja auch direkt nach dem Kino unterhalten erst sehr schön zusammengestellt diese Idee dass Sandra Hüller einen Tag in Rom sozusagen nachspielt als Ingeborg Bachmann ohne so komplett dieses Reenactment zu machen.
00:01:40: also sie leidet sich ähnlich.
00:01:43: Sie isst in einer Wohnung die ähnlich ist wie die von Bachmann in Rom aber nicht komplett nachgestellt.
00:01:51: Sie macht so Dinge, die Bachmann halt gemacht hat in ihrem Alltag in Rom.
00:01:55: Also spazieren gehen, die Zeitung kaufen solche Dinge.
00:01:59: also das heißt Autofahren genau und das ist sozusagen wie so ein roter Faden dem wir in diesem Film haben.
00:02:04: und von da ausgehend gibt es dann Archivmaterial
00:02:08: usw.,
00:02:08: was man sonst auch in Dokumentationen hat.
00:02:10: Und wir haben uns darüber unterhalten dass diese Dokumentations sowie sie aufgebaut und geschnitten ist einem Diese Person in Geburt Bachmann auf eine Weise nahe bringt, aber eher auf so eine assoziative Weise würde ich sagen.
00:02:22: Also weniger von dort ist sie geboren in diesem Haus.
00:02:27: Dann ist sie da und da in dieses Haus gezogen.
00:02:29: Dort hat sie mit der und der Personen gelebt usw.. Man erfährt jetzt nicht diesen krassen biografischen Weg sondern er wird eher eingestreut zu den ganzen anderen Materialien.
00:02:42: Es hat was essayistisches bei einer, wie das so zusammengefügt ist.
00:02:47: und vielleicht wäre auch wichtig zu sagen wenn man schon mal die eine oder andere Biografie von Bachmann gelesen hat dann ist der Film... Dann funktioniert er ein bisschen wie so ne Ostereiersuche weil man immer wieder kleine Hinweise findet, Nester findet und sich freuen kann dass man die Anspielung versteht.
00:03:05: Ein Film auf voller Anspielungen.
00:03:08: Das heißt aber auch, und da sind wir natürlich jetzt in einer gewissen Weise im blinden Fleck.
00:03:14: Wenn man von Ingeborg Bachmann noch gar nichts weiß außer vielleicht dass sie eine Beziehung mit Max Frisch hatte dann weiß man tatsächlich sehr wenig über sie und sollte aber vielleicht wissen... dass man in diesem Film eben nicht so an die Hand genommen wird durch das Leben hindurch, sondern hier nähern sich drei Bachmann-Fans kann man vielleicht sagen.
00:03:33: Dem Phänomen Ingeborg Bachmann einmal die Regisseurin selbst für die Ingeborg Bachmann sehr wichtig ist Regina Schiller.
00:03:39: Dann die Schauspielerin Sandra Hüller, die selbst auch großer Bachmann-Fan ist.
00:03:46: Und auch die Filmmusik von Soap and Skinn wurde gemacht von einer Person der ... Die Ingeborg Bachmann sehr verbundenes Anja Plaschk und Anja plaschkk hat vor einigen Jahren bei einem anderen Film selbst mitgespielt der sich auch Ingeborg Bachmann nähert, nämlich diesem Film Die Geträumten.
00:04:03: Wo zwei Schauspielerinnen die Briefwechsel einsprechen und darüber versuchen Nähe herzustellen und diese Beziehung aufleben zu lassen.
00:04:13: also in dieser Tradition finde ich steht jetzt auch der Film von Regina Schiller so ein bisschen Und das muss man vielleicht wissen dass hier einfach drei Enthusiastinnen zusammen gekommen sind unter dieser Regieführung Und versuchen, dem Begriff fand ich ganz treffend eine Geisterbeschwörung.
00:04:29: Ja und man erhält quasi wenn man jetzt noch gar keine Ahnung hat von Bachmann würde ich nicht sagen dass der Film sich nicht lohnt sondern ich würde sagen man er hält halt so einen ersten Eindruck und dann muss man sich aber das ganze mit Büchern selber noch erarbeiten auch was die Werke angeht.
00:04:45: also wir haben bestimmte Gedichte die zitiert werden bestimmte Ja, Romane-Malena oder Erzählungen.
00:04:52: Aber das ist eben so anzitiert und ich würde sagen so.
00:04:55: einer der stärksten Punkte die man einfach so ohne jegliches Vorwissen wegnehmen kann Und die der Film auch sehr stark macht durch Videoschnipsel ist eben wie hat der Literaturbetrieb dieser männlich geprägte dominierte wirklich krass dominierte Literatur Betrieb eben auf Ingeburg macht man damals reagiert
00:05:19: Im Vulkan Josef, gestern, also wir nehmen heute am Freitag auf.
00:05:26: Da war der erste Lesetag beim Klagenvor-der-Literaturpreis.
00:05:31: Wie heißt denn das eigentlich in Wirklichkeit?
00:05:32: Man sagt doch immer noch Bachmannpreis!
00:05:34: Ich glaube, Klagen vor der Literaturtage wird unter anderem der BachmannPreis verliehen.
00:05:38: Wir werden heute öfter noch im Klagenfort sein weil wir heute ganz viel über Ingeborg Bachmann sprechen aber ich wollte dir kurz einfach zwei Momente der letzten beiden Klagenvortage mitbringen vielleicht mal kurz als kleiner, als kleine Einordnung.
00:05:56: Ich gucke nicht strategisch von vorne bis hinten diesen Preis... ich finde Instagram da machen die einen sehr guten Job!
00:06:02: Ich weiß nicht ob du das verfolgt hast?
00:06:04: Die haben irgendwie so ein sehr gutes Social Media Team.
00:06:08: Das lohnt sich auf jeden Fall da sich die Tage so ein bisschen zusammenfassen zu lassen.
00:06:11: und wenn man schon öfter reingeguckt hat bei diesem ganzen Geschehen und die Jury so ein bißchen kennt dann funktionieren diese Jokes auf jeden fall wunderbar.
00:06:18: Das ist sehr unterhaltsam.
00:06:20: Allerdings wollte ich jetzt für die ersten beiden Tage hier schon mal zwei Momente mitbringen, die ganz schön waren.
00:06:25: Der erste schöne Moment finde ich war die Eröffnungsrede von Helga Schubert.
00:06:30: Wir haben schon öfter über Helga Shupert gesprochen und ihre besondere Verstrickung in den Bachmann-Preis ist auch wirklich Full Circle Moment.
00:06:38: nicht nur das sie ihn gewonnen hat vor einigen Jahren sondern dass er diese Eröffnung redet.
00:06:42: Und sie hat aus Ingeborg Bachmans Erzählung gelesen... in der sie von dem Aufwachsen in einer büsterreichischen Kleinstadt erzählt, also in Klagenfurt, in Kärnten.
00:06:57: Und das war sehr schön dass Sie da auch direkt nochmal die Autorin selbst hat sprechen lassen.
00:07:03: Sie hat dann auch selbst von ihren Erfahrungen nach dem Krieg und während des Krieges erzählt.
00:07:08: Also eine Rede die sich lohnt und die einfach diesen Bachmannpreis auf so ne sehr würdige Art finde ich eingeleitet hat.
00:07:17: Ja, dann war natürlich der große Aufreger am zweiten Tag ein Anführungszeichen, dass Slater Rochal die Autorin sich die Jury-Diskussion nicht angehört
00:07:26: hat.
00:07:26: Bin ja froh, dass du das mitbringst!
00:07:29: Hast du davon gelebt?
00:07:30: Ich hab das auch... also wir kommen wieder auf das Instagram sozusagen Game.
00:07:33: von denen habe ich das gesehen und wollte da auch gerne darüber kurz reden.
00:07:38: Erzähl mal.
00:07:39: Na ja, also man muss ja wissen, Slater Roshal engagiert sich sehr stark im Literaturbetrieb für das Sichtbarmachen von Bedingungen, finanzieller Art, Stipendien.
00:07:52: Diese ganzen Sachen die man auch mitunter als prekär bezeichnen muss, die da stattfinden und vor allem auch Machtdominanz, Gatekeeping diese ganzen Begriffe findet man da.
00:08:03: Und sie hatte im Vorfeld angekündigt dass sie die Jury Diskussion sich nicht anhören wird weil sie dann sagt Das ist einfach nicht meine Aufgabe Und insofern fand ich es lustig.
00:08:18: Ich habe dann nämlich gedacht, ich recherchier mal ein bisschen wie KI das zusammenfasst weil ich hab mir mal ausspucken lassen was die Highlights des Tages waren und KI hat quasi von einem Riesen-Eklar gesprochen und ich dachte so oh mein Gott!
00:08:30: Also davon darf man sich glaube ich jetzt echt nicht irritieren lassen, weil es war kein Eklat dass Slater Roschall diese Diskussion verlassen hat.
00:08:37: also sie hat es angekündigt Und es war auch abgeklärt insofern, als dass es keinen Bruch mit den Bedingungen ist an diesem Wettbewerb teilzunehmen.
00:08:46: Niemand muss sich diese Jury-Diskussion anhören!
00:08:49: Der einzige der tödlich beleidigbar war Philipp Tingler.
00:08:52: Er hat dann selber eine Diskussion nicht mehr wirklich teilgenommen und hat wirklich kaum was gesagt nur am Schluss auch darauf bestanden das er ja auch hier sei.
00:09:04: Das war auf jeden Fall amüsant ein Eklavar sicherlich nicht.
00:09:07: Es wurde teilweise auch sehr stark interpretiert als Geste, die mit dem Text zu tun habe.
00:09:13: Also der Text endet ja auch mit den Worten Der Autor ist tot und es wurde dann auch eben in diese Richtung gedreht das Text- und Werk getrennt zu halten sind.
00:09:25: ich hab's jetzt eher so ein bisschen wahrgenommen als eine Geste von naja gut ihr habt hier das ist euer Job ihr werdet hier bezahlt.
00:09:34: Aber warum soll ich jetzt hier sitzen und mir das anhören?
00:09:39: Das ist sozusagen nicht meine Aufgabe.
00:09:41: Ja, nicht meiner Aufgabe und vielleicht schon auch zu zeigen irgendwie so... kein großer Fan davon, wie das so läuft.
00:09:49: Das ist ja sozusagen beim Bachmannpreis es ja einfach öffentlich was sonst auch stattfindet.
00:09:54: Nämlich bei diesen ganzen anderen Preisen sitzen ja auch Jury's die dann entscheiden du kommst rein und ihr alle habt euch alle für den Preis beworben.
00:10:02: Ihr habt alle dafür Texte geschrieben aber nur eine Person kriegt etwas und der Rest geht einfach leer aus und ist sozusagen wieder mal für die Arbeit nicht bezahlt.
00:10:09: und das ist ja eine Sache die sie einfach auch krass kritisiert wo sie auch sagt man müsste vielleicht darüber nachdenken.
00:10:14: Förderung anders zu... organisieren, dass es nicht so ein Wettbewerbsspiel ist für die wenigen Plätze wo es mal ein bisschen Geld gibt sondern eher was wo man wo man ein bisschen grundsätzlicher Unterstützung denkt.
00:10:26: Richtig und wo's auch nicht so läuft das am Ende nochmal alle in so einer Arena quasi gegeneinander ausgespielt werden?
00:10:32: Was dazu kommt oder beziehungsweise ich nehme jetzt mal kurz die Gegenseite ein also dieser Preis ist ja auch deshalb so gestaltet weil mit der Gruppe siebenundvierzig mit der Bachmann ja auch viel zu tun hatte deren Preise erhalten hat.
00:10:45: Da funktioniert das genauso.
00:10:47: Das hat man auch im Film gesehen, ne?
00:10:48: Die Autor in den Lesen dort und dann wird da über den Text gesprochen mitunter auch eklig irgendwie auf eine Art und Weise... Aber es ist eine öffentliche Sache!
00:11:01: Und daran knüpft es so ein bisschen an, auch ich glaube mit eigentlich dem herren Ziel Transparenz zu schaffen was ja an sich erst mal ein gutes Anliegen ist.
00:11:11: Gleichzeitig wird glaube ich damit die Grundsituation so ein bisschen unterschlagen, dass es ein extremes Machtgefälle ist.
00:11:19: Ich sitze da also als Autor in und das is für mich kein nice to have sondern es entscheidet sich ganz viel.
00:11:26: in diesem Moment.
00:11:27: Also wenn ich in dieser Jury-Diskussion vernichtet werde... übertragenen Sinne, kann sich das auf meine Karriere auswirken.
00:11:34: Und ich glaube dieses Machtgefälle ist den JurorInnen dann manchmal nicht so bewusst weil wenn Philipp Tingler dann sagt es eine diskursive Veranstaltung sollen sie doch mitreden?
00:11:43: Dann unterschätzt er glaub ich wie groß die Hürde ist sich in so ne Position zu begeben weil auch dass ein zweischneidiges Schwert ist.
00:11:53: also ne Literaturkritik is eben was anderes als Schriftstellerin sein und wenn du dann anfängst mit zu diskutieren und deinen Text zu verteidigen, hat das ja auch schnell was Demütigendes.
00:12:04: Weil du da vielleicht auf verlorenen Posten
00:12:06: bist.".
00:12:07: Also ich glaube, dass wird manchmal dann so ein bisschen unterschätzt... Ich meine klar ist es nicht aber es setzt eine Diskussion in Gang die wir glaube ich dringend weiter und noch intensiver führen müssen!
00:12:28: durchgelesen und zwar von der Bachmann-Expertin Andrea Stoll.
00:12:34: Ich muss dich ein bisschen kurz mitnehmen in diese Geschichte rund um die Bachmann Biographien, die es so gibt einfach zur Einschätzung dessen was an Material schon da ist.
00:12:46: Einmal sind zum hundertsten Jubiläum, in dem wir uns jetzt gerade befinden sowieso mehrere neue Biografien entstanden und veröffentlicht worden.
00:12:54: Die will ich dir kurz sagen, um das ergänzend noch mitzubringen.
00:12:58: Zum Beispiel die Taburdorf dieses unruhige Ich.
00:13:02: Ich glaube, du hast einen Bezug zu Dieter Bohrdorf.
00:13:05: Ist
00:13:05: das der Ohr?
00:13:05: Genau!
00:13:06: Der ist Professor in Germanistik an der Uni Leipzig und so dürig Experte.
00:13:10: Du
00:13:10: hast bei ihm studiert
00:13:11: richtig?!
00:13:13: Ja da haben wir also einen Zugriff auf das Phänomen Bachmann.
00:13:18: Wir haben Ina Hartwig die eine Biografie in Bruchstücken bei es Fischer vorgelegt hat mit dem Titel Wer war Ingeborg-Bachmann?
00:13:26: Und wir haben auch noch andere Zugriffe, die ein bisschen persönlicherer Natur sind.
00:13:31: Zum Beispiel vom Bruder Heinz Bachmann – Ingeborg-Bachmann meine Schwester Erinnerung und Bilder – auch neu herausgekommen und einen Buch was du uns heute noch mitbringst über das wir später sprechen, Fleur Yeggy Die Letzten Tage von Ingeborgs Bachmann eine auch sehr persönliche Erzählung Vielleicht der Vollständigkeit halber.
00:13:51: Es gibt noch eine Monographie, die von Hans Müller geschrieben ist und auch Hans Höller und ein Standardwerk.
00:14:01: Was also können wir jetzt von diesen neuen Biografien erwarten?
00:14:05: Vor allem von der Autorin Andrea Stoll.
00:14:11: Es ist so, dass es eine erweiterte Version eines Buches ist.
00:14:15: Dass das in den Jahren seit Jahrzehnten entstanden ist.
00:14:17: Also Andrea Stoll beschäftigt sich ja seit Jahren wirklich ewigkeiten schon intensiv mit.
00:14:21: Ingeborg Bachmann hat im Jahrzehnzehnte also eine Biografie geschrieben und diesmal hat sie die Biographie überarbeitet und ergänzt um Briefe und Dokumente, die damals noch nicht öffentlich waren.
00:14:33: Das ist
00:14:33: ja einiges erschienen der Briefwechsel mit Max Frisch zum Beispiel auch mit Zehlern, dann mit Heinrich Böll.
00:14:40: Also es war viel sozusagen unter Verschluss und kommt zu Stück für Stück raus.
00:14:43: Richtig!
00:14:44: Und natürlich sind alle die Bachmannen nahe sind, die viel über sie wissen wahnsinnig daran interessiert auch das jetzt nochmal einzuarbeiten und unter diesen neuen Vorzeichen ihr Leben zu betrachten.
00:14:56: und so erwartet uns also in dieser überarbeiteten neuen Version der Biografie eine noch engere Verzahnung von Biographie und Werk.
00:15:06: Also Andreas Stoll sagt Beides so eng verzahnt ist, dass sich das eine nicht ohne das andere erzählen lässt.
00:15:13: Sie arbeitet also Zitate und Textausschnitte von Bachmann ein wo sie eben genau diese Überschneidungen deutlich sieht und auch sichtbar machen will.
00:15:21: Das fängt zum Beispiel an damit, dass in der Schule Ingeborg-Bachmann einen Spitznamen hatte.
00:15:27: du weißt den Spitzname weil er im Film auch vorkam.
00:15:29: Erinnerst du dich?
00:15:32: Nee
00:15:34: Die Eule, auf Französisch.
00:15:36: Und das lag an Ingeborg Bachmanns enormer Belesenheit und Lesefreude.
00:15:45: Dann verzahnt sie das mit so einem Gedicht von Ingeburg Bachmann, was sie selbst mal über Eulen geschrieben hat... Das wirkt jetzt nicht immer bemüht, ne?
00:15:53: Jetzt denkt man sich hier.
00:15:54: okay das passiert so in Schlagworten.
00:15:56: Das ist schon sehr organisch gemacht und man merkt auch dass es eben keine Schlagwort-Klauberei ist sondern dass sie sich da sehr genau überlegt was woher kommt.
00:16:07: Sie legt nicht nur begriffliche Überschneidungen frei sondern auch Motive im Werk die sie dann an das Aufwachsen koppelt.
00:16:15: Es gibt diesen sehr berühmten Satz, den sie mal anlässlich einer Preisverleihung gesagt hat.
00:16:20: Auch im Film übrigens eingeschnitten Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
00:16:24: Ein ganz berühmter Ausspruch von Ingeborg Bachmann und sie nutzt ihn auch um die Erziehungen des Vaters zu erzählen, die enorm mit den Werten Ehrlichkeit- und Wahrheitsliebe verbunden war.
00:16:35: also Wahrheit war einfach ein zentraler Begriff in Bachmanns Werk Und so kommt man halt auf sehr organische Weise Verzahnung hinein und es fließt so ineinander.
00:16:46: Kommen wir mal zu den ersten Teilen dieser Biografie, um auch ein bisschen einen Gefühl für den Text zu bekommen, für die Informationen des Textes und eben auch ein Gefühl für Bachmann zu bekommen.
00:16:56: Ingeborg-Bachmann wächst in eine klassische Familie hinein.
00:16:59: der Vater arbeitet und bestimmt die Mutter verwaltet Geld und Haushalt also klassisch im Sinne von klassisches Rollenbild das hier ausgespielt wird.
00:17:08: Die Mutter führt den Haushalt effektiv und sparsam bis hin auch ein bisschen zur Knausrichtkeit.
00:17:17: Zu den Kindern sind die Eltern sehr liebevoll, sie ist der ganze Stolz der Familie und hat eine zwei Jahre jüngere Schwester.
00:17:24: Und dann gibt es noch einen Nachzügler, den Bruder, der wirklich wesentlich später geboren wird.
00:17:28: Die Kinder werden umfassend gebildet.
00:17:30: Es gibt Bildung im Bereich Natur- und Umwelt-, Kunst-, Kultur-, Musik-, Sport.
00:17:35: Der Vater hat einen riesigen Ehrgeiz, er ist selbst Lehrer Es ist lustigerweise aber in manchen Dingen dann ganz unbeteiligt.
00:17:43: Ich habe dir mal ein Zitat mitgebracht, hier schreibt Andrea Stoll folgendes In vielerlei Hinsicht könnte man unsere Erziehung vorbildlich nennen stellt Bachmann in ihrem unveröffentlichten Versuch einer Autobiografie fest Der Mangel an Luxus aber nicht an Freude.
00:18:07: nie ein ordinäres Wort, fast keine Spielsachen.
00:18:10: Keine Verwöhnung!
00:18:11: Keine Hilfe in Schuldingen, keine Beachtung der
00:18:14: Noten.".
00:18:16: Das fand ich erstaunlich weil es ist ein Lehrervater mit einem großen Ehrgeiz und hier zeigt sich schon mal einen großer Wert der Bachmann mitgegeben wurde nämlich die Eigenverantwortung.
00:18:31: also Ehrlichkeitssparsamkeit, Sauberkeit sind so die Grundwerte der Familie.
00:18:35: Es geht auch nicht unbedingt um Exzellenz, sondern es geht um etwas tieferes sich selbst zu verwirklichen und Ingeborgs Noten waren deshalb in Anführungszeichen nur gut bis durchschnittlich.
00:18:46: Vater und Tochter haben eine sehr, sehr enge Bindung.
00:18:48: Der Vater fördert, fragt, macht neugierig auf die Welt und wird die engste Bezugsperson sein?
00:18:54: Und als Ingeborg Bachmann elf Jahre alt ist, marschieren die Nazis ein.
00:18:59: Darüber wird sie später folgendes selbst sagen... Es hat einen bestimmten Moment gegeben, der hat meine Kindheit zertrümmert.
00:19:09: Der Einmarsch von Hitlers Truppen in Klagen fuhrt.
00:19:13: Es war etwas so Entsetzliches das mit diesem Tag meiner Erinnerung anfängt – durch einen zufrühen Schmerz wie ich Ihnen dieser Stärke vielleicht später überhaupt nie mehr hatte.
00:19:24: Natürlich habe ich das alles nicht verstanden in dem Sinn, indem es ein Erwachsener verstehen würde aber diese ungeheure Brutalität die spürbar war dieses Brüllen singen und marschieren.
00:19:35: Das Aufkommen meiner ersten
00:19:37: Todesangst.".
00:19:39: Warum sprechen wir so dezidiert darüber?
00:19:42: Es wird einfach das sein, was Bachmann Zeit ihres Lebens verarbeiten wird in ihren Texten unter anderem.
00:19:49: Der Vater wird eingezogen erst von neununddreißig bis fünfundvierzig Einfach selbst Teil dieses Kriegsgetöses Und vor allem ist er seit zweiunddreißig schon Mitglied der NSDAP.
00:20:03: Das wird auch extrem wichtig für Ingeborg Bachmann, weil es zu diesem Vater die Beziehung vergiftet.
00:20:11: Diese enge Beziehungen zerstört und sich dieses Dilemma nie wird lösen
00:20:15: lassen.".
00:20:16: Die Mutter ist jetzt plötzlich zur Selbstständigkeit gezwungen.
00:20:18: sie erwartet noch ein Kind den Bruder von dem ich schon gesprochen habe Und trifft alle Entscheidungen selbst das alleine mit ihren drei Kindern und leistet Großes die durch den Krieg zu bringen.
00:20:29: Ingeborg Bachmann vergöttert ihren kleinen Bruder, wird quasi zu einer Art zweiten Mutter was wiederum zu Spannungen zwischen ihr und der eigenen Mutter führt.
00:20:39: Auch hier ein Lebens- und Literaturthema.
00:20:42: es ist so ein bisschen als reicht kein Kind je an dieses erste diesen Bruder heran.
00:20:46: die werden zeitlebens eine sehr enge Bindung haben Und Bachmann wird kinderlos bleiben.
00:20:51: und um die Fragen nach dem eigenen Kind einem das nie gelebt hat quasi werden sich auch die Texte zum Teil drehen.
00:20:58: In dieser Zeit entsteht auch eben dieser große Grundkonflikt in Bachmanns Leben.
00:21:02: Der geliebte, vergötterte Vater ist Teil der Nazis die Ingeborg-Bachmannskindheit zerstören und mit diesem Konflikt muss sie leben.
00:21:10: Ihre Lebensrealität ist ja eine im Grenzland.
00:21:13: Sie lebt in Kärnten im Dreiländereck wo mehrere Volksgruppen, mehrere Sprachen existieren.
00:21:18: Wir befinden uns hier zwischen Italien, Slowenien und Österreich.
00:21:22: Wir bringen es auch an der Ecke aus der Hand gekommen?
00:21:25: Ja
00:21:25: richtig!
00:21:28: schreibt aus dem Krieg an die Familie und dreht ihnen in seinem Heimattal Zuflucht zu suchen.
00:21:33: Das Geil-Tal, das da eben auch direkt liegt grenzend in mehrere Länder.
00:21:38: Und das machen sie dann auch nach schweren Luftangriff auf Klagenfurt Anfang nineteen vierzig.
00:21:43: aber Ingeborg Bachmann bleibt, um ihren Abschluss nicht zu gefährden.
00:21:47: Allein zurück!
00:21:48: Und ich finde dieses Bild muss man sich mal vor Augen führen.
00:21:50: Ingeborg Bachmann gerade so siebzehnt später achtzehn Jahre alt lebt allein in dem zerstörten Elternhaus.
00:21:56: Mutter und Geschwister geflohen.
00:21:58: der Vater im Krieg Der Vater, der eben sinnbildlich für diesen Krieg mit verantwortlich ist und ihn mitträgt und das Leben der Familie damit vollkommen zerbrochen hat.
00:22:09: Monate lang hart sie aus.
00:22:10: täglich ist ihr Leben bedroht Und im Februar vierzig macht sie dann trotzdem die Matura.
00:22:17: Aber die Hoffnung auf ein Studium gibt sich erst mal auf, das hat ihr der Krieg genommen und sie beginnt eine Ausbildung als Lehrerin um nicht zum Reichs-Arbeitsdienst eingezogen zu werden.
00:22:27: Sie lebt noch einen Winter allein im Elternhaus Das längst keine Scheiben mehr hat aufgrund der Bomben Vor allem Rilkes Stundenbuch, sehr viel gelesen.
00:22:40: In ihrem Kriegstagebuch schreibt sie wie sich sie weigert den Bunker aufzusuchen weil sie kann nicht mehr fliehen und in diesen Bergstollen gehen wo alle da hoffen dass sie nicht getroffen werden sondern sie setzt sich lesend in die Frühlingssonne in den Garten.
00:22:57: und dann folgt der nächste große Bombenangriff.
00:23:00: Die Nachbarsfamilie wird ausgelöscht Und sie ist die einzige die in dieser Straße noch lebt.
00:23:07: Ich finde wirklich, wie Gott verlassen kann ein Mensch sein.
00:23:13: Ich glaube wenn man sich das nicht bewusst macht dann kann man diese tiefe innere Sprachlosigkeit an der sich Bachmann immer abgearbeitet hat gar nicht greifen.
00:23:25: In diesen Momenten wird das Denken lesen und schreiben lebensrettend Und das schreibt Andrea Stoll darüber.
00:23:32: in ihrer Biografie offenbart sich die literarische wie biografische Ur-Szene der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann.
00:23:49: Hoffnungslos allein und getrennt von allen, ihr nahestehenden und vertrauten Menschen entdeckt sie die ganze Macht des Lesenden und schreibenden Ichs.
00:23:59: Aus der völligen Ohnmacht heraus suchte und fand sie ihren Halt in der poetischen Sprache.
00:24:04: Von diesem Märztag, nineteenhundertfünfundvierzig an wusste Bachmann dass sie sich beim Reden und beim Schreiben nur auf eines verlassen konnte auf sich selbst.
00:24:16: Ja, und dann flieht sie auch.
00:24:20: Einerseits muss sie aus dem Schweigen nach dieser Zerstörung eine eigene Sprache entwickeln andererseits gleitet sie im Laufe der Jahre zurück in dieses Schweigen.
00:24:27: Der Konflikt der Vater als Nazi wird sich nicht auflösen lassen Und das erklärt auch warum die Form des Romans ihr so oft misslang.
00:24:37: an der hat sie sich sehr stark abgearbeitet und erst mit Malina konnte sie eine Sprache finden.
00:24:44: Du wirst uns darüber gleich einiges erzählen.
00:24:47: Da helft sie sich ja nicht mit der klassischen Romanform, sondern mit Kompositionstechniken aus der Musik um eine Struktur zu finden.
00:24:54: Dazu dann mehr in der Folge nächste Woche!
00:24:58: Ja im Sommer, forty-fünf also kommt der Frieden.
00:25:01: sie vereint sich mit ihrer Familie.
00:25:03: Der Vater ist gebrochen und von Schuld geplagt die Kinder und seine Frau zerrissen zwischen ihm dem Nazi der ihr Leben zerstört hat und dem geliebten Vater der er immer noch isst.
00:25:14: Und sie verlieren das Familienhaus, natürlich aufgrund dieser Vorgeschichte.
00:25:18: Dann freundet sich Ingeborg Bachmann mit dem Juden Jack Hamish an der als Kind noch mit vielen anderen Wienern nach England geschickt wurde und so den Hologhaust überlebt hat während seine Eltern und andere Familienmitglieder alle getötet worden
00:25:29: sind.".
00:25:30: Er wurde ganz herzlich in die Familie Bachmann aufgenommen, mit ihm hat Bachmann über Literatur gesprochen und endlich hatte sie ein Gegenüber für ihre Gedanken.
00:25:38: Sie waren eben verbunden durch diese Einsamkeit eher als exzellant und weise und sie als eine, die sich immer schon fremd gefühlt hatte Aber jetzt wartete eben wieder erwarten das Leben auf sie.
00:25:50: Sie wollte studieren, schreiben es nach Innsbruck dann nach Graz und später nach Wien gegangen um Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte zu studieren.
00:25:58: Hamaschen geht nach Palästina und zerbricht an seiner Einsamkeit.
00:26:02: Und es zeigt diese Episode auch so schlimm ist was viele im Krieg erlebt haben.
00:26:06: aber von den Nazis verfolgt.
00:26:08: der Familie unter Heimat beraubt worden zu sein ist einfach derartig grausam dass es für viele Zeitlebens keinen Ausweg daraus gegeben hat.
00:26:18: Ingeborg ist also auch wieder allein.
00:26:20: Das Erlebte lässt sich nicht abschütteln, es hat tiefe Spuren hinterlassen und sie spürt eben diese Last, diese Verantwortung mit den Nationalsozialismus auseinanderzusetzen – auch sprachlich da sie die Sprache der Täter spricht!
00:26:33: Und vielleicht noch eine kleine Stelle aus der Biografie, die sehr schön zeigt was sie antreibt... Zu den enormen Bedrängnissen dieser Studienzeit, in der die Studierenden in den unbeheizten Räumen mit unter noch in Wehrmachtsmenteln herum liefen, müssen wir uns bei Bachmann nach ihren Erfahrungen mit Jack Hamish eine erhöhte Sensibilität bei den stattfindenden Begegnungen dazudenken.
00:26:58: Wer sprach mit wem?
00:26:59: Mit welchen Worten?
00:27:01: gab es Täterworte, Gabesopferworte und wie war das eine von dem anderen zu
00:27:06: unterscheiden?".
00:27:07: Wie mag Bachmann wohl reagiert haben, wenn ein Professor in einem ihrer Studienfächer inscheinbar unverfänglich im Zusammenhang einen Vokabular wie Ausmerzen benutzte?
00:27:17: Mit Sicherheit gab es Studenten und Professoren die darüber nicht nachdachten.
00:27:21: Die weitermachten – für die es nur ein Ziel gab!
00:27:24: Die schnellstmögliche Rückkehr zu einer Normalität, die ohne ein kollektives Verdrängen des Geschenens nicht so haben
00:27:31: war.".
00:27:32: Die junge Ingeborg Bachmann aber überhörte diese korumpierten Worte nicht.
00:27:37: Ich finde das für uns auch eine schöne Stelle, die zeigt dass es keine neu modische Erscheinung ist, dass wir uns über die Wirkmacht von Sprache... Dass wir uns darüber Gedanken machen, dass es sowas wie Sensitivity-Readings gibt.
00:27:51: Das wird ja immer so belächelt Aber das ist ja nichts was es heute erst gibt oder worüber wir uns heute erst Gedanken machen sollten, sondern auch da hat das schon für diejenigen, die sich dieser Verantwortung gestellt haben eine große Rolle gespielt.
00:28:06: Wir lernen Sie übrigens dann im Folgenden in Ihren Beziehungen kennen zu ihren Freundinnen wie zum Beispiel Ilze Eichinger, zu jenen, die sie geliebt hat also vor allem zu Celan und Frisch und auch zu ihrer Familie.
00:28:17: Es steckt eine große Kennerinenschaft und Detail fokussiert halt in diesem Buch die einen nur beeindrucken kann.
00:28:23: Und ich war sehr glücklich über Stoll Ingeborg Bachmann noch mal systematisch kennenzulernen und vor allem so umfassend kontextualisiert, sie schafft es also die Zeit fühlbar zu machen.
00:28:33: das Nachkriegs-Wien beispielsweise, die Zustände sind greifbar und so beschrieben dass das Leiden wirklich von einem Besitz ergreift.
00:28:40: auch die Auseinandersetzung im Wiener Literaturbetrieb zur derzeit verschaffen einen Blick hinter diese Türen.
00:28:46: Also wir lernen auch Ilse Eichinger, die hat sich schon genannt.
00:28:49: Mai Röcker kennen und Stol findet einen klaren Ton wenn es um die Dynamiken geht, die uns heute nur allzu bekannt sind.
00:28:57: Das Buch halt also auch.
00:28:59: leider muss man sagen etwas sehr aktuelles ist.
00:29:05: kleiner Kontext noch zu dieser Stelle ist vielleicht, dass Ingeborg Bachmann den Hans Weigl kennenlernt mit ihm eine Beziehung hat.
00:29:16: Es ist eine Beziehung die wir heute anders sehen müssen als es damals eingeschätzt wurde.
00:29:23: Was den Wiener Literaturförderer Hans Weygel betrifft sollte aus heutiger Sicht jede verklärende Schmäh und jeder Augenzwing kann der Gestus aus den literarischen Geschichtsbüchern gestrichen werden.
00:29:33: was er mit Bachmann Betrieb war Machtmissbrauch in emotionaler und künstlerischer Hinsicht.
00:29:39: Nach den großen Mitu-Skandalen der letzten Jahre wissen wir, dass jemand durchaus ein großer Literat, ein großer Musiker oder ein großer Filmproduzent sein und sich Frauen gegenüber trotzdem sexuell ausbeuterisch und manipulativ verhalten kann – auch Weigel war beides!
00:29:56: Er hat viele junge Schriftstellerinnen gefördert und sich bei letzteren doch immer wieder das geholt was ihm aus seinem männlichkeitsverständnis ganz einfach Zustand.
00:30:06: Und auch das lese ich vor, weil auch diese Dynamik das Werk von Bachmann ganz entscheidend prägen wird.
00:30:15: Also eine große Leseempfehlung zumal wir eben auch viel von Bachman selbst zu lesen bekommen.
00:30:19: aber wir wollen uns heute noch zwei weitere Texte anschauen nämlich Bachmanns Hörstock der gute Gott von Manhattan und eben Fleur Yeggy's Erinnerung an eine gemeinsame Reise mit Bachmann.
00:30:29: Fleure Yeggie kommt in der Bachmann Biografie auch vor Allerdings eher als Nebenfigur, sie wird ein paar Mal genannt.
00:30:36: Und stolz fast.
00:30:37: Bachmanns Art Freundschaften zu führen generell ganz aussagekräftig zusammen.
00:30:42: das habe ich dir noch mal mitgebracht.
00:30:49: Ingeborg-Bachmann war nämlich nicht nur einsam sondern Sie war auch ganz anders.
00:30:55: Überabendliche Verabredungen mit literarischen Freunden hinaus zeigte sie einen ausgeprägtes Fable für Dinnerparties und elegante Empfänge Intellektuelle Diplomaten und Geschäftsleute, römischer Adel.
00:31:07: Bachmanns Freundeskreise bestanden aus durchaus unterschiedlichen Zirkeln, die sie unbedingt auch getrennt halten wollte – was ihr mit unterliebevollen Spott bescherte.
00:31:17: Sektionschefin nannte sie, die mit ihr eng befreundete Journalistin Toni Kienlechner und Hänze kommentierte scharfzünglich wie immer das Frau Bachmann auch unter Freunden auf eine strenge Trennung
00:31:29: achtete.".
00:31:30: Sie hielt nichts von
00:31:31: Gruppenbildung.".
00:31:32: Deswegen glauben heute auch viele, die sie gekannt zu haben.
00:31:38: Die einzigen zu sein, die in Sachen Bachmann wirklich zuständig sind und das fand ich eine ganz spannende Beschreibung.
00:31:46: gerade jemand der so einen enormen Mythos erzeugt wie Bachmann im Nachgang sieht sich natürlich konfrontiert dass Leute sagen Ich war es Ich war diejenige, die sie wirklich gekannt hat.
00:32:01: und deswegen wollte ich dich fragen.
00:32:02: Wie beschreibt Fleur Yeggy ihre Beziehung zu Bachmann?
00:32:07: Denn eins muss man ganz klar sagen nach ihrem Brandunfall der zu ihrem Tod führen sollte, war Yeggie in Rom.
00:32:14: Genau also wir gehen in die sechziger Jahre.
00:32:17: Ingeburg-Bachmann ist in ihren vierzigern schreibt an Marlene am rom das es auch sozusagen der Teil, den diese Bachmann-Dokumentation uns so schön zeigt und denen da Sandra Hüller auch noch mal ein bisschen nachzuspielen versucht.
00:32:30: Deswegen – und das ist auch sehr tollmacht!
00:32:32: Deswegen haben wir sozusagen da, wenn wir in dieser Dokumentation gucken, ein sehr schönes Bild dazu gleich.
00:32:38: Und wir sind kurz auf Jägels Seite, es sind Mitte der Sechziger Jahre.
00:32:42: wie gesagt sie ist eine Schweizer Schriftstellerin die Kann man sagen, in den letzten Jahren wieder so ein bisschen hierzulande entdeckt wird mehr.
00:32:49: Also sie lebt noch und hat einfach viel geschrieben und schreibt so einen sehr klaren präzisen Stil der wenige Seiten braucht.
00:32:58: Aber zu dieser Zeit arbeitete sie als Journalistin und als Fotomotell für die Grazia in Rom.
00:33:06: Ist das diese Magazine, dass es hier auch gibt?
00:33:09: Ja ganz genau.
00:33:11: Das gab's damals auch schon und zufällig lernen sich die beiden Frauen kennen.
00:33:14: du hattest jetzt gerade diese ganzen Empfänger und so erwähnt.
00:33:17: also Bachmann geht schon raus, sie sitzt nicht nur in ihrem Haus.
00:33:20: das heißt man kann sich gut vorstellen wie die sich bei einem dieser Empfänge irgendwie mal begegnen und freunden sich an.
00:33:27: Jetzt zum Bachmann Jubiläum hat Jäge eben einen schmalen Band veröffentlicht, der diese Erinnerung die sie an dieser spezielle Zeit hat.
00:33:34: Wie gesagt, sie lernt Bachmann in den letzten Jahren von Bachmanns Leben kennen.
00:33:38: das ist ja dann nicht mehr lang.
00:33:40: aber die sie hat sozusagen... Das sind ihre Erinnerungen daran und sie teilt es!
00:33:45: Und zwar hat sie glaube ich auch schon früher und das ist jetzt in diesem Band mit aufgenommen worden eine Erzählung geschrieben wie heißt das Salzwasserhaus?
00:33:54: Mischung aus Erzählungen, literarischen Erinnerungsstück.
00:33:58: Es geht um eine einmonatige Reise von Jegi und Bachmann die gemeinsam mit dem Hauspersonal dann in einem Haus auf dem italienischen Land wohnen.
00:34:07: und letztlich ist es so ein bisschen wie man sich so ein Klischehbild von so einem Schriftsteller innen auf und halt irgendwie im Haus auf dem Land in Italien vorstellt.
00:34:17: Also die schreiben jede für sich, dann am Nachmittag treffen sie sich um miteinander zu reden auch über ihre Gedanken auszutauschen und am Abend manchmal auch bis in die Nacht.
00:34:29: aber dann gibt es eben auch Abende oder Besuche von anderen Intellektuellen, die da auch ihre Willen haben.
00:34:33: Ja man muss das nämlich sagen In Italien zu dieser Zeit haben irgendwie super viele deutsche Verleger auch so italienische Willen.
00:34:39: Das war einfach ein Ding.
00:34:40: ne Du bist da nicht weggegangen irgendwo hin wo dich niemand mehr erreicht hat sondern du warst eigentlich dort, wo dann alle ihre Sommerfrischen gemacht
00:34:46: haben?
00:34:46: Ja sagen wir mal so.
00:34:47: Die Italien sehen sich der Deutschen.
00:34:49: die hat durchaus auch die Verleger ergriffen und der Verlegarer von Esfischer ist da.
00:34:54: Uwe Jonsson kommt hat irgendwie sein neues Buch zu dem Zeitpunkt gerade beendet und kommt um sozusagen jetzt meine Pause zu nehmen.
00:35:03: Italo Calvino kommt rein und Jege beschreibt ganz schön wie sie denn so stehen Und sie sich vorgenommen haben, Sie werden jetzt nicht sagen wenn der jetzt so schweigt und dann so irgendwie so wartet dass die das Wort ergreifen in seiner Gegenwart.
00:35:17: Dann werden sie auch nichts sagen und dann stehen die da halt alle und schweigen sich an auf eine random Art.
00:35:21: also das ist irgendwie so ganz schön beschrieben.
00:35:26: Das ist so dieser Moment quasi... wie so eine schöne Erinnerungsmoment, den sie an Bachmann hat und der in dieser Erzählung soll halt diese Geist dieser Freundschaft eingefangen.
00:35:39: werden.
00:35:40: Und ich glaube, vieles von dem was du gesagt hast, das nämlich die Freunde oder was in diesem Zitat sozusagen vorkam aus der Biografie, dass nämlich die Freunden und Freundinnen sich so besonders gefühlt haben mit Bachmanns Gegenwart – das gilt für Jäger auch extrem!
00:35:55: Ich glaube da gab es schon einen gewissen Altersunterschied, der dazu führte, dass er noch am Anfang stand und Bachmann schon sehr bewundern konnte.
00:36:04: Bachmann hatte zu der Zeit ja schon einige wichtige Preise gewonnen.
00:36:06: Sie hat da den Büchnerpreis bekommen... Sie
00:36:08: war auch dann schon über fünfzig, oder?
00:36:10: Wer?
00:36:11: ...Bachmann?
00:36:11: Nee sie ist ja nie über fünfzig geworden.
00:36:13: Doch zweiundfünfzig
00:36:14: ist sie doch geworden!
00:36:14: Oder siebenundvierzig.
00:36:16: Siebenund vierzig!
00:36:17: Aber war sie dann schon die Reisewachen kurz
00:36:19: vorher?
00:36:19: ne?
00:36:19: Ja genau.
00:36:20: Sie waren ihren vierzigern und sehr etabliert.
00:36:22: Und das kann man sich vorstellen dass das sozusagen auch so eine Mentorenfigur dann irgendwie auch war.
00:36:28: neben dieser Freundschaft Im zweiten Teil geht es um die Umstände von Bachmannstod.
00:36:32: Und wir haben uns jetzt mit der Biografie beschäftigt und es gibt viele berühmte Dinge in Bachmanns Biographie, aber sozusagen ein Teil der den Mythos Bachmann extrem mit geprägt hat ist ihr Tod.
00:36:48: Bachmann ist gestorben weil sie war an ihrer Wohnung, hat eine Zigarette geraucht und irgendwie hat sich dabei so krass verbrannt.
00:36:56: man weiß es sozusagen am Ende nicht ganz genau was da jetzt genau passiert.
00:37:00: Es gibt auch wohl noch eine Frau, die da irgendwie in der Nähe war, die dann aber verschwunden ist.
00:37:04: in den nächsten Tagen... Dann gibts die Hausmeisterin, die Bachmann dann halt angerufen hat und gesagt hat ihr ich habe mich so krass verbrannt.
00:37:11: Und es gibt so wie das so oft so ist auch beim Tod von Marilyn Monroe oder so.
00:37:16: Da passiert was Schlimmes und man weiß nicht so genau weil die Person halt irgendwie Es waren halt nicht fünf Leute dabei, die es sozusagen bezeugen können.
00:37:24: Und deswegen schießt sie sozusagen die Fantasie komplett los und frei... Alle suchen nach
00:37:28: Erklärungen!
00:37:28: ...und es gibt
00:37:29: alle mögliche Erklärung.
00:37:32: Aber Fakt ist so zu sagen Bachmann kommt mit schwersten Verbrennungen in Rom ins Krankenhaus Und lebt dann auch noch ein paar Tage in diesem Krankenhaus.
00:37:42: Ja, und ihre... Bevor
00:37:43: sie stirbt?
00:37:43: Genau!
00:37:44: Ihre Zustände verbessern sich ja auch erst in dieser Behandlung dieser Brandwunden.
00:37:47: Ich glaube, thirty-fünf Prozent ihres Körpers waren zweiten oder dritten Grades verbrannt aber dann verschlechtert sich ihr Zustand.
00:37:54: Ja ich glaub das Problem ist dass Sie halt schon echt krasse Brandwunde hat und was sozusagen Jäger hier als Vorwurf macht und was wohl auch mehrere Freunden als vorwurfs gemacht haben.
00:38:05: es gibt so'n paar Menschen um Bachmann rum, die das sehr geheim halten.
00:38:10: dass das passiert ist erst mal.
00:38:12: Also es darf irgendwie von den Freunden keiner wissen und so was.
00:38:15: Und dieses Krankenhaus ist aber nicht perfekt ausgestattet für die Behandlung von Menschen mit Brandwunden.
00:38:21: Den fehlen zum Beispiel bestimmten Arten von Verbänden und so.
00:38:24: Und später als es dann so langsam durchsigert, dann organisieren Freunde diese... diese Sobandmaterial und so, bringen das nach oben.
00:38:33: Und da sagt halt Yegi, hätten die das früher gesagt?
00:38:35: Hätten wir vielleicht schon viel mehr organisieren und machen können... ...und ihr haltet das sozusagen sogar heim- und lasst sie darin sterben in diesem Krankenhaus!
00:38:42: Und ihr ist quasi aus ihrer, man merkt hier.. Da is' so ne Wunde, die nicht verheilt bei ihr.
00:38:47: Also sie ist wirklich sauer und wirklich sozusagen verletzt von dieser, wie das damals abgelaufen ist.
00:38:54: Und dieser Gedanke hätten wir nichts tun können, hätten wir sie nicht retten können.
00:38:57: Ja,
00:38:57: super interessant weil der Biografie von Andreas Stoll, gibt es auch ein Geheimnis rund um den Tod von Ingeborg Bachmann.
00:39:05: Und der wiederum belastet eher die Freunde und nicht das Krankenhaus.
00:39:08: Denn folgendes ist ja eine Tatsache, Ingeburg Bachmann war medikamentenabhängig zum Zeitpunkt ihres Todes stark medikamente und alkoholabhängige.
00:39:18: Das haben wiederum die Freunde dem Krankenhaus nicht gesagt weil sie das geheim halten wollten bzw kam es erst sehr spät raus.
00:39:26: Es wurde über den Umfang des Ausmaß der Abhängigkeit gelogen und Andrea Stoll schreibt, dass eben Ingeborg Bachmann eigentlich nicht primär an den Brandwunden verstorben ist sondern an den Folgen des Entzugs der da unbegleitet stattgefunden hat.
00:39:40: An dem Entzug von Schlafmitteln die sie missbraucht hat.
00:39:44: Das ist wirklich sehr interessant und ich glaube Das zeigt uns auch so ein bisschen vielleicht, sozusagen von Ingeburg macht man selber auch befeuert und das passt ja auch ein bisschen dazu.
00:39:54: Wir wollen jetzt nicht irgendwie in eine psychologische Analyse gehen aber es passt auch ein bißchen zum Verhalten von Menschen mit Suchtproblemen dass die ja auch sehr oft Freunde gegeneinander ausspielen oder sozusagen sehr gucken, dass alles so n bisschen getrennt bleibt.
00:40:08: wem erzähle ich was und wem präsentiere ich welches Bild von mir?
00:40:11: und dieses Manipulative dann sogar ein bisschen?
00:40:14: Aber jedenfalls das Endergebnis ist, keiner redet mit Keiben und am Ende führt das für Ingeborg Bachmann quasi zum schlechtmöglichsten Ergebnis.
00:40:24: Und ich hatte bei diesem Buch hier, bei diesem kurzen Text die letzten Tage von Ingeburg also es sind wirklich wenige Seiten, die ich ja vom Zug habe verlag noch mal zusammen.
00:40:35: Knapp über vierzig richtig?
00:40:36: Genau knapp über vierzig.
00:40:39: Hatte ich eben auch das Gefühl Hier passiert was, was eigentlich nicht unbedingt passieren sollte.
00:40:44: Nämlich eine Autorin rechnet nochmal ab mit Sachen die sie so sieht aber hat nicht genug Abstand um das Ganze auf ne schriftstellerische Art wie soll ich sagen fruchtbar zu machen.
00:40:59: weißt du?
00:40:59: Was ich mein?
00:41:00: so also es gibt doch dieses vielleicht kennst du das auch Sachen die einem so die ein widerfahren sind und die so heftig sind dass man schon das Gefühl hat Man würde mal gerne drüberschreiben weil man merkt eigentlich Es geht nicht.
00:41:11: Ich bin sozusagen so verstrickt da drin, ich habe so sehr meine Feindbilder und wer sozusagen Schuld ist und was weiß ich?
00:41:17: Weil ich einfach damit nicht klarkomme, was passiert ist...
00:41:19: Kann ich neugierig und offen daran gehen?
00:41:21: Und
00:41:21: ich kann sozusagen nicht das genau, ich kann diese Wahrheit nicht finden die man ja in Literatur sozusagen suchen sollte wenn ich über diesen Moment schreiben möchte.
00:41:30: und so wirkt das Ganze halt ein bisschen wie so.
00:41:33: also man spürt halt so jetzt eine ganz klare Sicht Wer jetzt da schuld ist und die anderen sind schuld.
00:41:38: Und ich, das war meine ... Sie inszeniert sich auch und vielleicht ist es dann aber wirklich diese tiefe Überzeugung wie du das erzählt hast dass diese Freundschaften sich so angefühlt haben Aber als wäre sie sozusagen die allerbeste Freundin gewesen und so diese absolute Nähe.
00:41:54: und wenn sie's dann so beschreibt habe Ich dann wieder so ein Gefühl Wie nah war sie denn wirklich dran?
00:41:58: sozusagen in welchem?
00:41:59: Da gab's ja mehrere Kreise quasi um Bachmann.
00:42:03: Also wo stand sie da ungefähr?
00:42:06: Und das erfährt man aber alles in diesem sehr kurzen Band eben nicht.
00:42:12: Ich bin so ein bisschen gestolpert über einen Zitat, dass sie ihr selbst bringt.
00:42:17: Sie schreibt nämlich, Indiskretion ist für Ingeborg etwas Unverzeihliches und ich dachte diese Art quasi noch mal über ihren Tod zu schreiben dann am Ende nochmal über ihre Leiche zu schreiben es halt auch eine krasse Indiskrektion extrem aufschrei über die Veröffentlichung des Briefwechsels von Frisch und Bachmann, genau unter diesem Punkt so von lasst diese Frau doch mal in Ruhe.
00:42:40: Die wollte nicht dass man diese privaten Sachen über sie weiß.
00:42:43: Das ist ein Problem wenn sowas dann veröffentlicht wird Und dann jetzt hier bei diesem Buch hatte ich aber eben ähnliches Gefühl.
00:42:50: also wenn man das sozusagen Auf der einen Seite kritisiert Dann finde ich könnte man zumindest auch hier eine Fragezeichen setzen und sich fragen muss Ich beschrieben bekommen wie diese Leiche da rausgetragen wird, wie die aussieht dass sie irgendwie entplöst ist und so weiter.
00:43:05: Ist das wirklich notwendig?
00:43:08: Dass sich das nochmal aus einer persönlichen Sicht beschrieben bekommen und dann sich auch noch mal sozusagen auch hier wieder Stichwort Selbstinszenierung beschrieben bekomme Wie Fleuriegi natürlich hin eilt und diese leiche verdeckt um ihr noch den letzten Rest würde zu geben.
00:43:20: also es ist schon eine krasse selbst Stilisierung die auf vierzig Seiten auch passiert Und wie gesagt wunderbare Schriftstellerin vom Stil her, vom Ton.
00:43:31: Es ist eine Frau die über ne Wunde schreibt, die wahrscheinlich einfach immer noch frisch ist obwohl sie jetzt schon wirklich älter geworden ist und viele Jahre gelebt hat.
00:43:40: aber diese Wunde dieser Moment sozusagen aus den sechzig Jahren ist immer noch da.
00:43:44: und gleichzeitig hätte ich aber habe ich trotzdem dieses Umbehagen bei dem Umgang und der Art wie hier über Ingeburg Bachmanns letzte Tage geschrieben wird.
00:43:54: Und wir wollten aber noch ins Werk einsteigen, wir haben gesagt Ingenburg-Bachmann sind auf jeden Fall zwei Folgen sozusagen und nicht eine.
00:44:03: Deswegen werden wir in der nächsten Folge das Todesartenprojekt vorstellen.
00:44:10: Aber Linne, wir wollen noch über Der Gute Gott von meinen Hätten reden ne?
00:44:13: Ja richtig!
00:44:13: Und gestern, nicht gestern vor ein paar Tagen in der Hitze verschwimmt.
00:44:19: alles so als wir bei dieser Premiere waren.
00:44:22: da kamen Im Nachgespräch, die hat jemand gesagt, dass sie der gute Gott von Manhattan als Schulstoff quasi hatten dieses Hörspiel.
00:44:30: Kannst du dich da... Also hattet ihr das auch in der Schule?
00:44:33: Nein
00:44:33: auf gar keinen Fall!
00:44:34: Da hätte ich mich dran erinnert.
00:44:35: Okay, ich auch nicht.
00:44:36: Ich glaube, er hat ein Ilse-Eichinger zum Beispiel.
00:44:38: Das heißt, sie gehen ja jetzt voll frisch ran sozusagen?
00:44:40: Ja,
00:44:40: Frisch ist auch ein gutes Schläge.
00:44:42: Oh Gott, grausige Überleitung!
00:44:44: Aber
00:44:45: ich weiß worauf du hinausnächst
00:44:46: erzählst.
00:44:46: Weil vielleicht ist es ja auch einen guten Anker um noch mal wieder ins Leben der Ingeborg Bachmann zu springen weil natürlich gibt's hier auch wieder Verknüpfungen zu ihrem eigenen Erleben.
00:44:57: Und so wie Max Frisch auch, zum Beispiel Montauk hat es in den USA spielen lassen und das für ihn ein wichtiger Ort war.
00:45:05: So ähnlich ist es ja jetzt hier mit der gute Gott von Manhattan.
00:45:08: Wir haben es hier mit einer Liebesgeschichte zu tun richtig?
00:45:11: Es gibt noch eine andere Parallel oder einen anderen Frischbezug zu diesem Stück.
00:45:17: Darauf werden wir kommen, aber ja genau.
00:45:18: Wir haben es mit einer Liebesgeschichte zu tun.
00:45:20: Es geht um ein Hörspiel das in der Doku sehen wir auch welchen Preises erhalten hat nämlich den Hörspielpreis der Kriegsblinden.
00:45:31: und da gibt's dann auch eine Rede von Bachmann die sehr schön ist und auch in der Dokumit gespielt wird.
00:45:36: Da sagt sie, die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
00:45:38: Das ist diese Rede?
00:45:39: Ja!
00:45:40: Und wir haben in diesem Hörsspiel zwei parallele Settings, wir haben einmal ne Gerichtszene Der Richter und der Angeklagte, sowas sehr Klassisches.
00:45:48: Und der An Geklagter hat als Spitznamen den Spitzname Guter Gott von Manhattan.
00:45:53: Ein
00:45:53: kurzer
00:45:55: griffiger Spitzname!
00:45:57: Und der Angel klagte hat eine Bombe gezündet und eine junge Frau ermordet.
00:46:00: Eigentlich wollte er einen Liebespaar ermorden aber der Mann war sozusagen nicht da und deswegen ist nur die Frau gestorben.
00:46:07: Die beiden Richter- und Angelklagten rollen diesen Fall auf.
00:46:11: Was war das Motiv?
00:46:12: Warum hat der Angeklagter das getan?
00:46:14: und es entspint sich so eine Art juristische, philosophische Diskussion.
00:46:22: Und dann springt das Hörspiel immer wieder in diese Momente wie die zwei Lieben sich kennenlernen, wie sie zusammenkommen und wie sich diese Beziehung entwickelt.
00:46:31: Das ist sozusagen der Paradeelstrang!
00:46:33: Wir haben Jennifer, die studiert politische Wissenschaften ist dreiundzwanzig.
00:46:37: Und wir haben Jan ein Europäer der wartet auf seine Passage für die Heimfahrt nach Europa wieder.
00:46:42: Der Waden hat es durch den USA gereist und ist jetzt in New York um wieder nach Hause zu fahren.
00:46:48: Die treffen sich um fünf Uhr Nachmittags an der Grand Central Station also einem Ort der quasi extremst auch durch Hollywood und so aufgeladen ist.
00:46:57: Ich glaube das sind so Sachen mit denen Bachmann da auch sehr bewusst spielt und dann gehen sie miteinander etwas essen Und es folgt eine Nacht in einem schäbigen Hotelzimmer, wo das Männer-Frauen-Verhältnis schon sehr und das ist bei Bachmann auch relativ typisch.
00:47:09: Also es geht sehr viel um Männer in ihren Texten aber die Männer sind oft auch ziemlich harsh sage ich mal.
00:47:16: also hier ist es so dass der Mann mehr oder weniger zu ihr sagt zu dir Jennifer Ähm, jetzt lass uns endlich miteinander Sex haben so.
00:47:25: Und geh mir nicht mal auf die Nerven mit dem ganzen Gerede und mit Liebe und so.
00:47:27: Dann sagt sie ich weiß nicht mehr ganz genau, ich will schon aber irgendwie ich weiß nichts.
00:47:30: liebst du mich richtig in die Richtung?
00:47:32: Und dann geht er da einfach voll drüber und sagt immer so jetzt los wir sind ja jetzt nicht ohne Grund hier noch essen gegangen und dann jetzt hierhin.
00:47:39: das ist das was man sozusagen macht.
00:47:41: also ne?
00:47:42: Ich frag mich warum sich einfach nix verändert seit diesem Hörspiel, seitdem es entstanden ist.
00:47:47: Es könnte auch jetzt... Könnte genau so gut jetzt irgendein Dut, der durch die USA reißt und den Frauen auf den Nerven geht.
00:47:53: Voll!
00:47:54: Und das was aber dann passiert?
00:47:56: hier gibt es eine gewisse Entspicklung.
00:47:57: am nächsten Morgen müssten sie sich ja eigentlich trennen quasi der Ablauf ist vollendet Aber dann hält er sie zurück und macht ihr Vorwürfe und sie ist ihm aber völlig verfallen.
00:48:10: Sohne und die beiden bleiben zusammen In den nächsten Tagen, also sie mieten sich dann wieder so ein kleines Zimmer und sind dann da halt und laufen durch New York.
00:48:19: Und die ganze Zeit schwebt aber dieser drohende Abschied über ihn weil er will ja wieder nach New York zurück und sie leidet halt extrem darunter das sie ihn verlieren wird So und sie ist immer verzweifelt dass sie sucht seine Nähe erst abweisend kalt weil er Mit seinen gefühlen für sie natürlich nicht zurechtkommt.
00:48:38: und das äußert sich dann natürlich in dem was man heute vielleicht frauen hast nennen könnte.
00:48:43: In der art wie er mit dir umgeht also dieses so extreme schimpfen.
00:48:48: genau jetzt kommt unser spoiler moment.
00:48:50: lin pass auf.
00:48:52: Also wer das jetzt hören möchte gerne hören dann wieder die folge zurückkommen.
00:48:57: Er überwindet nämlich irgendwann seine kälte und macht ihr dann Also wechselt ins andere extrem und macht ihr dann sehr heiße Versprechungen, klühende Liebeschwüre.
00:49:06: Und will unbedingt mit ihr zusammen sein und die Welt ausschließen!
00:49:09: Ich musste so ein bisschen an dieses Roland Barth mal in Fragment einer Sprache der Liebe geschrieben darüber dass die lieben denn irgendwie sowieso wie... aus der Gesellschaft austreten und wie in ihren eigenen Wahnsinn verfallen.
00:49:21: Und quasi nicht mehr gesellschaftsfähig sind.
00:49:24: auf eine Weise, und darauf lässt sozusagen dieser Mann sich mit dieser Frau ein und lässt sich aus seinem sehr kontrollierten, so must es laufen von seinen Gefühlen eben da reinziehen.
00:49:37: Weißt du, woran ich grad denken muss?
00:49:38: Erzählt's!
00:49:39: An das Bachmann Zitat Die Männer sind alle unheilbar krank.
00:49:43: Ja, ich glaube das.
00:49:45: diese Überzeugung der war sie da schon als sie dieses Stück auch geschrieben hat.
00:49:49: Ich lese mal so ein bisschen zwei drei Dialogzeilen vor einfach nur damit wir einen Gefühl vielleicht dafür kriegen.
00:49:55: Sie sagt macht dass wir uns nicht mehr bekämpfen eher weinst du.
00:49:59: wein doch dann sie glaubst du dass wir wahnsinnig sind?
00:50:03: er vielleicht sie verachtest Du mich er nur ein wenig zu viel dass mein staun nicht endet über dich.
00:50:10: aber ich bin auch erst starte über mich.
00:50:12: Wirst du heute fahren?
00:50:14: Er nein.
00:50:16: Also, er beschließt bei ihr zu bleiben sozusagen gar nicht nach Europa mehr zu gehen mit ihr zusammenzuleben und letztlich besiegelt aber damit ihr Todesurteil.
00:50:25: Diese Art des Dialogs, wie das jetzt so war, man merkt so stark die Lyricerinnen in Ingeborg-Bachmann.
00:50:30: Das sind nicht so die zero acht fünfzehn Vorabend-Serien-Dialoge, die wir hier haben zwischen den beiden Liedenden.
00:50:36: und sie macht sich es nicht leicht weil ich finde es wirklich erstaunlich dass sie einerseits in Interview so klare Worte findet also die Männer, die sind alle unheilbar krank Aber gleichzeitig sind Ihre Texte so nicht, sondern hier haben wir jetzt einen Dialog der zeigt was toxische Beziehung auch ausmacht.
00:50:51: So würden wir das ja heute sagen dass die toxische beziehung nur funktioniert wenn zwei also wenn zwei mitmachen und dass diese dass dieses Gift beide Menschen vergiftet und nicht nur eine Person.
00:51:04: genau Wir bekommen zum Ende der Geschichte, das führt dann nämlich beide Geschichten beides Settings zusammen.
00:51:10: Jetzt taucht nämlich der Angeklagte im Setting des Paares auf.
00:51:15: Jan ist in eine Bar gegangen, ist für eine halbe Stunde rückfällig, so wird das genannt geworden.
00:51:19: Indem er nämlich in dieser Bar sitzt und sich doch wieder für die Welt interessiert.
00:51:23: Und eigentlich haben sie ja sozusagen daran gearbeitet, die Welt auszuschließen... Lass uns!
00:51:26: ...und er kann aber nicht ganz davon lassen.
00:51:29: und jetzt guckt er sich die Nachrichten an in der Bar.
00:51:32: Das ist aber genau dieser Moment, in dem der Angeklagte jetzt Jennifer das Paket mit der Bombe gibt und sie stirbt deswegen.
00:51:40: Der Schluss ist, Jennifer ist tot, sie wird nicht bekraben.
00:51:44: Jan war eigentlich bereit, alles für sie zu eropfern.
00:51:46: Aber am Ende gibt der sich da nicht mal mehr die Mühe quasi, sie zu bekraben und sich darum zu kümmern sondern er geht dann so schnell wie es geht einfach nach Europa weil quasi Traum zerplatzt.
00:51:55: jetzt ist irgendwie schwierig.
00:51:56: okay das hat in
00:51:57: diesem Zusammenhang auch wirklich eine unangenehme Doppelbedeutung.
00:52:00: Das stimmt Und lass uns mal auf das Motiv des guten Gottes von Manhattan zurückkommen, weil das ist die andere große Frage, die neben dieser Liebesgeschichte eine Rolle spielt.
00:52:10: Der gute Gott von Manhattan glaubt dass die intensive Liebe quasi die gesellschaftliche Ordnung stört.
00:52:15: Dass es nicht nur so ist, dass liebende sich aus der Ordnung zurückziehen sondern dass die Ordnung ins Chaos gerät in dem Moment wo Menschen so intensiv lieben und dann anfangen könnten quasi die gesamte gesellschaftlich Ordnung infrage zu stellen mit... Also macht das alles überhaupt Sinn, wie wir hier leben.
00:52:32: Und das sagt der gute Gott von meinen Hätten darf nicht passieren!
00:52:36: Ich habe dazu folgende Stellen noch mitgebracht.
00:52:39: Er sagt einmal ich glaube dass die Liebe auf der Nachtseite der Welt ist ein anderes.
00:52:43: Ich glaube daß die Liebe unschuldig ist und zum Untergang führt und dann... ...ich glaube dass liebenden zurecht in die Luft fliegen und immer in die luft geflogen sind.
00:52:54: wie so ein Recher, der rumläuft und immer wenn Paare sich zu sehr verlieben dann springt er sie in die Luft.
00:53:02: Und...der Punkt daran ist so'n bisschen.
00:53:05: Es kommt dann irgendwann auch das Argument von dem Richter, ja aber was ist denn?
00:53:08: es gibt doch viele glückliche Paare.
00:53:09: Was hast du denn sozusagen?
00:53:11: Die Liebe verdirbt doch nicht alles!
00:53:13: Es gibt doch Paare die wunderbar zusammenleben und die gesellschaftliche Ordnung nicht stören Und da sagt halt an dieser gute Gott von man hätten.
00:53:21: Ja, aber das is'n nicht die echte Liebe, die haben sich quasi arrangiert, sie finden einen pragmatischen Umgang, die kriegen nen Kind, die führen ne Ehe, die teilen so zu sagen Das was Du vorhin auch gesagt hast Du diese klassische Aufgabenverteilung wie Ingeborg Bachmann selber hat.
00:53:34: Das heißt, man könnte das auch fast wie so einen kleinen Kommentar nochmal auf die Beziehung ihrer Eltern lesen vielleicht.
00:53:39: Das ist sozusagen nicht die Liebe, die der gute Gott von Manhattan zerstören will und zur bitteren Pointe dieses Stückes gehört, das deutet sich vielleicht auch schon in der Namensgebung an dass der Richter dem guten Gott von Manhattan am Ende ziehen lässt.
00:53:54: und es gibt sozusagen eine sehr klare Lesart vor nämlich absolute Liebe und Gesellschaft gehen einfach nicht zusammen.
00:54:02: Das ist sehr interessant, weil man über diesen Text wahnsinnig viel sprechen kann.
00:54:06: Er eignet sich also auch wirklich gut ihn in der Schule zu behandeln.
00:54:08: Denn war es nicht Hegel, der die Familie überhaupt erst mal zur kleinsten Einheit des Staates gemacht hat?
00:54:14: Also vielleicht war's auch Nicht-Hegel aber mein Studium der Philosophie ist lange her... Es gibt quasi auch diese andere Seite, dass die Liebesbeziehung – deswegen wird ja Familie auch so subventioniert, sage ich jetzt mal.
00:54:26: Auch wenn es vielen Familien finanziell schlecht geht und gleichzeitig finde ich auch so interessant das der gute Gott von Manhattan.
00:54:35: Der Überzeugung ist, dass sich hier in dieser Form der Beziehung, die er vereiteln will tatsächlich um Liebe handelt weil das würden wir heute wahrscheinlich anders beschreiben sondern dass es sich hier um Zerstörung handelt, um Macht und eben nicht um die eigentliche Form der Liebe.
00:54:52: Und gerade deshalb ist dieser Text auch so wahnsinnig spannend.
00:54:56: für heute noch... Ich bin einfach sehr beeindruckt!
00:54:59: Ich frage mich sowieso wie man kein kompletter Bachmann Fanatiker sein kann, wobei Fanatika und diesen Zusammenhang ein unglückliches Wort ist.
00:55:07: aber ich finde das wirklich Wahnsinn was sie... Sie hat ja auch Philosophie studiert zusammenbringt und dabei nie irgendwie nur inhaltlich arbeitet, sondern eben immer auch formal ganz viel mit der Sprache macht.
00:55:19: Wenn wir bei der Sprach sind könnten wir vielleicht mal darauf verweisen dass sie schon was ihre Sprache immer so ja also was da immer mitschwingt ist ein sehr großer Pathos oft bei ihr der stellenweise dann so eingesetzt wird der glaube ich manchen Leuten beim lesen auch manche Leute beim Lesen auch nervt oder nerven kann Und zwar zum Beispiel hier in dieser Liebesgeschichte, also es ist wirklich extremst bis zum Anschlag aufgeladen sozusagen.
00:55:49: Ich würde aber sagen das will ich jetzt gar nicht dagegen ins Feld bringen sondern nur mal erwähnen weil's einfach auffällt.
00:55:54: Weil die Liebe hier mit so einer großen Geste beschrieben wird wie wir das oft in Texten gerade in modernen Texten nicht mehr haben wo dann gesagt wurde es ist einfach zu viel.
00:56:03: Keine Beziehungsperson.
00:56:05: Genau Aber es gibt hier... Vom Hören her ist es wirklich ein absolut tolles Hörspiel.
00:56:12: Es waren damals coole Schauspieler, die das irgendwie gelesen haben.
00:56:18: Ganz ganz tolle Stimmen, klare schnelle Szenen und Settings.
00:56:21: Du findest dich extrem schnell zurecht und beeindruckende sprachliche Bilder was natürlich für so einen Hörspiel immer extrem wichtig ist dass die Bilder die die Autoren findet Einfach sofort in deinem Kopf was ausmachen und deswegen ist man sofort in diesem ganzen Szenerien drin.
00:56:34: Auch die Nebenfiguren sind total schön eingefangen, diese Stadt-Szenerie New York.
00:56:40: Sie begegnen dann so verschiedenen Menschen auf ihrem Weg, die beiden Liebenden zum Beispiel einem Schauspieler einer Barsagerin usw.
00:56:47: Zwei Fun Facts habe ich noch für dich bevor wir sozusagen Ingeborg Bachmann für heute abschließen und dann nächste Woche wieder dazu kommen.
00:56:54: Eichhörnchen spielen eine riesige Rolle in diesem Stück.
00:56:56: Die haben auch eigene Stimmen die total niedlich gemacht sind.
00:57:01: Also die reden quasi so, ne?
00:57:03: Es gibt Schauspielerinnen oder Schauspielen, die das dann so ... Die Eichhörnchensprache reden und die Eichhöhnchen sind quasi die Boten des guten Gottes von Manhattan weil sonst wüsste der ja gar nicht, wer sich da wie schlimm verliebt!
00:57:15: Und die EICHHÖNCHEN sind überall in der Stadt und deswegen laufen sie halt immer überall rum und gucken ob es hier kritisch ist Und dann geben die dem immer so Updates und kommen da nochmal an gelaufen.
00:57:26: Das macht sie aber auch extrem gut, das ist sowas komplett Überraschendes was gar nicht so richtig reinpasst und dann passt es aber irgendwie doch extrem gut rein und schafft noch mal wie eine Ebene in diesem Hörspiel, die total schön ist.
00:57:39: Das ist das Eine und das Andere ist – wir kommen wieder zu Max Frisch!
00:57:43: Der hat der gute Gott von Manhattan im Radio gehört war so beeindruckt davon dass er Bachmann daraufhin einen Brief schrieb Finden quasi ihre Liebesgeschichte an.
00:57:52: Das heißt, dieser Frischbezug ist auch nicht zufällig und ich musste auch beim Hören tatsächlich schon daran denken weil man ja weiß das mag es frisch einfach so ein riesen New York-Fan ist und dass auch seine großes Thema war ja ständig die Liebe zwischen Mann und Frau.
00:58:08: Und auch man taugt du hat das erwähnt spielt in diesem Setting dann später natürlich geschrieben.
00:58:12: aber da ist sozusagen sehr viel Literarische oder biografische Verbindung dann die dann über dieses Hirrspiel zusammenkommt und ich würde sagen man kann dieses Hirrspiel auf YouTube hören, der SRF hat sozusagen eine Version davon auf Youtube gestellt.
00:58:29: Und ich finde das ist eigentlich ein sehr schöner Einstieg in das Werk von Bachmann wenn wir gesagt haben die Doku vielleicht lieber ein bisschen an dieser Stelle wo man schon ein bisschen was weiß oder so.
00:58:39: So ne erste Begegnung mit dem Berg.
00:58:41: ist der gute Gott von Manhattan wirklich In dem Sinne auch zugänglich.
00:58:47: Sie hat ja Prosa geschrieben, sie hat Romane geschrieben oder ein Romanprojekt versucht.
00:58:52: Sie hatte diese Hörstücke geschrieben und Libretti geschrieben also Musiktext Musiktexte geschrieben und sie hat als Lyrikerin angefangen.
00:59:03: Und hat dafür auch sehr viel Resonanz erhalten, deswegen beginnen wir vielleicht oder beenden wir besser gesagt unsere heutige Folge noch mit einem Gedicht.
00:59:12: Ich habe dir ein Gedicht mitgebracht von twohundzehnhundertzweiundfünfzig.
00:59:15: Wie soll ich mich nennen?
00:59:19: Einmal war ich ein Baum und gebunden.
00:59:23: Dann entschlüpft sich als Vogel und war frei In einen Graben.
00:59:27: gefesselt.
00:59:28: gefunden entließ mich berstend Ein schmutziges Ei!
00:59:33: Wie halte ich mich?
00:59:35: Ich habe vergessen, woher ich komme und wohin nicht gehe.
00:59:38: Ich bin von vielen Leibern besessen – ein harter Dorn-und ein flüchtendes Reh.
00:59:46: Freund bin ich heute den Ahornzweigen.
00:59:49: Morgen vergehe ich mich an dem Stamm.
00:59:53: Wann begann die Schuld?
00:59:54: ihren Reigen, mit dem ich von Samen zusamenschwammen.
00:59:59: Aber in mir sinkt noch ein Beginn oder ein Enten und Wert meiner Flucht.
01:00:05: Ich will dem Pfeil dieser Schuld entrinnen, der mich in Sandkorn-und Wildente sucht.
01:00:13: Vielleicht kann ich mich einmal erkennen Eine Taube einen rollenden Stein Ein Wort nur fehlt.
01:00:21: Wie soll ich mich nennen?
01:00:23: Ohne in anderer Sprache zu sein
01:00:29: Was vom
01:00:31: Tage übrig blieb.
01:00:33: Wir wollen natürlich nicht aufhören ohne unsere liebste Rubrik am Ende.
01:00:37: Und erinnern nochmal und diesmal an Jean-Marie Lucier Pierre-Anouille, was für ein Name wurde im XXIII.
01:00:44: oder wird am XXI.
01:00:45: Juni XIX.
01:00:46: Szene in Bordeaux geboren und begeistert sich schon sehr früh für das Theater.
01:00:50: Er wird gefördert von seiner Mutter einer Geigerin durch die er schon in der Kindheit mit der Bühne in Berührung kommt und sein Vater ist Schneider.
01:00:57: da kommt also jetzt nicht so das künstlerische erst mal her.
01:01:01: Mit zehn Jahren zieht die Familie nach Paris um und nach der Schule studiert Annouille einige Semester Rechtswissenschaften, arbeitet kurze Zeit in einem Verlagshaus.
01:01:10: Und dann drei Jahre lang als Texte an einer Werbeagentur.
01:01:13: auch so eine Tätigkeit, die uns in unseren Schriftstellerinnen-Biografien immer häufiger begegnet.
01:01:19: Also dieses Maltexter in der Werbeargentur haben wir auch viele gemacht.
01:01:23: Genau!
01:01:24: Ein Beispiel übrigens für einen Texter?
01:01:28: Da hatten wir das auch, dieses Thema der hat es auch eine Weile gemacht.
01:01:36: Und wird sehr kriter des Schauspielers und Regisseurs Louis Jouet.
01:01:41: doch beide verstehen sich nicht wirklich gut und diese Zusammenarbeit wert.
01:01:44: nicht allzu langen.
01:01:46: Es folgt ne kurze Zeit beim Militär wo er dann ausgemustert wird.
01:01:50: Und in dem Jahr und dreißig heiratet Annouille die Schauspielerin Monèle Valentin, mit der er kurz darauf eine Tochter bekommt, Catherine.
01:01:58: Die später ebenfalls Schauspielerin wird.
01:02:00: tatsächlich ist es so dass eigentlich fast alle seine Kinder irgendwann an seinen Stücken auftauchen.
01:02:05: das ist immer Theaters bei ihm immer auch zumindest zu Teil einer Familienangelegenheit Ebenfalls im Frühjahr, in diesem Jahr.
01:02:13: und einunddreißig passiert unfassbar viel bei ihm.
01:02:15: Geht es richtig los?
01:02:17: Kommt im Theater de L'oeuvres in Paris mit Lermin auf Deutsch der Hermelin Anoui ist erstes Stück auf die Bühne.
01:02:23: Dann folgen erstmal zwei Misserfolge wie sich das gehört Das Stück Mandarin Und i aber in Présignier Von zu drei und dreißig und vier und treißig floppen Allerdings für das letzte stück verkauft an wie die filmrechter mit golden maier.
01:02:39: Das heißt,
01:02:40: dass mit dem löven
01:02:41: genau das heißt nach hollywood und das stück wird zwar nie verfilmt aber kann in den nächsten jahren von den geld einfach leben und schreiben.
01:02:49: Es ist ein absoluter glücksfall für ihn.
01:02:51: die haben sich halt mal die rechte gesichert.
01:02:53: und dabei sieht er sich aber in seinem schreiben was er dann weiter tut vor allem als handwerker über sein selbstverständnis Da kommt der Schneider raus, genau.
01:03:04: Über sein Selbstverständnis als Theaterautor hat er ja mal gesagt ich bin ein guter Stückefabrikant Ich mache Stücke wie Stühle Also irgendwie auch...ich mag hier so einen Zugang muss ich sagen Auch wenn da sowas sehr un...wie sagt man?
01:03:18: Und pathetisches.
01:03:19: Weit weg vom Geniemütor, würde ich sagen?
01:03:21: Genau!
01:03:22: Er möchte, dass seine Stücke das Publikum unterhalten – auch dazu habe ich noch mein Zitat mitgebracht.
01:03:26: Letzten Endes haben nur die Leute, die die anderen amüsiert und unterhalten haben der Menschheit einen Dienst erwiesen, sagt er.
01:03:32: Und in neunzehnt sechsten Treißig erscheint der Reisende ohne Gepäck und dieses Stück gilt heute als eines der bekanntesten von Annouille und markiert seinen Durchbruch im Theater.
01:03:40: Neben eigenen Stoffen aktualisiert in der Folge viele Antike-Tramen.
01:03:44: auch und besonders berühmt und auch umstritten ist sein Antigone Version, wo er sozusagen Update auf Antigoney gibt.
01:03:51: Und das war auch eine der Gründe, warum ich mich immer mit ihm beschäftigen wollte, weil wenn du an Theater gehst oder in so Theaterbuchshops oder irgendwelche ... dann hast du immer diese Annouille-Antigone-Version irgendwie rumliegen.
01:04:03: Der war schon zu seinen Hochzeiten bei extrem produktiv und auch extrem bekannt und extrem viel gespielt.
01:04:11: Einen Themenkomplex zu seiner Antigone Version ist eben die Zeit der Besatzung.
01:04:18: Die deutsche Besatzungen in Frankreich und das französische Vigil-Regime arbeitet er sozusagen anhand von Antigonär auf, und er selber hat eben lange Zeit mit der rechten Regierung Maréchal Pétez im Frankreich während der Besatzung sympathisiert und deren Pragmatismus verstanden.
01:04:37: also da es sozusagen dieses pragmatische nochmal von anderen Seite zu sehen zu sagen okay Die sind jetzt hier, wir müssen uns irgendwie mit denen arrangieren.
01:04:46: Anders geht es nicht.
01:04:47: also verstehe ich dass ihr quasi jetzt versucht möglichst das einigermaßen irgendwie hinzukriegen über die Bühne zu kriegen.
01:04:54: Das hat ihm natürlich später sehr viel Kritik eingebracht.
01:04:58: in seiner Antigone Version geht's um den Konflikt zwischen der kompromisslosen Antigonne und dem pragmatischen Herrscher Creon und spiegelt sozusagen so die damalige Zwickmühle gegen dieses Unrechtsregime Wert wieder.
01:05:14: und den Kollaborateurn, die aber auch einfach sagen ey das ist jetzt einfach das was notwendig ist.
01:05:21: Anoui macht beide Hauptfiguren nachvollziehbar und das war auch eine der Punkte die ihm halt von bestimmten Seiten dann als also kritisch ausgelegt worden dass bei ihm Antigo nehmen nicht die strahlende Heldin ist, die das Richtige tut in einer falschen Welt und Kreon aber auf der anderen Seite auch kein grausamer Tyrann, sondern ein ziemlich pragmatischer Staatsmann, der sozusagen einfach tun muss was getan werden muss oder tut etwas getan werden.
01:05:46: Und ja nach dem Krieg wurde er nur von einigen als geheimer Sympathisant der Kollaborateur verdächtigt.
01:05:54: Der andauernde Erfolg der Antigone, die wurde siebenhundertmal aufgeführt bis nineteen sieben vierzig allein.
01:05:59: Also in wenigen Jahren hilft ihm sozusagen darüber hinweg erst mal.
01:06:04: Neunzehn siebenvierzig zieht er auch nach Losan in die Schweiz, heiratet ein paar Jahre später die Schauspielerin und Regisseurin Nicole Lancourt und die beiden bekommen im Laufe der Jahre einen Sohn und zwei Töchter.
01:06:15: Wie gesagt, auch die landen wieder auf der Bühne.
01:06:17: Er ist ja ein pragmatischer Produzent von Stücken.
01:06:22: Ist er halt extrem produktiv?
01:06:23: Es erscheinen halt ständig neue Stücke von ihm weil er nicht so dieses Ding hat von ich muss jetzt mal warten wie die Inspiration reinkickt sondern ich schreibe das nächste und Ende des Jahres bin ich wieder fertig.
01:06:33: Luise
01:06:34: es ist ein Stück bereit.
01:06:37: Guck mal!
01:06:38: Ich habe was für dich geschrieben Schatz.
01:06:40: Nicht schon wieder...
01:06:42: Und er ist also wirklich arbeitssüchtig Arbeitswütig.
01:06:45: in den folgenden Jahrzehnten veröffentlicht fast jedes Jahr ein neues Stück.
01:06:49: Seine Popularität erreicht ihren Höhepunkt in den frühen Sechzigern, danach schwindet an den großen Häusern das Interesse an seinem Werk.
01:06:56: Er macht aber trotzdem weiter und seine Stücke werden halt zunehmend dann an Boulevard-Theatern aufgeführt was ja irgendwie auch Sinn gibt wenn er sagt ich will ja vor allem unterhalten dass die Leute ihren Spaß haben da findet er an dem Boulevard Theater seinen Publikum und man stirbt dann am dritten Oktober am treiten im Alter von sieben Siebzig Jahren in Losan an einem Herzinfarkt.
01:07:17: Ja, Linn, lass uns anstoßen auf dieses sehr produktive ...
01:07:19: Du bist da jetzt so schön durchgerauscht!
01:07:20: Ganz produktiv und pragmatisch.
01:07:22: hast du das gemacht wie Annui es geliebt hätte?
01:07:24: So war's gedacht.
01:07:26: Cheers!
01:07:27: Auf Annui und wir sehen uns und hören uns nächste Woche wieder und sprechen weiter über Bachmann denn wir haben uns noch nicht erschöpfend unterhalten.
01:07:35: Das wird auf jeden Fall noch was.
01:07:36: Bis dann!
01:07:37: Tschüss!
01:08:04: Der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedo P. Miklitz und Josef Braun.
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