Das Kind in dir

Shownotes

Schreiben therapierte Männer die besseren Bücher? Wen traf Natascha Wodin am Nürnberger Hauptbahnhof? Und was kann man tun gegen die Zerstörung der ukrainischen Literatur? Wir reden drüber. Außerdem besprechen wir Alex Schulmans Roman „Jetzt beginnt das Leben“ und erinnern an Wolfgang Hilbig.

Bücher Alex Schulman, „Jetzt beginnt das Leben“ (übers.: Hanna Granz, dtv)

Sonstiges Hier gehts zur Podcastfolge über Hilbigs Alte Abdeckerei von Blaubart und Ginster: https://www.youtube.com/watch?v=PH8Ztohr9Pc

Hier könnt ihr euch für das Hilbig-Kolloquium anmelden: ndlit@tu-braunschweig.de

Hier gehts zum Interview mit Verena Nolte: https://www.boersenblatt.net/news/boersenverein/es-ist-entscheidend-dass-wir-dem-verfolgten-und-gepeinigten-land-wieder-praesent-sind-435273

Und hier erfahrt ihr mehr zur Brücke aus Papier: https://paperbridge.de

Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

Wir freuen uns über Anmerkungen, Lob und Kritik, Buchtipps und alles was sonst zur aktuellen Folge oder dem Podcast zu sagen ist.

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Transkript anzeigen

00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedope Miklitz

00:00:09: und Josef Braun.

00:00:22: Hallo Joseph schön dich zu sehen!

00:00:24: Hallo Lin, schön dich zusehen.

00:00:26: wollen wir mal etwas ermutigen?

00:00:27: im Anfang?

00:00:28: Ja immer

00:00:29: Also.

00:00:30: und zwar wir reden heute über Alex Schulmann und seinen Roman.

00:00:32: jetzt beginnt das Leben Und ich habe ein Interview mit ihm gefunden wo Ich ein kleines Zitat zum Beginn unserer Folge bringen möchte.

00:00:39: er wird gefragt Also es geht um ein Buch, das schon bisschen her ist und da hat er über seinen Großvater geschrieben.

00:00:46: Und der war in Schweden als Schriftsteller berühmt.

00:00:49: und er wird gefragt welche Rolle spielte er für die Entdeckung deines oder ihres Schreibtalents?

00:00:54: Und dann sagt Schulmann ich wuchs in einer Familie auf, in der meine Eltern sich nicht großartig um mich kümmerten.

00:01:00: sie nahmen es wohl auch nicht zu ernst, dass ich ihnen mitteilte ,dass ich Schriftställer werden wolle.

00:01:04: also hielt ich mich an meinen Großvaters schickt ihm immer wieder selbstgeschriebene Gedichte.

00:01:09: Er antwortete mir jedes Mal in Großbuchstaben, als ob er mich mit lauter Stimme verkündete.

00:01:15: Was für ein fantastisches Schnee ich sei und dass sich bestimmt nicht mehr lange warten müsste bis man mich an die Nobelakademie aufnimmt.

00:01:22: Und ähnliche bauliche Dinge das war sehr lieb von ihm sagt Schulmann!

00:01:27: Ich dachte damit auf diese Note können wir doch heute mal rein starten

00:01:35: Im Vulkan.

00:01:38: Jetzt wird es ein bisschen weniger erbaulich, aber nicht minder hoffnungsvoll.

00:01:42: Ich möchte die Angriffe auf die Buchbranche in der Ukraine noch mal thematisieren auch wenn die letzten großen Zerstörungen ja Anfang August gemeldet worden sind.

00:01:50: Da wurden bei Angriffen von Russland Lagerhäuser Druckereien und Verlage in der ganzen Ukraine gezielt zerstört.

00:01:55: Und nicht nur die Infrastruktur ist kaputt Es sind ja dabei auch Menschen ums Leben gekommen.

00:02:01: Am ersten August beispielsweise sind in einem Buchlogistikzentrum mehr als acht Millionen Bücher verbrannt und man fragt sich dann immer, wenn man das in den Nachrichten so sieht.

00:02:10: Was bedeutet das denn konkret?

00:02:12: Und Fakt ist, dass manchen AutorInnen von ihren Neuauflagen einfach nur eine Handvoll Exemplare bleibt.

00:02:18: Also Leute die jetzt Bücher rausbringen da wurden auch Beispiele genannt deren ganze Auflage ist dann zerstört.

00:02:25: sie können kein Geld mehr verdienen keine Bücher verkaufen.

00:02:28: den Verlagen geht es wirtschaftlich schlecht und bei solchen Schäden ist natürlich auch völlig ungewiss ob die ihre Produktion überhaupt aufrechterhalten oder wieder aufnehmen können.

00:02:36: Und letztes Wochenende hat sich dann das Projekt eine Brücke aus Papier getroffen, um darüber zu sprechen was jetzt getan werden kann.

00:02:42: Das ist ein Literatur- und Kulturaustausch zwischen ukrainischen und deutschen Autorinnen.

00:02:46: Den gibt es seit Jahrzehnten.

00:02:49: Verena Nolde, die dort ebenfalls vor Ort war, hatte in einem Interview mit dem Börsenblatt dazu angeregt unbedingt ukrainische Literatur in den Buchläden und in der Berichterstattung präsent zu halten also dagegenzuarbeiten gegen dieses Verschwinden indem man weiter darüber spricht die Sachen zu bestellen versucht usw.. Gerade Dinge, die hier bei uns auf Deutsch erscheinen sind ja auch nach wie vor uneingeschränkt verfügbar.

00:03:11: Und dagegen anzuarbeiten dass dort gerade versucht wird ein kulturelles Erbe und die Kultur der Gegenwart zu zerstören.

00:03:18: Wir haben mal in die Folgenbeschreibung den Link zum ganzen Gespräch gepackt und auch Hinweise wo ihr spenden oder helfen könnt.

00:03:27: Den Link zum Vereinbrücker aus Papier findet ihr dort ebenso um euch das Projekt nochmal genauer anzuschauen.

00:03:33: Und ich möchte mit dir heute auch mal schon zu Beginn auf jemanden anstoßen, denn der ukrainische Schriftsteller Peter Nadash, der vor zwei Tagen im Alter von dreiundachtzig Jahren verstorben ist.

00:03:46: Den wollen wir uns heute kurz erinnern.

00:03:48: Er war einer der ganz großen Chronisten des zwanzigsten Jahrhunderts und seine Kindheit überlebte.

00:03:52: Er versteckte mit seiner jüdischen Familie in der ungarischen Hauptstadt.

00:03:56: Seine Eltern sind nach dem Krieg angesehene Mitglieder der kommunistischen Partei und in der Politik gewesen, aber im Zuge von innerparteilichen Säuberungswellen wurden beide durch Falsch-Anschuldigungen aus ihren Ämtern vertrieben.

00:04:08: Die Mutter starb dann in den fünftiger Jahren an Krebs und der Vater war politisch und emotional derartig ausgelaut, dass er sich zwei Jahre später das Leben genommen hat – so ist Nadasch noch als Jugendlicher zum weißen Kind geworden.

00:04:22: Seine Romane wurden im Kommunistischen Ungarn verboten oder von der Zensur blockiert, seine Kritik am Stalinismus und die freie Darstellung von Homosexualität in seinen Büchern waren eben die Gründe dafür warum er nicht freischreiben konnte.

00:04:35: Aber mit dem Fall des eisernen Vorhangs fiel dann auch der Druck und er konnte sich freischreiben, er veröffentlichte nach der Wende ein sage-und schreibe, ein tausend siebenhundertseitiges Epos einen Befreiungsschlag und hat sich daran mit den Grausamkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts befasst.

00:04:50: Zuletzt lebte er an einem kleinen ungarischen Dorf zurückgezogen mit seiner Frau.

00:04:54: Er war auch heute mit vielem in Ungarn nicht einverstanden und hat das Land auch immer wieder verlassen, wenn der Druck auf ihn zu groß geworden ist.

00:05:01: Er war dann auch öfter hier in Deutschland zu Gast.

00:05:03: Er wurde für seine Bücher vielfach ausgezeichnet.

00:05:06: Und wenn ich gerade an den Einstieg denke, den du mitgebracht hast, er war glaube ich auch immer mal im Gespräch für den Literatur-Nobelpreis.

00:05:12: Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn wir uns eine Romane bald mal genauer anschauen und stoßen wir kurz an auf diesen herausragenden Autor...

00:05:21: Auf Peter Nadasch!

00:05:24: Die helle Kammer

00:05:26: Lin, wir haben Alex Schulmann schon im Intro erwähnt und dem besprechen wir heute.

00:05:30: Weil wir anfangen wollen unsere Instagram-Empfehlung abzuarbeiten!

00:05:34: Wir hatten mal gefragt unter einem Post, wen wir besprechen sollen... ...und eine Empfehlung kam von Manuela Braun über ihren Instagram-Account und die schreibt unter anderem ich habe da mal ein bisschen recherchiert.

00:05:45: Rezensionen für die Seite booknurds.de.

00:05:48: Sagt ihr die zufällig was?

00:05:49: Ja also ist mir schonmal untergekommen.

00:05:53: Ja genau also Rezention Wild zusammen gemixt, also man hat dann großen Überblicken an eine Rezension zu aktuellen Büchern und so was.

00:06:03: Und sie hat tatsächlich auch ein Buch von Alex Schulmann rezentriert sein autobiografisches Buch vergiss mich und ich dachte wir könnten damit kurz einsteigen um dem Auto ein bisschen näherzukommen.

00:06:15: Ich würde gern zwei Stellen aus der Rezention zitieren.

00:06:19: Sie schreibt über vergiss mich, der Wendepunkt kommt als Alex mit seiner Frau die Familie einlädt um die kleine gerade erst drei Tage alte Tochter zu zeigen.

00:06:28: Alex Mutter Lisette ist ebenfalls eingeladen und schon bevor sie eintrifft, ist Alex mehr als nervös.

00:06:33: Wie befürchtet scheint sie vorher Alkohol getrunken zu haben?

00:06:37: Die kleine Francis ignoriert Sie vollkommen!

00:06:39: Das Buch ist also eine autofiktsionale Auseinandersetzung Schulmanns mit der Alkhohlsucht seiner Mutter.

00:06:44: die war in Schweden tatsächlich ne berühmte Moderatorin TV-Moderatorin und hat aber ein krasses Alkuhlproblem und hat ihn da halt komplett vernachlässigt und das ist letztlich so.

00:06:53: sein großes Lebensthema kommt dann in ihre Rezension zu folgendem Fazit.

00:06:59: Vergiss mich, von Alex Schulmann ist ein autobiografisches Buch, indem es so ehrlich und direkt um Alkoholsucht- und Koabhängigkeit geht, dass man beim Lesen dann doch ab und zu eine kleine Pause einlegen muss.

00:07:10: Inhaltlich ist das nur schwer zur verkraftende, terrorischeste Texte, extrem einnehmen präzise und sehr gefühlvoll

00:07:16: geschrieben.".

00:07:17: Und wie gesagt ich habe diesen Einstieg gewählt weil er ziemlich gut so.

00:07:21: jetzt beginnt das Leben dem neuen Buch von Alex dass jetzt gerade erst erschienen ist.

00:07:27: Dort spielt die Mutter, das erzählt es nämlich auch eine sehr große Rolle und man könnte sagen Schulmann arbeitet sich weiter an seinem Lebensthema ab.

00:07:35: Es gab auch eine Kritik, die steht hier auf dem Buch auch drauf.

00:07:41: Da hat das Gafflet Darkplate also ne Zeitung vor aus Schweden geschrieben.

00:07:46: Es ist als hätte alles was Alex Schulman zuvor geschrieben hat den Weg für diesen Roman geebnet.

00:07:51: Und ich finde das ja immer ganz spannend, wenn Autoren oder Autorinnen wirklich so ... Wenn man merkt die haben so ein Thema an dem sie sich abarbeiten.

00:07:58: Ohne Redundant

00:07:59: zu werden!

00:07:59: Das finde ich auch immer so spannend.

00:08:00: Ohner Redundan zu werden und neue Wege zu finden.

00:08:03: Genau wir hatten es ja schon besprochen als wir über zweite Bücher geredet haben.

00:08:06: Es gibt ja auch diese Bücher wo man das Gefühl hat jetzt wird hier in den Prinzip wiederholt was beim ersten Mal gut geklappt hat.

00:08:12: dann tauchen die Themen aber quasi auch fast die Sätze genauso wieder auf.

00:08:18: Das ist eben diese Gratwanderung, dieses Thema zu haben.

00:08:22: Dieses Lebensthema zu haben aber es immer wieder so zu drehen und zu bearbeiten dass das nicht redundant wird.

00:08:28: Und da kommen wir glaube ich bei dem Buch heute auch sehr auf die Formen zu sprechen.

00:08:31: was macht er da?

00:08:33: Wie schafft der das?

00:08:34: Aber wir gehen nochmal zu diesem Interview zurück und ich habe noch ein Zitat.

00:08:39: Da wird gefragt zu ihrem Schreibkonzept gehört es sich in die eigene Kindheit zurückzuversetzen?

00:08:45: welche Überzeugungen steckt dahinter?

00:08:47: Und dann sagt Schulmann, für mich ist die Kindheit ground zero.

00:08:50: Der Punkt des Einschlags hier hat alles angefangen.

00:08:53: in meinem Leben frage ich mich immer wieder was es passiert und auch in meinen Büchern komme ich immer wieder auf diese Frage zurück Was ist passiert?

00:09:00: so fragen auch Psychotherapeuten?

00:09:02: Und da ich noch keine Antwort darauf gefunden habe stelle Ich mir die frage immer wieder und schreibe darüber und ich glaube das ist ein ganz guter punkt wenn wir Jetzt in dieses buch einsteigen worum geht's denn?

00:09:13: jetzt beginnt das leben.

00:09:14: dass ist eine ziemlich besondere Konstellation.

00:09:18: Der ich erzähle wieder, ist in seinen Vierzigern.

00:09:21: der ist ein suspendierter Lehrer.

00:09:23: er soll den Schüler geschlagen haben beziehungsweise dieser Schüler hat sehr starke Abdrücke am Arm und seiner Meinung nach war das einfach so.

00:09:31: der Schüler hat sich mit dem geprügelt und er hat das gemacht was man dann machen sollen nämlich auf denen der am meisten prügelt am meisten Gewalt aus übt eingehen den sich am arm ziehen und ihn zur Seite ziehen und sagen gut Jetzt mal Ruhe, ne?

00:09:43: Das hat er aus seiner Sicht gemacht und versteht nicht warum alle so ernst sind ihm gegenüber.

00:09:48: Dann hat er eine Vernehmung von der Polizei und Stück für Stück merkt man das war doch ein bisschen ärger wie er gezogen hat und er weiß aber selber nicht genau mehr was in diesem Moment eigentlich passiert ist.

00:09:59: Er hat wie so ein kleines Blackout zu dem ganz konkreten Situation Und er versucht es dann immer auf der jetzt eben eine Besser zu machen, indem er mit dem Schüler reden will und so.

00:10:09: Du kannst dir vorstellen das ist so das Dümste was du machen kannst ne?

00:10:12: Ja!

00:10:12: Du solltest nicht in deine Schule zurück während die Ermittlungen laufen.

00:10:15: Du sollst nicht mit dem Schüler reden und er versucht all diese Dinge weil er von sich selber eigentlich überzeugt ist.

00:10:20: ich habe doch gar nichts gemacht.

00:10:21: Ich will das doch klären.

00:10:22: Das können wir auch aus der Welt schaffen.

00:10:24: So Dann haben wir aber und dass es quasi der Motor der dieses Buch zum Laufen bringt.

00:10:30: Es beginnt damit Dass der Erzähler eine Ratte sieht im Keller, dann muss er irgendwie die Kartons alle rausstellen um diese Ratte zu entsorgen oder zu fangen.

00:10:41: Und dann sieht er in einem der Kartons, da sind halt alte Kindheitssachen drin.

00:10:45: Die alte Nummer, die alte Telefonfestnitz-Nummer von dem Haus am See wo er mit seinen Eltern gelebt hat.

00:10:50: Oh

00:10:50: das ist ein Phänomen.

00:10:51: oder weil sie sich auch nie verändert hat?

00:10:52: Ich kann meiner auch immer noch

00:10:54: auswendig sein.

00:10:54: Ja ja genau

00:10:55: voll.

00:10:56: Das Telefon gibt's glaube ich doch das gibt es noch.

00:10:58: aber es ist lustig man ruft da nie an.

00:10:59: Genau und er und er ruft aber an Er sagt okay ich ruf da mal an.

00:11:04: und was dann passiert?

00:11:05: er landet im siebzehnten Juni nineteen hundert sechsten achtzig im haus seiner kindheit in einem Tag seiner Kindheit, quasi wenn er da anruft und telefoniert mit seiner Mutter, mit seinem Vater, mit sich selber.

00:11:16: Mit seiner Schwester.

00:11:17: also er kann quasi alle anrufen und er merkt dann... Er versucht es so erst denkt natürlich okay das das ergibt überhaupt keinen Sinn dass habe ich mir jetzt was eingebildet oder so.

00:11:27: aber dann probiert es natürlich wieder und wieder und er stellt eine gewisse Gesetzmäßigkeit fest und zwar er kann immer genau einmal am tag in diesem tag anruffen Er kann, also wenn er dann dort anruft.

00:11:40: der Tag geht dann am nächsten Tag wieder neu los.

00:11:42: So ein bisschen wie bei täglich größt das Moor mit Tier.

00:11:45: Also er ist da nicht in diesem Tag aber er kann immer da anrufen und wenn er anruf wissen die nicht mehr dass er dem selben tag schon mal angerufen hat.

00:11:52: Das heißt er kann sich immer wieder in neuen rollen auch ausgeben weil das ding ist halt Wenn er da an ruft.

00:11:59: Er muss irgendwie Gründe finden, dass zum Beispiel seine Mutter ist sehr misstrauisch.

00:12:02: Auch sein Vater fragt sich so er kann dann nicht einfach sagen hier das bin ich aus der Zukunft na?

00:12:06: Das würde alles durcheinander bringen.

00:12:08: deswegen gibt er sich dann mal als Journalist aus mal als irgendwie Polizist mal als und versucht quasi So Stück für Stück rauszufinden was es eigentlich an diesem tag alles so passiert und erst Mal ist das ein bisschen.

00:12:21: er hat halt zeit er ist ja suspendiert Und er findet es einfach spannend.

00:12:26: und dann merkt er irgendwann weil er auch mit sich Telefoniert mit dem Jungen sozusagen, er nennt sich dann immer der Junge als Kind und merkt dann Stück für Stück aber auch irgendwie ist da auch was Schlimmes passiert an diesem Tag.

00:12:41: Irgendwas ist da passiert, was ich quasi verdrängt hab' Und dann nimmt das Ganze aus so einem ernsteren Zug an könnte man sagen.

00:12:49: Also wir haben Von dieser Konstellation jetzt den Roman, der sich auf zwei Ebenen entwickelt.

00:12:54: Einerseits wegen diese Recherche aus der Vergangenheit.

00:12:56: Er fängt an einem kleinen Flipchart an und irgendwie eine der liebenswerten Züge dieses Charakters ist es dass er so extrem akribisch ist.

00:13:04: Er versucht wirklich dann zu jeder Uhrzeit rauszufinden was passiert ist ruft quasi so Stück für Stück die Urzeiten an.

00:13:10: Versucht verschiedene Familienmitglieder ans Telefon zu kriegen.

00:13:14: zu rekonstruieren wo war zum beispiel um zehn uhr fünf zehn die mutter?

00:13:18: wo war da gerade der vater?

00:13:19: was hat er jungen gemacht?

00:13:21: und so weiter.

00:13:23: Und das ganze du kannst dir das vorstellen dass fängt klein am flipchat an und nimmt irgendwie dann gefühlt seine ganze wohnung in schlag.

00:13:31: und das ist so dieses dieses archäologische nachspüren was irgendwie beim lesen sowas is.

00:13:38: Kennst du das?

00:13:39: Das gibt's manchmal im Büchern und es hat so was extrem befriedigend.

00:13:42: Ich glaub, das hast du auch in so Detektivromaden manchmal oder so.

00:13:44: Genau!

00:13:45: Ich

00:13:45: wollte nämlich grad sagen alles, was mit Ermittlungen zu tun hat, mit etwas Freilegen irgendwas entdecken ein Rätsel lösen, das zieht natürlich extrem... Also dieses

00:13:54: Geheimnis, erzählen ums Geheimniss.

00:13:56: Genau

00:13:56: das gibt Büchern so ein Drive und ich musste auch gerade daran denken dass es so eine coole Erzählkonstruktion ist weil's könnte bestimmt auch schnell konstruiert wirken.

00:14:03: aber dadurch dass man diese Gesetzmäßigkeit einfach annimmt und die auch einfach so zum Prinzip erklärt stelle ich mir das auch spannend vor wie jetzt die beiden Ereignisse miteinander in Konflikt gehen, weil eigentlich will er rausfinden.

00:14:17: Was habe ich jetzt wirklich mit diesem Jungen gemacht?

00:14:19: Andererseits will herausfinden was wurde mit diesem Junge in der Vergangenheit also mit mir gemacht?

00:14:22: und diese beiden Ebenen sind ja auch schon mal per se für sich genommen sehr interessant.

00:14:27: Genau!

00:14:27: Und letztlich sind es genau die Lehrstellen, die die beiden Ebenden verbinden.

00:14:30: man spürt das eine hat sicherlich mit dem anderen zu tun und da ist jemand der sich für bestimmte Dinge wie sein Leben betreffen und seinen Charakter ausmachen nicht genau deine Lehrstelle hat.

00:14:43: Wahrscheinlich so nimmt man dann eben auch schnell an in der Gegenwart auch noch ein Problem.

00:14:47: Und das Interessante ist, also wir hatten gesagt okay die Vergangenheitsebene ist über das Geheimnis interessant Die Gegenwartsebene schon auch wobei da das Geheimnis relativ kleines.

00:14:59: Es ist so die Tat wurde gefilmt es ist relativ schnell klar er hat wirklich Überreagiert.

00:15:04: aber man sieht auf diesem Video dass dieser Junge den er da anpackt Dass der irgendwas zu ihm gesagt hat Und der will quasi wissen was hat er ziemlich gesagt, weil das war offensichtlich ein Träger genau und da hat man diese Dings.

00:15:17: Ich habe das mal von dem Trebuchautor Paul Schrader, der auch Filme macht selber und Taxi Driver zum Beispiel geschrieben hat, der hat gesagt oder mit der spannendste was man bei Figurenentwicklung machen kann ist wenn die Figuren gegen ihre eigenen Interessen handeln Sie wollen das beste, aber sie handeln die ganze Zeit gegen was gut für sie ist.

00:15:36: Und das macht diese Figur halt permanent in dem er dann immer versucht diesen Jungen zu treffen und natürlich weil er weiß, er soll das nicht machen versteckt er sich dann irgendwo und kommt dann... Oh Gott man kann es nicht vorstellen!

00:15:46: Das würde was zu tun werden.

00:15:46: ...und es ist wirklich so.. Die Polizistin sagt und die Polizisten sagt dann zu ihm irgendwann an so einem Punkt wissen sie ich weiss dass sie nicht gewalttätig sind Ich weiß dass sie eigentlich irgendwie in den Guter sind.

00:15:57: Aber was sie da machen, das ist so krank!

00:15:59: Wenn Sie so weitermachen... Wir müssen sie wegen so viel Sachen anzeigen und er hört einfach nicht auf.

00:16:04: Und das ist sozusagen das, was die Gegenwartsebene dann halt total spannend und vorantreibt?

00:16:10: Es ist auch so interessant weil ich gleich also Gegenwartsdebatten auch denken musste wir haben das ja immer wieder.

00:16:15: Lehrerinnen und Schüler in gleichermaßen sind ja derartig unter Druck zum Teil in den Schulen aufgrund von Personalmangel oder noch vielen anderen Faktoren.

00:16:25: Es gibt diese Situation, man hat das auch in den Nachrichten immer mal wieder.

00:16:28: Es gibt Gewalt an der Schule, Schulaufschlägerei eskaliert irgendwas und ich erinnere mich auch wirklich als... also ich kann's jetzt nicht mehr konkretisieren aber es gab auch Schlagzeilen wo es genau dann darum geht wie sehr da jemand eingegriffen ist eine Grenze übertreten worden.

00:16:47: Das gab es doch auch über so einen Lehrer, der schon älter war irgendwie.

00:16:50: Ewigkeiten schon Jahrzehnte an der Schule und der dann suspendiert wurde kurz bevor er sowieso ausgeschieden wäre.

00:16:55: Und ja das sind alles so Sachen die dir eine große Relevanz haben und ich stelle mir auch eben spannend vor wenn hier so zwei Aspekte vereint werden das kannst du mir gleich mal sagen inwieweit dass dann auch den Roman so zwingend macht für jetzt für die Gegenwart für uns weil Ich mir eben vorstelle, wenn man das gut ausarbeitet wie da eben einen Schüler und ein Lehrer in Konflikt geraten und eine Grenze übertreten wurde.

00:17:26: Und wie dass alles sich aufbaut und zusammenhängt – in Kombination mit so einer Kindheit die ja auch nicht einfach gewesen zu sein scheint.

00:17:34: Gibt es da so eine Art... Gesellschaftlichen Aspekt sage ich jetzt mal, dass es am Ende so ist wie wir müssen alle besser aufeinander aufpassen oder wenn du in der Kindheit ein Problem hast kannst du nicht soziale Arbeit.

00:17:46: Ich glaube diese Schulkomplex wird schon angesprochen.

00:17:52: Der wird tatsächlich auch so ein bisschen von dem Erzähler so kommentiert, dass er sagt es ist ein bisschen zu weit gegangen wie weit wir auf die Schüler zugehen.

00:18:01: Wie das sozusagen Schüler einfach irgendwie was äußern muss.

00:18:03: und schon ist das Gesetz und der Lehrer hat auf jeden Fall etwas falsch gemacht und sowas.

00:18:08: Ich glaube da ist auch so einen Bezug auf schwedische Schulen.

00:18:10: Wir erinnern uns daran, dass Knausgrad zum Beispiel ja mit dem schwedischen System und der schwedischem Art generell in sehr großes Probleme als Norwege immer wieder auch kritisiert wie Scheinheilig ist und wie sehr da so bestimmte Vorstellungen sind.

00:18:24: Und dann man gar nicht über Themen richtig zum Kern trinkt, also diese Kritik schwingt hier auf eine andere Weise mit, hatte ich das Gefühl.

00:18:33: aber der Fokus ist schon darauf auf dieser Figur die in dem Moment indem sie Sachen aus ihrer Kindheit nicht aufarbeitet, sich einfach auch schwer tut, der will schon Verantwortung übernehmen.

00:18:45: Der läuft da gar nicht davon aber er ist quasi wie Gehandicap sozusagen.

00:18:49: und das ist das worum es glaube ich geht dass es schon sehr an dieser Person festgemacht.

00:18:53: und wenn wir diesen Ich-Erzähler uns mal angucken das können wir ja mal machen dann ist der sehr zugänglich, der ist emotional offen, der is verletzlich Und die fand es so komisch und einerseits auch ein bisschen traurig vielleicht manchmal Dass man wenn's nen männlicher Erzähler in den Vierzigern ist Dann reichen schon paar Worte um einfach zu zeigen, dass der emotional zugänglich ist.

00:19:14: Weil du sonst in Verbindung mit männlichen Erzählern diese Worte nicht liest?

00:19:17: Ich lese dir mal ein paar vor und du wirst vielleicht verstehen was ich mein Herz klopfen Papa Mama Und dem Begriff wahnsinniger Angst.

00:19:25: Also das sind alle so Attribute, wo du wüsstest in dem Roman von David Cholloy oder Hemingway.

00:19:30: Oder sonst.

00:19:30: wem würden diese Worte auf diese Weise so nicht stehen?

00:19:33: weil sozusagen nicht für einen erwachsenen männlichen Erzähler.

00:19:37: und dann merkst Du einfach nur an diesen Worten so dass es okay da bedient sich an so einem Register wo du merkst ok Da ist eine Offenheit da sozusagen Und das ist das Eine.

00:19:49: Andererseits hat er aber trotzdem diese Probleme, dass er eben mit seiner Emotionen ja offensichtlich nicht so gut zurechtkommt.

00:19:55: Also er hat sie... Da ist eine Offenheit da!

00:19:57: Aber er kommt trotzdem nicht gut damit zu Recht und er hat wieso ... Momente, wo er einfach komplett blank ist und einfach nicht weiß was los ist.

00:20:08: Die Spannung hatte ich gesagt die entsteht durch die Fragen, die sich ergeben sowohl bezüglich der Gegenwart als auch der Vergangenheit.

00:20:14: das verbindet sich so.

00:20:16: Und ich habe auch gesagt die Mutter so ein Beziehung spielt eine große Rolle und ich dachte da können wir auch noch meine kleine Stelle hören einfach um auch Vielleicht mein Gefühl für diese Sprache zu kriegen und das Ding ist dass er also die mutter.

00:20:33: Also ich hab ja gesagt, die ganze Familie ist dort am See in diesem Haus am See und er merkt Stück für Stück das hat ganz schön viel mit der Mutter zu tun was da passiert ist.

00:20:40: Und insofern spielt sie eben auch wieder eine große Rolle und Alkoholismus bei der Mutter spielt auch in dieser Szene ne sehr große Rolle.

00:20:48: das merken wir dann immer wieder.

00:20:51: Was ich aber so schön daran fand war es geht nicht nur darum irgendwie und das macht ihr alle gute Literatur aus würde ich sagen selbst wenn die Mutter was total falsch macht Was hat, wo man sie für verurteilen kann?

00:21:05: Ist sie natürlich in diesem Buch und das macht das Buch dann wiederum gut.

00:21:09: Einfach Sie als komplexe Figur bezeichnen.

00:21:14: Ja

00:21:14: nicht als die Böse!

00:21:15: Nicht nur als die böse und nicht zu einseitig, nicht zu klischeehaft.

00:21:20: Ich lese aber einfach mal bisschen vor damit wir uns meinen Eindruck verschaffen können.

00:21:24: Ihr Haar war leicht zur Zauß der graue Ansatz deutlich zu erkennen.

00:21:28: Unter dem Bademantel schaute der Seiden Pichama hervor, den sie schon immer getragen hatte und in denen sie in meiner Kindheit eines Nachts ein Loch gebrannt hat als sie mit einer Zigarette in die Hand eingeschlafen war.

00:21:39: Monatelang hatte ich mich anschließend jeden Abend spät in ihr Schlafzimmer geschlichen um aufzupassen dass es nicht nochmal passierte das sie nicht über Nacht verbrannte.

00:21:47: Jetzt beugte sie sich wieder über ihre Zeitung und nagte an einem Bleistuftstummel.

00:21:52: Was machst du da Mama?

00:21:54: Ach sagte sie frag mich nicht!

00:21:57: Sie trug ein paar Buchstaben ein, trete den Stift um und radierte alles wieder weg.

00:22:00: – Was ist das für ein Kreuzwortretzel?

00:22:03: – Google doch!

00:22:04: –

00:22:04: Googlen?!

00:22:05: – sie antwortete nicht, nagte am Stiftstart auf die Zeitung.

00:22:08: – Svenska Dagbladet fragte ich oder Dagensnieter?

00:22:12: – Dagensnieter aber es ist zu leicht, sie säufzte legte die Zeitungen auf den Nachtisch, die können einfach keine.

00:22:19: Kreuzfortretsel konnten sie noch nie.

00:22:21: Es war kühl im Zimmer und die stellte fest dass eins der Fenster auf Kipp stand.

00:22:26: Ich ging hin und schloss es, der Straßenlärm draußen verstummte.

00:22:29: Wie geht das dir Mama?

00:22:31: Tja wie geht's mir?

00:22:33: Sie machte eine ausschweifende Geste mit der Hand damit ich sah welche Zumutung sie ertragen

00:22:37: musste.".

00:22:38: Das ist so ein bisschen dieser Ton in dem diese Mutter-Sohnbeziehung geschildert wird.

00:22:45: Und bevor ich zum Fazit komme möchte ich noch auf die Struktur kurz eingehen Linne weil ich finde Struktur statt tatsächlich wir denken ja Struktur oft.

00:22:55: Oder es gibt oft diese gemeine Annahme das Struktur, dass es da viel um so klassische Hollywood-Strukturen geht wie Heldenreise.

00:23:05: Der hält du brauchst Konflikt, du brauchts Drama... Es wird gut besser und dann wird's noch

00:23:10: mal richtig

00:23:11: schnuppend.

00:23:12: Und dann kommt dieses, das ist das retardierende Moment genau.

00:23:15: Man hat so voll viele Klischee im Kopf was quasi Struktur angeht.

00:23:20: Und es gibt aber auch den Fall der Struktur dazu führt, was erzählen zu können.

00:23:27: Dass durch die Struktur etwas erzählt wird und das ist finde ich die schönste Art von Struktur.

00:23:32: Einfach durch die Art, wie er das alles anordnet.

00:23:34: Durch diese Idee mit diesem Tag in der Kindheit wird ganz viel über Eltern-Kindbeziehungen, über die Beziehung zu sich selber erzählt und es liegt einfach nur an der Grundanordnung und wie er die erzählt.

00:23:45: Ja dass man auch mit sich selber sprechen kann in der kindheit?

00:23:47: Genau!

00:23:49: Und dadurch ist vieles was du sonst in anderen Büchern vielleicht erklären müsstest wo du der Figur Gedanken in den Mund legen müsstest, in den Kopf legen müsstst... Das musst du dann nicht weil's einfach durch die Konstellation schon geschieht dass du beim Lesen Dinge nachvollziehen kannst, einfach weil die Konstellation ist wie sie ist.

00:24:07: Und das finde ich.

00:24:08: eigentlich wäre das mal viel interessanter sich mit diesen Arten von Struktur zu beschäftigen statt immer zu sagen ja okay hat der Helden genug großen Widersacher es trägt das dann über dreihundert Seiten wenn er da kämpfen hat sind die Widerstände größt genug sondern einfach zu sagen was ist eigentlich die Struktur?

00:24:24: die diese Geschichte und das, was ich sagen will auf bestmögliche Weise rausbringt.

00:24:29: Und nicht nur von Spannung her gedacht oder von diesen Dingen sondern wirklich von... Ich verstehe durch die Struktur etwas also die Struktur selber erzählt mir was.

00:24:40: Das passiert hier.

00:24:41: es gibt sehr kurze Kapitel die wechseln dann oft zwischen Gegenwart- und Vergangenheit wie man sich das vorstellen kann.

00:24:47: Ich würde sagen, im Kern dreht sich das um diese Geheimnisse.

00:24:51: Diese unausgesprochenen Dinge aus der Vergangenheit vor allem aber eben dann auch aus der Gegenwart.

00:24:56: Es ist eine sehr simple Sprache die so sehr zum Punkt kommt.

00:24:59: Ich glaube es hat man jetzt auch rausgehört und ich fand dass die Sprache war ein bisschen so als ob sie von dieser Sommerstimmung auf diesem Haus am See durchzogen ist Und die kippt mit wenn diese Sommerstimmung am Haus was Düsteres bekommt.

00:25:14: Und man das Gefühl hat, okay dieses Haus am See ist erst mal so ein sehr idyllischer Ort der kann aber auch ganz anders wirken.

00:25:22: also wenn du dir vorstellst es wird nacht und es ist dunkel dann ist da Wald und dann ist das Wasser Also das kommt dann auch.

00:25:31: Und sag mal, jetzt hattest du gemeint am Anfang dass bei anderen Büchern von ihm durchaus so ist, dass man... Dass manche die Bücher auch mal zu klappen müssen weil es wirklich sehr zur Sache geht, auch emotional.

00:25:42: und jetzt hättest du diesen Abschnitt vorgelesen und ich muss schon sagen Ich habe auch tatsächlich so eine Gänsehaut bekommen Weil wenn man einfach nur sich vorstellt wie dieser Junge sich dafür verantwortlich fühlt nach seine Mutter davor zu bewahren in ihrem Bett zu verbrennen und sie So redet wie sie redet und das war schon alles sehr Also sehr, naja ich weiß nicht.

00:26:01: Es war ja wirklich, finde ich also eigentlich fast schon bezeichnend wie plastisch diese kurze Sequenz einfach gewesen ist.

00:26:09: Musstest du dann auch manchmal aufhören?

00:26:12: Nee gar nicht!

00:26:12: Dort hat

00:26:13: es doch keine

00:26:14: Zeit.

00:26:14: Ich hatte keine Zeit aber darauf will ich gerne gleich kommen.

00:26:17: das Thema und das hast Du jetzt gerade angesprochen unerreichbare unfähige Eltern Kinder die versuchen nähe zu bekommen quasi schon mit Eltern, also die Eltern geben denen schon viel zu wenig und die Kinder versuchen trotzdem von dem wenigen noch irgendwas abzubekommen.

00:26:33: Das ist ein Thema das bricht dein verlässliches Herz ne?

00:26:35: Also wenn du das in Kunst hast, dass hast du auch manchmal einen Film oder so, dass du immer siehst wie dieses Kind versucht an die Eltern ranzukommen und es geht nicht.

00:26:44: Das is einfach wirklich so schlimm weil ... Weil Kinder ja einfach eine extreme Verletzlichkeit nun mal haben und sie sind extrem angewiesen auf ihre Umgebung.

00:26:53: Und wenn Sie dann bei ihren Eltern leben, diese Eltern nicht für sie da sind oder nicht da sein können... Also das arbeitet dieses Buch raus aber die Situation ist einfach extrem grauenhaft so oder so.

00:27:05: Das ist das Eine und das macht auch was bei diesem Buch.

00:27:10: Ich musste tatsächlich oft an diesen Bestseller denken, auch wenn der von diesem Buch hier malenweit entfernt ist.

00:27:14: Aber ich sage dir gleich warum das Kind in dir muss Heimat finden gab doch diesen riesigen Bestsella und die Idee dahinter ist ja irgendwie so ein bisschen dass man sich mit seiner Kindheit auseinandersetzt und seinen Platz irgendwie da findet.

00:27:26: dadurch und dass es ganz wichtig ist usw.

00:27:28: Ist

00:27:29: kein schlechtes Buch sag' ich dir.

00:27:30: Okay

00:27:30: ich kenn's nicht.

00:27:31: Ja ich hab das gelesen ist eine Weile her aber ich erinnere mich noch so grob dran.

00:27:37: Also wenn es da was gibt, was du in der Heimat finden musst dann hilft das Boot auf jeden Fall.

00:27:43: Das hast du schön umschrieben und ich fand halt... Ich musste deshalb daran denken weil eigentlich ist das ja eine ein bisschen ähnliche Konstellation.

00:27:50: Da ruft einer immer in seiner Vergangenheit an und redet mit seinem Kind also der Junge und gibt genau und klärt Sachen, er fragt den was ist denn passiert?

00:28:01: Und der Junge will ziemlich sagen zwischen euch und bricht auch mal in Tränen aus oder so.

00:28:05: Dann haben sie eben Gespräche über.

00:28:07: zum Beispiel hat ihr dann so einen extremen Drang immer diesen Jungen zum Lachen zu bringen also das System gut geht und so am Telefon usw.. Aber deswegen muss sich so sehr dieses Buch denken.

00:28:17: Das ist eigentlich und da sind wir wieder bei der Konstellation die Konstellations ist so gut weil sie Weil sie nicht irgendwie einen Erwachsenen zeigt, der versucht zum Therapeuten zu gehen und die Sachen zu klären oder in Gesprächen mit seinen Freunden merkt.

00:28:31: Er hat eine schwierige Kindheit oder so, sondern weil da einer ganz literally... ... in seiner Vergangenheit anruft, um die Sachen zu klären.

00:28:37: Und das versucht und dabei scheitert!

00:28:39: Wir können bei allem zusehen... Es muss uns nicht durch die Indirekt gesagt werden.

00:28:44: Ja und es ist ja auch oft so.

00:28:45: Es gibt ja dieses Ding ich weiß jetzt nicht in welchen Kontexten vielleicht nicht unbedingt Therapie aber schon so in so Reflexionskontexten.

00:28:51: was würdest du da im... Genau,

00:28:55: dass

00:28:55: ist die Idee

00:28:57: umgesetzt.

00:28:59: kommen ja so Platytyden bei raus oder Binsen, die helfen eben auch in den Moment dann vielleicht.

00:29:04: Aber ich finde es sehr, sehr spannend den Gedanke das mal auf Buchlänge zu machen und eben nicht mit Wandtattoo sprüchen sondern zurückzufragen.

00:29:12: Genau!

00:29:12: Und du bist ja dadurch weil er ja auch rausfinden will was passiert ist und so bist du ja voll in dieser Geschichte drin.

00:29:19: Das heißt du erlebst dass alles mit Aber hast nicht so dieses Gefühl von, okay jetzt wird hier die neueste therapeutische Erkenntnis umgesetzt und das soll mir jetzt so erzählt werden.

00:29:30: Sondern es ist ja trotzdem eine Geschichte, eine spannende Geschichte auch.

00:29:34: Und an was mich das auch so ein bisschen erinnert hat... Ich weiß nicht ob du von dem Autor Mattaik mal etwas gelesen hast der auch extrem also der hat versucht irgendwann in seinen ich glaube zwanziger oder sich umzubringen auf Ibiza und hatte danach eben stark mit Depressionen, Angststörungen usw.

00:29:54: zu kämpfen hat dann darüber ein Buch geschrieben und schreibt seitdem Bücher wo es auch sehr viel um so therapeutische Themen geht sag ich mal und ich würde auch sagen beide Autoren verbindet so ein bisschen.

00:30:05: die haben lange Therapie gemacht sprechen darüber auch offen schreiben eben aus so einer verletzlichen Perspektive, die sonst für Männer eher untypisch ist.

00:30:13: Und beide eint auch dass sie sehr gut sind Strukturen zu finden Konstellationen zu finden Die die Geschichte miterzählen.

00:30:21: bei Mattake wäre zum Beispiel das Beispiel seinen einzelnen berühmtesten Bücher als die Mitternachtsbibliothek.

00:30:27: und da geht ein Mädchen immerhin in eine Bibliotheke und kann quasi verschiedene Leben anprobieren.

00:30:32: Und das geht extrem dieser Frage nach, die wir ja auch alle kennen.

00:30:35: Was wäre denn wenn ich das und das geworden wär?

00:30:37: Wenn nicht diesen Traum und so... Die wird dann irgendwie Rockstar!

00:30:40: Die wird aber auch in jeder Konstellation passiert.

00:30:44: was anderes Mal ist sie mit ihrem Bruder ganz eng, mal hat sie sich zerstritten, mal reißt sie an ihren Arktis und es auf einer Forschungsstation usw.

00:30:51: Das ist auch sowas.

00:30:52: Weißt du diese Fragen kennen wir ja alle, dieses «Was wäre wenn» und des Buchs setzt es durch die Konstellations einfach um Und dadurch erzählt die Konstellation schon total viel mit, nämlich dieses Ja dann machen wir es halt mal.

00:31:06: Dann probieren sie halt mal aus in der Literatur können wir's doch ausprobieren und dann gucken wir mal was da vielleicht als Erkenntnis rauskommen könnte.

00:31:13: Und da hat mich eben Alex Schuhmann auch dran erinnert.

00:31:16: ich glaube das verbindet auch beide Bücher auch in ihrem Erfolg.

00:31:19: also Alex Schumann und Mattake sind sehr erfolgreiche Autoren mit ihren Büchern.

00:31:24: Und genau, jetzt kommen wir zur Frage.

00:31:26: Wie schwer ist das zu lesen?

00:31:27: Es ist tatsächlich super leicht zu lesEN!

00:31:30: Es hat auch dadurch, dass es sich so ein bisschen fokussiert auf dieses Geheimnis und diese ganzen Fragen die da offen sind... ...ist man durch diesen Plot so gefangen, dass das was Schweres nicht überhand nimmt.

00:31:46: Also das ist wirklich extrem sensibel und nourriert gebaut Und ich musste wirklich sagen, du hattest ja schon gesagt, ich musste das jetzt für diese Woche lesen.

00:31:54: Ich hatte nicht viel Zeit, weil es hat irgendwie über drei Hundert Seiten und ich dachte echt so okay, jetzt jeden Tag da wieder so viele Lesen hoffentlich... Also ich habe das vor allem als Aufgabe begriffen quasi hoffentlich schaffe ich das gut unterzubringen.

00:32:07: und dann war's aber so dass ich am ersten Tag quasi schon fast zweihundert Seiten gelesen hab und dass sich dann einfach gar nicht woanders mehr hin wollte.

00:32:15: Das habe ich nicht so oft mehr.

00:32:19: Einfach, das ist ein wahnsinnig zärtliches Buch.

00:32:22: Das ist extrem schön und es ist so ein Buch wo man, dass man liest und das möchte man ganz vielen Leuten direkt in die Hand drücken.

00:32:27: Ähm, auch den Leuten die jetzt nicht so wie wir so extreme Literatur drin sind.

00:32:32: Aber wo man weiß, die können auch mein schönes Buch lesen weißt du?

00:32:35: Ja mir wurde das auch empfohlen.

00:32:36: und lustig weil ja in unserem Familien Chat

00:32:39: hat

00:32:40: meine Mama gesagt guckt mal dass ist doch ein schönes buch lest das doch mal und dann meint ich so naja du das äh das trifft sich ja perfekt.

00:32:48: ähm ich lese es nicht selber

00:32:52: aber es ist aber so.

00:32:55: Das ist so wie Bücher, wie Schick zum Beispiel damals oder so.

00:33:00: Da können sich dann plötzlich ganz viele Leute drauf einigen... Gesprächsopener

00:33:05: hatten wir doch letzte Woche?

00:33:06: Gesprächsobner und einfach ein fantastisches Buch!

00:33:11: Was

00:33:12: vom Tage übrig

00:33:13: blieb?!

00:33:15: Ja lieber Josef nächste Woche am ersten und zweiten Neunten is in Leipzig anlässlich des fünfundachtzigsten Geburtstags von Wolfgang Hilwig ein literaturwissenschaftlich botanisches Kolokwium.

00:33:26: Ich halte da auch einen Vortrag über eine ganz tolle Erzählung aus dem Nachlass von Hilbig.

00:33:30: Und das Schöne ist, alle die gerade zuhören und auch alle nicht zu hören – und dass dementsprechend dann aber nicht gehört haben!

00:33:36: Ihr könnt die Veranstaltung auch besuchen.

00:33:38: Ihr müsst euch nur vorher anmelden.

00:33:39: Die Mail-Adresse haben wir in die Folgenbeschreibung gepackt.

00:33:43: Wir schauen uns das Leben und schreiben dieses Autos jetzt mal ein bisschen genauer an damit dann alle mit so großer Lust wie ich in dieses Colloquium reinstarten können.

00:33:51: Wir befinden uns also diesmal gleich um die Ecke im thüringischen Meuselwitz.

00:33:56: Da wird Hilbig am einund dreißigsten August geboren in eine Familie, die aus seiner Mutter und seinen Großeltern besteht.

00:34:02: Der Vater ist in Stalingrad und wird dort ein Jahr später auch als vermisst gemeldet.

00:34:07: Nach der Schule macht er als Jugendlicher eine Ausbildung zum Bohrwerkstreher – da konnte ich mir persönlich jetzt nichts darunter vorstellen und habe das nochmal nachgeschaut!

00:34:15: Da bedient und steuert man sehr große Bohrwerke, die horizontal bohren.

00:34:19: Das scheint wichtig zu sein also nicht nach unten sondern quasi nach links oder rechts vor allem in riesige Metallteile.

00:34:27: Irgendwie fand ich das auch interessant, weil es ist so eine grobe Arbeit aber du musst das ganz fein justieren, weil du bohst quasi in Metallteilen um das irgendwie zusammenzufügen.

00:34:36: am Ende und irgendwie fand ich dass bezeichnend für jemanden der dann ein sehr erfolgreicher Schriftsteller sein wird diese Arbeit zu tun.

00:34:45: er leistet übrigens auch seinen Wehrdienst und ist danach eben mit diesen Fähigkeiten erst mal im Braunkohletagebau tätig.

00:34:51: Da gibt es ja auch eine Menge große Maschinen.

00:34:55: Nun muss man über die DDR wissen, dass man dort wenn man geschrieben hat in den Zirkelschreibende Arbeiter kommen konnte.

00:35:00: Das bedeutete einerseits Austausch-und Vernetzung, das bedeutet aber auch Kontrolle.

00:35:05: Das passiert dann hilbig auch der newtonsamtsechzig nach Leipzig in einen solchen Zirkle kommt und nach einem Jahr direkt wieder raus ist weil seine eher düsteren und symbolistischen Gedichte dort keiner kapiert hat.

00:35:17: Und es passte halt auch einfach nicht in das optimistische Bild einer anpackenden und zuversichtlichen Arbeiterlürik, also die Idee war ja auch dass die Lyrik dann relativ im Gleichklang genauso wie die Gesellschaft voranschreitet.

00:35:30: da war Hilbig dann so ein bisschen fehl am Platz.

00:35:33: er hatte ja schon in seiner Jugend zu schreiben begonnen und schrieb dann, weil er ja die ganze Zeit gearbeitet hat auch schon sehr sehr früh immer heimlich in der Nacht.

00:35:42: Also arbeitete er tagsüber in Fabriken, auf dem Tagebau später auch als Heizer und in den Pausen nach Schichtänder hat er dann geschrieben.

00:35:50: Es ist jetzt eben gar nicht so lustig gewesen wie es jetzt klang weil dass seine Texte irgendwie nicht da reingepasst haben.

00:35:57: das war jetzt keine... Das war jetzt nicht einfach nur schade sondern er war einfach zum Störenfried erklärt worden.

00:36:04: Als Fabrikarbeiter und Heizer ist er ja an der Theorie das perfekte Covergirl für den Sozialismus gewesen.

00:36:09: Aber in seinen Texten feierte er den Staat nicht ab, sondern schrieb von der Zerstörung seiner Lebenslandschaft.

00:36:15: Der emotionalen und intellektuellen Entfremdung, der Umweltverschmutzung – da war er ja auch durch seinen Job super nah dran die ganze Zeit!

00:36:23: Und einfach insgesamt düsteren Alltag im Mitteldeutschen Braunkohlerevier... Also man kann sich das vorstellen….

00:36:30: Da werden ganzer Landstriche einfach abgebaggert, Kindheitslandschaften verschwinden, Lebenslandsschaften verschwindet zurückbleiben brachen, vergiftete Lebensräume, vollgelaufene Grubenlöcher die noch nichts von unseren heutigen Baggaseen haben und ganz wilde Müll kippen.

00:36:48: Und während die Altstadt in Mäuselwitz verfällt schießen statt dessen Plattenbauten hoch.

00:36:52: auch das kennen wir aus vielen kleineren und größeren Städten der DDR.

00:36:57: Was hilf ich darüber zu sagen hatte sowohl in Gedichten als auch in Erzählungen galt als Systemkritik.

00:37:05: Er hat dann seine Gedichte in die BAD geschmuggelt, wo sie bei Fischer veröffentlicht wurden.

00:37:10: Ein schweres politisches Vergehen das da lautete publizieren im klassenfeindlichen Ausland ohne staatliche Genehmigung samt Zoll verstößen und die Stasi hat ihn quasi auch überwacht weil er sich eben wieder anpassen wollte noch ins System treue Kultur in den systemtreuen Kulturbetrieb irgendwie einbinden ließ.

00:37:31: Er hat sich dann Ende der Siebziger als Schriftsteller selbstständig gemacht und es war ein relativ unbeständiges Leben.

00:37:36: Er wohnte mal in Leipzig, mal in Ostberlin, mal im Meuselwitz.

00:37:40: Dann fiel die DDR mit einem Reisevisum verlassen und landete nach Stationen in Hanau und Nürnberg in Edenkoben.

00:37:48: Das kennt man auch wenn man mit der Tourbetrieb unterwegs ist – da gibt's eine Residenz aus Eden-Koben.

00:37:53: Anfang der Neunziger ging es zurück nach Berlin.

00:37:56: Er schrieb seine großen Romane und Erzählungen, also die alte Abdeckerei, Kunde von den Bäumen.

00:38:01: Die Arbeit an den Öfen und viele, viele mehr.

00:38:04: Und das Thema seiner Arbeiten blieb eben auch über die Wände hinaus – die Doppelexistenz als Arbeiter- und Schriftsteller in der DDR.

00:38:11: Die Suche nach Individualität und auch die veränderten, entstellten Landschaften um ihn herum waren immer Thema.

00:38:19: Es gibt übrigens eine ganz großartige Besprechung seines Romans alte Abdeckerei bei unseren Kollegen Ralf Schönfelder und Mario Osterland vom Podcast Blaubert & Ginzter.

00:38:30: Ich weiß nicht, du kennst das vielleicht auch wenn wir manchmal hier sprechen und vor allem wirklich in die Tiefe gehen bei einem Text dass man das Gefühl hat ja man kennt das Buch dann irgendwie auch weil viele Stellen vorgelesen werden Zwei Leute sich so tiefgehend darüber unterhalten, das ist in diesem Podcast Blaubart und Ginzer der Fall.

00:38:50: Und diese Folge ist wirklich wunderbar schön!

00:38:53: Ich habe es auch mal in der Folgenbeschreibung verlinkt.

00:38:56: In einer unserer kommenden Folgen erzähle ich auch noch einmal ganz ausführlich von meiner Lieblingserzählung aus Hilbichs Nachlass, die diesen Gebündel im Postum in Leipzig veröffentlicht worden sind.

00:39:10: Ja, vielleicht eine letzte Bemerkung noch zu Wolfgang Hilbichs Leben.

00:39:14: Er war fast zwei Jahrzehnte mit der Schriftstellerin Natascha Buddin zusammen Und nachdem sie in Westdeutschland nämlich einer seiner Gedichtbände gekauft hatte und quasi wie vom Donner gerührt war, hat sie versucht ihn zu kontaktieren.

00:39:25: Sie haben sich dann am Nürnberger Hauptbahnhof getroffen.

00:39:28: Weißt du ich liebe dieses kleine Detail?

00:39:30: Weil immer wenn ich am Nörnberg-Hauptbahnhof bin denke ich immer nur so...

00:39:34: Wo haben die dich

00:39:35: getroffen?!

00:39:38: An diesem Ort mit einem neuen Wissen zu gehen.

00:39:39: da hat man wirklich eine Art Geistererscheinung vor sich.

00:39:45: Die haben sich direkt total verbunden gefühlt, die waren beide auf ihre Weise beschädigt.

00:39:49: Sie als Tochter osteuropäischer Zwangsarbeiter in Flüchtlingslagern aufgewachsen eher als ausgestoßender DDR-Schriftsteller.

00:39:56: Der war ja auch... es gab eine extreme Limitation überall für Hilbig.

00:40:00: im Westen war er der DDR Schriftstelle und in der DDR war er da Klassenfeind, der eben überhaupt nicht für die DDR stand.

00:40:07: Und das so zu kombinieren in der Außenwahrnehmung was das für ne Zarissenheit mit sich gebracht hat.

00:40:12: Das hat ihn schon sehr geprägt und deswegen hatten sie in ihren Schwierigkeiten an diesen Kontakt.

00:40:20: Diese Beziehung soll auch nicht einfach gewesen sein, das möchte ich jetzt aber gar nicht vertiefen.

00:40:24: Es hat aber auch Eingang in ihr Schreiben gefunden und das wiederum soll nicht unerwähnt bleiben.

00:40:29: In dem Buch des Provisorium geht es um Alkoholsucht- und Bindungsängste.

00:40:34: da hat Hilbig diese Beziehungen verarbeitet Und in Nachtgeschwister, dass er erst nach seinem Tod erschien und von Natascha Wodin geschrieben wurde.

00:40:44: Das ist eine Art Antwort auf dieses Buch was er da zuerst geschrieben hat.

00:40:48: und das Buch von ihr chanchiert zwischen Abrechnung und Liebeserklärung.

00:40:54: Um zwei tausend sieben war es, da ist Wolfgang Hilbig an Krebs gestorben.

00:40:58: Dieses Buch ist zwei Jahre später erschienen immer noch weiter und wieder entdeckt und ausgedeutet wird.

00:41:10: Also irgendwie kommt die ganze Rezeption um ihn zum Glück noch nicht zur Ruhe, es werden immer noch Aspekte seines Werkes bearbeitet – so ist das eben auch in Leipzig nächste Woche!

00:41:21: Es wird um ökologische Reflexionen in seinem Schreiben gehen und darum diese Naturbeschreibung, die sein Werk durchziehen, auch mal abseits aller Metaphorik- und Allegorien zu lesen.

00:41:31: Da freue ich mich persönlich sehr darauf, du kannst es dir vorstellen, dass genau mein Thema Und vielleicht sehe ich ja auch den einen oder die andere von euch dort.

00:41:38: Bis dahin würde ich sagen, stoßen wir an auf Wolfgang Hilbig und reden einfach noch mal ein bisschen drüber wenn es sich wieder ergibt.

00:41:46: Josef!

00:41:46: Wir sehen uns nächste Woche wieder – bis dahin wünsche ich dir eine schöne Zeit!

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