Momente der Zärtlichkeit
Shownotes
Was kann eine gute Sommerlektüre? Welcher Lyrikband gehört ab sofort in jedes gut sortierte Wohnzimmer? Und was verschlägt eine dänische Dichterin in die Schweiz? Wir reden drüber. Außerdem geht’s um den Bookerpreis, den Lyriker Michael Strunge und das kongeniale Duo Andreas Töpfer und Tristan Marquardt. Und wir erinnern an Emmy Hennings!
Bücher Tristan Marquardt, Andreas Töfper, „Katalog der Kataloge“ (kookbooks) Michael Strunge, Phillip Theisohn „Nachtmaschine“ (Matthes und Seitz)
Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger
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Transkript anzeigen
00:00:02: Wasser und Buch.
00:00:04: Der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedope Miklitz und Josef Braun.
00:00:22: Hallo Joseph,
00:00:25: schön dich zu sehen!
00:00:26: Wir wachsen!
00:00:26: Der Podcast wird größer.
00:00:27: Ja, wir wachsen langsam ne?
00:00:30: Und was... also jetzt kommt der unangenehme Teil davon, ne?
00:00:34: Weil man es kann nie genug sein sozusagen und ich habe ja früher das immer so extrem nervig gefunden wenn die Leute dann eben mal bei jeder Folge selbst super erfolgreiche Podcasts, die irgendwie gefühlt auf Platz dreizig nicht nur gefühlts sondern Platz dreißig der deutschen podcast chart so wer wie viel gehört dort stehen haben immer am Ende noch mal dieses und schreibt mir bitte, und kommentiert
00:00:53: das
00:00:53: bitte usw.
00:00:55: Bewertet das?
00:00:55: Und das ist glaube ich was, was sich auch generell so in dieser Literatur-Bubble feststellt, es fällt den Leuten extrem schwer.
00:01:02: Wir machen
00:01:03: das ja auch fast nie!
00:01:04: Nee wir machen das auch fast nicht und es ist aber sozusagen auch etwas... Manchmal muss man da vielleicht einfach mal drüber weil man merkt auch so beim Liken Plasen sozusagen wird viel mehr geliked, generell einfach nicht als Beschwerde sondern als Beobachtung.
00:01:20: Und das ist immer so ein bisschen so.
00:01:21: ich will dieses Instagram-Spiel nicht mitspielen und was weiß ich?
00:01:24: Das Problem ist aber nur wir erreichen sonst halt die Leute nicht dies hören könnten, dies aber einfach nicht wissen dass es existiert.
00:01:31: deswegen ist es für uns einfach super wichtig Wenn wenn sozusagen irgendjemand da draußen ist, der sich angesprochen fühlt oder die oder die Lust hat.
00:01:41: Oder die unseren Podcast mag und sagen will ich kenne auch jemanden der der die könnte da auch dran gefallen finden oder so.
00:01:46: wir würden uns wirklich sehr sehr freuen.
00:01:48: es ist ein großes Leidenschaftsprojekt von uns und wir stecken aber auch sehr viel Arbeit rein.
00:01:53: Und freuen uns natürlich, wenn es die Leute erreicht, die da vielleicht Bock drauf waren
00:01:56: oder?
00:01:56: Genau!
00:01:57: Es ist ja auch so dass wir jetzt schon nach einem guten halben Jahr unsere Ziele für dieses Jahr was unsere Zahlen betrifft fast erreicht haben.
00:02:04: das einzige wo sich das nicht so richtig... Spiegelt ist halt zum Beispiel auf Instagram, du hast es schon gesagt.
00:02:10: Und das ist so kurios, dass eben viel mehr Leute den Podcast hören als auf Instagram interagieren.
00:02:15: Das heißt falls ihr uns hört und uns noch nicht folgt macht das gerne!
00:02:18: Ihr müsst ja da gar keine Zeit verbringen wenn Instagram euch zu recht total auf die Nerven geht, das geht uns nicht anders.
00:02:24: aber dann gleicht sich das ein bisschen an und das hilft uns wiederum auch wenn's mal darum geht das ganze irgendwie dann noch weiter zu professionalisieren.
00:02:37: Im Vulkan
00:02:40: Linn, wir starten heute in den News wiederum mit einer traurigen Nachricht.
00:02:43: Die Autorin, die österreichische AutorInn Monika Helfer ist tot.
00:02:46: Du hast das sicherlich auch mitgekriegt weil es war einfach überall in den Nachrichten.
00:02:50: Es ist auch ziemlich dramatisch Weil sie kurz vor ihrem achtzigsten Geburtstag in der Woche vor dem achtziger Geburtstag gestürztes und dabei jetzt In erfolge verstorben ist.
00:03:00: Und ich konnte mich als ich den Namen gehört habe.
00:03:02: Ich hab noch nichts von ihr gelesen Aber ich kann mich erinnern, dass sich mal ein Artikel über sie so eine Reportage im Spiegel gelesen hat von Elisa von Hof und die war total schön geschrieben.
00:03:12: Also kann ich auch empfehlen wer da nochmal nachlesen will.
00:03:15: Sie hat eben Monika Heifer besucht und dann eben diese Geschichte auch noch einmal erzählt.
00:03:19: Monika Häfer ist ja seit den Mitte der siebziger Jahre mit Michael Köhlmeier zusammen auch einen Schriftsteller.
00:03:25: Toller Schrift!
00:03:26: Toller Der aber halt wesentlich früher Erfolg hatte als sie.
00:03:29: Sie hat immer schon geschrieben, war auch immer, hat auch wichtige Preise gewonnen.
00:03:33: Aber man hat ja manchmal so das Phänomen dass Autoren und Autorinnen schon anerkannt sind sozusagen und die Preise gebinden und so, aber trotzdem mit einer breiteren Menge noch nicht so bekannt sind also nicht so Erfolg haben kommerziell beim Lesepublikum.
00:03:45: Und das hat sich bei Monika Helfer Ein bisschen auch mit dem Aufkommen, das hat auch Elisa von Hof dann in diesem Artikel schön so nochmal zusammengefasst.
00:03:53: Mit dem Aufkommen von Erno und dieser autofekzionalen Biograf schreiben.
00:03:58: da ist Monika einfach reingegangen und hat über ihre Familie geschrieben.
00:04:01: Es gibt ein ganz bekanntes Buch Fati?
00:04:03: Das ist Teil zwei genau
00:04:05: also
00:04:05: die Bagage war das erste, das war der erste Erfolg, dann kam Fati und dann noch Löwenherz und das ist sozusagen eine Trilogie über ihre Familiengeschichte Und die hat sie halt extrem bekannt gemacht.
00:04:18: Ich hab mir jetzt auch gedacht, es ist einfach alles was man gelesen hat schreit danach dass wir das unbedingt dieses Jahr noch in den Podcast bringen müssen und uns mit ihrem Werk beschäftigen müssen.
00:04:28: Es ist natürlich total tragisch und gleichzeitig irgendwie auch schön, dass es noch am Ende ihres Lebens dann geklappt haben mit dieser Anerkennung einfach.
00:04:39: Wir müssen einen harten Cut machen wie das oft so ist wenn man Todesnachrichten Ja davon erzählt oder davon berichtet und dann zu einem anderen Thema wechseln, wechselen möchte.
00:04:51: Wir kommen zu Sommerlektüren Linne Und da möchte ich dich auch gerne gleich mit einbinden.
00:04:56: wir bleiben nochmal kurz beim Spiegel weil der hat jetzt eine Literatur Newsletter und die versuchen dann immer so Aufmachemacher zu finden, wo man so ... Die Leute natürlich mitcatchen.
00:05:07: Der war jetzt von Katharina Stegelmann und die hat geschrieben fähigen Zeit ist angeblich Lesezeit.
00:05:12: aber was ist das überhaupt eine gute Urlaubslektüre?
00:05:14: Und man denkt so ja interessant da?
00:05:16: die Frage würde ich mir auch mal gern beantworten schweift sie so ein bisschen hin und her, hat eigentlich nur einen einzigen konkreten Vorschlag oder eine konkrete Idee.
00:05:26: Ich zitiere das kurz Eine Methode besteht darin Bücher zu wählen die mit dem Landen zu tun haben dass man besuchen will.
00:05:32: Das kann den Schauplatz oder die handelnden Personen oder den Autor betreffen.
00:05:35: Da muss man nicht streng sein.
00:05:37: für eine Reise nach Sizilien hatte ich vor ein paar Jahren Roberto Saviano Mit seinem auf Fakten beruhenden Roman Falcone dabei.
00:05:44: Ich kenne diesen Angang sehr gut.
00:05:46: Aber ich hab mich gefragt, wie machst du das eigentlich?
00:05:48: Wie wählst du deine Urlaubslektüre aus?
00:05:51: Na, ich erinnere mal an unsere große Spanien-Reihe wo wir mehrere Folgen mit Spaniern verbracht haben und auch mit spanischer Literatur.
00:05:58: da war ich natürlich auch in Spanier in der Zeit und habe auch das dementsprechend gewählt.
00:06:03: Ich find das manchmal ganz nett, weil ich weiß nicht wie es dir geht.
00:06:06: Die Auswahl ist so riesig an Sachen die ich lesen will dass sich manchmal froh um jeden Ankerbind in der Entscheidungsfindung.
00:06:13: Ich hab aber das Gefühl ... Die FAZ hat genau den gleichen Newsletter
00:06:18: gehabt,
00:06:18: da war auch wieder so Strandlichtüre.
00:06:20: Aber deswegen wollte ich mal mit dir drüber sprechen?
00:06:22: Also ich glaube, ich versuch schon ein bisschen abzuschätzen, dass für jede Lebenslage was dabei habe.
00:06:27: Ich reise meistens mit mehreren Büchern also ich hab dann meistens was dabei für die Handtasche, also zum Beispiel ein Gedichtband den ich immer mal wieder rausziehen kann.
00:06:36: Wo ich eben gedanklich lange verweilen kann wo ich aber nur kurz lese und dann habe auch oft gerne so richtig lange Romane dabei die ich dann immer zb beim Frühstücken oder wenn Kind schläft oder wann auch immer am Strand irgendwie lese Und meistens packe ich viel zu viele Bücher ein.
00:06:53: Also es kommt schon Und gerne mal vor, dass ich mit fünf Büchern in eine Woche Urlaub fahre.
00:06:58: Es kommt aber auch vor, das ich die dann alle gelesen habe nicht immer, aber oft.
00:07:02: Ich finde es ist ja auch die Frage immer Kannst du im Ziel an Bücher kaufen?
00:07:05: Kannst Du sprichst du die Sprache und bist in der Lage dir da Bücher zu kaufen?
00:07:08: Das sollte dann sozusagen den den den Fokus nochmal so ein bisschen.
00:07:13: Ich kenne das auch.
00:07:14: Bei mir ist es ja so, ich lese immer nach... Also ich mach mir immer Listen wie viel Seiten ich pro Tag lese für alles und das heißt, ich rechne dann immer durch quasi wieviel und dann überlege ich, wie viele Bücher kann ich parallel lesen ohne dass ich Ärger krieg?
00:07:26: Weil ich dann zu viel Zeit mit Lesen verbringe!
00:07:28: Wie viel schaffe ich realistisch?
00:07:30: Und dann, wie weit gehe ich sozusagen von meiner Arbeitslektüre im weitesten Sinne Recherche für Romane oder so weg?
00:07:37: Wie weit sage ich jetzt okay, ich nehme jetzt dieses Buch was gerade nirgendwo reinpasst weder vom Podcast noch für irgendwie und nehm jetzt das mit den Urlaub, oder bleib doch lieber auf meinem Arbeitsding.
00:07:46: Weil wenn ich zurückkomme habe ich da weniger Lesestress weil ich dann schon ein paar Sachen gelesen hab die zum Beispiel für eine Moderation oder für andere Sachen gebraucht werden.
00:07:54: Ich finde dass auch jedes mal einfach so'n Riesenthema.
00:07:56: und ich find die größte Angst die ich denn immer hab ist dass ich's falsche Buch dabei hab.
00:08:00: Und ich saß im Zug nach London fang an zu lesen diese von François Gélo diese Biografie was sie über Picasso geschrieben hat Und ich fand einfach so wassprachlich nicht gut.
00:08:11: Es ging schon wieder in diese Nierrichtung, das Buch wird sehr geschätzt aber mir hat es irgendwie nichts gegeben und ich saß wirklich da und dachte so nein, weil es hatte auch viele Seiten und ich hätte mich so drauf verlassen.
00:08:23: Deswegen ist auch ein Thema, dass man schön mal reden kann.
00:08:26: Aber ja...
00:08:28: Ich habe einen Buch gerade am Wickel, bei mir sind ja Ferien, ich bin zwar nicht verreist, aber...
00:08:32: Genau, gib doch mal den Tipp!
00:08:34: Wir können doch jeder noch einen Tipp geben?
00:08:35: Ja also ich gebe jetzt wirklich mal einen Tipp.
00:08:39: Ich hab gestern in der Verschenke-Kiste Girl on the Train gefunden.
00:08:43: Ja?
00:08:44: Das ist als Film, es war ein Bestseller von dem Jahr.
00:08:47: Es gibt's auch als Film und wird als Spannungsroman gehandelt.
00:08:50: Von
00:08:51: Emily Plant, ne?
00:08:52: Also mit Emily Plant sozusagen... Der Film,
00:08:54: ja genau!
00:08:55: Ich habe peinlicherweise gerade den Namen der Autorin nicht parat weil ich mich nicht darauf vorbereitet hab ihn mir merken zu müssen für die Folge.
00:09:01: aber man kennt das.
00:09:03: Das lag in dieser Kiste und ich dachte so vielleicht muss ich mal mir einen Urlaubseffekt nach Hause holen, indem ich wirklich einfach was lese.
00:09:10: Wo ich eben nicht drüber nachdenke... bei jedem Satz fand ich das jetzt gemacht und das funktioniert total gut!
00:09:17: Ich habe von gestern zu heute hundertfünfzig Seiten in diesem Buch gelesen und es funktioniert halt auch im Alltag besser weil wenn ich ein Buch lese arbeitsbedingt dann hab' ich natürlich da muss ich mich einfach konzentrieren.
00:09:29: Ich muss mich wirklich konzentrieren und dass lese ich jetzt aus totalem Entertainment heraus Und es liest sich auch gut weg und es macht Spaß.
00:09:38: Da muss ich mich nicht so konzentrieren,
00:09:40: d.h.,
00:09:40: wenn ich zwischendurch eine Schnittde schmieren muss oder die Katze irgendwas will dann ist das nicht so ärgerlich, wenn ich immer unterbrochen werde.
00:09:47: Das kann ich wirklich empfehlen weil ich habe das Gefühl manchmal, wenn man sich zurecht wünscht, man könnte sich mal wieder auf was sehr anspruchsvolles einlassen im Urlaub und viel am Stück lesen Dann ist die Frustration bei mir zumindest sehr hoch, wenn das nicht gelingt und ich eigentlich kein Gefühl für den Text kriege Und dann kann es auch manchmal sehr entspannt sein, einfach was zu nehmen.
00:10:06: Um dass man sich nicht so viele Gedanken macht und das die Zeit auch so ein bisschen vergehen lässt bis man wieder arbeiten kann.
00:10:11: Ich weiß, das ist mein Problem aber... So geht's mir schon oft!
00:10:14: Die hätte doch auch Gangirl geschrieben glaube ich oder?
00:10:17: Ja, ähm, das kann sein zumindest.
00:10:19: Wir machen
00:10:19: jetzt noch mehr halbwissen irgendwas mit Jillian Flinnn oder...?
00:10:22: Jillian ja heißt sie irgendwie
00:10:23: so,
00:10:24: ne?!
00:10:24: Also so grob wir wollen das jetzt nicht, wir unterbrechen jetzt nicht und googlen das auch nicht nach.
00:10:28: Aber da ist es so grobo in mal unsere Richtung.
00:10:30: Es ist auf jeden Fall guter Tipp und ich glaube auch, was auch so oft dann in solchen Artikeln hochkommt ist.
00:10:36: Natürlich auch von lauter Leuten geschrieben die selber irgendwie viel beruflich lesen.
00:10:40: Also da ist auch sehr stark eine bestimmte Perspektive überrepräsentiert würde ich mal sagen.
00:10:45: Viele Leute haben einfach im Alltag gar keine Zeit zu lesen und dann fangen sie halt immer an.
00:10:51: Aber trotzdem lesen um des Vergnügungswillens so und das ist natürlich auch wenn man viel liest geht es ja manchmal ein bisschen verloren.
00:10:59: Man liest halt Bücher so komplett wie du schon gesagt hast, auch unter einem bestimmten Blickwinkel so ne?
00:11:03: Und dass dafür eignet sich natürlich so Olabs Momente.
00:11:08: und weißt du was?
00:11:09: ich gebe gar keinen Tipp weil ich komme jetzt zur Bucke-Longliste und dann sind das meine Tipps sozusagen.
00:11:14: Wir haben den Buckerpreis letztes Jahr schon begleitet und wollen auch dieses Jahr wieder machen.
00:11:20: Die Longlist wurde veröffentlicht vom Bookerpreis und ich hab einfach mal so ein paar Fakten aufgeteilt, die ich uns mitgebracht habe.
00:11:28: Muss man nicht unbedingt wissen aber macht ja vielleicht Spaß!
00:11:31: Die Jury-Vorsitzenden in diesem Jahr ist Mary Beard.
00:11:33: Oh, die ist jetzt auch schon wirklich sehr oft begegnet?
00:11:36: Ja, und die Auswahl... Passte irgendwie auch ein bisschen zu ihr.
00:11:40: Es wurde vermerkt als Reaktion darauf, dass es eine absolut tolle Auswahl ist aber auch sehr exzentrisch.
00:11:46: Exzentrischer als in den Jahren davor und ich dachte irgendwie so okay das passt doch.
00:11:50: die Jury hat dreizehnt Titel für die Longlist ausgewählt.
00:11:53: Die Autoren Autorinnen stammen aus sieben Ländern, Jamaika, Mexiko, Türkei, England, Schottland, Irland.
00:11:59: Das ist irgendwie so klar beim Bookerpreis und den USA auch sehr klar da war gab es übrigens immer mal wieder die Debatte ob man die USA ausschließt weil man gesagt hat die haben ihre eigenen großen Preise und dann ist das irgendwie ein bisschen ungerecht.
00:12:11: dass die jetzt unseren Großen auch noch mit abgreifen können hat sich aber nie so richtig durchgesetzt.
00:12:15: weil weil das einfach zu zu sehr verbunden ist.
00:12:18: Das längste Buch auf der Liste von Marlon James heißt The Disuperior Und hat sechshundert Seiten, das spielt in Jamaika und erzählt also auch sein erstes Buch.
00:12:28: Sein erster Großerfolg spielt in Jamaica und diesmal geht es um eine queere Geschichte.
00:12:32: Also jemand spielt Theater als Schul- und muss dann sozusagen wird angefeindet und gerät in Lebensgefahr und wie das sich dort ausspielt.
00:12:41: Auch ein Statement?
00:12:42: Auch einstatement, bestimmt sehr interessantes Buch.
00:12:46: Das kürzeste Buch heißt Helen of Nowhere und ist von McKenna Goodman.
00:12:51: Und das hat hundertvierzig Seiten, da geht eine Professorin zum... Ich hab mir das jetzt mal so notiert zum Wundenlecken aufs Land.
00:12:58: also sie hatte irgendwie der Krach in ihrer Uni, es wurde auch so ein bisschen festgestellt im Artikeln dass der Campus Roman wieder total zurück ist weil man da diese ganzen Debatten um Gender und was weiß ich was halt super erzählen kann.
00:13:12: und genau das ist sozusagen Campus, aber dann wird es eben so ein Landflucht-Landhaus-Roman.
00:13:20: Und mit den Autoren Douglas Stuart und Schotte und Marlon James, denen ich schon erwähnt habe stehen zwei auf der Liste die den Bookerpreis schon mal gewonnen haben.
00:13:28: And last but not least ist gibt's mit Fitzcarraldo Edition Serpent Tales und Granata stehen drei Independent Verlage auf der liste immerhin für diesen großen und ja sehr renommierten Preis.
00:13:40: Wer Lust hat reinzulesen und sagt hier mit Englisch ist es mir aber nichts.
00:13:45: Der kann mit zwei Büchern anfangen, John of John von Douglas Stuart ist von Sophie Zeitz besetzt schon bei Hansa erhältlich und wir bleiben nochmal bei Hanser weil dort erscheint auch bald, aber wirklich sehr bald am achtzehnten Nachten in die Schweiz von Emma Klein das uns die Geschichte erzählt von einem Mann der sozusagen zum Sterben in die Schweizer fliegt und im Flugzeug noch mal so sein Leben rekapituliert Und mit den Empfehlungen entlassen, würde ich sozusagen in die Sommerferien.
00:14:13: Aber hört uns bitte weiter an!
00:14:17: Die helle Kammer So Josef... Ich habe heute ein ganz besonderes Buch dabei und das macht mich sehr glücklich.
00:14:24: Ich finde nämlich es ist so was fehlt mir bisher noch zu Hause.
00:14:28: Ein bisschen wie ein Coffee-Tablebook für Literaturliebhaber.
00:14:32: Diese Coffee Tablebooks kennst du vielleicht?
00:14:34: Die sollen ja sowohl schön sein als auch so inhaltliche Interessen spiegeln oder zumindest simulieren je nachdem wie man sich geben möchte.
00:14:42: Ich erinnere nur an der Gottesgemetzels, die hatten auch eine sehr schöne Coffin-Tablebook-Sammlung und natürlich habe ich auch ein paar Bild- und Fotobände.
00:14:50: aber eigentlich interessiert mich ja vor allem die Literatur und da will ich ja vor allen Bücher liegen haben, die mir helfen mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen.
00:14:59: wenn ich mal wieder im Wohnzimmer sitze mit irgendwelchen Menschen und ich weiß was ich sagen soll werde ich für den Rest meines Lebens einfach immer in Griffweite haben, weil es eignet sich ganz fantastisch dafür.
00:15:12: Also... Ich rede von dem neuen Buch von Tristan Marquardt und Andreas Töpfer Katalog der Kataloge und was es damit auf sich hat, besprechen wir gleich noch die Zutaten für dieses Buch.
00:15:26: Kommen eben von dem genannten Lyrikatrist an.
00:15:29: Marquardt, der ist in Göttingen geboren und lebt in München.
00:15:34: Er verlegt auch selbst Bücher bei Hochroth.
00:15:38: Das ist ein Lyrik-Verlag.
00:15:39: Er hat eine Anthologie zu Minnesang herausgegeben, also eine Art Liebeserklärung an die Liebesgedichte des Mittelalters durch zeitgenössische Autorinnen.
00:15:47: Er isst medievist, das heißt er kennt sich mit dem Mittelalter bestens aus und man findet seinen Namen auch im Zusammenhang mit dem Netzwerk Lyrik, mit dem netzwerk Unabhängige Lesereien – natürlich hatte auch schon andere Lyrikbände geschrieben, die beide bei Cookbooks erschienen sind – einer mit dem Titel «Das amortisiert sich nicht» von Tiefsee von zwei tausend achtzehn.
00:16:09: Und ich finde, man merkt an dieser Biografie auch wie sehr die Lyriks-Szene davon lebt dass manche eben wirklich einfach ihr ganzes Leben danach ausrichten.
00:16:16: und da kriege ich auch immer so ein bisschen Gänsehaut wenn ich das so sehe weil man einfach merkt, dass diese ganze Vielfalt und so zusammenkommt weil sich manche Leute halt richtig reinknien.
00:16:28: Cookbooks ist das nächste Schlagwort denn Da ist auch dieses neue Buch erschienen.
00:16:32: Du kennst die Bücher, ich hab ja immer mal welche dabei!
00:16:35: Die machen einfach wunderschöne Lyrikbände.
00:16:38: Daniela Seehl hat den Verlag zusammen mit Andreas Töpfer gegründet und es so dass man glaube ich sagen kann... ...die Literatur liebt Andreas TÖPFER und Andreas T ÖPFERT liebt.
00:16:48: Die Literatur.
00:16:48: er ist eigentlich freier Grafik-Designer, Illustrator und zeichnet eben auch immer viel mit Autorinnen zusammen Und seine Arbeiten wurden ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Stiftung Buchkunst.
00:17:00: Er ist ausgezeichnt mit einem Werk für die schönsten Bücher Norwegens – Mit dem deutschen Foto-Buchpreis!
00:17:07: Beim EF Communication Design Award und beim German Design Award.
00:17:11: Mit diesen Preisen kennen wir uns in der Literatur natürlich nicht so aus.
00:17:14: aber ich kenne Andreas Töpfers Arbeiten auch schon länger seit zwei Tausendneunzehn.
00:17:19: Vielleicht erinnerst du dich?
00:17:20: Da hatte ich ja dieses Stipendium in Sulzbach Rosenberg wo ich mit einem Auszug aus meinem ersten späteren Buch dann da war.
00:17:28: Und da haben wir damals einen Seminar gehabt, wo wir Töpfers Zeichnungen besprochen haben und das weiß ich nämlich noch, da habe ich mir damals eine ausgeschnitten.
00:17:36: Das war so ein Gesicht, dass an der Katze riecht und da stand drunter Pavel Riecht nach Dachboden.
00:17:43: Da erinnere mich so gut daran weil ich das geliebt hab, da gab es auch andere Sachen wie zum Beispiel in der Hand deren Finger waren Nacktschnecken mit Fühlern Und es ging ganz viel um Wahrnehmung und die zu verbildlichen.
00:17:56: Du fragst dich jetzt natürlich aber zurecht, was ist der Katalog?
00:18:01: Also erst mal ist das ein großes rotes Buch und wenn man das aufschlägt dann sind in den Einband quasi zwei Einzelbücher eingebunden nicht wie bei einem Schuber sondern graphinierter.
00:18:10: Man öffnet das Dann hat man im linken Teil einen Buch und im rechten Teil ein Buch Und links haben wir die Texte von Tristan Marquardt und rechts die Zeichnungen von Andreas Töpfer.
00:18:23: Ich habe mich ein bisschen zum Hintergrund dieser Zusammenarbeit belesen, sie haben wohl mehr als einen Jahrzehnt daran gearbeitet.
00:18:30: Es ist so dass die Idee zum Buch bereits im Debüt von Tristan Marquartt eine Rolle gespielt hat.
00:18:36: es geht darum Dinge zu gruppieren und poetisch zu definieren was eben Kataloge nicht mit der Sprache unbedingt im Fokus machen sondern inhaltlich Und hier wird das eben auf die Lyrik gepackt.
00:18:51: Das Ziel ist, dass sich bestimmte Dinge oder die Idee dahinter ist, in der Poesie viel besser greifen lassen.
00:18:57: Ich hatte das Gefühl, das ist ein bisschen wie bei Pipi Langstrumpf nur nicht mit Mathe sondern mit Sprache.
00:19:03: also da heißt es ja irgendwie dreimal drei macht sechs und so weiter.
00:19:06: ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.
00:19:08: Hier haben wir Begriffe, die zusammengefasst werden und poetisch definiert werden.
00:19:15: Beginn tut das Buch mit einem Auszug eines Katalogs über Hälften.
00:19:20: Es klingt jetzt erst mal ein bisschen abstrakt, aber dieses Buch habe ich oder hätte ich vor zwanzig Jahren wirklich gebraucht, da hab' ich nämlich mit meinem Stiefvater gestritten weil ich mit Blick auf so einen Stück Kuchen gesagt habe dass sich die linke Hälfte will und es war schon geteilt und nicht komplett in der Mitte und er hat dann so rumgenöltes Sein keine Hälften sondern das sind Stücke, weil Hälfen sind immer gleich groß.
00:19:41: Und das hat mich damals schon wahnsinnig aufgeregt.
00:19:43: Und heute weiß ich, dank dieses Buches, dass er damals von der exakten Halbhälfte sprach und ich von der gemeinen Halbhelfe... Ich wollte dir das mal vorlesen!
00:19:54: Natürlich die Genugtuung muss man jetzt haben, ne?
00:19:57: Die muss sich wirklich jetzt mal ausbreiten also.... Die exakte Halbhälfte, die Hälfte ist weil es eine andere Hälfe gibt mit der sie A ein Ganzes bildet und mit der Sie B identisch ist.
00:20:10: Gemeiner Halb-Hälfte hälfte.
00:20:12: die Hölfte isst Weil Es Eine Andere Hälfete Gibt Mit Der sie A Ein Ganzes Bildet Und Mit der sie b Nicht Identisch Ist.
00:20:18: entweder weil es Zwei gleich Große unterschiedliche Hälften gibt wie bei Brötchen in der Theorie und oder weil es zwei unterschiedlich große Hälfen gibt Wie Bei brötchen In der Praxis.
00:20:28: Irrelevant ist dabei, wie sehr sich die Hälften in Form oder Größe unterscheiden.
00:20:32: Relevant ist allein dass das Ganze halbiert worden ist und wirklich ich liebe alles daran.
00:20:43: Es gibt einfach ganz viele verschiedene Kataloge erst mal von denen ich vorher nicht wusste, dass sich sie bräuchte.
00:20:48: Es gibt Kataloge der Ängste Formen der Leere Licht- und Schattenkataloge Auszüge eines Katalogs Ich zitiere erstaunlicher verbaler Formulierungen mit jeweils drei Bedeutungsvarianten samt beispielhafter Redewendung in den Sie gebräuchlich sind sowie einzelne Erläuterungen dazu.
00:21:04: Und das Ganze ist formal eben auch sehr vielfältig kurzweilig in der Form spielerisch und ich habe gerade Vorbereitung gemerkt, dass ich dir am liebsten das ganze Buch vorlesen würde Und ich dachte mir deswegen, du wählst vielleicht einen der Kataloge im Inhaltsverzeichnis beispielhaft aus und dann lese ich dir mal ein Stück vor.
00:21:23: Was mir noch kurz aufgefallen ist wenn ich das jetzt gerade mache, ist dass es offensichtlich auch mit so alten Katalogformen spielt.
00:21:30: also es gab ja früher.
00:21:32: Also einerseits hattest du jetzt so ein sehr modernes, aber gerade dieses ... mit diesen langen Überschriften.
00:21:37: Die dann in der Hand von drei Beispielen oder so.
00:21:40: Das erinnert einen auch an Kataloge, wenn du diese findest aus so... ...Ninzenhundert oder sowas weißt du?
00:21:45: Wo es oft noch Erläuterungen gibt und das alles blumiger war und nicht durchrationalisiert zu sagen.
00:21:51: Ja!
00:21:51: Es hat mich auch ein bisschen erinnerte an Brehmstierleben manchmal also diese großen Kompendien.
00:21:55: Genau, ja total.
00:21:58: Es gibt hier super viel
00:22:00: Ja.
00:22:01: Ich lese mal kurz zwei, drei noch vor.
00:22:03: Formen von Lügen gibt's.
00:22:04: Form wie Schwarz-wie-Weiß ist Auszüge eines Fehlkatalogs, auszüger eines Spurkatalogs.
00:22:10: und weil es so unfassbar warm ist Linne Und das wird noch wärmer.
00:22:15: Auszügen eines Windkatalogs gerne
00:22:17: Ja.
00:22:18: dann pass auf da nehme ich dir davon mal Nehm ich mir davon mal was vor.
00:22:23: Also die Auszüge eines Windkatalogs ist auch schlaune, dass es immer aus Züge sind.
00:22:27: dann hat man keinen Anspruch auf Vollständigkeit und das regt auch die Fantasie an irgendwie selber weiter zu denken.
00:22:32: hier haben wir jetzt verschiedene Eintragungen.
00:22:35: da wären Streifarten des Winns, Windrichtungen, Windhandlungen, Transportwind, Sichtwind und Wind verschwinden.
00:22:42: Und weil Wind verschwinden so schön klingt lese ich dir das vor Die drei Arten des Wins zu verschwenden.
00:22:48: erstens abflauen stehen bleiben Dann zieht die Luft vom Treiben ins Bleibenum, richtet sich ein.
00:22:55: Zweitens Haltmachen – Sich legen!
00:22:58: Dann bleibt die Luft stehen ohne abzuflauen.
00:23:00: Ist Luft, die steht Wind der liegt?
00:23:03: Der jederzeit wieder aufstehen kann.
00:23:06: Drittens Abziehen gehen ohne sich je zulegen.
00:23:09: Dann verschwindet der Wind nur scheinbar, zieht weiter, kann einer Gegend immer wieder begegnen.
00:23:13: Es gibt Winde, die zeitalter altern Wen als hätten sie viel zu erzählen.
00:23:19: Und ich finde, man merkt schon an dieser Definition auch die Poesie.
00:23:24: Die Lyrik.
00:23:25: also während man sich bei der Brötchenhälfte natürlich noch fragen kann ist das eine Definition oder ein Gedicht?
00:23:30: Ist bei allen anderen Sachen relativ schnell klar was die Lyrik ist und was sie auch zu bieten hat?
00:23:38: weil da sind natürlich ganz oft auch Definitionen oder meistens dies so gar nicht gibt.
00:23:44: Es ist ja auch, ich meine es gibt doch total viel regelbasierte Lyrik.
00:23:48: Das ist ja ein totales Ding und er gibt sich jetzt halt Regeln die aus anderen Bereichen gibt sie quasi nicht irgendwie aus einer Poetik rauskommen oder sowas aber schafft damit eben seine eigenen Regeln und baut dann darin sein seine Gedichte.
00:24:00: so ist es und das spannendste finde ich dass die Welt sich sozusagen sprachlich weiter auffaltet beim Lesen.
00:24:09: Ich kenne das ja, wenn man irgendwie durch den Wald läuft und man hat keine Ahnung von Gewachsen und denkt die ganze Zeit nur Bäume dann ist man sprachlos schon sehr begrenzt.
00:24:17: oder wenn alle
00:24:18: Vögelvögel
00:24:19: sind.
00:24:21: Wenn ich jetzt Wind beobachte, dann frage ich mich automatisch okay ist es einer der vielleicht schon dreimal um die Welt geflogen ist weil er sich nie niedergelegt hat?
00:24:28: Und allein schon dass Winde jetzt plötzlich unterschiedliche Begrifflichkeiten mit sich bringen also es so eine richtige als auch in die Welt mehr Sprache gebracht werden würde.
00:24:37: Das ist ein ganz interessanter und berührender Effekt dieses Buchs, ich will aber noch etwas zu den Zeichnungen sagen.
00:24:43: Die beiden Teile des Buches beziehen sich nämlich aufeinander.
00:24:46: da gibt es immer unten auf der Seite so einen Verweis wo jetzt das Äquivalent im jeweils anderen Buch finde.
00:24:53: Und man muss sich diese Zeichnungen wie so kleine schwarz-weiße Schematats verschiedenen Sachverhalten vorstellen, die sind aber auch eben nicht wissenschaftlich gedacht sondern sie sind ein bisschen so gebaut wie Gedichte und das fügt den Texten eine weitere Deutungsebene hinzu und vergrößert auch den Spielraum der dahinter liegenden Gedanken.
00:25:10: bei dem Auszügen aus dem Katalog von diesem Windaspekt sehen wir also Zeichnung in eines Stoffs über einer Stange oder es werden sprachliche Bewegungen in Bilder übersetzt, Eigendynamiken entwickelt.
00:25:25: Und man kann auch sagen dass sozusagen diese Zeichnungen, die Texte nochmal ergänzen und man auch immerhin und her springen kann.
00:25:33: Und sich beides dann noch mal neu betrachten lässt.
00:25:36: das ist auch oft total lustig.
00:25:38: Hitze zum Beispiel wird auch katalogisiert und in meiner Welt die ja jetzt eine welt mit hitzewellen von neununddreißig grad Celsius ist wie bei den meisten von uns rettet mir dieser katalog echt den tag weil ich jetzt Inworte fassen kann was da passiert.
00:25:51: und was mich betrifft auf das muss ich dir auch noch kurz zeigen.
00:25:54: es ist einfach zu gut So, Auszüge eines Hitze-Katalogs.
00:26:02: Es gibt viele verschiedene Hitzen wie du dir jetzt vielleicht schon gedacht hast und die Überhitze fand ich besonders faszinierend.
00:26:10: herrscht, wenn es so heiß ist als habe das Wetter übertrieben.
00:26:13: Als habe es wärmer werden wollen und sich völlig verschätzt.
00:26:16: Hitze die irreversibel heiß wirkt – die Skala dessen was heiß heisst zu verschieben scheint.
00:26:21: Je länger sie besteht desto mehr verliert man den Bezug dazu dass es etwas gibt, was weniger warm als zu heiß
00:26:28: wäre.".
00:26:28: Und wenn man sich jetzt fragt ob nicht jede Hitze so ist dann habt ihr eben noch nie von der Strahlhitze Drennhitze Unhitze Siech-Hitze Brühe-Hitzeglüh-Hütze und Staubhitze gehört.
00:26:38: Also wirklich an der Zeit, sich dieses Buch mal anzuschauen.
00:26:44: Ja wie sich Hitze visualisieren lässt mit nichts als einem schwarzen Filzstift das verrate ich jetzt nicht außer es ist sehr genial und wenn ihr könnt kauft euch dieses Buch.
00:26:52: Es wird auch Anlass für Gespräche geben die eure Freundschaften verändern.
00:26:56: denn Ich erlaub mir ein kleines letztes Zitat aus dem Katalog Facetten der Freundschaft.
00:27:01: Die gibt's natürlich auch Und natürlich habe ich mir da das Zettelchen nicht reingelegt, aber weil du ein guter Freund bist, Josef wirst du jetzt warten,
00:27:10: dass ich es gesucht habe.
00:27:12: Okay, gut, Linh hört sich das raus.
00:27:13: Sollen wir das jetzt beschreiben?
00:27:15: Sie geht in dieses Inhaltsverzeichnis – ist es schwarz!
00:27:18: Das Inhalte-Verzeichnis ist weiß auf schwarzem Grund und die Texte sind dann wieder schwarz auf weißem Grund.
00:27:23: Und Linh plättert….
00:27:25: Ah
00:27:25: ja
00:27:25: also danke für diese Überbrückung.
00:27:30: Und weißt du, warum ich mir die Seite nicht aufgeschrieben habe?
00:27:32: Weil ich mir das Zitat in meinem Skript geschrieben hab.
00:27:34: Was ich jetzt erst merke hätte gleich weiterleben sollen.
00:27:36: Ich dachte schon
00:27:37: weil du es dir hier auf dem Abend tätowiert
00:27:39: hast.
00:27:40: Das kommt noch.
00:27:41: also es gibt Freundschaften da heißt sich verstehen gemeinsam sehen gelernt zu haben.
00:27:46: und ich finde dass ist das buch dafür um das zu lernen.
00:27:48: und ich finde ich habe am Anfang gesagt coffee table book und ich finds muss ich nochmal betonen das problem bei gesprächen über literatur Wenn der andere das nicht gelesen hat, ist das Gespräch relativ schnell vorbei.
00:28:03: Oder mein Text zu den anderen...
00:28:05: Ja genau!
00:28:05: Das sind meine Gespräche meistens.
00:28:08: aber dieses Buch sorgt halt dafür dass man einfach gemeinsam blättern kann und sich verzaubern lassen kann und ich habe ehrlicherweise mir kein anderes Buch bekannt was so ein Effekt hatte auf mich.
00:28:21: ja für alle die es jetzt noch nicht gemerkt haben das natürlich wieder mal eine Lyrikfolge und deswegen hast du uns auch einen Lyrikband mitgebracht.
00:28:27: Ich bin
00:28:28: auch super gespannt, dass es nämlich... oder ich war super gespannt und ich bin aber jetzt gespannt mit dir darüber zu reden weil's wirklich ein eigenwilliger eigener Kopf irgendwie ist der da dessen Gedichte wir jetzt heute besprechen.
00:28:42: Es geht um Michael Strunge, das Buch heißt Nachtmaschine und man muss dazusagen dass der Auto schon längst verstorben ist Und in Dänemark eine sehr große Name ist in der Lyrik.
00:28:53: Ich weiß nicht ob er hier ist dir schon mal untergekommen
00:28:56: Nee aber ich bin gerade wieder überrascht wie oft wir zuletzt in Dänemark waren.
00:29:01: Ja ja das ist mir auch schon so Das ist ja auch einfach voll.
00:29:04: Manchmal geben sich ja solche Cluster, ne?
00:29:07: Wusstest du das ich dänische Vorfahren habe?
00:29:09: Nee, ist aber schön!
00:29:10: Es passt sehr gut rein.
00:29:11: Ja
00:29:11: es passt.
00:29:12: Versuchst
00:29:12: Du gerade deine Vorfahren... Also nähern wir uns langsam an und dann irgendwann reden wir über Deine Familiengeschichte.
00:29:17: Ganz Christian Andersen-Leute ist ja mein Großvater, nee natürlich nicht.
00:29:21: Das
00:29:21: wäre praktisch.
00:29:22: also da kann man nichts sagen.
00:29:23: Vielleicht könnte ich mit dem Königshaus aus doch noch mal ins Gespräch kommen was diese Förderung betrifft.
00:29:28: Ich höre jetzt auf.
00:29:29: Okay,
00:29:29: wir gehen zu Michael Strung und der Nachtmaschine zurück!
00:29:32: Die Ausgabe die wir hier haben... Und ich glaube auch er ist in Deutschland einfach noch nicht so bekannt weil diese Ausgab ist ein bisschen so'n... wie sie einen Kompendium zu sagen, hier lernt den doch mal kennen.
00:29:42: Entsprechend sind es auch nicht nur Gedichte sondern dem Beigefügt ist ein Essay und wir hatten vorhin dieses mit schwarzen Seiten weißen Seiten.
00:29:49: das gibt's in diesem Buch sehr konsequent.
00:29:50: da wechselt das nämlich immer ab Das heißt der Essay zieht sich durch den kompletten Band Und wir haben immer abwechselnd ein Gedicht von Strunge und dann geht halt dieser Essay weiter im Fleece Text.
00:30:00: also es ist jetzt nicht immer eine Seite zu dem Gedicht sondern der ist halt so'n kompletter Essay der wirklich lang ist.
00:30:05: geschrieben hat diesen Essay Philipp Tyson sich geboren und ist Professor für neue deutsche Literaturwissenschaften an der Uni Zürich.
00:30:13: Und da sind auch immer wieder so Artefakte drin, also dann hat man mal Fotografien von Strunge in diesem Essaytext auf diesen schwarzen Seiten oder man hat zum Beispiel die Cover das fand ich auch sehr schön von seinen Gedichtbänden dass man es einfach mal sieht wie das damals so war als es als kleines Heft quasi rausgekommen ist.
00:30:30: im Original.
00:30:32: Ich würde sagen, dieser Essai ist extrem dicht und kenntnisreich.
00:30:35: Der hat mich in seiner voraussetzungsreichen Sprache... Das muss man schon sagen!
00:30:39: Da werden sehr viele Fachbuchabeln auch verwendet.
00:30:43: Das hat mich, ehrlich gesagt so ein bisschen und diese Liebe zur komplizierten Wottern an den Unterricht von Michael Lenz dem Schriftsteller erinnert.
00:30:49: Du erinnerst dich vielleicht, wo auch über einen Fremdwort oder das andere gereit wurde?
00:30:53: Und man aber auch immer wusste es ist irgendwie schon mit was gefüllt.
00:30:56: also jetzt nicht einfach nur sondern wenn man halt einmal in diesem Vokabular denkt dann redet man auch in diesen Vokabiladen argumentiert man auch damit.
00:31:05: Aber es ist immer so extrem voraussetzungsreich und so ging's mir halt in diesem Essay auch manchmal dass ich dachte ja kraniose Formulierung!
00:31:12: Komplex dargestellt, man muss sozusagen auf diese da sich erst mal drauf einlassen um dann alles mitzubekommen.
00:31:22: Nicht als Kritik gemeint sondern einfach als Beobachtung in dem Fall.
00:31:27: Was wir dann haben ist ein Querschnitt aus den verschiedenen Gedichtsbändenstrungen.
00:31:30: Also es ist ja oft so, dass wenn irgendwie einen Autor von dem schon ganzes Werk gibt oder eine Autore und der Verlag sagt okay wir machen mal ein kleines Angebot, wir zeigen mal was er so gemacht hat, dass man vielleicht, wenn man sagt man will nicht hier zehn Gedichtband übersetzen das man dann so eine Auswahl hat und so ist es auch hier die Prosatexte die Strunge geschrieben hat die fehlen also sind dann einfach nicht mit aufgenommen, was ich aber auch irgendwie ganz gut finde.
00:31:54: Weil irgendwie Essay-Gedichte da noch ein bisschen Prosa Texte Fotografien irgendwann wird es dann so ein bisschen hat man dann das Gefühl der Beliebigkeit und das stellt sich hier nicht ein weil du durchgehend in Essay hast.
00:32:04: und diese Gedichte Lin, wir hatten darüber geredet dass der Back-Katalog für Verlage immer wichtiger wird.
00:32:11: Wir haben ja quasi wieder ein Katalog wobei es dann eben auch diesen Fall ja gibt das Verlage einfach gucken wie gab's denn anderswo schon mal?
00:32:19: Von wem gibts schon einen Werk?
00:32:21: und das dann sozusagen zu sich holen und sagen das könnte doch deutsche Leserinnen leser interessieren.
00:32:26: Und hier soll uns also ein Dichter jetzt vorgestellt werden.
00:32:29: wer ist dieser Dichte?
00:32:30: ich habe gedacht ich bringe mein paar Eckdaten mit damit wir uns vorstellen können Werder er so war, Michael Strunges, in den Mark geboren.
00:32:40: Er ist in einer Vorstadt von Kopenhagen aufgewachsen und ist in einem klassischen sozialdemokratischen Milieu aufgewachsen was wir aus der dänischen Literaturgeschichte öfters kennen.
00:32:52: In der Schule hat er eine Klasse übersprungen, war dadurch ein bisschen der kleine in der Schule.
00:32:55: es gibt Berichte das er Mobbingerfahrung gemacht hatte und eher einen Außenseiter war.
00:33:00: Nicht ganz untypisch für die Leute, die Gedichte schreiben.
00:33:02: Zu einer Zeit als man noch gehänselt wurde und nicht gemobbt, ne?
00:33:06: Genau, also dann ist er gewechselt aufs Gymnasium.
00:33:09: in Kopenhagen hatte früh starke Stimmungsschwankung.
00:33:11: das gehört zu ihm und seinem Leben dazu war aber auch dichterisch sehr produktiv.
00:33:17: aber der hat erst mal nur für sich geschrieben aber hat super viel geschrieben.
00:33:20: und dann irgendwann kam halt auch Veröffentlichungen.
00:33:22: In Kopen Hagen hatte er seine ersten veröffentlichten und hat auch Berührungen gehabt oder war dort eben mit der Kopenhagener Subkultur.
00:33:32: Das war zu der Zeit vor allem der Punk, der da sehr groß war und Strunge hat sich gerne so inszeniert, hat damit auch gerne gespielt mit den Coats später noch New Wave.
00:33:46: das arbeitet Teil in seinem Essay ein bisschen heraus.
00:33:48: dass das Verhältnis dazu trotzdem er hat eher damit gespielt sag ich mal, dass die Lebenseinstellung des Punk oder so einfach für sich übernommen sondern eben einfach damit gespielt.
00:34:00: Im Laufe seiner Karriere hat der elf-Gedichtbände veröffentlicht und am neunten März, ist er mit achtundzwanzig Jahren aus seiner Wohnung im vierten Stock gesprungen mit den Worten Ich kann fliegen also in einer manischen Episode.
00:34:17: Das hat sozusagen sein Leben Ende bereitet und davor sind aber eben diese elf Gedichtbände schon erschienen.
00:34:23: Unheimlich produktiv,
00:34:24: unheimlich Produktiv genau!
00:34:25: Und er gilt heute als einer der bedeutendsten postmodernen Lyricer-Dänemarks.
00:34:30: Was das dann jetzt im Einzelnen bedeutet dazu kommen wir jetzt... Also bei mir ist es so ich habe immer wenn ich Gedichte lese das Gefühl Ich kenne mich eigentlich nicht wirklich aus.
00:34:39: Das heißt ich hab' nicht so ein.
00:34:41: Wenn ich Prosa lese gehe ich daran weiß, ich hab so einen gewissen Beckkatalog.
00:34:46: Meine eigenen Backkatalog sozusagen und den nehm'n mich damit dran und ich weiß das kann ich jetzt wahrscheinlich relativ schnell irgendwo zuordnen in Richtung zumindest schon mal.
00:34:55: dann kann ich weiterlesen und gucken stimmt das oder stimmt das nicht?
00:34:59: Bei Lyrik geht mir das eigentlich nicht so krass, da sind meine Bezugspunkte viel weniger.
00:35:04: Das heißt ich gehe da immer erst einmal ran mit so einem Gefühl von Jetzt muss ich mal gucken was sich damit anfangen kann also wie ich damit irgendwie zurechtkomme wie ich mir das so... Band, das aber so dass ich doch Assoziation hatte und zwar stark zum Expressionismus.
00:35:18: Und zu diesem Band kennst du den Menschheitsdämmerung?
00:35:21: Das von Plintus, Kurt Plintos siehst der glaube ich.
00:35:24: also es gab sozusagen zur Zeit des Expressionismas schon.
00:35:28: Gab's ein ganz Stilprägen und ich kann ihn wirklich super empfehlen für alle die sich für Expressionist mus und blürig aus der Zeit interessieren.
00:35:36: Der hat einfach zusammengestellt, was es so gab die berühmten Namen aber auch ein paar Unbekanntere und hat das dann sortiert auch ein bisschen wo wir bei Katalog sind in verschiedene Kategorien weil's auch ja bestimmte Motive gab hier eine explosionistischen Nürric immer wieder hoch kamen oder die Stadt oder weiß was ich... Und an diesen Band haben mich diese Gedichte hier manchmal erinnert weil es gibt extrem starke Bilder eine gewisse Gewalttätigkeit in der Sprache, also dass man merkt hier ist es nicht sanft oder sowas.
00:36:06: Die ist weniger beschreibend als viel mehr selber irgendwie sehr viel Kraft aufbringt.
00:36:13: Thematisch hat es mich daran erinnert, weil die Stadt eine große Rolle spielt.
00:36:16: Die Technik im Expressionismus ging sehr viel darum um das was verloren geht in der Moderne.
00:36:22: so und das hatten wir hier irgendwie auf eine gewisse Weise auch Und auch so in dieser Motivik von Licht und Dunkelheit und Schatten und sowas haben wir auch alles hier.
00:36:32: Es ist natürlich jetzt erst mal ne erste Annäherung.
00:36:36: Wir gehen noch weiter.
00:36:38: Tyson arbeitet und da würde ich mich kurz gerne auf ihn beziehen in seinem Essay sehr schön, seinen Strunges Weltverständnis heraus.
00:36:44: Und ich habe uns mal so ein paar zentrale Punkte mitgebracht.
00:36:47: Das weltverständnis von Strunge ist das wichtigste ist schon geschehen Es gibt nicht mehr wirklich eine Zukunft.
00:36:52: Das passt ein bisschen zu diesem Punk-No Future Gedanken, was Neues lässt sich in unserer Welt nicht mehr erfinden weil es wiederholt sich alles nur noch.
00:37:02: Geht das so ein bisschen damit einher dass man den Peak der Menschheit auch irgendwie schon erreicht hat?
00:37:06: Also
00:37:07: dass man Probleme löst die man selber schafft?
00:37:09: Genau
00:37:09: aber es gab auch nicht einen schönen Höhepunkt wo ihr jetzt sagen könnt okay da müssen wir zurück sondern es ist irgendwie so Man hat die Erkenntnis, man ist vielleicht an dem Erkenntnispunkt angelangt wo man sagt es ist eh alles schon gewesen und das wird alles wieder so kommen.
00:37:25: Und der Mensch kann sich auch nicht wirklich daraus befreien.
00:37:27: Das heißt die Dichtung arbeitet mit dem was da ist und was in der Vergangenheit da war.
00:37:33: Und das ist das den man sich zuwendet.
00:37:37: und die Arbeitsweise einer solchen Dichtungen ist halt kombinieren zerteilen vervielfältigen Hybride hybridisieren verfeinern usw.
00:37:44: Also dass man eben Ja, letztlich Bastel-Techniken könnte man sagen an das rangeht was die Welt jetzt schon im Archiv hat.
00:37:53: Das ist so ein bisschen der Blick dieser Dichtung und zur Illustration habe ich mal einen Gedicht mitgebracht, was uns das vielleicht in Ausschnitt zeigen kann.
00:38:01: Cancer Cola heißt das Und das geht so.
00:38:04: Falle stehen die Türme In der vom Licht erfüllten Luft der toten Stadt Die über See und Valiumruhe zittert.
00:38:11: Im Autokino zeigt man uns die letzten, die neuesten Werbespots für Känzerkola.
00:38:17: Im Supermarkt exotisches Gewächs aus Ithioti und Plastik hochgezüchtet.
00:38:21: Verlogenes Jahrzehnt in Kokainmanie bejubelt seine selbstzufriedenen Helden.
00:38:26: Dass ich bei Strunge ist ein sehr prüchiges.
00:38:29: Es ist einerseits von der Auflösung bedroht weil irgendwie in dieser Welt der Dinge und wo alles so drin ist Ja, kann sich nicht so richtig definieren.
00:38:38: Es hat auch wahrscheinlich ein bisschen... Wenn man sich das so vorstellt, dass man denkt es gibt keine Zukunft dann kann sich sie ja auch nur irgendwo hin entwerfen.
00:38:45: Das ist so gefangen in dieser Welt und andererseits sucht es aber immer wieder die Auflösung.
00:38:50: Es versucht sich im Strom der Dinge oder mit den Dingen neu zu finden irgendwas neu zufinden.
00:38:55: Auch da habe ich nochmal einen Text mitgebracht aus der takt des lebens wechsel die farben kamillion herrschaftslos werf ab die maske andere die lebensform und mein verstand erwächst mir aus dem kopf.
00:39:08: wie ausgewechselt ist er war man erst mal tot.
00:39:10: das heißt es gibt auch so diese thematik von gebohrt widergebohrt wirklich so.
00:39:14: man muss sich komplett auflösen und dann kann man vielleicht sich in der welt wieder neu zusammensetzen.
00:39:21: dazu passt natürlich auch ein bisschen die krankheitsgeschichte von michael strunge die psychologischen Verfasstheiten, die er immer wieder hat in seinem Leben.
00:39:30: Aber das ist eben wirklich auch ein Programm!
00:39:32: Es ist jetzt nicht einfach nur was Pathologisches – es geht ums Werden und Vergehen von Dingen.
00:39:38: Das kommt immer wieder und deswegen ist ein sehr großes Motiv von Strunge die Welle als etwas, was sozusagen immer wieder kommt und immer wieder eine andere Form hat
00:39:47: usw.,
00:39:48: dass Interessante ist und es passt natürlich zu strunges Gedichten dass es bei ihm einerseits um die natürliche Welle geht, die wir am Strand haben.
00:39:58: Du hattest das ja bei dem Grenzlürigbuch, wo es sehr einfach auch viel darum geht... Es
00:40:03: gibt ja eine riesige Küstenlinie, Inseln?
00:40:06: Genau!
00:40:06: Also die Motivik ergibt total Sinn und bei ihm sind's aber auch die elektrischen Wellen, die Funkwellen, ...die sich dann mit allem verbinden was wir fernsehen Radio-Technik.
00:40:18: Das ist sozusagen bei ihm auch ein sehr wichtiges Motiv.
00:40:22: Und Lindo, du bringst dir uns häufig damit in die lürrigeren Eheile eine Natur suchen oder versuchen anhand der Natur was zu begreifen.
00:40:31: Also so und dann auch manchmal ja auch die kaputze zerstörte Natur und so aber trotzdem diesen starken Naturbezug haben.
00:40:38: Bei Strunge ist es eben wirklich die Technik, der begreift die Umwelt anhand von der Technologie die es da drin gibt und anhand dieser Städte in denen er lebt.
00:40:47: für die Natur interessiert er sich nicht so sehr und wenn er sich für die Natur interessiert, dann für das Universum mit seinen Sternen.
00:40:54: Was irgendwie auch wieder krass mit Technik verbunden ist.
00:40:56: damit wie kommt man dahin?
00:40:58: Er is ganz ungar ein Stadtmensch findet allerdings in dieser Welt oft auch keinen Trost.
00:41:02: also
00:41:04: was du
00:41:04: dann oft hast dass diese Nürrik ja sowas tröstliches hat, dass man irgendwie raus guckt und dann auch Kraft daraus zieht Das gibt's in dieser welt nicht.
00:41:12: Also es ist die an der sich abarbeitet aber es ist eine die jetzt nicht So einen schönen.
00:41:17: Das klingt trostlos, düster.
00:41:20: Ich zitiere aus der Nachtmaschine und unsere Haut als furchtbar zarten Traum und unsere Herzen neonleuchtend noch heller, zermalmt vom scharfen Tageslicht von Schlagzeilen durch Bordbluten wie
00:41:32: Rosaschnee.".
00:41:33: Also ja das ist die Trostlosigkeit in der sich viele dieser Gedichte irgendwie bewegen.
00:41:39: Sollte es vielleicht nicht im Winter lesen wenn man's hart beseitet ist oder?
00:41:42: Es ist ja wirklich sehr frustrierend!
00:41:44: Voll und ich meine Nachtmaschinen... Deutet ja auch schon ein bisschen den Weg in welche Richtung das gehen kann.
00:41:50: Strunge sieht Maschinen, aber als durchaus was Positives erstellt sich Maschienen vor... die das ich aufsaugen und indem dass ich durch ein Transformationsprozess eine neue Wirklichkeit erreicht, also wieder dieses Auflösen.
00:42:03: Und dann was Neues erreichen mit den Dingen, wer stellt sich Maschinen vor an denen die verschiedenen Dinge der Welt sozusagen sich finden?
00:42:10: Und was neues entsteht für ihn ist auch Gedichtrezeption vergleicht er eben auch mit Maschine sagt in dem Moment, in dem jemand das Gedicht liest und dann etwas Neues mit dem macht, was da irgendwie dicht steht findet wird das Gedichte selber auch zu einer Art Maschine.
00:42:26: Also es passt einfach zu seinem Denken.
00:42:29: Ich weiß, dass es da auch sehr anderes gibt aber Tysons schreibt dazu, strunges Maschinen treten den Subjekten nicht gegenüber sondern konstituieren sich erst aus und mit ihnen.
00:42:39: wer einmal in die Nachtmaschine eingegangen ist der kann nicht wieder ein Mensch des Tages licht sein Mensch im Sinne der Tageswelt werden.
00:42:45: er muss zurück in den Elementarzustand des Schlafs.
00:42:48: wir sind wieder bei diesen Motiven auch die ganz stark bei Strunge sind Tag-Nacht.
00:42:54: Ich habe mich gefragt, Lin.
00:42:56: Interessiert dich so eine Art von Dichtung?
00:42:57: Kannst du mit so einer Art... also du hast jetzt natürlich nicht die Gedichte gelesen aber so eine art die so sehr sage ich mal sich an dem technischen abarbeitet, die sowas sehr düsteres hat, die die Natur sehr aus den vorlässt.
00:43:10: Gibt es da welche Dichter, Dichterin wo du sagst hey die lese ich, die sind in so ne Richtung?
00:43:15: oder merkst du das dass sich sowas, dass du sagest nee
00:43:17: Nee, das schließt sich für mich nicht zwangsweise aus.
00:43:20: Also ich merke dann aber, ich brauche einen externen Grund.
00:43:23: Ich bin total froh, dass du uns das Buch für die Folge mitgebracht hast und ich hätte es sicherlich auch gelesen und mitgebracht und natürlich nicht so toll aufbereitet wie du das jetzt gemacht hast.
00:43:34: Aber ich merken schon, dass in meiner Freizeit sozusagen mich damit wahrscheinlich schwer tun würde weil Gerade bei Gedichten transportiert sich ja noch mal eine ganz andere Stimmung und allein durch die Auszüge, die ich jetzt von dir gehört habe.
00:43:55: merke ich, dass es sozusagen sich schwer anfühlt.
00:43:58: Und das wegen meint ich man darf es dich im Winter lesen aber das gilt natürlich nur für Leute die A vielleicht sehr sensibel auf solche Sprachbilder reagieren und B keine Lust haben sich runterziehen zu lassen wenn man da irgendwie also kann man sicherlich aus gutem Grund auch mit runtersteigen.
00:44:14: und es gibt viele Beispiele für Lyrik wo Wo wahnsinnige Bilder evoziert werden, auch schmerzhafte Bilder.
00:44:20: Ich musste auch hin und wieder mal an Emése sehr denken und den Surrealismus... Also das schließt sich überhaupt nicht aus für mich aber ich muss da schon vorsichtig sein!
00:44:30: Also ich finde dass es... ich kann ja also bestimmte Filme... Da sind wir jetzt beim visuellen Eindruck, ich find dabei Gedichte und Filme sind häufig sehr stark in dem was sie irgendwie auslösen wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen.
00:44:45: Hat das was mit dir gemacht?
00:44:46: Warst du frustriert, hast du so ein bisschen auf die Stadt geguckt und hast so Abscheu gehabt.
00:44:51: Bei mir löst es eher so einen Ja!
00:44:53: Das ist sozusagen so... Ich liebe auch Kunst, die so richtig reingeht, sage ich mal.
00:44:59: Aber es gibt diesen Aspekt, ich habe da neulich darüber nachgedacht wieder weil ein neues Stück oder ein altes Stück.
00:45:04: Syracane Also hat sich ebenfalls das Leben genommen und hat ebenfalls sehr, sehr brutale Stücke geschrieben.
00:45:12: Die eigentlich auch nicht mehr viel inszeniert werden weil einfach weil sie so brutal sind.
00:45:16: jetzt wurde wieder eins inszenieren Und in London und die Kritiken waren halt auch wieder so sehr gespalten und Das vorrangigste war aber dass alle gesagt haben diesen diesen Abend überhaupt zu überleben.
00:45:29: Man sitzt da drin und fragt sich, warum tue ich mir das an?
00:45:32: Und eine Frau hat dann gesagt, warum gucke ich mir quasi an was bei ihr psychisch nicht stimmt?
00:45:37: also weil es so extrem ist und ich glaube man hat halt oft bei solchen Extremformen wo wirklich jemand einfach in der extremen... Also wo so ein gewisser Ich will das für Strunge gar nicht sagen auf die Art wie das für Sarah Canes Weil es gibt durchaus Optimismus und Zärtlichkeit in diesen Gedichten Aber wo man schon das Gefühl hat, dass ist jetzt schon sehr düster und da ist schon viel Sterben.
00:46:00: Viel Schmerz, viel Folter, viel Schlafentzug alles was man irgendwie mit schwierigen Phänomen verbindet und was ein auch wirklich gut anfassen kann wenn es einem nicht gut geht um was einen so richtig reinziehen kann.
00:46:14: Da ist ja immer so'n bisschen die Frage wie weit geht man da jetzt eigentlich mit?
00:46:18: Und was macht das mit einem?
00:46:19: Und was wird auch da rausgemacht?
00:46:22: und deswegen ist für mich dann immer wichtig, dass ich so das Gefühl habe.
00:46:25: Da ist aber eine grundsätzliche Empathie dahinter.
00:46:30: Es gibt irgendwie so Momente der Zärtlichkeit.
00:46:32: Da will noch jemand etwas von der Welt weil sonst würde sich nicht so... Wir hatten es auch bei Thomas Bernhard.
00:46:37: Einfach nur jemanden der die ganze Zeit nur rumschimpft und alles scheiße findet kann man als Modell auch machen finde sehr schnell, sehr uninteressant.
00:46:46: Wenn ich spüre der ringt jemand mit sich und kann es aber nur so ausdrücken dann berührt mich das komplett ne?
00:46:52: Und dann bin ich da auch...und deswegen will ich zum Abschied noch ein Gedicht mitbringen was vielleicht auch zeigt dass es das eben bei Strunge auch gibt das heißt Fall.
00:47:01: Ich habe Tage in der Stadt verbracht bei jeder Witterung.
00:47:04: Ich war der Schrei der Leuchtreklamen in deinen müden Augen und unter deinem Körper der Asphalt Der Hitze.
00:47:11: Schwere war ich auch die eng sich um die Häuserwand und lüstern Wind unter den Mädchenkleidern.
00:47:16: im Sommer, Im Winter fiel ich wie verschmutzter Schnee.
00:47:19: Vom Himmel aus der Luftfrost schwarzem Spiegel.
00:47:22: Im Herbst fiel Ich in Parks In die verwelkten Plätter dieser Stadt.
00:47:26: Es sind nicht viele!
00:47:27: Im Frühling fiel' ich wie die Sonne Und wie ein junger Knabe fällt im Spiel.
00:47:32: Bei jeder Witterung geht auch fielig Für Eure Liebe Was vom
00:47:39: Tage übrig blieb.
00:47:42: So, lieber Josef!
00:47:42: Wir beginnen unsere heutige Lebensreise in Flensburg.
00:47:46: Da wird am siebzehnten Januar-Achzenhundert-Fünfundachzig Emmi Hennings geboren.
00:47:51: Erst zwanzig Jahre zuvor war die Stadt im Zuge der Grenzverschiebung zwischen Deutschland und Dänemark an Deutschland gegangen – da sind wir wieder.
00:47:58: Heute noch gerade sagen?
00:48:00: Ja ja.
00:48:00: Und vorher hatte sie eben zu Dänemark gehört.
00:48:04: Hört auch gerne nochmal in unsere Folge rein, wo wir über den Lyrikband von Lifthastum sprechen.
00:48:08: Ob in DR da?
00:48:10: Da geht's auch ganz viel um diese Grenzverschiebungen.
00:48:12: Und das ist ein wunderschöner Band, auch von Cookbooks.
00:48:15: Heute fließen sich sehr viele Kreise Josef.
00:48:18: Bis achtzehn vierundsechzig verdienten Kaufleute damals mit Produkten aus Dänisch-West Indien den heutigen Jungfern Inseln vor allem durch Zucker der in Flensburg zu rum weiterverarbeitet wurde ihr Geld.
00:48:30: Das heißt es hat auch viel vom Kolonialismus profitiert und Emmys Vater arbeitete indirekt für die Entwicklung daher eben als Tagler im Schiffsbautätig war.
00:48:41: Also, der hat da oben mit einer Tagelage rumgewergt und hat eben diese Schiffe sehtüchtig gehalten und sein Leben hat sich am Hafen abgespielt.
00:48:48: Da sind wir auch wieder am Strand wo all die Handelsbewegungen ihren Ausgangspunkt und Endpunkt fanden.
00:48:55: Emmy besuchte die Volksschule und arbeitete anschließend als Dienstmädchen.
00:48:59: Und dann ändert sich ihr Leben von diesem sesshaften, geregelten Alltag hin zu einem freien künstlerischen Reise.
00:49:06: da sein!
00:49:07: Sie war nämlich schon immer begeistert vom Theater und wollte sich endlich ausleben – in einem Gedicht heißt es «Ich bin so vielfach in den Nächten, ich steige aus den dunklen Schächten wie bunt entfaltet sich mein Anderssein».
00:49:22: Im Alter von achtzehn Jahren heiratete sie aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft.
00:49:27: Einen Leinschauspieler, das war in den letzten drei Jahren, mit dem hat sich dann eine Wanderbühne angeschlossen und die gemeinsame Tochter wuchs in den ersten Jahren bei den Großeltern in Flensburg auf.
00:49:38: Sie liess sich kurz darauf aber wieder scheiden – es war keine Liebesheirat!
00:49:42: Und sie befreite sich aus dieser Ehe und reiste als Vortragskünstlerin alleine durch Deutschland.
00:49:48: Ich konnte mir da gar nicht so viel darunter vorstellen, aber es ist eine Art Wanderform des Kabarettes könnte man vielleicht grob zusammenfassen.
00:49:57: Also sie steht auf Bühnen und präsentiert eigene Texte, Sketch ... aber auch Artistik, immer mit viel Humor.
00:50:04: Aber gerne auch mit gesellschaftskritischem Bezug.
00:50:07: Es geht zwar um Unterhaltung, aber es darf durchaus Substanz haben.
00:50:10: In den letzten Jahren wird sie sich dann einer Theatergesellschaft anschließen.
00:50:16: Später wechselt sie noch mal und ist mit der anderen Gruppe in ganz Schleswig-Holstein unterwegs.
00:50:22: In dieser Zeit lernt sie den Journalisten und Schriftsteller Ferdinand Hadekopf kennen.
00:50:27: Das Reiseleben nimmt kein Ende, mit ihm reist sie in die Neunzenhundertzehn durch Frankreich und lässt sich danach aber dann in München nieder.
00:50:35: Tritt in der Künstlerkneipe Simplicissimus auf, führt ein sexuell befreites selbstbestimmtes und nach wie vor unstehtes Leben.
00:50:44: Es gibt auch natürlich hier diese Reiselust dadurch dass sie viele Leute kennenlernen bestimmte Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlt und mit denen sie sympathisiert.
00:50:55: Zum Beispiel mit der anarchistischen Gruppe Tat um Erich Mühsam und Gustav Landauer.
00:51:00: Sie hatte enge Verbindungen zu den Mitgliedern des expressionistischen neuen Clubs in Berlin wo auch Georg Heim aktiv war.
00:51:07: Und dann kommt der erste große Bruch bzw.
00:51:11: wir hatten schon den Bruch mit ihrer Jugend wo sie das Reiseleben angetreten hat.
00:51:15: jetzt kommt es zum nächsten Bruch.
00:51:17: Emmy hatte sich nämlich in Paris mit Typhus infiziert.
00:51:20: Die Krankheit ist später ausgebrochen und sie ist schwer erkrankt.
00:51:23: Sie liegt im Fieberdelirium, erlebt Halluzinationen körperlichen Verfalle und hat auch so eine Art Nahtoderfahrung.
00:51:30: Und nach ihrer Genesung konvertiert sie zum Katholizismus.
00:51:35: Sie sammelt Heiligenbilder und hat diese Motive dann in ihrer späteren Arbeit als Daderkünstlerin eingesetzt.
00:51:41: Für mich klang das erst mal wie ein Widerspruch.
00:51:43: Ich dachte, wie kann denn eine Person die ein solches freies ungebundenes Leben fühlt?
00:51:48: Katholiken werden ohne ihren Lebensstil komplett zu verändern?
00:51:52: und ich habe etwas ganz Interessantes erfahren.
00:51:55: Denn hier ging es erstmal natürlich um emotionale Rettung, denn ihr Reiseleben war zwar frei aber auch extrem hart sehr sehr ärmlich und wurde durch diesen Glaube aushaltbarer.
00:52:07: Und außerdem schien ihr das Leben von Künstlern und Heiligen ein sehr ähnliches Leben zu sein.
00:52:13: Das fand ich auch interessant, Askese und Ecstase sind also quasi nur zwei Seiten derselben Medaille.
00:52:21: So wird plötzlich klar warum sie ihr Leben weiter so geführt hat und gleichzeitig überzeugte Katholiken gewesen wird.
00:52:28: Sie
00:52:28: könnten auch noch mal ganz kurz auf die Folge über Marisa Feibos Tri Seasons kommen.
00:52:35: Da ging es ja genauso... auch darum, dass sie zum Glauben oder den Glaubengesucht hat und sich mit den Mystikerinnen beschäftigt hat.
00:52:41: Wo eben freie Liebe, Sexualität und so auf eine Weise an Gott gebunden durchaus stattfinden konnte.
00:52:49: Und das scheint mir ein bisschen ähnliche Richtung zu sein.
00:52:53: Zumindest kann man beides zusammen sich irgendwie denken?
00:52:56: Ja, so ist es!
00:52:57: Gleichzeitig geht es ihr körperlich... immer wieder schlecht.
00:53:01: Sie litt einige Jahre später nach ihrer Typhuserkrankung noch mal an der spanischen Grippe, du erinnerst dich vielleicht die spanische Grippe hat irgendwie auch halb Europa ausgelöscht.
00:53:09: also das war wirklich richtig gruselig was da so abging und dass hat sie überlebt.
00:53:15: zeitweise war sie aber auch suchtkrank.
00:53:18: auch das hat eine große rolle in ihrem leben gespielt.
00:53:20: sie begann neunzehnt zwölf gedichte zu publizieren und beteiligte sich an der zeitschrift revolution mit deren Beiträgern, sie sich eng befreundet hat.
00:53:28: Darunter übrigens auch jemand der hier in Leipzig eine große Rolle gespielt hat nämlich Johannes R Becher.
00:53:35: Jetzt natürlich meine große Quizfrage was hat er hier in leipzig gemacht?
00:53:39: Also es gibt das Johannes-R Becher-Institut ist ja letztlich das Literaturinstitut heute
00:53:43: Genau!
00:53:44: Der Vorläufer des Literatur-Instits wurde da begründet und Hat eben ganz, ganz lange diesen Namen getragen.
00:53:53: Und sie lernt auch jemanden kennen der dort schreibt für die Revolution nämlich Hugo Ball und den wird sie später heiraten.
00:54:00: Dazu kommen wir noch.
00:54:01: Ninzehundertdreizehn veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband Die Letzte Freude.
00:54:06: und in diesem Debüt hat sie in expressionistischen Gedichten.
00:54:09: Wir haben das schon mal als Schlagwort gehabt.
00:54:12: Das passt hier jetzt wieder ganz gut.
00:54:14: Da verhandelt sich Fieberträume Krankenhauserfahrungen und Nahtot.
00:54:17: also Es passt ganz gut auch stilistisch.
00:54:21: jetzt zur Strunge, von dem wir eben viel gehört haben.
00:54:26: Sie wurde in München in Haftiert.
00:54:30: Der Vorwurf lautete haltig fest
00:54:32: Beischlafdiebstahl.".
00:54:34: Das gab's damals wieder ein neues Wort gelernt.
00:54:38: Das bedeutet soviel wie dass sie entweder – das kann man heute nicht mehr rekonstruieren, da müsste man die Akten einsehen – Geld für Sex genommen hat?
00:54:46: was Prostitution und unter strengen Auflagen zwar erlaubt, aber in dem Kontext verboten gewesen wäre oder dass sie einen Freier bestohlen hat.
00:54:53: Ich würde das jetzt alles nicht so genau nehmen weil wir wissen erstens, dass diese Gesetze ziemlich willkürlich angewandt worden sind und auch sehr zum Nachteil der Frauen ausgelegt wurden Und wir wissen, dass Emmy ihre Sexualität frei gelebt hat.
00:55:05: Das war natürlich vielen auch ein Dorn im Auge.
00:55:08: So konnte man eben mit diesen Bezichtigungen konfrontiert werden obwohl nichts dahinter gewesen ist ein bisschen kritisch zu sehen, diese ganzen Reglements.
00:55:20: Kurz nach ihrer Entlassung wurde Hennings fälschlicherweise verdächtigt, dem Schriftsteller Franz Jung zur Dessation verholfen zu haben und wurde ein Monat in Berlin inhaftiert.
00:55:31: Hintergrund war folgende.
00:55:33: Franz Jung hat eine ablehende Haltung im Ersten Weltkrieg gegenüber gehabt.
00:55:38: Der war ein linker Intellektueller und Pazifist und wollte sich nicht am Töten beteiligen.
00:55:43: Und Emmy Hennings stand mit seiner Ehefrau in Verbindung.
00:55:46: Deswegen geriet sie dann ins Visier der Polizei diesem Ehepaar auf verschiedene Weise geholfen.
00:55:51: Aber mit der Desertation hatte sie nichts zu tun und hat dann aber selber zunehmend Probleme bekommen, denn sie selbst war auch Pazifistin und hatte mit vielen Repressionen zu kämpfen.
00:56:04: Ihr Münchner Cabaret war geschlossen worden und sie floh mit Hugo Ball nach Zürich.
00:56:09: Sie hat in Züricher mit ihm und Hans Ab unter anderem das Cabaret Voltaire gegründet das heute bekannt ist, als die Geburtsstätte des Dadaismus.
00:56:21: Jeden Abend trat sie auf, häufig am Klavier begleitet von Hugo Ball und ein Jahr später hat sie dann mit mehreren Leuten – das war jetzt eine gewachsene Bewegung aus Dadaisten – die Galerie Dada gegründet.
00:56:36: Ja, zwanzig, das waren ungefähr vier Jahre später haben Emmy Hennings und Hugo Ball auch geheiratet.
00:56:44: Man kann an ihrem Werk schon ablesen, dass dieses Reiseleben und diese unsicheren Einkommensverhältnisse eine sehr große Rolle gespielt haben.
00:56:54: Und immer wieder literarisch verarbeitet wurden.
00:56:56: das prägenste Ereignis war aber ihre Haft.
00:56:59: die hat sie in mehreren Titeln verarbeitete unter anderem im ihrem Roman mit dem Sprechenden Titel Gefängnis.
00:57:07: Da übt sie viel Kritik am Strafvollzugswesen und der wird deshalb auch als literarische Sensation gefeiert, sie hatte ein Jahr später noch mal ähnlichen Erfolg.
00:57:16: das war neunzehntundzwanzig mit dem Tagebuch Roman Das Brandmal.
00:57:20: Auch dort schildert sie Lebensumstände die sich gut kennt nämlich das Leben einer Schauspielerin die sich auf der Straße ohne Auskommen durchschlägt Und auch dass im stil des Expressionismus düster und realistisch geschildert.
00:57:34: In den folgenden Jahren zogen sich Emmy Handings und Hugo Ball zunehmend aus dem Literaturbetrieb zurück.
00:57:39: Sie waren einfach immer noch extrem arm, körperlich super erschöpft von diesem ganzen Rauschhaften leben und wollten irgendwie neue Sinnhaftigkeit suchen... Sie übersiedeln in Nr.
00:57:51: nix nach Agnusso, was in Tessin liegt und haben sich dort in die Schriften katholischer Mystika vertieft.
00:57:58: also da sind sie wieder die Mystiker.
00:58:00: Sie haben sich vom Dadaismus auch abgewandt und haben wirklich intensiv mit dem Katholizismus beschäftigt und in der Zeit begann auch eine enge bis zu ihrem Tod während der Freundschaft mit niemand anderem als Hermann Hesse über den wir ja schon mal ausführlicher gesprochen haben als ich seinen Museum und sein Wohnhaus am Bodensee besucht habe.
00:58:19: Ja, sie hat dann in den zwanziger Jahren noch einige Bücher veröffentlicht die deutlich weniger Beachtung fanden.
00:58:26: Das Reisebuch der Gang zur Liebe eine Liebeserklärung an die Stadt Hohen und man hört auch hier den Anklang so zum Katholizismus wurde positiv besprochen hat aber auch kaum Leserinnen gefunden Und Sie blieb mit ihrem Namen ein bisschen präsent in der Öffentlichkeit weil sie auch viele Reisereportagen und Rezensionen im Föreiton veröffentlicht hat.
00:58:45: Aber für ihre Bücher das graue Haus und das Haus im Schatten, wie sich beide auch wieder mit der Haft beschäftigt hätten hat sich dann zu Lebzeiten kein Verlag mehr gefunden.
00:58:54: Es kommt zur einer weiteren entscheidenden Cäsur – im August neunzehnundzwanzig stirbt Hugo Ball!
00:59:01: Und sie hält ihn lebendig indem er zwei Bücher über ihn schreibt Sein Leben in Briefen und Gedichten von neunundzwantig und Hugo Balls Weg zu Gott von neunsunddreißig.
00:59:12: So hält sie ihn auch sich selbst präsent und eben auch den Weg, den Sie später noch gemeinsam gegangen sind.
00:59:17: Wir kommen jetzt historisch in eine Zeit die auch für Ermie Hennings nicht leicht war Die Machtergreifung.
00:59:30: In der Schweiz waren noch zwei Autobiografien von ihr erscheinen.
00:59:35: Sie lebte aber sehr zurückgezogen, hielt zu... Freunden engen Kontakt nur über Briefe.
00:59:42: Und während des Zweiten Weltkriegs verdiente sie ihren Unterhalt vor allem durch Zimmervermietungen und Fabrikarbeit, also sie konnte auch ihre Lebensumstände nicht wesentlich verbessern.
00:59:53: Postum erschien noch Erinnerungen aus ihrem Leben Ruf & Echo Mein Leben mit Hugo Ball und Briefer an Hermann Hesse.
00:59:59: da ist er wieder!
01:00:01: Und ihre eigenständigen frühen Arbeiten gerieten in Vergessenheit.
01:00:04: Sie wurde jetzt vor allem erinnert Über ihre Erinnerung an ihre männlichen Dada-Kollegen, das haben wir ja oft das Phänomen.
01:00:11: Und im Zuge der Hundertjahrfeier der Dadabewegungen in Zürich vor zehn Jahren erhielt sie wieder mehr Aufmerksamkeit und ihre frühen Prosatexte Lyrik und Briefe an Zeitgenossen wurden in einer Werkausgabe öffentlich gemacht.
01:00:23: Diese Werkaussage war auch lange überfällig... Denn für viele waren ihre Lebensumstände faszinierender als ihre eigentlichen Arbeiten, als ihr eigenliches Lebenswerk.
01:00:35: Sie ist eben eine expressionistische Lyrikerin und Prosa-Autorin gewesen – die wollen wir heute auch an sie erinnern!
01:00:45: Und sicherlich ist die Rezeption ihrer Werke aufgrund der autobiografischen Aspekte und der autofiktionalen Aspekte nicht von ihrem Lebenswandel zu trennen, aber ich möchte heute trotzdem mit einem Gedicht von ihr erenden.
01:00:59: Ich glaube es würde mich ewig räumen wenn ich mich müsst alleine freuen!
01:01:04: Meine Freude war noch nie mein Eigen, ich möchte sie allen und jedem zeigen.
01:01:09: und meine leiden?
01:01:10: Meine Mühen wofür muss sich das Herz verglühen?
01:01:13: für alle.
01:01:14: dies darf kein kränken.
01:01:15: wie eine Frucht will ich's verschenken.
01:01:17: ich möchte lächeln.
01:01:18: noch im Grabe Gab ich denn alles, was ich habe?
01:01:22: Ein Flüchtigleben aus Liebe und Süße will immer schweben.
01:01:26: wie viele Grüße.
01:01:28: Ja mit diesen Worten stoßen wir an auf Emmy Hennings und ihre noch zu entdeckenden Texte.
01:01:35: Auf Emmy Hennings!
01:01:36: Cheers Und wir sehen uns nächste Woche wieder
01:01:39: Bis dann
01:01:40: Tschüss und Josef Braun.
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