Nochmal Bachmann
Shownotes
Wieviel Personen passen in ein Ich? Wer bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels? Und was hat uns Malina heute noch zu sagen? Zum zweiten Mal tauchen wir tief in den Bachmann-Kosmos. Es geht um Bachmanns Prosa, ihren einzigen Roman und das Ungargassenland. Außerdem erinnern wir an Thea Sternheim. Cheers!
Bücher Ingeborg Bachmann, "Malina" (Suhrkamp)
Sonstiges: Deutschlandfunk zu Thea Sternheim, unter:
Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger
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Transkript anzeigen
00:00:02: Wasser und Buch,
00:00:04: der Podcast für literarische Grundbedürfnisse
00:00:07: mit Lin Pinedope Miklitz
00:00:09: und Josef Braun.
00:00:22: Hallo Joseph schön dich zu sehen!
00:00:24: Hallo Lin, schön dich zusehen denn ich wollte nochmal ganz kurz mit dir auf die Doku zurückkommen von Ingeborg Bachmann wenn mir da was aufgefallen
00:00:30: ist.
00:00:31: Jemand der einmal Ich war?
00:00:32: Jemand, der einmal ich war und man kann immer noch ins Kino gehen und Mir ist aufgefallen Ingeburg Bachmann in Interviews wie sehr sie nach Worten sucht oft sie teilweise ins Stottern gerät oder ins sozusagen wirklich so in sich gehen, aber nicht so dieses was man so kennt und danach kommt die perfekt formulierte Antwort wenn sie mal überlegt hat sondern dann kommen trotzdem nur sowas Tasten des Zögern das ich weiß nicht genau.
00:00:59: Und irgendwie dachte ich darüber nach dass wir hier an unserer heutigen Wirklichkeit quasi von Autoren Autorinnen ein bisschen erwarten dass sie so extrem performancemäßig drauf sind und ständig irgendwie so instagram reals machen, wo sie auf so ganz tolle Weise erklären wie toll ihr buch ist.
00:01:14: Und dieses ganze marketing-ding und da dachte ich so darüber nach dass natürlich hat er eine extreme professionalisierung stattgefunden durch die medien die wir jetzt zur verfügung haben und die eigenen kanäle die man bespielen kann.
00:01:27: aber es ist auch was verloren gegangen nämlich sozusagen so dieser raum für Für das zweifelnde das zögende das nicht wissen sich einfach so auszudrücken, wie man vielleicht in einem bestimmten Moment gerade drauf ist.
00:01:39: Dass man es eben nicht immer so präsentieren nach außen hin.
00:01:43: und das dachte ich irgendwie als ich das gesehen habe.
00:01:44: Ich fand das total... Ich hab mich total hingezogen gefühlt zu ihr auf diese Weise, wie sie das so gemacht hat.
00:01:51: Einfach so als da ist ein Gegenüber die versucht irgendwas zu sagen, irgendwas zu sucht nach was Und die hat dieses Schwächen und diese Suche danach, die wir alle irgendwie so haben Und davon ist so wenig noch da in sozusagen unserer heutigen Instagram-Kultur.
00:02:06: Deswegen wollte ich dir nur nochmal dich darauf hinweisen, oder mit dir darüber kurz das Erwähnen oder Festhalten dass es eigentlich auch was Schönes hat wenn Menschen mal einfach ein bisschen auf der Suche sind nach den Worten Im Vulkan.
00:02:25: So wir haben zwei Neuigkeiten.
00:02:26: diesmal Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels geht an Philips.
00:02:30: Sanz ist ein französisch-britischer Autor Jurist und die Nachricht ist jetzt schon ein bisschen älter, wenn wir die Folge australen.
00:02:38: Allerdings ist es ja so.
00:02:39: der Preis wird am elften Oktober verliehen das heißt man kann da jetzt immer noch gut zu informieren nämlich am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse findet dass immer traditionsgemäß in der Frankfurtter Paulskirche statt.
00:02:50: diese Verleihung Linden, lass mich dir den Gewinner kurz vorstellen.
00:02:54: Philipp Sanz wurde der geboren, stammt aus einer französisch-britischen Familie, ist in three-einzig, hat er seinen Juraabschluss in Cambridge gemacht und im Anschluss ein Jahr als Gastwissenschaftler an Harvard.
00:03:06: gearbeitet, wir erinnern uns vielleicht so ein bisschen an Patrick Raiden Keef wo wir gesagt haben es gibt so diese perfekten Lebensläufe.
00:03:13: Das haben wir hier auch wieder so ein bißchen also die Top Elite Unis.
00:03:16: danach hat der allerdings als Menschenrechtsanwalt gearbeitet und nicht wie Keeff.
00:03:20: als Journalist arbeitet er immer noch als Anwalt und Professor für internationales Recht in London, und Harvard.
00:03:27: Und außerdem am Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag.
00:03:31: Und neben seiner juristischen Arbeit und der Lehrtätigkeit hat sense aber auch viele populäre Sachbücher geschrieben.
00:03:36: Und das Interessante an diesen Sachbühchern ist es ja quasi die Fälle an denen er mitgearbeitet hat, dass er darüber quasi Bücher geschrieben hat oder auch über seine Familiengeschichte...
00:03:44: Das ist doch irre wenn Leute das schaffen!
00:03:45: Oder was ist das für ein Pensum?
00:03:47: Es ist extrem!
00:03:48: Er unterrichtet und er schreibt Bücher.
00:03:51: Es ist extrem und gleichzeitig ist es so, es ist auch ein Lebensthema.
00:03:55: Er ist nämlich der Nachkomme von Holocaust-Überlebenden.
00:03:59: also große Teile seiner Familie wurden ermordet und er hat sozusagen so...er ist halt einer der bekanntesten hieß jetzt immer in den Texten zu ihm eine der bekannteste Vertreter für Menschenrechte und das ist ja gerade in uns vor Zeit irgendwie sehr nachvollziehbar, warum der Friedenspreis des deutschen Buchhandels dann vielleicht sagt okay so jemand ist auszeichnungswürdig in seinem Kampf unterstützenswert.
00:04:23: Aber kommen wir kurz zu seiner Familiengeschichte zurück so ein bisschen.
00:04:25: er hat sie nämlich im Rückkehr nach Lemberg wo seine Familie ursprünglich herkommt verarbeitet.
00:04:32: dort verknüpft er seine eigene jüdische Familien Geschichte mit der Entstehung des internationalen Völkerstrafrechts.
00:04:37: das buch porträtiert nämlich die beiden Juristen Herr Schlauterpacht und Raphael Lemkin, von denen ich noch nie gehört hab die in Lemberg studiert haben.
00:04:45: Und die beiden haben die Begriffe verbrechen gegen die Menschlichkeit interessant einfach auch fanden.
00:04:53: und darüber schreibt er quasi sozusagen überrecht und erzählt dann aber auch seine Familie.
00:04:59: Und diese Rechtsbegriffe sind ja entstanden als Reaktion sozusagen auf den Holocaust auch, insofern ist es natürlich eine Verknüpfung wo man sich vorstellen kann dass das ein sehr interessantes Sachbuch abgibt.
00:05:11: Das zweite Sachbuch was ich mal kurz aus seinem aus seinem Werk sozusagen vorstellen und es wollte mitbringen, heißt die Verschwundenen von Laundre.
00:05:19: Und wir haben wieder mit dem Nazi-Regime zu tun.
00:05:23: Und zwar ist es so kleine Abschweife vorher.
00:05:27: Wurde der chilenische Diktator Augusto Pinochet in London verhaftet.
00:05:32: Hätte da irgendwie einen Aufenthalt und dann haben die Briten ihn festgenommen und dann wurde er angeklagt für Verbrechen gegen die Menschlichkeit eben.
00:05:39: Philipp Sanz hat sich damals an der Anklage gegen ihn beteiligt, er war sozusagen einer der Anwälte in diesem Prozess und ist dabei in den Recherchen, die müssen ja extrem viel Material dann sichten
00:05:50: usw.,
00:05:51: auf den einstigen SS-Offizier weiter raufgestoßen, der aber am Holocaust beteiligte und half später Pinochet beim Foltern von Regime Gegnern.
00:06:00: also es gab ja viele, die nach Lateinamerika gegangen sind und dort quasi ihr grauenhaftes Handwerk sozusagen fortgesetzt haben.
00:06:09: Und es gab eben einen ganz berüchtigten Ort, nämlich das Haus Launtre-Achten-Treißig in Schiele wo eben diese Folterung stattfinden.
00:06:18: Das kennen wir auch aus vielen diese Diktaturen, dass so die Foltergefängnisse diesen Namen dann gibt, die dann eine ganz süsteren Klang kriegen.
00:06:25: und da war dieser Wald rauf und hat für Pinochet Leute gefoltert.
00:06:32: Acht Jahre lang hat Sanz über Raufs zweites Leben sozusagen seine Zeit nach der Nazi-Zeit oder nach der Nazidiktatur recherchiert und seine Rolle zu Pinochet recherchieren.
00:06:45: Und seine Rolle bei den Kräueltaten, die er da eben in diesem Haus verübt hat.
00:06:49: Er erzählt quasi in diesem Buch von der Recherche und gleichzeitig dann aber anhand dieser Recherchen und auch anhand dieses Prozesses erzählt er generell über das Schicksal der Verschwundenen und seiner Suche nach Beweisen für Pinochis Verantwortung, für Folter und Mord.
00:07:05: Und eben so diese Schicksale von den Menschen die gegen dieses Regime sind und was sie erlitten haben.
00:07:11: Man kann sich vorstellen vielleicht nach der Art und der Tiefe in der er sich mit diesen Dingen und Themen beschäftigt hat, Menschenrechten
00:07:19: usw.,
00:07:19: dass die Reaktionen jetzt auf diese Preisverleihung wirklich einhellig von allem, was ich gelesen habe positiv ausgefallen sind.
00:07:26: Und ich bin sehr gespannt wenn er dann kommt der wird ja auch eine Rede halten und ich dachte also würde mich freuen wir es irgendwie schaffen gerade diese Rede uns da nochmal anzugucken und sozusagen in den Podcast mit reinzubringen weil die sich ja immer das ist traditionell so diese Reden beziehen sich immer auf die aktuelle politische Situation sehr stark.
00:07:44: Ja das wird interessant das sollten wir uns unbedingt anschauen.
00:07:47: Genau und auch andere Dinge wiederholen sich im Literaturbetrieb diesmal zum zweiten Mal.
00:07:51: erst Dieser Buchpreis vom Spiegel, über den wir schon alles an der Hand Dinge erzählt haben.
00:07:57: Ja, der dann erst mal nicht...
00:07:59: Also er wird schon verdienen, aber es ist nur symbolisch, ne?
00:08:02: Gut
00:08:03: dass wir uns nochmal...
00:08:04: Kann quasi ein Autor oder eine Autorin sich bald abholen in dem symbolischen Preis, aber erstmal muss hier eine Jury bestimmt werden.
00:08:12: Und da musste ich so ein bisschen dran denken von der ganzen Aufmachung, wie die das jetzt machen an den Bookerpreis in Großbritannien oder andere Preise wo du das Gefühl hast die Jury besteht zu teilen aus Leuten die wirklich so Literatur eulen sind und dann aber immer auch so aus ein paar prominenten Leuten irgendwie damit die Juri auch ein bisschen was her macht also... Die
00:08:30: Geißens!
00:08:33: Das wäre es doch.
00:08:34: So weit sind sie noch nicht, aber das würde ich gerne sehen muss ich sagen.
00:08:38: Also in Großbritannien war das zum Beispiel Sarah Jessica Parker, die war letztes... Genau!
00:08:44: Es wird natürlich schon eine Bezug.
00:08:46: immer und auch hier würde ich sagen gibt's zwei Jurymitglieder wo Interessant, einfach gespannt bin.
00:08:53: Eine ist Andrea Petkovic die Ex-Tennis-Spielerin, die ja jetzt als Moderatorin und Expertin arbeitet und ja auch zwei Bücher geschrieben hat über Tennis.
00:09:00: also es gibt schon den Bezug.
00:09:03: Es ist jetzt trotzdem nicht gerade die Person wo man sagen würde Die ist jetzt per se Literaturbetrieb sondern es ist so eine Entscheidung mit Strahlkraft.
00:09:16: Vielleicht ist aber auch der Schlagabtausch in so einer Jury-Sitzung sehr ähnlich
00:09:20: dem,
00:09:21: was auf den Platz
00:09:22: steht.
00:09:22: Dann kannst du gerne das nächste Bild finden denn Lena Prasch ist auch in der Jury.
00:09:26: Lena Prasz ist Regisseurin und sehr bekannt über Britney Spears dass sie zusammen mit der Schauspielerin ist ein Monolog Sina Martens erarbeitet hat am Berliner Assemble.
00:09:38: Das ist auch wirklich eine Empfehlung wert.
00:09:40: Ich bin gespannt.
00:09:41: Da finde ich es tatsächlich so, wenn sie solche Leute dann so einladen und den Rest irgendwie mit Spiegeltypen füllen.
00:09:47: Also teils-teils aber ein großer Teil kommt eben aus der Spiegeliteraturredaktion.
00:09:53: Da würde ich gerne mal bei der Juryarbeit zuzugucken.
00:09:55: Weißt du wie die entscheiden was jetzt das Buch dieses Jahres ist?
00:09:58: Das würde ich gern einmal live gestreamt haben.
00:10:01: Okay und dann werden wir gucken wer den symbolischen Preis gewinnt!
00:10:09: In unserer zweiten Folge wieder über Ingeborg Bachmann, diesmal so ein bisschen eher über die zweite Hälfte ihres Lebens und Wirkens.
00:10:19: Wir haben uns letzte Folge mit ihrer Kindheit beschäftigt, mit den Biografien, die jetzt neu erschienen sind.
00:10:24: Haben da aber auch schon auf ihren Tod geblickt.
00:10:28: Und heute geht es erst mal um das Todesartenprojekt.
00:10:33: Dieses Todesarteprojekt ist ja in der Literaturforschung kein ... so feststehender Begriff, wie wir ihn als Laien im Allgemeinen gebrauchen.
00:10:42: Das liegt daran dass uns zwar ein vierbändiger Sammelschuber mit allen Texten zugänglich ist die eben unter dieses Todesartenprojekt gezählt werden und Postmortem veröffentlicht wurden zum Teil aber auch schon zu Lebzeiten Bachmanns.
00:10:56: Aber gerade dadurch das dieses Projekt nie abgeschlossen wurde, kann man sicherlich in vielen Fällen darüber diskutieren welches Fragment für Ingeborg Bachmann am Ende tatsächlich in dieses Projekt eingeflossen wäre und welches eben nicht.
00:11:10: Was wissen wir also?
00:11:11: Das Todesartenprojekt ist ein unvollendeter mehrbändiger Roman- und Erzählungszyklus an dem Ingeburg Bachmann Anfang der Sechzigerjahre zu arbeiten begann und daran geschrieben hat bis ihrem Tod.
00:11:27: Sie hatte sich vorher in ihren Arbeiten mit Gender, Demailgays und Rollenbildern toxischen Beziehungen befasst.
00:11:34: Das sind jetzt alle Begriffe die sie wahrscheinlich nicht benutzt hätte aber die wir von außen heute glaube ich guten Gewissens benutzen können um das zu greifen.
00:11:42: Und das ging eben in diesem Todesartenprojekt jetzt weiter.
00:11:46: und auch noch drastischer Das Werk setzt sich aus mehreren Entwürfen und Romanen zusammen, die verschiedene Lebens- und Todesarten moderner Frauen analysieren.
00:11:56: Es war also eine Lebensaufgabe – und die hat Bachmann auch extrem viel Kraft abverlangt!
00:12:01: Wir haben das schon in letzter Folge gehört der gute Gott von Manhattan.
00:12:04: Da kommt eine Frau zu Tode überhaupt des Sterben.
00:12:07: Das Verstummen, das Vereinsamen von Frauen spielt eben schon immer ne große Rolle.
00:12:12: Und jetzt in letzder Konsequenz diese Frage warum müssen ständig so viele Frauen?
00:12:17: durch die Hand von Männern in irgendeiner Form sterben.
00:12:22: Zum einzigen vollendeten Roman dieses Projekts wirst du uns gleich mehr erzählen und vollendet geblieben sind das Buch Franzar, es handelt von einer jungen Frau, die an der physischen und psychischen Zerstörung durch ihren Ehemann einen angesehenen Wiener Arzt und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus leidet.
00:12:42: Es gibt das Requiem für Fanny Goldman, ein Text der die gesellschaftliche Ausgrenzung und Vernichtung einer Schauspielerin durch ihre Umgebung thematisiert.
00:12:51: Auch hier spielen Männer wieder die entscheidende Rolle.
00:12:54: Es gibt außerdem zahlreiche kürzere späte Erzählungen.
00:12:59: Einige davon wurden noch zu Lebzeiten unter dem Titel Simultan veröffentlicht.
00:13:04: Und Bachmanns Fokus lag darauf wie gesellschaftlichen Normen, patriarchale Machtstrukturen Frauen in die Einsamkeit, in den Wahnsinn und schlussendlich in den Tod treiben.
00:13:16: Und Josef ich bin jetzt wahnsinnig gespannt was du uns mitbringst über Malina.
00:13:21: Ich würde übrigens mal behaupten dass der größte Tugschluss den Menschen zu diesem Buch haben wenn sie es noch nicht kennen Der ist das Malina die titelgebende Hauptfigur ist und das ist eine Frau wäre
00:13:36: Hat dich total diesen Zugschluss und war wirklich auch erstmal, musste mich erst mal zurechtfinden quasi in dem Ganzen.
00:13:44: Genau es gehört zum Todesartenprojekt dieser Romanen und das ist wie du gesagt hast das einzige zu ihren Lebzeiten veröffentlichte Prosa-Werk.
00:13:50: Das muss man auch noch sagen sozusagen vieles... Manches wurde als Erzählung schonmal veröffentlicht aber vieles wurde dann auch nach ihrem Tod erst veröffintlicht und es erschien in deinsen einundsiebzig da war sie fortyfünf Jahre alt.
00:14:02: um was geht's?
00:14:05: Also das Buch, wenn man es ganz kurz zusammenbricht.
00:14:08: Damit wollen wir mal anfangen.
00:14:10: Handels von einer namenlosen Ich-Erzählerin und eine Schriftstellerin in Wien.
00:14:14: Und sie ist zwischen zwei Männern zerrissen oder sie befindet sich.
00:14:18: Sie steht zwischen zwei Männerfiguren einmal dem unerbahnlebensgefährten Malina und dann auf der anderen Seite dem leidenschaftlichen Ivan, der aber auch nie so ganz verfügbar für sie ist.
00:14:29: Darauf werden wir auf jeden Fall noch eingehen wird geprägt durch psychische Krisen, durch Albträume und dann am Ende einem verschwinden.
00:14:39: Würdest du sagen dass hier... ein Thema auf zwei Figuren aufgeteilt ist, was wir hier in der Gute Gott von Manhattan schon haben.
00:14:46: Also einerseits der Liebhaber, der sehr leidenschaftlich ist aber nicht zuverlässig und andererseits dieser kalte unnahmbare Liebhaar.
00:14:53: Wir haben ja in der gute Gott von Manhattan letzte Woche diese Figur gehabt die erst so ist und dann kippt in die andere Richtung...
00:15:00: Du meinst sozusagen als ob diese männliche Figur aus Gute God von Manhattan hier so aufgeschlittet
00:15:05: ist?
00:15:06: Ja richtig!
00:15:07: Das könnte man so sehen.
00:15:11: vielleicht die männliche Bandbreite ist in diesen Figuren und diese Doppelung hat man aber auch in der Hauptfigur selber.
00:15:18: Die ist auch sehr, sehr unterschiedlich wie sie mit diesen Männern umgeht.
00:15:22: Sie hat nämlich so eine sehr verurteilende abwehrende Seite und sie hat aber auch ne sehr bedürftige quasi bitte entscheidet ihr über mein Leben, ich kann nicht über meinen Leben entscheiden so nach dem Motto Seite.
00:15:34: Auch diese sozusagen Zwiegespaltenheit ist für dieses Ich extrem wichtig.
00:15:39: um das zu verstehen.
00:15:40: Bachmann selber, das hattest du schon mal erzählt?
00:15:42: Ich weiß nicht mehr ob in dieser oder der letzten Folge hatte große Schwierigkeiten sozusagen diesen Roman richtig zu strukturieren oder so.
00:15:50: Dieses Roman schreibt wieder nicht so leicht.
00:15:52: vielleicht kann man das auch nochmal ganz kurz sagen.
00:15:54: sie fing als Lyrikerin an und als die dann anfingen Erzählungen zu schreiben hat sie wirklich mit der Lyrik zumindest offiziell aufgehört und sich dann wirklich ganz auf die Erzählungen konzentriert.
00:16:02: Und dann eben aufs Roman schreiben, das heißt so ganz oder gar nicht quasi...
00:16:07: ...und auch gegen einige Widerstände weil ich erinnere mich dass nach den ersten Erzählungen ein Schritt nach Gomorrah und Dine geht Die Prosa von Ingeborg Bachmann in der männlichen Literaturkritik belächelt herabgewürdigt wurde.
00:16:22: und so den Verfehlungen einer Lyrikerin sage ich jetzt mal so so wurde das überschrieben.
00:16:27: Also sie hatte auch nicht nur im Schreibprojekt selbst viele Aufgaben zu lösen, sondern sie musste sich quasi immer wieder diesen Vorwurf anhören.
00:16:34: Genau und es ist tatsächlich ja auch so dass das hier auf keinen Fall ein komplett konventioneller Roman ist.
00:16:41: Er ist in drei Kapitel unterteilt und die sind hier aber mehr als nur die Hilfe für den Lesefluss sozusagen, sondern funktionieren eigentlich wie komplett eigene Teile Die natürlich inhaltlich irgendwie zusammen, also es gibt da schon Verbindungen und das ist auch eine Erzählung.
00:16:55: Aber trotzdem hat man so das Gefühl... Jeder Teil hat einen eigenen Fokus.
00:17:01: Deswegen werden wir uns das auch anhand dieser Teile angucken und dem ersten Kapitel ist eine Art Einordnung vorangestellt, wo ich ein bisschen an Lolita denken musste nicht jetzt inhaltlich aber so von der Art von einer Rausgeber-Fiktion.
00:17:14: also da erzählt uns schon mal was wir zu erwarten haben und deutet schon mal an dass hier Dinge passieren, dass es um den Ich geht, dem's nicht gut geht und man weiß ja nicht genau was mit diesem Ich noch passieren muss.
00:17:26: bisschen
00:17:27: die literarische Form der Trigger-Warnung.
00:17:29: Ja, genau Triggerwarnungen und gleichzeitig sozusagen aber auch so ein bisschen... Schon mal Interesse wecken, ne?
00:17:36: Also schon auch mal zu sagen so ey wir sind hier gerade in richtigen Krise das kann auch richtig schief ausgehen.
00:17:40: was ihr jetzt gleich lesen werdet.
00:17:41: Ist ja auch ein guter Kniff um Interesse zu wecken und die Leute am Ball zu halten.
00:17:44: das hätten wir auch machen sollen und hätten am Anfang der Folge sagen sollen dass wir von diesem fantastischen Buch einen Exemplar verlosen und später alle Bedingungen dafür noch erzielen.
00:17:54: Das hole ich jetzt hier mit Nachjose.
00:17:55: Jetzt hast du es sehr gemacht!
00:17:56: Wir haben ja noch Zeit,
00:17:57: ne?!
00:17:58: Der erste Kapitel ist glücklich mit Ivan... Eine namenlose Frau lebt in Wien, in der Ungarngasse zusammen mit ihrem Partner Marlina.
00:18:06: Und beide kommen von der juchuslawischen Grenze und einer Peripherie, vergleichet Bachmanns Herkunft aus Kärnten.
00:18:13: also wir haben hier
00:18:14: sozusagen
00:18:15: genau und es ging auch in der Doku darüber dass vieles an diesem Buch Bachmann selber auch gesagt hat, das ist autobiografisch.
00:18:21: Das geht aber nicht um die einzelnen Lebensdetails, hat sie dann gesagt, die in dem Buch eins zu eins übernommen sind sondern eher um vielleicht die Lebensthemen oder so, die sich in diesem Buch widerspiegeln.
00:18:32: Aber es gibt eben auch trotzdem biografische Details wo man zumindest Verbindungen knüpfen kann.
00:18:38: Interessant ist wie ambivalent Bachmann erstmal die Beziehung zwischen der Erzählerin, diesem Ich und Marlina von Beginn an zeichnet.
00:18:47: Einerseits ist es nämlich so, dass Marlina eine sehr wichtige Stütze – ich hatte das schon gesagt für sie – ist.
00:18:53: Andererseits gibt's dann Beschreibungen wie diese.
00:18:57: Mir scheint es dann, daß seine Ruhe davon herrührt weil ich ein zu unwichtiges und bekanntes Ich-für-In bin als hätte er mich ausgeschieden nach einem Abfall einer überflüssigen Menschwertung als wäre ich nur aus seiner Rippel gemacht.
00:19:11: Aber auch eine unvermeidliche dunkle Geschichte, die seine Geschichte begleitet der Gänzen will.
00:19:16: Die aber von seiner klaren Absondert und Abgrenzt.
00:19:19: oft ist es sozusagen also es gibt diese Beobachtung Und dann gibt's aber eben oft diese Dynamik dass das ich seine innere Not und seine fragilität sozusagen immer nach außen tragen muss.
00:19:31: Und dann immer diesen Marlina als so ein sehr zuverlässigen Typen hat, der sich sonst auch überhaupt nicht eigentlich für dieses ich so richtig interessiert.
00:19:38: also wenn die dann später eine Beziehung anfängt mit einem anderen Mann ist ihm das eigentlich egal.
00:19:42: er will es einfach gar nicht wissen zu sein Leben und sie haben ihre Beziehungen und der Rest ist sozusagen nicht sein Problem.
00:19:50: Also dass ich kommt mit seiner extremen inneren Not und der Mann reagiert Mit seiner Struktur, mit seiner Klarheit.
00:19:57: Das Leben ist doch so und dann ordnen wir das jetzt ein und macht das was man heute als Men's Planning bezeichnen würde wo man eben sagen muss dieses.
00:20:05: ich sucht aber auch immer wieder nach diesen Erklärungen sozusagen von dem Mann.
00:20:10: Egal wie man diese Beziehung am Beginn des Buches als Leserin für sich aufnimmt wie sympathisch man das findet wie schwierig wird relativ schnell klar dass ich stecke in einer wirklich starken Krise und sucht irgendwie nach Lösungen.
00:20:22: Es gibt diverse Anspielung, die uns hier zeigen, dass wirklich die ganze Existenz dieses Ichs auf dem Spiel steht.
00:20:28: Einmal heißt es heute... Es geht viel um das Wort Heute.
00:20:31: dann und dann heißt es Heute ist ein Wort, das nur Selbstmörder verwenden dürfen und dieser, sag' ich mal diese Andeutung schwingt sehr früh mit!
00:20:39: In diese Krise, die das Ich hat bricht jetzt Ivan ein und wir haben da eine Stelle.
00:20:44: Und Linne, ich würde dich bitten die mal kurz vorzulesen.
00:20:47: Ja gerne!
00:20:48: Wo wir was über Ivan erfahren?
00:20:52: Aber Washington und Moskau und Berlin sind bloß vorlaute Orte, die versuchen sich wichtig zu machen.
00:20:59: In meinem Ungargassen-Land nimmt niemand sie ernst oder man lächelt über solche Aufdringlichkeiten wie über die Kundgebungen ehrgeiziger Emporkömmlinge.
00:21:08: Sie können nie mehr hereinwirken in mein Leben Indem ich in ein anderes hineingelaufen bin Auf der Landstraße, Hauptstraße vor diesem Blumengeschäft dessen Namen ich noch herausfinden muss und stehen geblieben bin ich im Laufen nur weil im Fenster ein Strauß Türkenbund stand rot- und siebenmal röter als Rot.
00:21:28: nie gesehen.
00:21:29: Und vor dem Fenster stand Ivan.
00:21:31: weiter weiß ich nichts mehr denn ich bin sofort mit Ivan gegangen zuerst bis zum Postamt in der Ramoskowsky Gasse wo wir zu zwei verschiedenen Schaltern gehen mussten.
00:21:41: Er zu Postanweisungen, ich zu Post-Wertzeichen – und schon diese erste Trennung war so schmerzhaft!
00:21:48: Dass sich am Ausgang beim Wiederfinden von Ivan kein Wort mehr herausbrachte, Ivan mich nichts zu fragen brauchte, denn es war kein Zweifel in mir, dass ich mit ihm weitergehen musste und gleich zu ihm.
00:22:01: Das war zu meinem Staunen aber nur einige Häuser von
00:22:03: mir.".
00:22:04: Die Grenzen waren bald festgelegt, es ist ja nur ein winziges Land das zu gründen war ohne Gebietsansprüche und ohne rechte Verfassung.
00:22:12: Ein trunkenes Land in dem bloß zwei Häuser stehen – die man auch im Dunkeln finden kann bei Sonnen-und Mondfinsternis!
00:22:20: Und ich weiß auswendig wie viele Schritte ich machen muss von mir schräg zur Ivans Haus….
00:22:25: Ich könnte auch mit verbundenen Augen
00:22:27: gehen.".
00:22:28: Nun ist die weite Welt, die weitere Welt in der ich bisher gelebt habe Ich immer in Panik mit trockenem Mund Mit der Wirkspur am Hals Auf ihre geringfügige Bedeutung reduziert Weil eine wirkliche Kraft sich dieser Welt entgegensetzt Wenn diese Kraft auch wie heute Nur aus Warten und Rauchen besteht Damit von ihr nichts verloren geht.
00:22:51: Das ist also der Start mit Ivan Und es gibt eben einfach diesen Moment.
00:22:56: Sie sieht ihn und läuft ihm dann direkt nach.
00:22:58: Und das ist auch ein passendes Bild für ihr Verhältnis zu Iván, sie erwartet sich quasi von Iván bisschen die Rettung aus ihrer Situation... Ja!
00:23:06: ...und gleichzeitig gibt es aber auch da von Anfang an diese Ambivalenz weil wie gesagt er hat eine Familie, er hat Kinder und er hat nicht so viel Zeit für sie.
00:23:14: Er kann sie nur manchmal sehen, er bestimmt das immer und es gibt dann immer auch so Szenen wo er sich extrem übergriffig verhält.
00:23:21: also zum Beispiel spielen sie Schach und sie hat keine Lust Schach zu spielen und er zwingt sie dann einfach mit ihm zu spielen.
00:23:27: Und sie wird quasi von ihm da in dem Kontext unterworfen, also diese Dynamik, diese Ambivalenz schwingt immer mit.
00:23:36: Es zeigt sich auch schon in diesem Ausschnitt finde ich.
00:23:39: das konnte man jetzt nicht sehen beim hören.
00:23:43: aber diese Abschnitte sind alle nur durch Komma verbunden.
00:23:47: Also wir haben hier wie so eine lange Leine an der die Ich erzählerin immer näher an diesen Ivan herangezogen wird, also der lässt sie gar nicht mehr los und sie hechelt dem wirklich so hinterher.
00:23:57: So wirkt dieses Schriftbild auf mich.
00:23:59: Genau!
00:24:00: Und was dieses ich immer als Probleme hat gegenüber Marlina und gegenüber Iván?
00:24:04: Sie kann ihre inneren Gedanken nicht wirklich teilen weil die Männer haben entweder gleich eine Erklärung dafür ums weg zu erklären oder aber bei Iván ist es noch mehr so... Der will sie dann sozusagen in die richtige Richtung auch noch erziehen.
00:24:18: Sie schreibt dann, und weil ich von Mord zu Ihnen nichts sagen kann.
00:24:21: Weil er will das eben nicht hören!
00:24:22: Bin ich zurückgeworfen auf mich für immer?
00:24:25: Ich versuche nur dieses Geschwür auszuschneiden, Auszubrennen Iverns wegen.
00:24:29: Ich kann nicht liegen bleiben in dieser Lache von Gedanken über Mord.
00:24:32: mit Ivan müsste es mir gelingen diese Gedanken auszumerzen.
00:24:35: Er wird diese Krankheit von mir nehmen er soll mich erlösen.
00:24:38: also auch wirklich innere Not Und gleichzeitig enorme Ansprüche auch an diese Männer die dieses.
00:24:44: Ich hat quasi Und zwei Sachen, die ich noch gerne erzählen möchte.
00:24:50: Weil das auch was Typisches ist für dieses Buch.
00:24:53: irgendwann kommen nämlich Ivans Kinder ins Spiel.
00:24:55: er bringt sie dann einmal mit und danach häufiger als er merkt also es klappt ja ganz gut quasi da habe ich auch eine Kinderbetreuung und die Ich-Erzählerin freundet sich mit diesen Kindern an.
00:25:04: Das ist auch so exemplarisch weil immer wieder gibt's Momente wo Marlina oder Ivan die ich Erzählerin in so ne Frauenrolle reinträngen und eigentlich sozusagen Akzeptieren sie sich schon so als Schriftstellerin.
00:25:18: Aber wenn es halt praktisch ist, also Ivan schimpft dann sozusagen und sagt dann hier mich stört irgendwie dass das Essen nicht auf dem Tisch steht warum kannst du nicht gescheit kochen?
00:25:26: Das regt ihn halt auf.
00:25:27: Warum kriegst du die Eier nicht mal ordentlich hin Du bist doch eine Frau und dieses... Also das wird so partiell eben gemacht Es wird nicht komplett erwartet die ganze Zeit.
00:25:36: aber man merkt bei beiden das haben wir halt so drin Dass in dem Moment wo's gebraucht wird Wird das ich dann eben einfach zur von der Geliebten oder von der Frau zur Köchin- oder zur Kinderbetreuerin.
00:25:48: Das ist eine Sache, die stattfindet und auf einer sprachlichen Ebene findet zwischen Iman und der Icherzählerin was statt.
00:25:56: Man könnte das sagen wie so ein Zwiegespräch dass sich durch den Roman zieht.
00:25:59: Die bilden nämlich immer wieder Sätze oder Halbsätze.
00:26:02: Und es gibt im Buch, die werden dann so angeordnet wie so zackte Telefonate von denen du immer nur ein Teil sozusagen hörst aber nicht nur eine Seite wie sonst oft ja dargestellt wird sondern einfach wirklich von beiden quasi nur so Teile.
00:26:15: und ich habe uns auch da exemplarisch mal eins mitgebracht weil ich dachte das wäre vielleicht ganz nett da mal kurzsprachlich reinzuhören.
00:26:26: So Hallo hallo Ich werde denn sonst Ja natürlich verzei Wie es mir und dir weiß ich nicht.
00:26:33: Heute Abend, ich versteh dich so schlecht!
00:26:35: Schlecht was?
00:26:36: Du kannst also... Ich höre dich nicht gut.
00:26:38: Kannst du ... Was ist etwas?
00:26:40: Nein nichts.
00:26:41: Du kannst mich später noch natürlich.
00:26:43: Ich rufe dich besser später an.
00:26:45: Ich sollte zwar mit Freunden ja wenn du nicht kannst dann das habe ich nicht gesagt nur Wenn du nicht.
00:26:50: jedenfalls telefonieren wir später Ja aber gegen sechs Uhr weil Das ist aber schon zu spät für mich.
00:26:56: Ja für mich eigentlich auch Aber heute hat das vielleicht keinen Sinn.
00:26:59: Ist jemand hereingekommen?
00:27:01: Nein, nur Frau Lajnjelinek ist jetzt... Ach so!
00:27:03: Du bist nicht mehr allein.
00:27:04: Aber später bitte
00:27:05: bestimmt!".
00:27:06: Und diese quasi Dialoge wo wir nie so richtig erfahren was eigentlich so gesagt wird aber uns immer etwas denken können die durchziehen diesen Roman und sozusagen einen Motiv in diesem Roman.
00:27:18: du hattest ja irgendwann mal erwähnt dass das Musik eine große Rolle spielt auch für den Aufbau sozusagen dass es sich da was aus der Musik entlehnt hat für den aufbaueres Romanz und ich würde sagen gerade dieses Spiel mit Motiven die Sprache generell, wie sie auch ihre Sätze baut.
00:27:32: Wie sie mit Wiederholungen arbeitet, mit Auslassungen und Pausen oder Steigerung.
00:27:36: Da ist viel Musikalisches dran, wenn man jetzt formal mal guckt.
00:27:44: Man könnte sich ja fragen, warum hat diese Auswirkung zwischen Ivan und dieser Ich-Erzählerin eigentlich keine Auswirkungen auf Marlina?
00:27:51: Weil der ist so ein klassischer Mann, der müsste doch eigentlich quasi eifersüchtig irgendwie mal werden.
00:27:59: Er selber hat aber nichts gegen sie, es gibt die Szene oder den Satz.
00:28:05: Selbstverständlich hat Ivan auch gar nix gegen Marlina gesagt an denen er nie denkt.
00:28:09: und wie sollte er ihn darum beneiden mit mir hier zu leben?
00:28:12: Es gibt einfach so eine komplette Gleichgültigkeit dieser Männer gegenüber dem Innenleben diese ich erzähle herinnen Und für das Ich stellt sich die Situation wie folgt da... Also auch hier wieder so dieses Motiv mit zwei, mit Ambivalenz.
00:28:34: Und damit ...
00:28:35: Sie sind ja beide so furchtbar!
00:28:37: Das finde ich eigentlich das Realistische und das Schlimme daran, dass sie keine Geschichte entwirft oder eine wirklich zum Retter werden kann, was sowieso ein zweifelhaftes Motiv ist.
00:28:45: Ja aber trotzdem,
00:28:46: gleichzeitig ist dieses Ich-Aber-so-unfassbar verzweifelt entschlossen, beide zum Rettern zu machen.
00:28:51: Weißt du also sozusagen?
00:28:52: Sie will's aber immer wieder, dass die die Retter sind.
00:28:55: Was sich das Interessante finde glaube ich da wo, gar nicht mit sich reden lässt, ist bei ihrem Schreiben.
00:29:02: Da sagen die immer irgendwelche Sachen und sie einfach auf Durchzug schalten und macht dann trotzdem was sie will und macht sich auch über die Lustig.
00:29:09: Das ist sozusagen ihr Heiligtum das, was Sie sich beschützt.
00:29:13: Wir kommen zum zweiten Kapitel der dritte Mann.
00:29:16: Und das ist ein Sprung in die Vergangenheit des Ichs.
00:29:18: Ich hatte gesagt es ist eben alles nicht so chronologisch.
00:29:21: man hat echtes Gefühl man beginnt jetzt nochmal neues Buch ein zweites Heft und muss am Ende hoffen dass sich alles zusammenfügt.
00:29:28: Es geht wieder um das ich und es gibt einem das Gefühl, dass man hier was Neues über das Ich erfährt.
00:29:35: Nämlich darüber seine existenzielle Krise, seine Unsicherheit, seinen Leiden in der Welt und sein Verhältnis zu Männern.
00:29:41: Man könnte sagen... Kapitel zwei ist ein bisschen die Origin-Story.
00:29:44: Warum ist dieses Ich so verzweifelt, darauf bemüht jetzt mit Marlina und Ivan klarzukommen?
00:29:50: Und warum sucht es bei den Männern diese bestimmten Dinge?
00:29:54: Diese Bedingungen werden nicht zwingend hergestellt also diese Zusammenhänge zwischen den Kapiteln aber sie ergeben sich halt einfach durch associatives Schreiben und Setzen von Gedanken.
00:30:06: Ich habe das ganze Setting als so ein Krankenhaus-Psychiatrie-Setting gelesen, dass ich liegt im Bett und hat lauter Träume in denen es von seinem Vater ermordet wird.
00:30:14: Und letztlich werden in diesem Kapitel halt diese Träime die ganze Zeit beschrieben.
00:30:18: Die mischen sich mit Erinnerung, dass mich an die Kindheit bei mit dem Vater.
00:30:23: Zwischendurch wacht das ich immer wieder auf und dann sitzt Marlina am Bett und gibt schlaue Ratschläge und macht seinen Men's Planning weiter aber sozusagen in diesem Setting jetzt.
00:30:32: Linden lasst mich dir mal ein paar Träumen vorstellen weil sie sind echt... zeigen einfach, wie gewaltvoll diese Vater-Tochterbeziehung ist.
00:30:38: In den meisten Träumen erleidet das ich entweder starke körperliche Gewalt oder wird ermordet.
00:30:45: Häussliche Gewalt spielt eine große Rolle.
00:30:47: Es gibt Träume in denen der Vater die Mutter schlägt, der Vater schläg den Hund.
00:30:51: es gibt Krankenhauser auf und halte die Familienmitglieder durch die Gewalt des Vaters erleiden.
00:30:56: Dann gibt's noch so vorgestellte Welten Der Vater jagt das ich in der Hölle.
00:31:02: Der Vater ist ein Krokodil, dass er sich verschlingt.
00:31:05: Es gibt Folterszenen wo der Vater das Ich foltert.
00:31:08: Es gibt Inzestszenen zwischen Vater und Tochter.
00:31:11: Und dazu ein Zitat, das exemplarisch zeigt, wie die deutsche Vergangenheit die Schoa immer wieder auch in den Roman als Motiv eingewoben ist.
00:31:20: Und zwar ich bin in der Gaskammer und mein Vater hat verschonten.
00:31:24: er hat gewusst wo die Türe ist und hat sie mir nicht gezeigt.
00:31:26: und während ich sterbe stopp meinen Wunsch ihn noch einmal zu sehen und ihm das eine zu sagen.
00:31:31: und auch darum geht es immer wieder dass dieses Ich eigentlich dem Vater mal gerne entgegentreten würde und sagen würde so geht's nicht mehr Und dass aber nie so richtig schafft.
00:31:40: in diesen Träumen, kommt das immer wieder.
00:31:41: Dass es das versucht kurz davor ist und dann aber abrichtt und nicht in der Lage dazu ist.
00:31:46: Natürlich gibt's da auch immer wieder schlaue Einordnung von Marlina dazu.
00:31:50: Das sollte jetzt nicht überraschen.
00:31:54: Es kommt zum Fazit in diesem Kapitel.
00:31:56: Ich bin an Eraserei meines Vaters verklüht und gestorben und ich denke diese Satz fasst wieder ein bisschen gut dieses Bachmann-Pathos sozusagen auch ein bisschen zusammen.
00:32:05: Sie wählt wirklich die ganz große sprachliche.
00:32:09: Dieser
00:32:09: Satz wird ja auch den Mythos um sie befeuern, weil wir haben letzte Woche darüber gesprochen wie sie gestorben ist und da entzünden sich jetzt natürlich um an dieser Metapher zu bleiben.
00:32:22: Jetzt auch wieder diese ganzen nachträglich zugeschriebenen
00:32:27: Erzählungen wo dann Dinge verknüpft werden sozusagen der Roman wo Sie darüber schreibt und kurz danach stirbt sie diesen Tod usw.. Diese Verbindung werden immer wieder hergestellt.
00:32:37: für das ich.
00:32:37: Ich hatte es schon gesagt, ist das Schreiben das Existenzielle und das bleibt's auch.
00:32:42: Die liegt in diesem Bett die träumt diese unfassbar schwierigen Träume und sie sucht von Marlina Hilfer bei der kann sie nicht wirklich er kann ihr in ihrer Not nicht wirklich helfen.
00:32:52: Und dann schreibt sie in eine Ecke gekauert ohne Wasser.
00:32:55: weiß ich dass meine Sätze mich nicht verlassen und dass sich ein Recht habe auf Sie.
00:32:59: also wieder Das schreiben als das was diese Person letztlich zusammenhält.
00:33:04: Und damit sind wir beim Kapitel drei.
00:33:06: von den letzten Dingen heißt das.
00:33:08: Ich will das Finale sozusagen nicht vorwegnehmen, obwohl das Buch ist sehr berühmt geworden ist aber vielleicht so viel.
00:33:15: die Lage für die Icherzählerin eskaliert.
00:33:17: eben der Ort ist wieder Wien und dieses Ungargasenland was uns die Icherzählerinnen am Anfang als so eine Art persönliches Idyll oder zumindest den Ort, an dem ich sich noch einigermaßen in Sicherheit fühle.
00:33:32: Das ist immer so Wien... das wird auch mal die Umgebung von Wien beschrieben und dann immer dieses Ungargassen-Land ...das ist mein Marliner Ort.
00:33:39: da wohnten Paarhäuser weiter.
00:33:40: Ivan, das ist sozusagen das Feld, in dem ich noch einigermaßen funktioniere könnte man sagen.
00:33:45: Das kippt ins Apokalyptische!
00:33:47: Das heißt wir haben jetzt Sätze wie diesen hier.
00:33:50: Die Priefträger in Wien sollen heute Nacht alle gefoltert werden.
00:33:53: Man will wissen ob sie den Briefgeheimnis gewachsen sind oder Aber Wien hat nicht mehr viel Zeit, die Stadt kleitet in den Untergang und an einer anderen Stelle Marlina sagt was ich erwartet habe, Wien brennt.
00:34:07: Und das heißt es wird ja auch auf dieser Ebene eben extrem die Kratzahl hochgestellt wenn man das so sagen will.
00:34:16: Es passiert eine apokalyptische Stimmung und in diese Stimmung rein gehört auch dass dieses Ich, was ja schon die ganze Zeit überfragil ist jetzt ne Beziehung zu Iwan hat die Also Ivan meldet sich nicht mehr so dieses klassische, wie man es sich vorstellen kann.
00:34:30: Sie wird ihm jetzt zu viel.
00:34:31: er hat ja noch seine Familie.
00:34:34: die Begegnungen diese Gespräche, die sie führen mit diesen Halbsätzen werden immer düstere.
00:34:38: irgendwie also man spürt das auch dort durch da werden auch die Motive durch gearbeitet und es setzt aber auch eine Ernüchterung beim Ich ein.
00:34:46: Die sagt nämlich, nein es macht die Ivan nie etwas aus und für mich vergeht ihr das Leben.
00:34:51: Also irgendwie so festzustellen, okay weder Marlina noch Ivan können wir hier wirklich aus meinen Problemen raushelfen?
00:34:58: Und das ist aber auch da würde ich... Das mach man irgendwie auf eine Weise zu gut erhalten dass sie's... Du hattest das vorhin mal gesagt immer wieder diese sich auch in die andere Perspektive reinversetzt und es nie zu einfach macht.
00:35:11: Und da ist es zum Beispiel so, dass Ivan diese Rolle, die das ich ihm zumutet mit diesen ganzen So-Rette-Mich hol mich aus meiner Situation raus, hilf mir die Sachen auszumerzen sie schwierig sind und sowas gar nicht will und auch gar nicht wollte sozusagen.
00:35:26: Ivan sagt lachend aber nur einmal Ich kann dort nicht atmen wo du mich hinstellst bitte nicht so hoch hinauf.
00:35:32: Das heißt es ist eben wirklich eine starke Verwicklung zwischen diesen drei Figuren die ganze Zeit.
00:35:39: Und am Ende verstummt die Autoren, die Sprache bleibt aus und es gibt diesen Satz das ist nicht der letzte Satz wo sie aber sagt Aber ich sage nichts Ich sage überhaupt nichts.
00:35:49: Man hat wirklich das Gefühl dass sozusagen das letzte Refugium Bei der Suche nach einer Lösung, bei der suche über diese zwei Männer vielleicht doch noch aus der existenziellen Krise rauszukommen ist.
00:35:59: das letzte Refugium nämlich die Sprache die immer irgendwie noch funktioniert hat.
00:36:04: Ist sozusagen auch abgestorben.
00:36:06: Das heißt... ...das ist einfach ein unfassbar komplexer Roman?
00:36:11: Das ist ein Roman wo es mir so ging ehrlich gesagt als ich dieses erste Kapitel gelesen habe und zwar warm Es ist einem ständig zu viel war, wo ich immer so dachte die Sätze sind so lange gebaut.
00:36:22: Die Gedanken sind so verworren irgendwie es kippt die ganze Zeit hin und her zwischen.
00:36:26: Ich will dich unbedingt auf keinen Fall und aber auch in der Eigenbeziehung.
00:36:31: Dann kommt das nächste Kapitel, dann kommen diese Träume und die sind so voller Gewalt.
00:36:37: Und dann kommst du ins Nächste... Also es ist auch ein bisschen sowieso Alice in Wonderland oder so.
00:36:41: Du kommst immer in einen anderen Raum, in den anderes Gebiet und plötzlich musst du dich mit ganz neuen Sachen rumschlagen aber alles ist düster apokalyptisch gewaltvoll brutal.
00:36:49: Das ist da erstaunlich dass du das sagst.
00:36:51: weißt du weil?
00:36:52: du hast für den Podcast Dessert gelesen und da warst du nicht so am Boden wie jetzt
00:36:58: hier?
00:36:58: Ja ich glaube weil's halt.
00:37:00: bei der Desserte ist es irgendwann so, da hast du das Gefühl zu einem Gewaltporn.
00:37:05: Da bist du entsetzt, aber irgendwann denkst du dir, okay, das ist jetzt keine Ahnung was das richtig soll, aber gut mach halt!
00:37:11: Hier hast du ja das Gefühl, du spürst die ganze Zeit durch diese ganze Gewalt und so durch diese existenzielle Not dieses Ichs Einfach auch viel in Sprache kleidet was vielleicht nur.
00:37:24: also man kann sich jedes mal vorstellen, dass das was beschrieben wird gar nicht in der Wirklichkeit passiert sondern in diesem ich passiert und das macht es aber sozusagen so schwer erträglich weil man dann so mit fühlt.
00:37:34: Und ich würde auch sagen dass das ein buch ist mach man sollte sich einfach die mühe machen dadurch zu gehen und auch nicht glauben Ja, Ingebrock Bachmann ist ja so toll und die hat ja so einen Ruhm.
00:37:45: Und was weiß ich?
00:37:46: Ich hole mir das Buch jetzt und es wird super leicht!
00:37:49: Manchmal kriegt man ja wenn Autoren so ein Mythos haben oder Autorinnen, hat man hier so eine Gedanke von, woher bin ich das aufschlag?
00:37:56: Das wird so gut zu lesen sein.
00:37:57: Das würde mich sofort treffen und sowas.
00:38:00: Dann kommt halt sowas, was sich bisschen verweigert, was es einem wirklich nicht so leicht macht teilweise.
00:38:05: Da gibt's sicherlich auch andere denen das dann anders geht.
00:38:07: aber trotzdem glaube ich dass es doch für einige Leute durchaus eine herausfordernde Lektüre ist.
00:38:14: Aber ich würde sagen, es lohnt sich und vor allem am Ende hat man dann so dieses Gefühl von... Es kommen immer wieder Sätze die einen völlig mitreißen und man hat das Gefühl okay, ich verstehe jetzt was das Ganze, warum das auch am Anfang vielleicht nicht anders ging.
00:38:26: Warum's so kompliziert sein musste?
00:38:29: Und
00:38:29: vielleicht noch eine Einordnung von außen.
00:38:34: Dieses Buch hat die Literaturkritik sehr überfordert Aber die LeserInnen haben es geliebt und das wurde im Bestseller kurzzeitig.
00:38:43: Was vom
00:38:44: Tage übrig blieb!
00:38:47: Glücklich allein, mir gehören zu dürfen.
00:38:51: Ich bedarf zur Zeiten der Sammlung Der Einkehr.
00:38:54: Wie gehen meine Gedanken?
00:38:56: Wünsche Vielewünsche Ungeordnete Wünsche.
00:38:59: Warum bin ich nicht im Stande ein Kunstwerk zu schaffen?
00:39:02: Wie oft packt mich eine unwiderstehliche Sehnsucht nach Äußerung?
00:39:06: Ich bin wie einer, der das Feuer an seinen Fersen fühlt und dem die Stimme verschlägt zu schreien.
00:39:13: Das schreibt Thea Sternheim in ihr Tagebuch, dass nach sechzig Jahren über dreißig tausend Seiten umfassen wird – und ihr den Beinnahmen Chronistin der Moderne einbringt.
00:39:23: und mir sei noch die Bemerkungen gestattet, Fantastisch zu dem vorangegangenen Pass das Verstum, obwohl der Schmerz noch da ist.
00:39:37: Thea Sternheim wird am XXV November, in ein bürgerlich-katholisch-konservatives Elternhaus in Neuss bei Düsseldorf geboren, wächst streng aber Kultur und Bildungsaffin auf – schon als Kind neugierig begabt, ehrgeizig.
00:39:53: Übrigens hat sie wie unsere liebe Annette von Droste und so weiter eigentlich einen viel längeren Namen, und zwar Olga Maria Theresia Gustava Bauer.
00:40:04: Das wollte ich nicht unterschlagen!
00:40:06: Sie hatte sich früh gegen den Willen ihrer Eltern mit dem zehn Jahre älteren Artur Löwenstein verheiratet – das war Ninzehundert-Eins – begann zwei Jahre später dann eine Affäre mit dem ebenfalls verheiralten Dramatiker und Dichter Karl
00:40:18: Sternheim.".
00:40:20: Zu dem Zeitpunkt hatte sie bereits eine Tochter mit Löwenstein, bekam dann noch eine Tochte mit Sternheim.
00:40:25: Das war Ninzehundertsechs und als diese zweite Tochter ein Jahr alt ist wird die Ehe geschieden und dann müssen beide Töchter beim ersten Mann bleiben.
00:40:35: Es ist jetzt ein bisschen kompliziert aber bei Arthur Löwenstein obwohl das zweite Kind nicht sein eigenes ist er bekommt das sorgerecht zugesprochen.
00:40:46: darüber konnte ich nicht viel herausfinden, aber man kann sich vorstellen dass allein diese Entscheidung schon das Leben von Thea Sternheim ganz schön auf den Kopf gestellt hat.
00:40:55: Sie heiratete Sternheim dann war also wieder verheiratet und zog mit ihm in eine riesige Villa bei München die fast schon was Schlossartiges gehabt hat.
00:41:02: sie war wohlhabend er war erfolgreich und sie haben noch gemeinsam einen Sohn bekommen.
00:41:07: sie hat angefangen Kunst zu sammeln.
00:41:09: sie hatte zum Beispiel die größte Fangochsammlung ihrer Zeit und war eben auch dazu kommen wir da noch Schriftstellerinnen und Fotografen.
00:41:17: Es begann ein bewegtes Leben.
00:41:19: Sie wohnte in Brüssel, bei Dresden auf der Schweizer Seite des Bodensees und schon kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging sie nach Frankreich, denn als wache Beobachterin ihrer Zeit ahnte sie was kommen wurde.
00:41:33: Sie wurde kurz als feindliche Ausländerin in Haftiert in Frankreich kam aber frei lebte verarmt in Paris.
00:41:40: die Nazis hatten ihr Vermögen eingefroren.
00:41:42: das lag daran Sie haben es schließlich auch eingezogen, dass sie eben eine unliebsame Intellektuelle war und ihre beiden Ex-Männer sind Juden gewesen.
00:41:52: Und das war auch einer der Gründe, warum sie ins Visier der Nazis geriet.
00:41:58: Man muss auch leider sagen, dass die ihre beiden Kinder, die sie mit Sternheim hatte überlebt hat und denen Holocaust nicht überlebte.
00:42:06: In den letzten Jahren zog sie zu ihrer ältesten Tochter nach Basel, um Unterstützung wegen ihrer finanziellen und gesundheitlichen Notlage zu erhalten.
00:42:16: Sie schrieb während dieses bewegten Lebenserzählungen und den Roman-Sackgassen.
00:42:22: Das ist ein autobiografischer Entwicklungsroman in dem er in den ersten Jahr zwischen Brüssel und Paris spielt.
00:42:32: Da wird die Diskrepanz geschildert... die sie empfunden hat in ihrer Liebe zu Sternheim, ihrem zweiten Mann.
00:42:39: Also sie hat unter diesem Mann sehr gelitten der sie eben dauernd auch betrogen und ihr Vermögen verschleudert hat aber sie hat ihn eben auch geliebt.
00:42:50: Diese Rollenbilder von Mann und Frau werden dort eben verhandelt, aber auch die Liebe zur Literatur spielt im Roman eine Rolle vor allem zu Flaubert.
00:42:57: Religion, Mystik sind Themen, Einsamkeit, Vergeblichkeit – das ganze spannt sich auf als es ist autobiografisch grundiert!
00:43:04: Aber das Ganze spannt zwischen drei Frauen, Figuren Anna Nadja und Marie.
00:43:10: Weshalb sie aber so bekannt geworden ist, liegt natürlich an diesem Tagebuch das ich schon angesprochen habe.
00:43:14: Sie hat über sechs Jahrzehnte-Tagebuch geführt und diese vierunddreißig tausend Seiten liegen im Literaturarchiv in Marbach.
00:43:22: Was passiert in diesen dreißigtausend Seiten?
00:43:26: Die Rolle der Frau spielt eine Rolle, ist Thema Kunst und Literatur, politische Entwicklungen in Europa, Religionen... Es ist privat, es ist persönlich und das ist politisch.
00:43:37: Und es war nie zur Veröffentlichung bestimmt.
00:43:40: Deswegen ist es natürlich auch so ein unheimlich ehrlicher Einblick sowohl in ihr Leben als Frau zu dieser Zeit als auch im wachsamen Blick auf diese ganzen Entwicklungen die Europa am zwanzigsten Jahrhundert erschüttert haben.
00:43:56: Dass sie ganz nah dran war an diesen Entwicklungen zeigt auch das Beispiel von einem Bild Einer Malerei von Van Gogh, das Bild liebes Paar im Dichtergarten.
00:44:08: Das verkauft sie in der Weltwirtschaftskrise, um ihre Haushaltskasse aufzustocken an die Berliner Nationalgalerie für hunderttausend Mark.
00:44:16: Sie bekommt eine Sofortzahlung von zwanzigtausends Mark und vereinbarende Ratenzahlungen – des Restes auf mehrere Jahre!
00:44:23: Doch die wird eingestellt als die Nazis nach ein paar Jahren das Bild als entartet einstufen und mitnehmen.
00:44:30: Und bis heute fehlt von diesem Bild jede Spur Und Thea Sternheim hat ihr Geld nie wieder gesehen.
00:44:38: Immer wieder verkauft sie Malereien, um während schwieriger Zeiten über die Runden zu kommen.
00:44:42: Ein von ihr Verkaufter Matisse landet zum Beispiel bei Pablo Picasso und sie besucht ihn dann auch, um es zu besichtigen auf seine Einladung hin also so unbekannt.
00:44:51: ich glaube vielen von uns diese Frau ist so vernetzt war sie doch mit Künstler in den Fotografen und dieser ganzen Kultur Szene Eine Sonderstellung.
00:45:03: Wenn sie sozusagen diese Giganten der Malerei bei sich gesammelt hat, offensichtlich ja noch zu einer Zeit als die erschwingen nicht waren weil sie jetzt nicht so unfassbar viel Geld hatte.
00:45:12: Ganz
00:45:12: genau so ist es!
00:45:14: Dorothea Zwirner hat eine Biografie geschrieben in der sie... der Haltung und Würde dieser Thea Sternheim nachspürt.
00:45:22: Das Buch heißt eben auch Chronistin der Moderne, ein Interview mit der Autorin Dorothea Zwirner habe ich in der Folgenbeschreibung verlinkt.
00:45:31: Und wenn man wirklich mehr erfahren will dann ist diese Biografie glaube ich ein sehr guter Einstieg und bietet einen tollen Blick auf das was diese Frau so besonders gemacht hat.
00:45:42: und deswegen möchte ich mit dir anstoßen Cheers und wir sehen uns nächste Woche wieder.
00:45:51: Bis dann,
00:46:25: Tschüss!
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