Starke Strömung
Shownotes
Wie wehrt man sich gegen Satz-Diebstahl? Wer war Alvaro Maderholz? Und was tun bei der nächsten Hitzewelle? Wir haben da ein paar Tipps. Außerdem geht’s um das ungeschönt Leben der Zelda Fitzgerald, den neuen Kulturetat und eine Menge Literarischer Preise. Glückwunsch an alle Gewinnerinnen!
Bücher Stefan Schomann, „Vom Wesen der Flüsse“ (Galiani) Clemens Böckmann, „Das richtige Leben des Alvaro Maderholz“ (Matthes und Seitz) Marion Poschmann, „Die Winterschwimmerin. Verslegende“ (Suhrkamp)
Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger
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Transkript anzeigen
00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse.
00:00:07: Mit Lin Pinedope Miklitz und Josef Braun.
00:00:22: Hallo Joseph!
00:00:23: Schön dich zu sehen.
00:00:24: Hallo Lin, schön dich zu seh'n.
00:00:26: Josef, du weißt ich checke so ziemlich pedantisch jeden Tag mehrmals die Wettervorhersage weil... Ich immer wissen will was passiert?
00:00:37: Was natürlich Quatsch ist, weil sie sich auch dauernd ändert.
00:00:39: aber ich hab's gemacht heute Und ich habe gesehen die nächste Hitzewelle steht bevor.
00:00:45: Was heißt das?
00:00:46: Wann fängt es an oder was?
00:00:48: Es wird aber gesagt, dass jetzt wieder eine kommt.
00:00:49: Also diese Wetterverhältnisse die ich glaube nicht dieses sondern nächstes Wochenende uns erwarten bzw schon ab so Mitte nächste Woche.
00:00:58: Oh Mann, aber ich hab was mit Literatur zu tun.
00:01:01: Ich komm da noch hin!
00:01:02: Aber die Nächte werden heißer und es kühlt nachts nicht mehr ab.
00:01:05: Die Nächten werden tropisch.
00:01:06: Das ist ja so dieses Wetter wo's auch wirklich an die Substanz geht ne?
00:01:09: Das steht uns wahrscheinlich wieder bevor... ...die Ausprägung.
00:01:12: und ob das nochmal so heiß wird wie wir's schon hatten, dass is unklar.
00:01:15: Ich habe da immer richtig zu tun, dass sich da psychisch irgendwie zurecht komme.
00:01:19: Habe aber gedacht, das ist die perfekte Gelegenheit weil wir heute etwas richtig Erfrischendes machen.
00:01:27: Wir reden ja heute ganz viel über Wasser und ich hab mir nochmal die Mühe gemacht, aus meinem Regal noch sieben andere Bücher, die mit Wasser zu tun haben rauszusuchen.
00:01:37: Und die werden wir euch auf Instagram wahrscheinlich nächste Woche nochmal ein bisschen zeigen so als perfekte Lektüre für die heißen Tage!
00:01:46: Da ist garantiert für alle was dabei.
00:01:48: also folgt uns falls ihr das noch nicht macht.
00:01:50: und dann halten wir wieder in feinster Tradition Bücherstapel in die Kamera und empfehlen ein bisschen, was zu den aktuellen Herausforderungen passt.
00:02:04: Im
00:02:07: Vulkan!
00:02:08: Wir haben wieder ein paar Themen, wir streifen am Rande noch mal Wolfram Weimar war eigentlich nicht oder.
00:02:13: Also es geht um den Kultur-Eta, also um seinen Mysterium sozusagen und der soll im Jahr zwei tausend sieben zwanzig um rund acht Prozent sinken.
00:02:19: das war jetzt auch viel auf Social Media und in den Nachrichten.
00:02:22: besonders betroffen ist allerdings in dem Fall tatsächlich nicht so sehr die Literatur soweit ich das jetzt gesehen habe bundesweit sondern eher Filmförderung Popmusik und Nachwuchsprogramme.
00:02:32: Ja, das habe ich auch gesehen.
00:02:34: da gab es ja diese große Rechnung dass die nachwuchsförderung gerade in der pop musik extrem runtergefahren wird.
00:02:41: und so ich glaube eine million mehr gibt's für dieses richard Wagner.
00:02:46: wie heißt denn ist die wagner festspiele?
00:02:49: Ja, also das kann man machen.
00:02:54: Das muss man ja erstmal dazu sagen.
00:02:55: Der darf das so entscheiden oder dürfen die da so entscheiden?
00:02:58: Das ist alles rechtens aber das hat natürlich ein Geschmäckle.
00:03:02: Ich habe einen Interview gehört mit einem Professor Dr.
00:03:05: Julius Heinecke aus der Uni Hildesheim, der sich so mit Kulturmanagement und solchen Sachen eben beschäftigt.
00:03:11: Und er meinte halt das Zeichen was einfach gesetzt wird... Die Alten werden unterstützt und werden sozusagen sogar noch mehr kriegen, noch mehr Geld.
00:03:20: Und alles was jung und innovativ ist, dem wird halt das Geld weggezogen.
00:03:24: Dazu passen ja irgendwie auch so ein bisschen... Auch wenn es vielleicht nicht ganz eine Altersfrage zu klären ist.
00:03:28: aber diese ganzen Sachen um den Buchpreis oder um den Verlagspreis, Buchhandlungspreis dass die alternativeren Sachen einfach so weggekürzt werden und das was so Wagner fest spielt traditionell.
00:03:40: Aber das bedeutet eben auch, zum Beispiel wird gekürzt was die Musik angeht beim Reeperbahnfestival und das ist halt so ein Festival in Hamburg.
00:03:48: Was sehr viel von jungen Leuten getragen wird wo junge Leute hingehen, wo junge Menschen mit der Organisation sind, wo es Veranstaltungen rund um die Musik gibt Und die kriegen einfach weniger Geld können dann weniger auf die Beine stellen während eine Institution Wie die Wagner-Festspiele, wo man durchaus auch die eine oder andere Frage stellen kann.
00:04:08: Ich erinnere nur an die Ausladung von... Wie war noch mein der Name?
00:04:15: Michael Friedmann, genau.
00:04:17: Die Ausladung wo eigentlich eine Diskussion mal über die Nazi-Vergangenheit der Wagners stattfinden sollte und dann irgendwie doch nicht.
00:04:23: und das alles so sehr mit dem Geschmäckler sagen wir mal und Wagner selbst auch mit einem Geschmäcker auch wenn er hier aus Leipzig kommt.
00:04:31: Das ist so eine Frage wo man eben auch wieder die Stoßrichtung sieht.
00:04:35: Du hast es gesagt, sie können's machen und es ist ein CDU-Minister.
00:04:38: Man muss jetzt sich auch nicht so tun als ob man jetzt mega überrascht davon wäre.
00:04:42: Was nochmal aber ein Hinweis war, den ich ganz interessant fand dass Monika Krüttes die ja davor die Ministerin war halt im letzten Jahr mehr Geld ausgehandelt hat als Weimar.
00:04:52: und das ist ja auch was was von Weimar immer wieder so ein bisschen vorwirft, dass er sich nicht so bis zum Letzten in die Verhandlung stürzt um um das Geld rauszuziehen, weil es ist ja auch immer eine Verhandlungssache.
00:05:03: Wie viel Geld kriegt mein Ressort?
00:05:06: Weißt du ich hab zwei Gedanken dazu, dass eine ist ... Ich weiß nicht ob ich mich zu weit aus dem Fenster lehne aber wenn du sagst junge Leute die das auf die Beine stellen und die echt auf die Förderung angewiesen sind dann muss ich trotzdem an März denken.
00:05:16: Und wahrscheinlich den Gedanken von oder dass die da alle so ein bisschen das Gefühl haben von der macht halt ne vernünftige Arbeit.
00:05:22: So weißt Du!
00:05:24: Die mit dem Zeug total viel Geld verdienen, kriegen noch was reingebuttert.
00:05:28: Und ich muss gerade daran denken, als ich in Ladenburg war im Juni bei den Ladenburger Literatur-Tagen.
00:05:34: Da habe ich mich unterhalten mit den Herausgebern vom Sprache im technischen Zeitalter, wir hatten da so ein kleines Bühnenformat und der Manuskripte.
00:05:43: Die Manuskrypte in Graz und da hat Andreas Unterweger, der Herausgeber erzählt das ist dort Das kann ich dir nicht mehr sagen, ob das eine aktuelle Sache war oder eben ne Vorgängersache.
00:05:55: Aber es gab mal jemanden aus der CDU, der dort auch den Kultur-Ital verhandelt hat und ... Und auch was wie gefördert wird?
00:06:05: Da war er positiv überrascht, weil du hattest die CDU erwähnt.
00:06:08: Es war halt auch so'n ganz klassische politische Stoßrichtung im Sinne von konservativ.
00:06:14: Dass die Person aber meinte... Ich muss fördern, was mich angreift um mich seriös, um seriöst zu bleiben.
00:06:22: Und das fand ich ein spannenden Gedanken zu sagen.
00:06:24: also es muss was geben was sich an der Politik die ich mache abarbeitet auch in der Kultur weil genau dass hält die kulturelle bändig weil ich sitze ja auf dem posten
00:06:32: totales gibt es gibt auch beispiele nicht so sein wie sie jetzt gerade ist.
00:06:38: ich glaube das ist ein großes thema und wo man natürlich auch hingucken muss und das weißt du ja besser als viele andere, ist dass wenn wir jetzt sagen okay bundesweit in diesem Etat wird für Literatur nicht viel gespart dann muss dass.
00:06:51: ein Großteil der Literaturförderung findet eben auch nicht im Bund statt, sondern über die Kommunen.
00:06:57: Über die Städte, über die Orte
00:06:58: und
00:06:59: da wird super viel gespart.
00:07:00: Das heißt bis zu fünfzig Prozent!
00:07:02: Und das muss man halt dann auch in Relation sehen.
00:07:04: also, dass man sagt okay, da wird vielleicht bundesweit nicht viel gespielt aber bundesweiten kann man auch gar nicht soviel beantragen.
00:07:09: jetzt kleinere literarische Projekte, Festivals usw.
00:07:12: macht richtig Gut, wir kommen noch zu einem anderen Thema.
00:07:16: Wir bleiben so ein bisschen apokalyptisch schlecht gelaunt und ich bin aber gespannt was so ein bißchen auch dein tag dazu ist.
00:07:22: okay es geht um mein artikel in der fatz den einen leipziger autor nommen gangus geschrieben hat
00:07:28: das ist doch hier unser leibziger kollege.
00:07:30: wir
00:07:30: werden auch mit überein seiner bücher reden bald oder.
00:07:33: das war doch der plan.
00:07:34: das war der plan.
00:07:35: jetzt pass auf.
00:07:35: die überschrift lautet wir haben den literarischen dosen.
00:07:38: fraß hat
00:07:39: ich habe das gelesen.
00:07:40: natürlich
00:07:41: dann lass uns doch mal drüber sprechen.
00:07:42: vielleicht Wie wäre es, ich fasse ein paar Punkte von dem Artikel zusammen und dann reden wir drüber?
00:07:49: Das würde mich nämlich auch sehr interessieren was du da sagst.
00:07:52: Also er fängt damit an dass man irgendwie als Kind so staunt und dass das so ein wichtiger Mechanismus ist um die Welt zu begreifen und letztlich das Staunen später wenn man erwachsen wird und eben nicht mehr diese kindlichen Räume hat in der Kunst stattfindet oder über die Kultur, dass wir dadurch sozusagen wieder mit der Welt in Verbindung prägen.
00:08:11: Die Neugier des Staun das wahrnehmen ne?
00:08:13: Genau genau.
00:08:15: und Zu diesem Staun gehört eben auch die Irritation Das nicht verstehen er schreibt etwas nicht greifen oder benennen zu konnten Das gehört da auch dazu.
00:08:24: und dann dem Wunsch eben dem einen Sinn zu geben das ist so dieses kindliche Weiß ich nicht.
00:08:30: du siehst irgendwas aber weißt es noch nicht wie das heißt oder so.
00:08:32: aber du versuchst es dann diese Irritation zu lösen und er sagt, das findet auch in der Kunst statt idealerweise.
00:08:38: Dass es also Irritationsmomente durch Kunst gibt ein bisschen auch wie du was du jetzt gerade gesagt hast mit dieser Förderung die Kunst soll irritieren, die Kunst soll auch mal irgendwie einfach Fragen stellen.
00:08:49: Dann kommt er eben zu diesem Punkt, dass er sagt das Kunsterlebnis hat sich halt krass verändert.
00:08:54: In Museen rennen alle zum Selfie machen hin direkt am Bild vorbei.
00:08:57: Das Bild an sich spielt eigentlich gar nicht so eine Rolle.
00:08:59: bei Spotify ordnet oder bei anderen Streamingdiensten ordnen die ja eigentlich KIs schon zu was dir noch so gefallen könnte.
00:09:07: Das heißt du diese Prozess der dazu gehört hat früher vielleicht zu sagen Was ist es eigentlich für ne Musik die mir gefällt?
00:09:13: Oder da hole ich mir was...das geht auch so voll und es wird einfach alles komplett konsumierbar
00:09:18: gemacht.
00:09:18: was ich oft denke, da muss ich kurz einhaken.
00:09:20: Weil das stimmt ja es gibt ja so Playlist wo alles möglichst ähnlich klingen soll.
00:09:23: das sind dann so Hintergrund Musiksachen und da habe ich ja den Vorteil Ich höre ja nie Musik im Hintergrund.
00:09:28: mich stresst das komplett.
00:09:29: ich kann das überhaupt nicht.
00:09:32: Deswegen bin ich davon wahrscheinlich nicht so betroffen.
00:09:34: So.
00:09:34: und was aber lustig ist Es gibt ja dieses Ding dass Leute sagen Millennials haben einen superweeren Musikgeschmack weil die so alles gut finden.
00:09:42: Das kommt noch aus Radiozeiten.
00:09:44: Weil natürlich hatten Radio irgendwie Schwerpunkt, aber ich hab als Kind im Auto gesessen bei meinen Eltern Ich habe nur radio gehört und ich konnte jeden Song mit singen Ob das ein Rap-Song war?
00:09:52: Ein Pop-Songs oder irgendein Synthi-Singer
00:09:55: aus
00:09:56: den Achtzigern Die kam halt immer so in Rotation da ging es um Abwechslung Da sollte's nicht gleich klingen.
00:10:01: Jetzt kann man natürlich sagen popmusik klingt immer irgendwie ähnlich.
00:10:03: das mag sein Aber dieses Prinzip Das kenne ich schon irgendwie, dass das auch so einen gewissen Reiz hat.
00:10:09: Das hat mich auf jeden Fall geprägt.
00:10:10: wenn ich irgendwie... Man kann ja sicher selber Playlists erstellen also da ist wirklich alles drin.
00:10:16: Ja bei mir auch.
00:10:17: Also
00:10:18: das geht einfach... Ich sage das oft zu scherzhaft.
00:10:21: Ich habe keinen Musikgeschmack in meiner Playlist es irgendwie Felix Mendelssohn Bartholdi und Tokyo Hotel.
00:10:25: Das geht einfach in keiner Welt irgendwie zusammen Und ich find, das macht aber auch irgendwie den Reiz aus.
00:10:31: Na komm, die kommt beide aus der Gegend hier.
00:10:34: Siehst du
00:10:34: ja genau!
00:10:37: Das ist halt so ... Deswegen versteh' ich das schon wenn... Also mich reizt es auch nicht und ich kenne das im Museum übrigens.
00:10:43: Mich überfordert oft, wenn ich ins Museum gehe dass dann so da hängen halt unendlich viele Bilder und dann mache ich das mittlerweile ganz oft so, dass ich mir eins aussuche und dann setze ich mich da eine Stunde davor.
00:10:54: Ja bester, beste Rad mach ich tatsächlich auch inzwischen so vielleicht nicht unbedingt eins, aber wirklich gezielt ein paar Bilder.
00:11:02: Weil sonst hast du halt zum Beispiel... Vor allem auch in so krisigen Museen, in Paris oder London oder sowas wo du weißt da hängt halt einfach so viel Weltkunst.
00:11:11: Das ist nicht... In manchen Museums ist das ja einfach ... Da weißt Du es gibt nur drei Bilder die wirklich krass sind und der Rest ist ein bisschen der Hängt da halt noch mit.
00:11:18: aber sozusagen das sind ihre drei Bilder, die sie haben.
00:11:21: Aber in so großen Galerien hast Du ja teilweise fünf Stockwerke mit, weißt du?
00:11:25: Und da finde ich auch nochmal also es macht total Sinn Wir können zur Literatur noch kommen, spezifisch.
00:11:32: Weil das ist ja sozusagen der Bereich wo wir uns einbilden auskennen.
00:11:35: Das
00:11:35: ist schön gesagt!
00:11:38: Wo wir auf der Suche immer nach Staunen sind auf jeden Fall.
00:11:41: und da sagt er halt es gibt schon...das räumt er schon ein sozusagen jeder, der das nicht einräumt.
00:11:49: Da würde ich sagen dann bist du einfach auch so... Dann willst du halt unbedingt dein Argument bringen?
00:11:53: Weil er sagt natürlich gibt es Bücher noch die sich allen Begriffen entziehen, die uns staunen lassen und die irgendwie was Experimentelles versuchen oder sowas.
00:12:00: Das ist nicht weg!
00:12:02: Er sagt aber Es wird halt immer weniger weil Die Literatur wird an Erwartung angepasst sein.
00:12:08: Argument erschreibt zeitgenössische Literaturen Der übergroßen Mehrheit überfordert nicht mehr macht nichts mehr Staun.
00:12:14: Sie is zum Accessoire verkümmert mit dem man sich distinguiert und kulturell beflissen geben kann.
00:12:19: Dabei sind die Titel jeder beliebigen Top-Tendiste meist nur noch literarischer Dosenfraß mit aufs Kramm genau abgewogenen, Geschmacks- und Zielgruppenoptimierten Zutaten, künstlichen Aromen sowie
00:12:30: Farbenkonservierungsstoffe.".
00:12:33: Und das ist sozusagen sein Werdig zur Literatur.
00:12:44: gegen Ende stellt er so ein bisschen die vermutung an woran das liegen könnte und sagt halt neben sozusagen diesem was ja auch anklingt durch die vergleiche der zieht zu dieser diese markt logik einfach die die kunst und kultur dominiert.
00:12:56: was verkauft sich kommt aus so dir welts.
00:12:59: Er schreibt, er erscheint mit all ihren Krisenkonflikten und Kriegen betrohlich und unübersichtlich so unüber sichtig dass man nicht noch uneindeutiges lesen will.
00:13:07: Also so diesen Faktor von da sind wir auch nah am Markt dran und so werden Bücher ja inzwischen auch wirklich das kann man ja sagen wirklich oft beworben nach dem Motto Du willst deine Füße hochlegen, du willst dir einen spannenden Abend machen.
00:13:19: Dann ließ diese drei Bücher.
00:13:20: Ja!
00:13:21: Du liegst am Strand... ...du willst eine spannende Geschichte.
00:13:24: Also das was wir in diesem Romanticie-Bereich in Extremform haben, wo wirklich dann steht so.. Das ist die Erzähltruppe, die wir jetzt haben.
00:13:33: Haben wir dort ja auch und auf einer anderen Weise Und ähm....ja Ich weiß nicht, wie stehst du zu solchen Beobachtungen?
00:13:43: Ja ich glaube man macht sich damit immer so ein bisschen... Also man macht es sich mit sowas glaube ich nicht leicht weil der Vorwurf natürlich immer schnell ist.
00:13:49: So Kulturpessimismus und da... Stimmt gibt Leute die da schnell diesen Vorwurf machen.
00:13:57: Ich finde aber das ist ein ziemlich guter Artikel.
00:13:58: mehr hat er sehr gefallen Und ich finde auch es sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
00:14:03: also ich glaube hier geht's gar nichts so sehr drum um zu kritisieren was Autorinnen machen und womit ihr Geld verdient.
00:14:09: Sondern irgendwie hatte ich das Gefühl, es geht so ein bisschen drum, was wollen wir eigentlich von der Literatur als Leser innen?
00:14:15: Und das verstehe ich schon, dass man dann mal so hinterfragt wie wählt man denn eigentlich aus und was interessiert einen und was ist so das Ziel des Lesens?
00:14:24: und ich merke, dass ich les ja fast gar nicht mehr aus Spaß Was nicht heißt, dass es mir nicht jedes Mal Spaß macht.
00:14:31: Aber du weißt was ich meine?
00:14:32: Man liest halt mit einer gewissen Absicht die man dann beim Lesen selber versucht zu verschweigen sich selbst damit man in diesen Genuss des Buches kommt und zum Staunen gebracht wird.
00:14:41: also ist wieder ein Thema für sich so diese wie ließt man eigentlich beruflich finde ich aber ich merke schon dass mir das dann manchmal fehlt.
00:14:49: aber ich find's auch krass.
00:14:50: ich könnte mir auch persönlich gar nicht vorstellen Bücher zu lesen die mich nicht verstören.
00:14:58: Also, ich finde dieser Irritat diese Störung und das jetzt mal wirklich in einem ganz neutralen Wortsinn sich stören zu lassen.
00:15:04: Das ist sowas was ganz viele Leute in jeder Lebenslage unbedingt vermeiden möchten.
00:15:10: Die Nachbarn dürfen nicht stören Kinder dürfen nicht Stören.
00:15:15: So alles ist so.
00:15:15: ein Stress geworden Ist jetzt meine Küchenpsychologische Analyse des Sachverhalts Und natürlich auch die Verstörung, die wirklich krass ist wenn wir von Kriegen sprechen von Klimawandel usw.
00:15:27: und sofort fühle ich total, stört mich jeden Tag, verstört mich auch jeden Tag.
00:15:32: aber ich merke dass mir das Lesen und die Auseinandersetzung mit Kultur dann Spaß macht wenn sie mich nicht jedes Mal rausreißt.
00:15:40: Ich will nicht immer fliehen davor!
00:15:41: Ich will so verstört werden, dass es mich in neues Verhältnis zu anderen Störungen setzt.
00:15:48: Also mir geht's da um Konfrontation mit der Welt, nicht um Eskapismus.
00:15:53: Und ich glaube das ist so ein bisschen die Frage und es gibt ja auch Themen in Büchern, die eigentlich drastisch sind aber auf eine Weise aufbereitet werden, dass sie gut verkonsumierbar sind.
00:16:02: Da ist natürlich ne echte Gratwanderung, heißt das so?
00:16:06: Ja.
00:16:08: Tut das jetzt der Sache gut oder ist das was wir nicht wollen?
00:16:12: Ich weiß es nicht, kann das nicht beantworten.
00:16:18: Der Trend wird sich jetzt wandeln wegen den Kosten, aber es gab ja lange sehr viel mehr Neuerscheinungen jedes Jahr.
00:16:23: Es stieg immer an.
00:16:25: Es wird da, glaube ich, eine Kehrtwende geben und dann haben wir darüber schon gesprochen, welche Qualität werden die Bücher dann haben?
00:16:31: Nicht im Sinne von gut oder schlechter Qualität sondern in dem Sinne von wie sind sie gemacht, was werden wir uns angucken?
00:16:36: Und nicht glaube, was es immer schon gab um das es auch immer geben wird ist so ne Art ... Wieso zwei Pole, die so ein Aushandlungsprozess zwischen Büchern, die einfach nur da sind als Urlaubslektüre oder um diesen Trostfaktor zu haben.
00:16:53: Die haben ja auch eine Berechtigung.
00:16:54: Das ist ja bei Filmen auch so.
00:16:56: Es muss nicht jeder Film ein kompletter Arthausfilm sein.
00:16:58: Es kann auch mal ein Blockbuster sein wo Leute eine gute Zeit haben.
00:17:02: Also sozusagen das abzusprechen wäre völlig absurd weil warum nicht?
00:17:06: Es gibt Leute für die es genau das Richtige und es kann es geben.
00:17:10: Aber trotzdem gibt's das andere noch oder geht das andere verschwinden... Verschwindet das
00:17:15: da
00:17:15: raus.
00:17:16: und das ist für mich auch was, wo ich sag früher als halt noch mehr Geld im Literaturbetrieb war.
00:17:21: Weil Literatur sozusagen eine der großen Entertainment Sachen war bevor dann die Medien die anderen Medien kamen War es ja so Das Verlage-Visurkamp oder so, die hatten halt so viel Kohle.
00:17:32: Die konnten einfach Autoren und Autorinnen auch durchschleppen, die ewig nichts geschrieben haben diese ganz berühmten Briefwechsel von Unseld mit allen möglichen Autoren, die dann sagen ja ich hab jetzt nix aber du musst mir jetzt mal langsam ein bisschen Geld rüber schieben weil ich weiß soll ich ihn jetzt machen?
00:17:43: Und Du kannst von mir auch nichts erwarten wenn ich jetzt hier nicht irgendwie mein bisschen Geld kriege.
00:17:48: Diese Wunderbahn genau!
00:17:50: Aber sie sind gar nicht mehr möglich und vor allem nicht wenn Du einen Buch geschrieben hast was sich vielleicht nur ein bisschen verkauft aber wo der Verleger früher gesagt hat Nö das ist aber eine gute Literatur Die machen wir so.
00:18:00: Und
00:18:00: wir hatten das ja schon beim Thema Bachmann, dass wir uns gefragt hatten okay wie ist das?
00:18:04: und da bin ich mal sehr gespannt zumal auch Ich habe mich mit Bola Vermende noch ein bisschen über das thema so am rande Mal unterhalten gehabt.
00:18:11: toller leipziger autor.
00:18:12: für alle die nicht regelmäßig hören
00:18:14: Genau genau wunderbar guter hinweislinn.
00:18:17: und Da war auch so ein bisschen die überlegung ob dann halt die interessanten sachen zunehmend wirklich bei den independent verlagen erscheinen und Ob es immer mehr so wird dass wenn man wirklich literat Literarisch interessiert ist an irgendwie neuen Formen und so, man einfach wirklich in die Independent-Verlage gucken muss.
00:18:34: Weil die Großen das immer mehr abschneiden umso schwerer sozusagen die marktwirtschaftliche Lage wird.
00:18:40: Das ist zumindest ein interessanter Gedanke.
00:18:42: und Lin, du bringst uns ja immer so viel independent mit Da können wir froh sein.
00:18:48: Wollen wir noch zum Georg Büchnerpreis kurz kommen?
00:18:50: Ja!
00:18:50: Mach mal schon noch ne Das ist ja nun mal einer der renommiertesten oder derrenommierteste vielleicht, deutschsprachige Literaturpreis.
00:18:57: Man kriegt fünfzigtausend Euro auszeichnen tut die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt Und er wird an Autoren verliehen, Autorinnen die maßgeblich zur deutschen Gegenwartskultur beitragen.
00:19:10: Der Bücherpreis, viele der ganz Großen haben den gekriegt.
00:19:13: Das muss man jetzt nicht noch weiter ausführen.
00:19:17: In diesem Jahr hat Christine Wunicke gewonnen.
00:19:19: die ist neunfünfzig Jahre alt lebt in München und Berlin Und sagt dir der Name was?
00:19:23: Ja, ich weiß das natürlich schon.
00:19:25: Ich habe mir... ist ja eine Weile her jetzt auch schon wieder und ich hab die ganze Zeit schon gedacht wir müssen darüber sprechen und vor allem müssen wir ne Folge über diese Autoren machen weil alles was sich zu diesen Büchern bis jetzt gelesen haben aber ich kenne die Texte nämlich nicht aus erster Hand quasi hat mir so ein Vibe gegeben von Das könnte voll zu mir passen und gleichzeitig hatte es wenn wir schon bei der Störung sind diesen Faktor von Da passiert richtig Was mit der Sprache und auch inhaltlich.
00:19:51: Also, ich hab da richtig Lust drauf.
00:19:53: Ich freu mich voll, dass sie ausgezeichnet wurde und das ist für mich wieder dieser kleine freundliche Reminder vielleicht mal reinzulesen in dieses Werk!
00:20:01: Ich habe dasselbe gedacht und ich hab einen ganz kurzen Auszug aus Wikipedia einmal zu ihren Figuren mitgebracht wo ich eben auch schon dachte, das müsste man sich mal angucken.
00:20:09: Unter Christine Wunekes Figuren findet sich... finden sich ein schottischer Rockmusiker die zwei Filmpioniere William Nicholas Selig und Francis Boxx und der japanische Nervenarzt Shima Mora.
00:20:20: Ihre Figuren sind oftmals nicht nur exzentrisch und mit einer jeweils sehr besonderen Obsessionengei segnet, sondern auch historisch verbirgt.
00:20:27: Entwickeln jedoch in den Büchern ein Eigenleben.
00:20:29: Ihre Romane sind daher nicht als plushistorische Romane angelegt, sondern erweitern historische Stoffe um Erfindung, Fabulierlust- und groteske Zuspitzung.
00:20:37: Weißt du was wir machen müssen?
00:20:38: Was?
00:20:39: Der Begriff historischer Roman fällt ja an diesem Kontext!
00:20:42: Wir müssen eine Folge machen wo wir diese Form historischer Roman die über das Historische hinausgeht angucken.
00:20:48: Autoren.
00:20:49: Wenn wir das machen, dann machen wir gleich drei oder vier Folgen, weil es ist so viel Arbeit, was du sich lohnen musst!
00:20:54: Da müsst ihr dann mit uns durch, da müsst ihr richtig durch einen historischen Monat mit uns.
00:20:58: Das
00:20:59: geht nicht anders.
00:21:00: Aber
00:21:00: das machen wir mal.
00:21:01: Und dann kommen wir noch zu einem Veranstaltungstipp, Kultur-Tipp.
00:21:04: Machen
00:21:04: wir vorher noch zwei Gratulationen sagen?
00:21:06: Ja sehr
00:21:06: gerne.
00:21:07: Es gibt noch mehr Preise und ich möchte gratulieren und ansonsten gar nicht viel dazu sagen aber wir haben's schon auf Instagram gemacht.
00:21:11: Wir haben Heike Geisler gratuliert zum sächsischen Literaturpreis.
00:21:15: Richtig toll.
00:21:16: Wie ist der Zufall?
00:21:17: so möchte, haben wir natürlich nächste Woche vor über Heike Geißler das Bücher zu sprechen.
00:21:21: Also freut euch da schon mal drauf!
00:21:24: Das passt wunderbar in unseren Planen.
00:21:27: und außerdem geht der deutsche Preis für Nature Writing an Alexander Schnickmann.
00:21:34: Wir haben beide Gedichtbände von Alexander Schnicker hier im Podcast schon besprochen Und ich freue mich sehr, herzlichen Glückwunsch auch von uns dafür und ich freu mich total.
00:21:45: Das ist einfach schön!
00:21:46: Es gibt eine öffentliche Preisverleihung – ich habe gerade leider das Datum vergessen aber da kann man einfach hingehen in Berlin und sich tolle Sachen anhören.
00:21:53: also großer Tipp auch.
00:21:55: Jetzt komme zum eigentlichen Veranstaltungstipp.
00:21:57: auf den freue ich mich richtig hardcore.
00:21:59: Okay, erzähl mal.
00:22:00: Ach so jetzt erzähle ich doch
00:22:01: okay.
00:22:01: Du darfst erstmal zu dem Termin erzählen und so ein bisschen?
00:22:03: Ja zu dem termin oh mein Gott warte mal kurz.
00:22:05: da muss ich nochmal schauen.
00:22:06: wann ist denn der termin eigentlich?
00:22:07: dreißigster siebter nächste woche donnerstag.
00:22:10: deswegen reden wir heute schon drüber.
00:22:11: ne ne du lieber das veranstaltet dass literator aus leipzig stattfinden tut das im grassi museum.
00:22:17: na das macht es nicht schlechter.
00:22:18: nee
00:22:18: das macht's eigentlich noch spannender finde ich.
00:22:20: du darfst jetzt mal sagen worum gehts wovon sprechen die eigentlich schon wieder?
00:22:25: Also Clemens Bergmann, der Autor liest aus seinem Roman das richtige Leben des Alvaro-Maderholz.
00:22:30: Das ist aber eine ganz komplizierte Angelegenheit dieser Alvarro-Madderholz-Situation.
00:22:35: Möchtest du uns die mal kurz vielleicht mit einem kleinen lürig Vorgeschmack näher bringen?
00:22:40: Weil da spielt vieles rein!
00:22:42: Genau manche werden den Namen Alvaromada-Holz schon gehört haben denn es gibt ein Gedichtband mit dem Titelspringer innen Alvaro Madaholz sozusagen bei Trottwanoir veröffentlicht, hat herausgegeben von Clemens Böckmann.
00:22:57: Bleibt bei mir ist es nicht so kompliziert wie es klingt.
00:22:59: in diesem Gedichtband oder Gedichte geschrieben von Alvaro Madaholz, imaginiert sich der Herr Madaholm zurück in seine Schulzeit.
00:23:09: Es ist also ein bisschen Gedichte coming of age Alltag die Herausforderung eines Schießsprunginternats Wettkämpfe Konkurrenz aber auch Solidarität und Nähe.
00:23:18: Also auch erst mal irgendwie eine geile Situation für Gedichte weil Sport und Gedichte sehe ich manchmal so ein bisschen am entgegengesetzten Ende Und Ich musste auch an die Routinen von Sonny Lewandowski denken
00:23:30: mehr
00:23:31: lyrische Roman, so ein Prosa-Text über die Welt der Mädchen im Profiturnen.
00:23:36: Da haben wir aber lustigerweise einen Kollektives erzählen – da kommen ganz viele Perspektiven rein und hier haben wir eine ganz individuelle Perspektive in Gedichten eben dieses jungen Skispringers.
00:23:47: Und damals hat Herausgeber Clemens Böckmann eben geschrieben dass er bei einer Recherche auf diesen dichtenden Skisprenger gestoßen ist und in seinem neuen Roman den du gerade erwähnt hast das richtige Leben des Alba Romaderholz.
00:23:58: Da geht es eben um dessen tatsächliche Biografie.
00:24:01: Und Böckmann sagt in der Öffentlichkeit halt konsequent er verwaltet diesen Nachlass, dieses dichtenden Skispringerst, der ... ... neunzentzeinseitig siebzig geboren und zweitausendfünfzig fünfzehn tödlich verunglückt ist.
00:24:16: Aber natürlich fragt Mattes und Seitz in der Ankündigung jetzt auch wieder so schön bei der Premiere-Bahn von einer Wahrheit hier die Rede ist die vielleicht immer schon Fiktion gewesen ist.
00:24:27: also Was es mit diesem Alvaro-Maderholz wirklich auf sich hat, ich weiß es nicht.
00:24:32: Mich hat diese ganze Sache ein bisschen an WG Sebald und seinen Austerlitz-Roman gehört... erinnert, wo Janine Erzähler sehr eindrücklich über eine andere Figur redet und wie das alles war in sein Lebenslauf usw.
00:24:45: Und man sich die ganze Zeit fragt ist diese Figur eigentlich reale, über die ihr da die ganze zeit redet?
00:24:50: Weil er redet halt so, er recherchiert es dann auch erfährt dann dahin und die ganzen Fakten im Umfeld sind halt real.
00:24:55: Die sind ja auch
00:24:56: Fotos!
00:24:57: In Clemensburg-Manns Roman gibt's lauter Fotos.
00:25:00: aber da sind wir auch bei einem interessanten Punkt weil Fotos ja oft genutzt werden quasi um Realität da zu stellen, sozusagen wenn es auf einem Foto ist dann ist das so gewesen.
00:25:10: Und egal wie's ist die Grundidee ist ein junger Mann der aus Schiede irgendwie nach Europa gekommen ist und nach Österreich im Internat war gut im Skispringen war und irgendwann geschrieben hat und dessen Biografie dann aber so weiter gelaufen ist dass er damit halt nicht berühmt geworden ist.
00:25:28: und irgendwann trifft dieser Schriftsteller Clemens Böckmann.
00:25:32: Ist er es überhaupt?
00:25:32: Also, es gibt einen Ich-Erzähler in diesem Text.
00:25:35: Trifft den sozusagen und jetzt ging wie du gesagt hast erst diese, gab's erst die Gedichte von diesen Typen.
00:25:40: man wusste nichts über denen.
00:25:41: aber man hat so dieser Rausgeber vielleicht Fiktion.
00:25:45: Und jetzt haben wir sozusagen diesen Roman der uns die Geschichte von einfach Romander Holz erzählt.
00:25:50: und er macht das so überzeugend dass ich dir ganz ehrlich sagen muss Du hast mir den ja geschickt und gesagt guck mal rein und ich kannte diese Geschichte drumrum nicht.
00:25:58: Und hinten drauf steht ja auch, dass er quasi den Nachlass verwaltet.
00:26:02: Ich wäre komplett bereit gewesen sofort zu glauben weil ich so gedacht habe warum nicht?
00:26:06: Also es ist doch irgendwie eine krasse Geschichte.
00:26:08: das du deswegen gefunden hast aber ist irgendwie einfach auch interessant.
00:26:12: und als du das dann gesagt hast hab' ich gedacht der macht das schon sehr gut.
00:26:17: Lass uns kurz die Ausgangssituation für den Roman besprechen Dann können wir vielleicht ein bisschen Lust darauf machen und auf die Veranstaltung.
00:26:25: mehr wollen wir da noch gar nicht sagen.
00:26:29: Der Zähler reist am Anfang nach Österreich und ist Teil eines internationalen Forschungsteams.
00:26:34: Und die haben irgendwie so das Ziel, die Tradition und Historie... ...eines kleinen Bergbauortes zu dokumentieren.
00:26:40: Da
00:26:41: war ich ja schon huckt!
00:26:44: Das dachte ich mir sofort und es war auch wirklich wunderbar geschrieben wie die da ankommen.
00:26:48: Es gibt kaum noch Bergleute in dem Ort.
00:26:50: dann versuchen sie die wenigen zu finden, die ihnen irgendwas erzählen können über die Tradktion und eigentlich sitzen sie dann immer wieder und so knipen oder immer wieder in derselben Kneipe, aber so viel Auswahl gibt's da nicht.
00:27:01: Und es ist ein bisschen quasi je weniger sie rausfinden können und je aussichtsloser eigentlich dieses Unterfangen ist, desto mehr fühlen Sie sich zueinander hingezogen zu ihrem Thema und sind so völlig begeistert von Ihrem Thema obwohl Sie merken das ist halt einfach ein absolutes Nischen-Thema an diesem Ort wo kaum noch wer da irgendwas im Bergbau macht.
00:27:17: So ne?
00:27:18: Das ist die Situation.
00:27:20: Dann haben Sie einen freien Tag und besuchen die örtliche Skisprung Schanze Und es kommt zu einer folgenreichen Begegnung und ich dachte, die Stelle bringe ich mal mit damit man meinen Ton reinhören kann.
00:27:30: Auch da wieder WG Sebald Ausstattitz ist mir so im Ohr einfach gewesen auch wenn da die sprachliche Art ein bisschen anders ist.
00:27:39: aber trotzdem, ich lese vor nur wenige Minuten nachdem ich den Anstieg erreicht hatte nährte sich mir einen Mann.
00:27:45: genau in diesem Augenblick entstand durch Zufall jenes hier abgebildete Foto das den Ursprungsmoment dieses Buches einfängt.
00:27:53: Rechts vom Startbalken unterhalb der am Stamm ausgedünnten Nadelhölzer ist neben meinem rot-brauen Mantel eine gebückte Figur zu erkennen mit plontem Haar und grüner Jacke, die sich in fast bedrohlich wirkender Pose aufrichtet.
00:28:05: Dazu muss man sagen diese Fotos sind halt alle schon mal schwarzweiß, ne?
00:28:08: Das heißt du siehst auf dem Foto fast gar nix!
00:28:11: Du siehst halt dieses Schanzer und du sieest irgendwo entfernt so eine kleine Figur.
00:28:15: also er spielt wirklich viel mit diesen ganzen Dingen.
00:28:17: Doch wie sich schnell herausstellte, handelte es sich bei dem Herrn um den Hausmeister der Schischprung Arena, dem unsere Neugier bereits aufgefallen war und mit dem ich nun ins Gespräch kam.
00:28:28: Nachdem ich ihm erklärt hatte was meine Aufgabe bei der Erfassung der Erinnerungen der Bergwerksarbeiter war trat er einen Schritt näher an mich heran.
00:28:36: Früher sagte er das muss wohl in den achtziger Jahren gewesen sein.
00:28:40: Damals, das war ihm noch geläufig.
00:28:41: Hab es im Internat einen Schüler gegeben der ebenfalls geschrieben habe und dass ist sozusagen so der Eingang und dann treffen die sich und dann geht's los.
00:28:50: Das heißt, man muss es allein schon für seine Fabulierkunst quasi geben.
00:28:54: Ja wirklich!
00:28:55: Es ist so grandios geschrieben Und ich liebe auch diesen Aspekt dieses Rätseln.
00:28:59: Da sind wir wieder beim Staunen.
00:29:00: Ich mag ja auch wenn das auf Plottebene so ein bisschen passiert diese Recherche nachvollziehbar machen.
00:29:07: Es gibt so diesen Moment von, jetzt wird mein Leben ein anderes ... Ich stoße auf was und das ist ja auch wirklich so'n Faszin- ... Also ich liebe diese Momente einfach in Büchern.
00:29:17: Da bin ich dann einfach breit und dann gehe ich mit.
00:29:20: Und dann geht's los!
00:29:23: Die helle Kammer.
00:29:26: So Josef wir haben noch ... Einiges vorhörte.
00:29:30: Den haben wir noch vor uns im Gotteswillen.
00:29:32: Ich hab dir zwei Bücher über Flüsse zum Beispiel Gewässer mitgebracht.
00:29:36: Du weißt ja vielleicht, mein Bücherregal ist sortiert nach Elementen.
00:29:39: Also Bücher über Wasser Erde Feuer Luft und dann halt noch so ein bisschen drum herum was sich nicht so richtig zuordnen lässt.
00:29:46: Und da fülle ich dann regelmäßig auf und ich will dir auch meine neusten Errungenschaften nicht vorenthalten.
00:29:50: aber bevor Ich das mache habe ich nämlich nur eine frage an dich und ich glaube du hast es mir schon mal erzählt Aber ich erinnere mich nicht genau.
00:29:56: aber haben deine bücherregale so einen ordnungsprinzip?
00:30:00: Nee nicht so wirklich hab eher so.
00:30:02: manchmal entstehen dann so Ecken, die ein Ordnungsprinzip haben.
00:30:06: Weißt du?
00:30:06: Dass ich dann merke, oh, ich hab jetzt so viele Stücke, dass es irgendwie doch plötzlich eine Stückerecke gibt!
00:30:11: Und dann hab ich irgendein Projekt und zieh da wieder welche raus.
00:30:13: Dann schließt sich der Bereich wieder, okay, da passen die nicht mehr rein?
00:30:18: Dann ist die Ordnung auch schon... Ja du
00:30:20: hast doch so einen Haufen.
00:30:21: Du hast überall Bücherhaufen, das ist so geil!
00:30:23: Ich lebe zwischen Haufen aber eigentlich wäre es... Eigentlich mag ich... Ich find sowas total cool.
00:30:27: also wenn's das gibt.
00:30:28: Wenns
00:30:29: im Prinzip gibt.
00:30:29: Ja ich komm' aber auch an meine Grenzen weil ich habe ja irgendwann mal gesagt, ich hab nicht mehr als ein Regal.
00:30:34: Das kann man... Also da kann man.. Ich war ja neulich bei dir und man kann sagen, das stimmt einfach nicht.
00:30:38: Nee, das sind ja trotzdem überall auch Haufen.
00:30:40: Ja,
00:30:43: plus
00:30:44: deine Steinebibliothek was ja eigentlich auch eine eigene Bibliotheke ist.
00:30:47: Und es ist ein großer Haufen Steine.
00:30:50: und ich frage mich auch ob mir irgendwann das passiert was diesem Typ passiert ist in New York oder aus seiner Wohnung geschmissen wurde weil er zu
00:30:58: viel... Ich glaube, bei dir eher wegen Stein.
00:31:00: Die Deckel geht so langsam
00:31:01: durch.
00:31:01: Ja die Statik des Hauses.
00:31:02: Na ja gut also wir fangen mal an!
00:31:05: Wir beginnen mit Stefan Schomans Reisebuch vom Wesen der Flüsse.
00:31:08: das ist es im Jahr zwanzig bei Galliani erschienen und hat mich optisch schon einmal direkt gekriegt ganz toll gestaltet von Dorothea Roll und mit Illustrationen innen von Moniport und ich habe mir gedacht wir machen da auch gleich mal ein paar schöne Fotos davon für Instagram.
00:31:22: schaut da mal rein wenn euch sowas interessiert.
00:31:26: Schoman ist nicht nur Autor, er ist auch Kulturbotschafter der chinesischen Geschichtenerzähler.
00:31:31: Was denkst du?
00:31:32: Was macht man da so als Kulturbotschater der chimesischen Geschichtenerzähler?
00:31:35: Kannste dir das vorstellen?
00:31:39: Gibt es die in Deutschland dann auch?
00:31:41: oder ist das sozusagen also entweder er macht eine Transferleistung dass er quasi von denen erzählt und die hier bekannt macht diese Leute, die hier so arbeiten und dann ist er quasi Interessensvertreter von denen.
00:31:52: Ne pass auf also seine Aufgabe erlebt nicht nur in Deutschland sondern eben auch in Peking und seiner Aufgabe ist diese mündliche Tradition zu bewahren darüber zu berichten vor allem eben hier bei uns ich sage jetzt mal allgemein westlicher für den kulturellen Austausch.
00:32:06: Er isst auch Ehrenbürger der Stadt Maillie wo sich jedes Jahr tausende traditionelle Erzähler treffen.
00:32:12: Ich finde das so schön, überhaupt dass diese Tradition so gewahrt wird.
00:32:15: Weil das mündliche Erzählen ist ja was ganz Ursprüngliches und da könnten wir mal eine ganze eigene Folge auch zu machen.
00:32:21: Ist ja auch total irgendwie also nicht mehr so ein Ding ne?
00:32:25: Es
00:32:26: gab's in Europa quasi aber es dann halt ausgestorben hier und so Texte wie die Odyssey oder auch die göttliche Komödie wurden halt auch lange Zeit.
00:32:36: Da gab es viel Mündlichkeit sozusagen in der Entstehung oder so, müten super viele.
00:32:39: Es wurde
00:32:40: ganz lange erst mal nur weiter erzählt und ich finde das eigentlich voll schön.
00:32:42: und das ist auch sowas wenn wir auch über das Buch als wahre sprechen.
00:32:45: also Geschichten gibt's halt auch unabhängig von einem Speichermedium ne?
00:32:49: Und das ist eigentlich auch was richtig Schönes, oh Gott!
00:32:51: Ich schweifte schon wieder ab.
00:32:52: jetzt wollte ich fast noch ein Museumstipp geben, das spar' ich mir jetzt aber wir gehen...
00:32:54: Ab ins Wasser jetzt.
00:32:55: Also wir müssen jetzt mal langsam zum Wasser
00:32:56: kommen.
00:32:57: Jetzt müssen wir mal rein.
00:32:59: Er schreibt ganz viele Reportagen für Geo, die Zeit oder die Frankfurter Rundschau.
00:33:04: Und das merkt man auch, denn sein Buch ist im Prinzip eine Sammlung mehrerer Flussporträts.
00:33:08: Sechzehn Flüsse hat er ausgewählt und im Laufe der Zeit besucht.
00:33:11: davon erzählt er uns.
00:33:13: Da ist so was dabei wie die Resenströme, Amazonas zum Beispiel bis hin zur Hase in Norddeutschland – kannte ich nicht, klingt aber sehr süß!
00:33:23: Ich habe dir dazu mal ne kleine Stelle mitgebracht.
00:33:53: Das ... beschreibt ganz viel über die Machart des Buches, diese Verschachtelung in Geschichten.
00:33:59: Das ist wesentlich für diese Berichte und Reiseberichte, die immer von einer Ebene zur nächsten tauchen, sodass man irgendwann tief in Zeit- und Erdgeschichte drinsteckt und sich langsam erst mal wieder an die Oberfläche zurückbegeben muss, also auftaucht!
00:34:13: um im Bild zu bleiben, zurück auftaucht zu Schomann, der da alles für uns aufbereitet.
00:34:17: Das klingt amüsant also sein Ton ist oft anecdotisch, er lebt auch von diesen Abschweifungen und ich bin vielleicht ein bisschen auf der Flussmetapher hingeblieben.
00:34:27: aber begratigte Geschichten gibt es bei Schoma nicht.
00:34:30: hier wird mir andert okay?
00:34:32: Hier wird mehr andert und da hat er so eine richtig große Lust am erzählen dabei was sich übrigens auch eher vom mündlichen kenne auch bei mir an der heutigen Folge merkt, dass ich die ganze Zeit am Abschweifen bin.
00:34:45: Dass man im Halbsatz doch noch mal was einschiebt, was einem gerade so in den Sinn kommt!
00:34:49: So ist dieses Buch eben zum Teil auch und das macht wahnsinnig Spaß diese freie Assoziation.
00:34:53: Ein kleines Beispiel dazu, er spricht einmal vom Herz der Finsternis.
00:34:58: und woran denken wir natürlich sofort beim Herz des Finsters?
00:35:00: Joseph
00:35:00: Conrad
00:35:01: Genau.
00:35:01: wo spielt das Buch?
00:35:04: Genau, also in Zentralafrika.
00:35:06: Und er hat aber diese Assoziation an der Wild Coast in Südafrika, wo wir ja auch letzte Woche in unserer Erinnerungshobrik waren und das ist halt so schön irgendwie.
00:35:16: Hier geht es jetzt nicht um total akkurates Verknüpfen.
00:35:21: hier ist kein essayistisch stark gebauter Text sondern hier wird ein bisschen geschweift falls man das so sagen kann.
00:35:29: Es wird geschwiffen Es ist übersprudelnd und es ist auch mal um die Ecke gedacht.
00:35:35: Und diese Stimmung, das hatte ich gesagt, die ist heiter... ...und dabei geht's natürlich trotzdem auch mal betrüblich zu!
00:35:40: Ja, es geht auch um Umweltzerstörungen, um diese politischen gesellschaftlichen Themen, die sich an Flüssen eben auch abspielen.
00:35:46: Aber Schomann hat so eine Art zu erzählen, dass man das so gut verkraften kann.
00:35:50: Das ist kein schweres Buch aber es scheut die schweren Themen nicht.. ..und es beschönigt auch nichts.
00:35:55: Ich finde ja ein bisschen als würde man mit Sam von Herr der Ringe unterwegs sein.
00:35:59: Der hat auch... Diese innewohnte Heiterkeit, um mal Loreo Zitat anzubringen.
00:36:06: Wenn man das kennt kann man sich doch darunter was vorstellen oder?
00:36:09: Total total.
00:36:10: und die Frage wäre für mich so ein bisschen weil du vorher gesagt hattest dass er für die Zeit und so geschrieben hat.
00:36:15: Und so wie du es jetzt aber beschreibst, klingt so als ob's nicht so eine klassische... Ich bin da hingefahren und jetzt mache ich so ne Reisereportage.
00:36:22: Irgendwie am Anfang rede ich mit einer Frau die schon seit Jahren am Fluss lebt und vom Fluss Lebt und dann beschreibe ich irgendwie meine Erfahrung als Reporter sondern schon ein bisschen das auch, aber auch sozusagen dieses literarische Spiel in Sachen rein.
00:36:35: oder kann
00:36:35: man das?
00:36:35: Genau!
00:36:36: Das ist schon auch mit drin und man merkt das auch.
00:36:38: also wenn ich das in der Zeitung lesen würde hätte ich schon das Gefühl sehr anspruchsvoll.
00:36:43: Aber für so ein Buch funktioniert es perfekt, weil da bringt man ja auch bisschen mehr Ausdauer mit.
00:36:47: Ich meine das ist auch ein riesiges Buch.
00:36:48: ne?
00:36:49: Das sind hier dreihundertfünfzig Seiten.
00:36:50: also da bringt man ja noch ein bisschen langen Atem mit und gleichzeitig wird es oder ist immer kurzweilig.
00:36:56: aber es geht auch historisch rund.
00:36:57: Also gerade an so Ecken in Yangtzeiqiang sind wir jetzt zum Beispiel dessen Oberlauf unter dem Namen Yinxiang Bekannt um Gott.
00:37:09: Ich habe gestern noch geübt, aber ich hab alles vergessen und ich habe dir meine Textstelle mitgebracht.
00:37:14: da geht es darum und da sind ganz viele Flüsse.
00:37:16: das ist eine richtige da mir anders total rum.
00:37:18: das sieht man dann auch in den Illustrationen so schön.
00:37:21: Und da ist natürlich auch die historischen Verwicklungen.
00:37:23: Das kannst du nicht gerade erzählen Da muss man einfach auch mal ein bisschen ja hin und her springen.
00:37:30: Ich habe dir da mal eine Stelle mitgebracht, wo dieser Humor auch glaube ich ganz gut rauskommt.
00:37:35: Also zumindest...ich fand es lustig!
00:37:37: Mal gucken was du dazu sagst.
00:37:39: Nach einer Stunde erreichen wir die Schlucht des jenischeren Yangs.
00:37:44: Sie wartet mit subtropischen Bewuchs auf, zumindest dort wo dieser sich halten kann.
00:37:48: Der Rest ist blanker Fels und hier sollen wir auf vier Rädern hinunter.
00:37:54: unmöglich.
00:37:55: Unmöglich?
00:37:57: Kurz entschlossen Fuchtelt, grätscht und schlittert die Straße den Steilhang hinab, biegt als wolle sie dort Schwung holen mehrfach in die Seitenthele ein überquert waghalsige Vierdukte und rollt schließlich zu einer modernen Brücke hinaus.
00:38:13: Wir sind tatsächlich unten angekommen – auch wenn die Trasse vermutlich nicht den Dinnvorschriften entspricht!
00:38:18: Doch es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich die deutsche Industrie-Norm träumen
00:38:22: lässt.".
00:38:24: Es fand ich irgendwie sympathisch….
00:38:28: Du hattest es ja auch gesagt, wenn Leute dann wirklich regelmäßig reisen und sowas, dann merkst du auch so eine gewisse Freiheit dann irgendwie im Geist.
00:38:35: Sondern die sich da natürlich für so ein Buch auch total gut eignet.
00:38:39: Ja und ich mag das auch dass hier... Dass ich so ein Gefühl auch für den Menschen bekomme, der da spricht.
00:38:45: Ja total und es ist nicht so dass die Kapitel alle unabhängig voneinander sind.
00:38:51: also klar es geht immer im bestimmten fluss aber jeder fluss hinterlässt auch spuren.
00:38:55: in den anderen kapiteln taucht hier und dort wieder auf das spannt sich ein netz der flüsse durch den text.
00:39:00: Und was ich eben ja auch wirklich gerne lese und was hier auch passiert, dass schon man sich auf die Spuren großer Abenteurer begibt.
00:39:06: Also er hat den Aspekt das er überall da selber immer unterwegs ist und mit den Leuten spricht.
00:39:11: Er denkt dann viel darüber nach wer da schon mal so gewesen ist und was da los ist in der Gegend.
00:39:16: Das macht er öfter über Literatur.
00:39:19: Welche AutorInnen?
00:39:20: In welchen Landschaften haben sie sich aufgehalten?
00:39:23: Worüber haben Sie geschrieben?
00:39:25: Und das wirklich Beste an Büchern, finde ich ja ist wenn sie von anderen Büchtern handelt.
00:39:28: Vor allem wenn man die noch nicht kennt.
00:39:30: und ich sag mal so meine Flussbibliothek wird jetzt wachsen nachdem ich dieses Buch gelesen habe weil da sind auch richtig viele Schätze zu bergen vor allem auch Unaufübersetzte also Texte wo man wirklich sagen kann hier dann musst ihr mal ran Leute da ist noch was zu holen.
00:39:45: Ich bin seitdem auch so richtig aufgeregt.
00:39:47: Kennst du das?
00:39:49: Ja, man ist dann so angesteckt und da ist man schon so wo kann ich das eigentlich bestellen?
00:39:54: Ja genau!
00:39:55: Macht das jemand?
00:39:56: kümmert sich da jemand drum?
00:39:58: Es gibt doch den einen oder anderen bissigeren Kommentar zu Phänomen des Massentourismus- oder leichtsinnigen Bergsteigern.
00:40:03: Da wären wir wieder bei den Selfies im Museum.
00:40:05: bloß dass hier die Absturzgefahr ein bisschen größer ist Die kann sich schon mal nicht ganz verknifen, er macht jetzt aber auch nicht den Fehler seine eigene Position in diesem Dilemma auszuklammern.
00:40:15: Außerdem wird es immer wieder auch sprachphilosophisch wenn er zum Beispiel über die Orts- und Flurnamen am Colorado River nachdenkt.
00:40:22: Und es geht natürlich trotz aller Heiterkeit immer wieder und grundsätzlich um existenzielles.
00:40:26: Wasserknappheit, Staudämme, Wasserverschmutzung... ...und die Gefahren auf Flüssen vor allem für sich selbst überschätzende junge Männer.
00:40:33: Wir alle kennen die Statistik jetzt aus den Badeunfällen.
00:40:37: Also passt auf euch auf Leute!
00:40:38: Das geht echt viel schneller als man denkt.
00:40:40: Und
00:40:40: das hat oft auch mit Flüßen zu tun?
00:40:41: Ja.
00:40:41: Mit Baden in den Flüsten.
00:40:42: Genau.
00:40:43: Man muss da nicht im Mississippi schwimmen.
00:40:45: Das passiert auch in der Zahn-Gera.
00:40:48: Das ist vielleicht so einer meiner letzten Sätze zum Buch.
00:40:50: noch eins.
00:40:52: Mein wichtigstes Learning dieses Buches war der Name des Flusses in Düsseldorf.
00:40:58: Weißt du, wie der Fluss heißt?
00:40:58: Der in Düsseldorf
00:41:00: fließt... Okay jetzt, ich werde es jetzt falsch sagen weil du so sagst mit Learning das ist der Rhein!
00:41:05: Die
00:41:06: Düssel.
00:41:07: Es gibt die Düssel.
00:41:08: Ach die gibt's noch sozusagen jedem dem Rhein.
00:41:10: okay gut
00:41:11: Ja die Düsse das kannst du doch niemandem erzählen.
00:41:13: Ich gewinne jetzt wahrscheinlich jedes mal Stadtlandfluss Weil keiner darauf kommt
00:41:18: Das stimmt.
00:41:18: Und das Lustige ist, es ist ja vor einer Weile dieses Toto Hosenalbum erschienen, das Letzte und da gibt's natürlich einfach in Düsseldorf wird auch noch mal besungen, es gibt ein eigenes Lied dafür... Ja!
00:41:28: ...und da wird halt immer der Rhein besungen weißt du?
00:41:30: Also die besingen den großen Rhein quasi nicht.
00:41:34: den Fluss.
00:41:35: dann nachdem die Stadt an ihren Namen hat, das ist wirklich interessant.
00:41:39: Das heißt dass Dorf an der Düssel ist meine Stadt geworden.
00:41:42: Genau!
00:41:42: Richtig!
00:41:43: Gut!
00:41:46: sind.
00:41:46: das heißt er guckt auch schon ein bisschen dass er nicht so die ganz befahrt beschriebensten flüsse nimmt oder das kam jetzt ein bisschen vor weil sonst hast du ja super auf den rein drin oder die donau oder keine ahnung.
00:41:57: also er mischt das richtig schön durch als es geht.
00:42:00: Auch um diese richtig bekannten riesigen Flüsse, also eine Auswahl von denen.
00:42:03: Das muss man ganz klar sagen.
00:42:05: die Lena zum Beispiel ist auch so ein riesiger sibirischer Strom der auch ganz wichtig ist für diese Ströme, die auch wirklich ganze Länder und mehrere Nationen durchqueren.
00:42:16: es geht aber eben auch um sowas wie die Düsseldienung wirklich sehr klein.
00:42:21: Und die Lena ist vielleicht groß, aber sie ist trotzdem jetzt nicht von allen Kulturinteressierten schon fünfzigtausendfach beschrieben.
00:42:27: Weil sie halt nicht in Europa, Zentral-Europa liegt besser?
00:42:30: Also da
00:42:30: kennen andere sich dann besser aus, die eben nicht dieses Buch auf Deutsch wahrscheinlich lesen werden.
00:42:35: Es ist einfach eine schöne Mischung und natürlich merkst du auch – und dieses Buch heißt ja vom Wesen der Flüsse -, dass er sich schon bemüht, um die FlüsSE irgendwie zu greifen wie die sind.
00:42:49: Und das ist natürlich wahnsinnig schwierig, weil also da so ein Flussgreifen... Ja gut!
00:42:54: Das können wir uns vorstellen dass es echt nicht einfach ist vor allem wenn Flüsse dann auch noch irgendwie massiv begradigt eingegriffen wird in die und so weiter.
00:43:01: aber das macht einfach Spaß.
00:43:02: Es ist ein richtig schönes Reisebuch was man eben auch nicht am Stück lesen muss.
00:43:05: ich liebe ja sowieso Reisbücher Ich mag ja auch historische Sachen wo Leute mit irgendwelchen Schiffen blinde Flecken auf der Erde in der Arktis oder so erforschen wollen.
00:43:16: Und das gibt's natürlich heute so nicht mehr, weil es ist ja alles da.
00:43:19: Da finde ich's umso schöner wenn Leute trotzdem noch losziehen und sich die Sachen angucken, die entweder die Düssel sind wo alle denken was machst du denn jetzt an der Düssel?
00:43:28: oder die halt total bekannt sind aber die nochmal neue anzugucken?
00:43:31: Das gelingt auf jeden Fall!
00:43:32: Wir kommen mal direkt zum zweiten Buch, das ist nämlich ganz anders als dieses und es hat mich so umgehauen dass ich es direkt nochmal gelesen habe.
00:43:39: Es ist Marion Poschmann Die Winterschwimmerin.
00:43:43: Ich weiß, ich bin ein bisschen late to the party.
00:43:44: Das Buch ist von im Jahr zwei tausendundzwanzig und das ist mir seitdem auch immer wieder begegnet.
00:43:49: Und du kennst es ja wenn man lange um so einen buch herumschleicht dann steigt die erwartung quasi ins unermessliche und Dementsprechend ist ja die fallhöhe dann auch sehr sehr groß und ich habe dann immer angst dass sich dann enttäuscht bin.
00:44:01: aber Entwarnungen Bevor jetzt zum buch.
00:44:04: einiges erzähle poschmann kennen wir ganz tolle gedichtbände und romane.
00:44:08: nimbus zB oder der roman die kiefern insel.
00:44:12: Marion Poschmann hat ganz viele Preise bekommen und ich finde auch völlig verdient.
00:44:16: Und die Winterschwimmerin ist jetzt eben mal ein ganz schmales Buch, das hat nur knapp über siebzig Seiten und ich bin total glücklich darüber dass Zurkamp da mal drauf geschrieben hat was es wirklich ist weil wir kennen das ja das öfter auf Dingen Romane drauf steht auch wenn's vielleicht bisschen fragwürdig ist weil sichs besser verkauft oder es steht gar nichts drauf weil man nicht abschrecken will und hier steht darauf Ferslegende.
00:44:41: Also da war ich irgendwie total begeistert, weil ich finde wir haben uns ja schon drüber unterhalten.
00:44:46: Mich ärgert das immer so ein bisschen wenn da so rumgemauschelt wird dass das irgendwie marketingmäßig besser funktioniert und ferslegende trifft es zu gut.
00:44:54: und gleichzeitig kann ich auch allen die jetzt denken oh Gott's kann nicht einen ordentlicher Bauern nicht kennt ist er nicht.
00:44:59: Schön mein Roman.
00:45:00: Genau!
00:45:01: Kann ich Entwarnung geben?
00:45:04: Das is in Fersen geschrieben.
00:45:05: aber auch wenn man Angst vor Zeilen umbrüchen hat kann ich euch beruhigen Dieser Text ist sehr erzählerisch und jetzt gehen wir mal von vorn rein.
00:45:13: Im Großen und Ganzen geht es, wie der Titel schon sagt um dieses Phänomen des Eisbadens.
00:45:18: Jetzt muss ich aber aufpassen weil Eisbaden relativ klar definiert, da geht's um eine bestimmte Gradzahl
00:45:23: usw.,
00:45:25: wenn man außerhalb dieser Parameter ins Wasser geht dann kommt also dann ist das kein Eis baden mehr, dann sprechen wir vom Winterschwimmen.
00:45:33: Das klingt jetzt auch so ein bisschen als Obsolidin-Vorschrift für Eisbaden gibt.
00:45:36: Ich weiß
00:45:37: gar nicht, ob das Winterschwimmen wiederum so ein Begriff ist aber Marjom Poschmann benutzt ihn also Winters Schwimmerin heißt ja der Text und wir folgen hier eben der Winterschwimmerin der Protagonistin mit Namen Teekla beim Schwimmen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Gewässern.
00:45:53: Und es gibt ein außergewöhnliches Ereignis nämlich eine Begegnung mit einem Tiger und dann wird's wirklich wild und ich lese dir mal Aus dem Anfang vor, dass du ein Gefühl für den Ton dieses Buches bekommst.
00:46:09: Hört so es geht so.
00:46:31: Nur einfaches Weiterschwimmen vom Sommer zum Herbst, dann erlebt man im Winter das Wunder.
00:46:36: Der Körper passt sich an kalte Umgebungen an!
00:46:40: Das verrätselt sich hier nicht und Marium Poschmann macht es total geschickt.
00:46:46: Wir werden hier nicht ins kalte Wasser geworfen sondern ich kam mir eher vor wie so ein Frosch im Topf wo das Wasser so langsam wärmer wird Und man sich irgendwann fragt, wie bin ich denn hier reingeraten?
00:46:56: Also das Buch nimmt so krass Fahrt auch auf.
00:46:58: Da kommen wir noch gleich zu.
00:47:00: aber wir steigen eben am Beginn ganz sanft ein mit Tickler und haben dann auch so Einschübe aus der Geschichte des Eisbadens.
00:47:06: also welche Volksgruppen haben das schon wie praktiziert?
00:47:10: Götte ist natürlich auch dabei.
00:47:12: was hat Goethe nicht gemacht?
00:47:13: Auf jeden Fall sind auch Baden gegangen wenn es kalt war.
00:47:16: Das ist eine weltumspannende anecdotische Geschichte des Winterschwimmens die sich Ein Speist, dabei gibt es auch immer wieder den Blick ins Jetzt.
00:47:25: Dieses genaue Fokusieren von Teglas Umgebung also wie sich das Licht in den kleinen Wellen bricht der Grund des Gewässers indem sie schwimmen will Das ist auch so ein Strang der sich durchzieht und der für mich eben dieses dichterische Erzählen ausmacht die Stimmung zu greifen und auf den Punkt zu bringen.
00:47:42: Da habe ich denn natürlich auch eine Stelle mitgebracht damit wir diesen Strang des Buches mal bisschen besser greifen können.
00:47:51: Auf dem Sand in der Tiefe, die dicke Schicht Espenlaub dunkelgewordenes Zittern der Bäume am Ufer.
00:47:58: Es reichte den Blick minimal zu verschieben vom Zitterndes Laubs an den Zweigen zum zitternden Laub auf dem Wasser und weiter zum Zitdern des Wasserspiegels zu kommen.
00:48:09: schließlich zum Laub das darunter liegt unten am Grund wirklich und unwirklich Schichten von Pflanzenzuständen übereinander gelegt wie Schätze Das Bild einer brennenden, einer erloschenen Kerze während die Oberfläche noch flimmert.
00:48:24: Also du merkst schon das ist nicht klar abgrenzbar voneinander, das fliesst ja alles ineinander und das macht natürlich auch ein Text aus der sich mit Wasser beschäftigt.
00:48:33: also da war ich natürlich mal wieder hin und weg.
00:48:37: Es gibt dann einen Moment wo es mir schien wir schauen gar nicht mehr mit Tecklers Augen aufs Wasser sondern schauen zu Teckler hin.
00:48:44: also hier kippt es so kam es mir vor in den Tiger in die Wahrnehmung des Tigers in das wilde, unberechenbare Indie-Gefahr aber eben auch in die Faszination ins Dunkel.
00:48:53: Und der Text verändert sich dann zunehmend, denn neben der freien Fährsform wird dann der Text anders.
00:49:00: Es fühlt sich für mich an als würde Wind aufkommen, der die Wellen immer regelmäßiger ans Ufer peitscht und so beginnen eben die Ferse in diesem Text zu reimen.
00:49:09: Das entwickelt eine ganz krassen Sog, das entwickelt ne richtige Wasserhaftigkeit alles fließt reistig mit Gewinn an Tempo.
00:49:17: Das Ganze ist eine zeitgenössische Adaption einer besonderen Reimform des sogenannten Leichs.
00:49:23: Eines mittelalterlichen Reimgedichts, also Meistergedichts und ich dachte mir direkt als Germanist kennst du das bestimmt oder?
00:49:30: Nee, das habe ich... Also in der Mittelalter bin ich manchmal ein bisschen abgeschwuppt worden in andere Gebiete.
00:49:36: Bisschen
00:49:36: mal rausgeschwommen!
00:49:37: Ja genau.
00:49:38: Okay, also dass es eben so eine adaptierte Form was aber.. Also ich glaube das macht.
00:49:46: Ich glaube, für Leute die das kennen ist das total des Schmank allne.
00:49:49: Die freuen sich dann darüber!
00:49:50: Ich kannte das vorher nicht und habe mich trotzdem über diesen Text gefreut.
00:49:54: Ich wollte es aber mitbringen weil es steht eben auch in der Klappe im klappen Text drin.
00:49:59: Das muss man wertschätzen.
00:50:00: wenn zeitgenössische Autorinnen sich da so Formen vornehmen und mit denen noch was machen und das Ergebnis einfach...
00:50:06: Das ist so schön, wenn du dann bei der Dinnerparty erst die Düssel troppen kannst und danach noch so ... Wenn alle schon so beeindruckt sind, kommst du ja auch mit dem Leichtum.
00:50:13: Ja
00:50:14: genau!
00:50:15: Das nehme ich mir ganz fest vor.
00:50:17: Dann kam so ein richtig schöner Satz.
00:50:18: den habe ich extrem ins Herz geschlossen weil du weißt... Ich liebe Katzen.
00:50:23: Ich kenne jede Katze im Viertel.
00:50:24: Ich streichle immer, wenn ich sehe und die Katze Lust dazu hat.
00:50:27: Ich rede mit denen.
00:50:28: Ich finde das einfach schön.
00:50:29: Und Marion Poschmann hat einen Satz geschrieben Weil wir sind ja hier, es geht auch um die Großkatze.
00:50:40: Den Tiger also.
00:50:40: das darf hier nicht fehlen und ich finde über Katzen schreiben Das wird super schnell kitschig dass ist einfach.
00:50:47: Katzen sind zu süß weißt du was ich meine?
00:50:49: Und auch zu toll irgendwie und ich mach hier einen Porsche Mann Ich verneige mich also wirklich.
00:50:54: pass auf wie Wind an wind gelehnt.
00:50:58: so gehen Katzen Und wenn sie springen, türmt sich Wasser auf zu einer Monsterwelle die mit schmatzen.
00:51:05: Zurück ins glatte Feld, sich wieder hebt bis man den Eindruck hat das Raubtier schwäbt.
00:51:10: in so einem endlos mühelosen Lauf sind Zeit und Raum gemacht aus Muskelspiel und wo kein Weg ist gibt es auch keinen Ziel.
00:51:17: Du hast jetzt ja auch die Reime mal gehört.
00:51:21: Also ich sag mal so ne?
00:51:22: Ich finde das richtig gut.
00:51:24: Bei mir ist das Problem bei Katzen Die sind mir ein bisschen zu unberechenbar.
00:51:29: Die sitzen dann so neben mir und ich denke die ganze Zeit springst du jetzt, wir hatten mal einen Kater... Und meine Schwester liet auch Katzen ne?
00:51:35: Die ist voll und war da auch voll mit dem... Aber der hatte natürlich sobald ich nach Hause kam wollte er nur noch zu mir weil er gemerkt hat irgendwie Ich hab da ein bisschen Probleme und es mir immer nachgelaufen und sobalch ich mich gesetzt habe sprang der so auf mich drauf und ich dachte wenn man so... Man hatte das Gefühl der checkt das irgendwie.
00:51:53: Ja, ich glaube die checken einiges.
00:51:55: Also ich finde auf jeden Fall was man hier sieht ist erstmal dass es... also man kann fast gar nicht aufhören.
00:52:01: Es fällt mir total schwer an dieser Textstelle dann aufzuhören weil man möchte direkt so weiter rein ist.
00:52:05: Was du gesagt hast nur diesen Fluss den hat man jetzt bei beiden Stellen.
00:52:09: Und es wird wirklich grandios wenn ich jetzt weiter gelesen hätte.
00:52:15: aber ich habe mir gedacht das mache ich jetzt nicht.
00:52:16: Das muss man einfach selber lesen.
00:52:17: Nicht bei diesem kurzen Buch?
00:52:18: Nee
00:52:19: und das muss man auch mal Alleine und in Ruhe, nicht so auf den Ohren.
00:52:23: Sondern einfach mal dieses Buch in die Hand nehmen und das durchlesen.
00:52:27: Der Tiger- und Tegler haben ja auch eine spezielle Beziehung.
00:52:29: Da geht es um Nähe und Distanz des Fremde und Vertraute.
00:52:32: Und natürlich bleiben die beiden noch nicht unbemerkt.
00:52:34: So ne Frau, die einem Tiger folgt... Das ist natürlich ein Aufreger, kannst du dir vorstellen?
00:52:38: Die Sprache wird übrigens immer weiter gedreht während sich die Ereignisse überschlagen.
00:52:42: Die Motive werden immer weiter gesponnen also vom See zum Auge, zum Fluchpunkt Das wird alles so ein bisschen aufgedröselt.
00:52:49: Es gibt auch eine Begriffskunde, so eine Art Lexikon und eine schöne letzte Seite im Buch in der Poschmann ihre Quellen einordnet.
00:52:56: Also was ist das für einen Text, der hier so einen riesigen Hallraum aufmacht?
00:53:00: Was natürlich auch gut ist.
00:53:02: fürs Verständnis im Nachgang nochmal Ja, da kann man nach diesem wilden Ritt dann hinten noch mal reinschauen und kurz verstehen wie das alles zustande gekommen ist.
00:53:11: Die Figur des Tigers die kann man glaube ich ganz viel interpretieren aber mir geht sie jetzt gar nicht so sehr um Deutung.
00:53:17: was ist dieser Tiger?
00:53:19: Was soll der darstellen?
00:53:21: Ich finde da nimmt man auch so einem Text schon ganz viel weg.
00:53:24: wenn man das dann so macht muss einfach echt sagen es sind seventy-seit oder so.
00:53:28: das muss man einfach mal lesen.
00:53:29: Das ist wirklich.
00:53:30: Also, ich hab mich so gefreut über die Vorbereitung diese Woche.
00:53:34: Weil ... ich einfach mal wieder so richtig begeistert gewesen bin.
00:53:40: Was jetzt so klingt als wär ich das sonst nicht?
00:53:42: Aber du weißt ja, wie ich's meinte.
00:53:43: Manchmal gibt es halt noch so ein Tüpfelchen oben auf.
00:53:48: Was vom Tage
00:53:50: übrig blieb!
00:53:52: Linn zum Abschied.
00:53:53: heute haben wir uns eine Autorin ausgesucht, die ... Ich glaube, ziemlich bekannt sein dürfte aber nicht unbedingt für ihre Bücher.
00:54:01: Die Rede ist von Zelda Fitzgerald und ich glaube viele kennen sie halt als Teil dieses Paar mit Scott Fitzgeralt.
00:54:06: und auch ihre Geschichte dann so... Auch in verschiedenen Filmen taucht sie als Figur ja dann auf Aber was hat's mit ihrer Biografie und ihrem Lebenswegaufsicht?
00:54:16: Der war wirklich sehr speziell Und gerade gegen Ende noch sehr tragisch.
00:54:22: In den letzten Jahren wurde sie als sechste Kind einer angesehenen Senatorenfamilie in Montgomery, Alabama geboren.
00:54:30: Und sie hieß natürlich noch nicht Fitzgerald sondern Zelda Sayer und der Vater Anthony Sayer ist richter am obersten Gerichtshof das Staat des Alabama gewesen.
00:54:41: Der hat die Sayer Election Laws also nach ihm benannt sozusagen mit verfasst Und das waren sozusagen die lokalen Gesetze gegen Schwarzer.
00:54:49: Die haben dafür gesorgt, dass Afroamerikanerinnen dort keinen Wahlrecht hatten mehr oder weniger.
00:54:54: Also diese Art von Gesetzgebung gab es ja überall in Amerika und da waren halt die Hürden so groß, dass es immer klar war, okay, Afro-Amerikaner, die Afro AmerikanerInnen, die in viel schlechteren Jobs arbeiten oft nicht alphabetisiert waren keine Schulbildung hatten
00:55:11: usw.,
00:55:12: können dann einfach durch diese ganzen Hürde so ein diskriminierendes, rassistisches Gesetz.
00:55:18: Und das finde ich schon irgendwie krass.
00:55:21: Sie kommt aus diesem sehr reichen wohlbehüteten Elternhaus was aber gleichzeitig so eine krasse rassistsische Stoßrichtung hat und sie ist die Nachzüblerin als sechstes Kind.
00:55:33: Ihre Mutter Mini ist Anhängerin einer unkonventionellen Erziehung.
00:55:38: Der kleinen Zelda sozusagen ging übernachsichtig als bei den anderen Kindern.
00:55:42: Das heißt, die machte einfach... Die spielt und machte hoch auf sie.
00:55:45: Bock hat sie selbst.
00:55:46: Das
00:55:46: kennt man ja bei den Nesthäkchen, ne?
00:55:47: Dass da die Zügel dann immer locker hängen.
00:55:49: Genau!
00:55:50: Und Zelda selbst sagte über ihre Kindheit ich war ein sehr aktives Kind das nie müde wurde.
00:55:55: ständig rannte ich ohne Mantel- und Kopfbedeckung draußen herum.
00:55:58: Ich hatte eine Vorliebe für halbfertige Häuser und kletterte oft auf Dachbalken herum.
00:56:03: Ich sprang gern von hoch oben herunter.
00:56:05: Als kleines Mädchen hatte ich so viel Selbstvertrauen dass ich es sogar war, da alles anders zu machen als das damals üblich war.
00:56:11: Unsicherheit oder Scheu waren mir fremd und moralische Grundsätze hatte ich nicht.
00:56:16: Okay!
00:56:17: Sagen wir mal so dieser Geist der wird uns durch ihr Leben begleiten.
00:56:21: Das ist einfach schon eine Frau die einfach macht also aber wirklich auch in alle Richtungen.
00:56:28: sie hat sehr frühen Interesse und Begeisterung für Literatur ist auch in der Schule gut interessiert sich aber sonst nicht so sehr für die Schule sondern vor allem für Tanz- und Gesellschaft.
00:56:37: dort halt viele so Veranstaltungen, dann einfach so Country Clubs und dann eben so Abende die von der Reichen, von der Oberschicht dort veranstaltet worden.
00:56:47: Und mit diesem obersten Richter als Vater war sie natürlich da überall dabei.
00:56:51: Man kennt das ja ein bisschen diese Tanzabende und dann gehst du irgendwie, hast du denn Debütball und so diese ganzen Dinge?
00:56:57: Da war sie mittendrin und hatte daran auch viel mehr Spaß noch als sonst zu einer Schule.
00:57:02: Dann gibt es aber schon das erste sehr düstere Ereignis in ihrem Leben.
00:57:05: Im Alter von fünfzehn Jahren wurde sie nämlich in ihrer Heimatstadt von zwei jungen Männer aus der lokalen Oberschicht vergewaltigt.
00:57:13: In der Öffentlichkeit wird natürlich darüber geschwiegen, man will den Ruf der Familie nicht beschmutzen und das Ganze wird unter den Teppich gekehrt.
00:57:20: Sie geht auch weiterhin dann zu Partys macht ihren High School Abschluss grad so ein bisschen nebenher so ist aber eben weiter in den Partys in ihrer Umgebung interessiert viel in diesem Country Club Und Das ist zurzeit des ersten Weltkriegs und da sind eben total viele Soldaten und Offiziere die darauf warten nach Europa geschickt zu werden und die sich dort halt die Zeit vertreiben während sie warten.
00:57:42: Und da ist sie mittendrin und dort lernt sie F Scotch Fitzgerald kennen.
00:57:46: Der Infanterie Leutnant isst, der ein junger Schriftsteller iß oder einer Werdenmöchte eigentlich.
00:57:52: also er hat noch nichts veröffentlicht... ...und der Krieg endet bevor Fitzgeralt hin muss.
00:57:57: das heißt der war sozusagen best case genau und er sieht es auch als Zeichen und sagt gut dann mache ich ihr mein Heiratsantrag der sagt der Vater auf keinen Fall du verdienst gar kein Geld Und ohne Geld kannst du ja nicht meine Tochter heiraten.
00:58:11: Und Zelda schreibt dann, Fitzgerald geht nämlich nach New York um Geld zu verdienen als Werbetextor und dann schreibt Zelda einen Brief an ihn.
00:58:19: Ich würde es einfach nur verabschieden ein knausriges farbloses Leben zu führen.
00:58:22: das heißt sie hat diese Ansprüche schon auch sozusagen bieten mir was und dann können wir gerne.
00:58:27: ich habe Lust aber nur unter diesen Umständen.
00:58:31: Die Sache ist dass Fitzgeralt sehr talentiert ist Und in New York relativ schnell Erfolg hat.
00:58:38: Und zwar veröffentlicht er Diesseits vom Paradies und das Buch ist ein Erfolg, und der wird so als Stimme seiner Generation gefeiert.
00:58:44: Wir kennen das ja immer noch, ne?
00:58:45: Dass es immer mal wieder Autorinnen und Autoren gibt die dann einen kometenhaften Aufstieg haben.
00:58:51: Vielleicht könnte man Christian Kracht als ein bisschen vergangenes Beispiel an, wo man oder Judith Herrmann dann als sie rauskam mit ihrem Sommerhaus später.
00:58:58: Wo man so sagt Das ist irgendwie die Stimme jetzt so dass fast das gerade das Zeitgefühl so ein und das sorgt eben für Popularität.
00:59:05: und die Popularität, die Fitzgerald aber hatte war natürlich zu einer Zeit als noch eine Bücher noch richtig Geld verdienen konnte.
00:59:10: Ich wollte gerade sagen er geht nach New York um Geld zu verdienen.
00:59:12: was macht der?
00:59:13: Er schreibt ein Buch das kannst du keinem
00:59:14: erzählen.
00:59:15: Genau und arbeitet erst mal als Werbetextor.
00:59:17: das gibt es vielleicht noch so ein bisschen ja aber dieses Buch wenn das halt ein Erfolg war dann warst Du wirklich reich denn hattest Du wirklich Geld?
00:59:23: ne so damals.
00:59:25: also jetzt hat er genug Geld er kann zurückgehen.
00:59:27: am dritten April neunzehnundzwanzig heiraten Zelda und Scott Die ersten Monate ihrer Ehe verbringt das junge Paar New York Hotels, also die sind nur in Hotels unterwegs.
00:59:36: Sie sind ausgelassen extrovertiert und ihre Eskapaden sorgen für Schlagzellen in der amerikanischen Presse.
00:59:40: Also die springen irgendwelche öffentliche Brunnen rein und rasen dadurch die Stadt durch Inszenieren sich tatsächlich auch beide als so Klemmerpaar der Roaring Twenties.
00:59:51: Das heißt, wir haben diesen absoluten kulturellen, diese absolute kulturelle Explosionen in zwanziger Jahren.
00:59:57: Wir kennen das ja auch Berlin.
00:59:59: Paris war ein riesiges Thema dieser Lungs.
01:00:01: da haben wir schon drüber gesprochen und da gab
01:00:04: es das
01:00:04: auch, dass man extra manchmal mit den Tabus gebrochen ist.
01:00:07: Der erste
01:00:07: Weltkrieg ist vorbei!
01:00:09: Und man hat irgendwie so das Gefühl, jetzt greifen wir uns das Leben wieder.
01:00:13: Das passiert ja auch total viel in der Kunst und dann hat man eben diese zwei die sozusagen die Poster... das Poster Paar sind für dieses ganze in Amerika.
01:00:23: Zelda wird zum Prototyp des Flapper Girls, ich erkläre dir was es damit auf sich hat.
01:00:28: diese neuen Frauen brechen mit dem alten Rollenbild und Das Korsett wird abgelegt, was damals viele noch getragen haben.
01:00:34: Keine Metapher genau?
01:00:35: Genau wirklich das Korset an dem ja viele auch wirklich zu tragen hatten weil das sehr so eng war dass es oft einfach Ja den Körper eingeschränkt hat.
01:00:44: Dann die Kleider werden kürzer ebenso die Haare werden abgeschnitten berühmte Kurzhaarschnitt, den man oft so auch mit den Zwanzigern verbindet.
01:00:53: Und immer mehr junge Frauen sieht man Autofahren, Zigaretten rauchen und Alkohol in der Öffentlichkeit trinken...
01:00:59: Jetzt geht's los!
01:01:00: Das ist einfach so wild ... und Zelda sagt sich natürlich alles her, ne?
01:01:03: Mach ich alles.
01:01:05: Und im Oktober-Ninzehn-Einenzwanzig bringt sie dann aber die gemeinsame Tochter Scotty zur Welt.
01:01:10: Also irgendwie auch eine Scott Fitzgerald.
01:01:12: Dann nennen Sie die Tochter Und dann feiern die aber direkt weiter, also die gönnen sich dann halt irgendwie Hausmädchen oder so.
01:01:20: Also die Geburt ist ein kleiner Aspekt.
01:01:22: man weiß natürlich das ist was Großes, aber die gehen halt sofort wieder rein.
01:01:28: Es gibt aber zunehmend einen Konkurrenzverhältnis und jetzt wird es tatsächlich auch mal kurz lustig.
01:01:33: Zelda Fitzgerald schreibt immer häufiger Das findet Scott Fitzgerrld Okay, aber es macht ihn auch ein bisschen Druck weil eigentlich ist er ja der Schriftsteller sozusagen.
01:01:44: Gibt
01:01:44: nur Platz für einen Schriftstellern in der Familie.
01:01:45: Es wird schwierig
01:01:46: also zumindest darf sie nicht besser werden oder?
01:01:48: Ja
01:01:48: da wo kommen wir hin?
01:01:49: und dann
01:01:49: kommt aber die schönen und verdammten von ihm raus und sie wird angefragt für den New York Tribune eine Rezension über das Buch ihres Mannes zu schreiben.
01:01:58: Oha!
01:01:59: Und das ist einfach so herrlich.
01:02:00: und dann schreibt sie mir war Als hätte ich auf einer Seite etwas aus einem alten Tagebuch von mir, das mysteriöserweise kurz nach meiner Heirat verschwand wieder erkannt.
01:02:10: Ebenso aus Briefen die mir obwohl deutlich redigiert irgendwie bekannt vorkommen.
01:02:15: Mr Fitzgerald, ich glaube so schreibt sich sein Name scheint der Meinung zu sein dass Plagiad fange zu Hause an und das ist einfach so herrlich!
01:02:23: Das muss man sich mal vorstellen.
01:02:24: diese Situation fand ich einfach wirklich... Vor
01:02:28: allem
01:02:28: also
01:02:29: sorry das kann wir ja schon ganz oft besprochen dass bei so Paaren wo beide schreiben, irgendwie die Frau oft mit Namen gar nicht so häufig vorkommt und dann kommt raus.
01:02:40: Oftmals das sie total viel damit zu tun hat auf die Spitze getrieben.
01:02:44: ja an diesem Film Die Frau des Nobelpreisträgers da hat die glaube ich alles geschrieben für ihn Und es gab's in verschiedenen Abstufungen.
01:02:51: aber stell dir vor du liest das und denkst jetzt mal was ist mit dem los?
01:02:55: Da hat der mein Tagebuch gerippt Hat sich meine Briefe unter Nagel gerissen Dann hat er da schön sein neues Buch drauf zusammengeschraubt.
01:03:01: Also was geht denn ab?
01:03:02: Und wir haben aber sozusagen bei Zelda Fitzgerald, wenn wir überdenken das sind trotzdem die zwanziger Jahre.
01:03:08: Sehen wie hier halt eine eher untypische Reaktion weil oft war es ja dann so... Das kam dann erst später raus, oft das Pustum, dass es irgendwer gesagt hat.
01:03:16: Und sie schreibt es halt einfach in neue Zensionen auch knallhart hin.
01:03:19: Also da sieht man auch so ein bisschen ihre eigene innere Stärke.
01:03:23: irgendwie im Umgang damit finde ich.
01:03:25: und in den nächsten Jahren gibt's viele Reisen.
01:03:27: Die reisen super viel.
01:03:28: war das Paris-Serie erwähnt die sind sehr viel in Europa.
01:03:31: Sie sind auch da in den literarischen Cirkeln um Gertrude Stein zum Beispiel.
01:03:36: mit Hemingway ist ja Fitzgerald auch viel verbandelt Die zwei.
01:03:42: Es gibt ja diese herrliche Anekdote, die muss ich jetzt einfach kurz erzählen weil es so typisch Männer ist zu der Zeit auch ein bisschen wie Hemingway über Fitzgerald schreibt und schreibt dass das wirklich ein tolles Talent ist und eines der größten Talente überhaupt Und dass aber es diese Anekdote gegeben hätte im Bad, das Fitzgerald Sorge hätte da sein Penis zu klein ist.
01:04:02: Hemingway hat dann mal kurz geguckt und hat ihn dann beruhigt, dass das völlig in Ordnung ist.
01:04:07: Man denkt sich so, warum schreibt ihr das auch?
01:04:10: Weißt du, das ist doch so typisch irgendwie so dieses... Da muss ich dann immer dran denken an die kleine AnekDote sozusagen wenn ich an FitzGerald und Hemmingway denke!
01:04:18: Das Beste ist nicht nur, dass sie es machen.
01:04:20: Sondern deine Empörung über die Tatsache!
01:04:22: Ja aber stelle das mal vor.
01:04:24: Das erinnert...das bringt mich zurück.
01:04:26: Hört mal wenn ihr euch für Penisse in der Literatur interessiert hört mal diese alte Folge wo wir über diese Flaubert Biografie geredet haben weil dieser Typ hat sich auch der Biografer sehr interessiert an Flauber seiner Penis Größe und auch an Flo Bears, Geschlechtskrankheiten und so weiter.
01:04:43: Also da wird man wirklich vollkommen aufgeklärt.
01:04:46: Okay!
01:04:46: Gut wir gehen jetzt aber zu den Fitzgeralds zurück.
01:04:48: und du merkst schon diese Biografie von Zelda lässt sich ohne F-Scot-Fitzgerald nicht erklären weil die halt so ein krasses Ehepaar einfach waren und das somitneinander verwoben war dass man immer quasi Fitzgerals sich da immer reinschmuggelt.
01:05:03: Gut sie machen diese Reisen.
01:05:05: beide haben Affären auch und geben super viel Geld aus.
01:05:08: Sie haben Geld, aber sie sind auch ständig verschuldet weil ihr Lebensstil einfach wirklich wirklich extrem teuer ist.
01:05:16: Dazu kommt das Fitzgeralds spätestens seit dem Erscheinen von der Große Gatsby also so zeitlich gesehen alkoholabhängig ist.
01:05:22: Also er hat wirklich ein Alkoholproblem und nicht nur einfach Feiertrinken.
01:05:26: sozusagen.
01:05:27: im Frühjahr nünzundzwanzig hat Seldan eine Operation an den Eileitern in Rom.
01:05:31: Das Ding ist... Sie haben ja dieses erste Kind Und um Widerschwangen und danach will sie erst mal auch kein Kind mehr haben.
01:05:39: Die nehmen dieses Kind auch immer überall mit, mit Haushältern dann.
01:05:42: Dann will sie aber doch wieder schwanger werden und denkt sich irgendwie so ich will noch mal ein bisschen so neu anfangen oder irgendwie nochmal was machen in meinem Leben.
01:05:53: Sie hat ja wahrscheinlich die erste Mutterschaft jetzt nicht so krass ausleben
01:05:56: können?
01:05:56: Genau!
01:05:56: Ich hab das Gefühl bei Zelda Fitzgerald wir werden das gleich noch hören gibt es öfters mal so dieses.
01:06:01: Das ist natürlich auch ein extrem anstrengender Lebensstil, ne?
01:06:05: So immer Party feiern immer unterwegs und so.
01:06:07: Und du hast ja irgendwie... Da fehlt ja so'n bisschen der Grund!
01:06:10: Als hätte sie in ihrem Leben dann mehrfach versucht einen Haken einzuschlagen und zu sagen hier stelle ich mich mal wieder auf.
01:06:17: Ein Versuch war eben vielleicht noch mal Kinder zu kriegen was aber nicht geklappt hat.
01:06:21: diese Operation ist schief gegangen Oder hat zumindest nicht den erhofften Erfolg gebracht.
01:06:26: Stattdessen hatte sie dann Darm- und Eierstockentzündungen, also sozusagen Folgen der Operationen.
01:06:31: Und in dem Jahr achtundzwanzig versucht sie es auf anderen Wege in Paris.
01:06:35: Und zwar fast sie.
01:06:36: den Plan passt irgendwie auch zu ihrem Charakter so ein bisschen... Sie nimmt Ballettunterricht und will eine Prima Ballerina werden, obwohl sie dafür eigentlich schon viel zu alt ist.
01:06:43: Da gibt es ja sehr starke Regeln sozusagen wie das so läuft.
01:06:46: Ja die ist doch schon über dreißig.
01:06:47: dann in dem Moment oder?
01:06:49: Genau warte sie ist neunzehnhundert geboren also achtundzwanzig.
01:06:52: Aber das ist einfach schon
01:06:53: vielzu alt dafür.
01:06:54: Das geht dir nicht gut.
01:06:55: Sie nimmt viele Tabletten und unternimmt auch verschiedentlich Selbstmordversuche was bei ihr zu ihrem Leben dann wirklich absolut regelmäßig dazugehört, dass sie versucht sich umzubringen.
01:07:09: In der Folge muss Zelda die ganze Tortur der damaligen Medizin erleiden.
01:07:19: Es ist so das Sie immer wieder in Kliniken eingewiesen wird.
01:07:22: Fürs Gerald weist sie eine sehr teure Klinik ein wo sie dann monatelang verbleibt.
01:07:26: und parallel gibt es ne Auseinandersetzung kommt natürlich dann doch die Zeit zum Tragen.
01:07:32: Auch wenn Seldar Fitzgerald, da kann sie sozusagen noch so emanzipiert oder eigenwillig oder eigenständig sein und zwar gibt es ja auseinandersetzung.
01:07:39: das Fitzgerals sagt zu der Familie von Zelda also ihren Eltern ihr habt dir als Kind keine Grenzen gesetzt und davon hat sie jetzt psychische Probleme.
01:07:49: Und die Familie sagt zu Fitzgerald, deinen Lebensstil was du mit der sozusagen feierst und so.
01:07:54: Das hat dazu geführt dass sie die psychische Probleme hat.
01:07:56: das heißt die streiten sich darüber wer jetzt ein geschuld ist dass diese frau nicht ordentlich beisammen ist?
01:08:00: Ist das ein Horror?
01:08:01: vor allem sorry ne aber Du hast es schon einmal kurz erwähnt dass es diesen übergriff gab als sie fünfzehn Jahre alt war.
01:08:08: Die zeit das wird auch sicherlich nicht die einzige erfahrung gewesen sein die sie als frau weil sie eine frau ist in dieser gesellschaft machen musste Der lebensstil genau viele drogen wahrscheinlich alkohol usw.
01:08:18: Und steht das Leben dieser Mann, der ihre Sachen klaut.
01:08:21: Das muss man ja auch mal ganz klar sagen und dann irgendwie sich damit aufzuhalten, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen?
01:08:27: Dann willst du ja auch wirklich zu der Zeit ...
01:08:30: Du willst nicht in Kliniken?
01:08:31: Nee!
01:08:32: Ich hab auch mal ein paar Sachen mitgebracht zu den Behandlungsmethoden gehört dass sie wenn sie eine Panikattacke hat wird sie an dem Bett fixiert Was man sich ja auch mal geben muss, das hat man damals so gemacht.
01:08:42: Aber eine Panikattacke, wo du wirklich das Gefühl hast, es wird alles eng, dir fehlt die Luft und dann wirst du festfixiert.
01:08:48: Macht's ja nur noch schlimmer, weißt du?
01:08:50: Dann gegen ihre Schlaflosigkeit wird ihr das neuartige Mittelchloralhydrat verabreicht.
01:08:57: Das hat aber extrem heftige Nebenwirkungen also ein bisschen wie mit anderen Stoffen, die halt heute gar nicht mehr verabreichten würden oder so.
01:09:04: Sie bekommt auch weitere heftigen Medikamente dass sie schmerzhafte Exzeme kriegt an Gesicht und Hals.
01:09:11: Sie kriegt Insulin-Shocks, die führen zu Krämpfen und Gedächtnislücken Und sie selbst ist sich diese Situation bewusst und sie schreibt an Fitzgerald Mein Zustand an Ostern war noch besser als die klapprige leere Hülse, die ich jetzt bin.
01:09:22: Ich habe solche Angst!
01:09:24: Du wirst entsetzt sein wenn du kommst und feststellst es ist nichts übrig außer Verwirrung und Lehre.
01:09:29: Ich nehme an das kommt davon dass sich mich so durch und durch ausgegeben zu völlig jede Phase überanstrengt haben in diesem nichtigen Versuch etwas zu erreichen bei dem jeder Faktor gegen mich war.
01:09:39: Und scheinbar stabilisiert verlässt sie dann im Herbst neunzehnten ein, dreißig die Klinik Scott Fitzgerald, also geht nach Hollywood um Trebuchautor zu werden und kapselt sich so ein bisschen ab von ihr.
01:09:54: Sie landet wieder bei ihren Eltern zu Hause und schreibt Kurzgeschichten.
01:09:57: zusammen mit ihrer Tochter sitzt sie dann quasi wieder im heimischen Elternhaus Und die beiden sehen sich eigentlich vor allem für Reisen.
01:10:03: Also die machen da immer mal noch so Unternehmungen.
01:10:05: aber eigentlich ist er quasi in Hollywood unterwegs und schreit da Ist auch nicht seine glücklichste Zeit gewesen weil der ist halt ein schwerer Alkoholiker mit Hollywood auch eigentlich gar nicht so viel anfangen kann.
01:10:17: Da gibt es auch viele Dinge, aber beide sind sehr unglücklich irgendwie.
01:10:22: Beide leiden unter dem Punkt in ihrem Leben an dem sie sind und treffen sich eben nur noch für diese Reisen.
01:10:30: Und nach einem gemeinsamen Winter-Olob den Sie unternehmen mit Florida, mit viel Alkohol-Konsum und auch Streits folgt dann ein neuer Zusammenbruch für Zelda Fitzgerald.
01:10:39: Und ... Beendet sie in einer Klinik der University of Baltimore, ihren autobiografischen Roman ein Walzer für mich.
01:10:48: Also sie schreibt vor allem Kurzgeschichten und dann kommt eben dieser Roman und über den würde ich unbedingt gerne mal eine Folge machen mit dir.
01:10:58: Bearbeitet aber das Manuskript, damit es seinen Ruf nicht schädigt.
01:11:01: Also er predigiert das dann sozusagen so durch.
01:11:04: also da wieder den nächsten sozusagen der terroristischen Übergriff.
01:11:08: und neunzehnt sechsten treißig wird Zelda ins Highland Hospital in Ashville North Carolina eingewiesen und das sage ich deshalb weil sie ist dort vier Jahre mehr oder weniger mit ein paar Unterbrechungen insgesamt.
01:11:20: Und der Klinikchef, Dr.
01:11:23: Carol wird dann irgendwann entlassen nachdem er irgendwie sehr viele Patientinnen und dort unter anderem auch Sildar Fitzgerald missbraucht hat.
01:11:31: Sie gehört halt zu den Opfern und unternimmt im Krankenhaus auch mehrere Selbstmordversuche und bittet zwischendurch immer wieder ihre Familie sie aus der Kline zu entlassen und die kommen aber nicht nach erst als das dann rauskommt.
01:11:43: Sie kehrt also mit all diesen Erfahrungen in ihr Elternhaus zurück.
01:11:47: Ihr Ehemann lebt in Kalifornien inzwischen miteinander und Frau zusammen, fand er sie nicht zweis... ...und am einenswanzigsten Dezember nineteen vierzig stirbt Scott Fitzgerald an Herzversagen.
01:11:56: An seinem übermäßigen Alkohol-Konsum vor allem.
01:12:00: Und sie lebt jetzt abwechselnd bei ihrer Mutter und in Kliniken.
01:12:02: Also mehr ist es nicht mehr!
01:12:04: Sie hat religiöse Bahnvorstellungen, sie versucht andere Leute zu Gott zu bekehren.
01:12:08: Man kann sich vorstellen, in diesem Punkt ihres Lebens ist sie einfach schon komplett.
01:12:12: Also ich musste auch an so andere Schicksale, so schlimme Schicksal denken.
01:12:15: Zum Beispiel Kami Klodell oder so wo man das auch weiß die dann einfach in diesen psychiatrischen Einrichtungen durch die Medikamente die den gegeben haben.
01:12:23: es gab vielleicht mal irgendeinen Punkt wo man all diesen schmerz und diese psychischen Folgen, die es dann hätte retten können oder in eine richtige Bahn.
01:12:31: Aber das würde ja durch die damalige Medizin so systematisch zerstört, dass es für diese Leute irgendwann gar keinen Ausweg mehr aus dieser Situation gab.
01:12:38: und das ist bei ihr halt auch so.
01:12:40: Und es endet dann noch mal beschissen nämlich am zehnten März, der Küche des Heiland-Hospitals bricht ein Feuer aus Und die meisten Bewohnerinnen können aber nicht gerettet werden sie auch nicht, weil die meisten Zimmerwärten sind halt verschlossen und die Fenster sind vergittert.
01:12:58: Das heißt sie verbrennt dann in diesem Hospital.
01:13:00: es gibt da keinen Rettungsplan sozusagen und das ist so eine bittere Note auf der dieses Leben endet.
01:13:06: und auch so wenn man sich das so anguckt dann hast du halt auf der einen Seite diese Partys Poster Girl, was sozusagen in allen Zeitungen ist und auf der anderen Seite diese absolute Dramatik.
01:13:18: Diese absolute Tragik die auch zu einem relativ frühen Ende führt und die vor allem halt dazu führt dass sie letztlich ja ein Großteil ihres Lebens einfach unter Schmerzen verbringt.
01:13:28: auf die eine oder andere Weise und ich glaube wir können jetzt auf Sie anstoßen und dann vor allem sagen wir lesen mal Ihre Bücher
01:13:39: Ja, ich glaube das muss man dann einfach als einen Akt der Anerkennung unbedingt machen.
01:13:46: Denn genau das ist ja das Problem viele dieser Frauen auch von großen Schriftstellern, dass sie stehen dann trotzdem am Ende in den Machtstrukturen dieser Männer werden da systematisch irgendwie kleingehalten und wenn man das nicht aushält also eigentlich eine gesunde Reaktion auf dieses System zeigt, wird man halt für verrückt erklärt und dann wird man verrückt gemacht.
01:14:08: Und wir stoßen an auf Zelda Fitzgerald.
01:14:11: Auf Zelda FitzGerald und bis nächstes Mal!
01:14:14: Bis
01:14:14: zur nächsten Woche wieder, tschüss!
01:14:40: Das war Wasser und Buch der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedo P. Michlitz und Josef Braun.
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