Glamour and Pain

Shownotes

Welche Schriftstellerin muss hierzulande neu entdeckt werden, auch wenn es schmerzhaft ist? Wer prägte die Strandlektüre wie keine andere? Und was soll man lesen, wenn man sich unsterblich ins Trampolinspringen verliebt hat? Wir reden drüber. Es geht um Caroline Blackwoods‘ „Das Schicksal der Mary Rose“, die Booker-Shortlist und einen KI-Skandal. Und wir erinnern an Jackie Collins und ihre legendären Legal Pads.

Bücher Caroline Blackwood, „Das Schicksal von Mary Rose“ (übers.: Claudia Voit, Insel)

Sonstiges Die FAZ, unter: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/literatur/was-in-thelyson-oreliens-ki-verdaechtigem-roman-wirklich-drinsteht-accg-201268620.html

Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

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Transkript anzeigen

00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse.

00:00:07: Mit Lin Pinedope Miklitz und Josef Braun.

00:00:23: Hallo Joseph schön dich zu sehen!

00:00:25: Hallo Lin, schön dich zusehen.

00:00:26: Weißt du eigentlich warum Du quasi dafür verantwortlich bist ob mir die Schulter wehtut oder nicht?

00:00:32: Pass auf weil Du immer so viel Bücher erschleppen musst

00:00:34: Könnte man meinen aber nein Denn ich habe eine ganz weirde Routine entwickelt Aber bei uns in der Nähe gibt es keine Altglaskontäne.

00:00:42: Das heißt, immer wenn wir uns sehen zum Aufnehmen, nehme ich die halt mit.

00:00:46: Und dann schleppe ich mich immer ganz schön ab, weil wenn wir es damals bei Wochen oder so nicht sehen oder länger noch zu der Zeit als du im Urlaub warst, dann habe ich immer richtig viel zu tragen.

00:00:55: und da musste ich heute dran denken, weil ich heute in den sauren Apfel gebissen hab und gesagt hab, ich mache das jetzt bevor's noch mehr wird.

00:01:01: Jetzt hoffe ich finde ich wieder eine Wochenroutine damit dass alles nicht so mühselig

00:01:05: ist.".

00:01:10: Im Vulkan So, aber jetzt werden wir mal inhaltlich.

00:01:13: Wir hatten nämlich letzte Woche von dir drei Bücher von der Shortlist des Booker-Prices vorgestellt bekommen.

00:01:19: Wir sind nämlich wie immer sehr gespannt was da ausgezeichnet wird und die anderen drei Titel habe ich noch mitgebracht.

00:01:26: ganz spannend finde ich.

00:01:27: May We Feed the King von Rebecca Perry.

00:01:30: Der Roman ist ihr erster also auch das schonmal etwas besonderes mit einem Debüt dort draufzustehen.

00:01:34: sie ist aber schon preisgekrönte.

00:01:36: Lyrica Rinne hat vorher schon Bücher veröffentlicht dir vielleicht auch noch mal bekannter als mir, weil sie gebürtige Londonerin ist und kreatives Schreiben an der University of Manchester studiert hat.

00:01:48: Bevor sie eben angefangen hat pro Satz zu schreiben, hat sie zwei Gedichtbände veröffentlicht und sie hat ein Essay-Memoire geschrieben – und zwar über's Trampolin springen!

00:01:59: Ach du, die Büchelgeste...

00:02:00: Finde ich.

00:02:01: on trampolining….

00:02:02: Ich wusste nicht, dass

00:02:02: es….

00:02:03: On trampoligning?

00:02:04: Sie hatten mich als Kind an nationalem und internationalem Wettkämpfen Auf dem Trampolin-Teil.

00:02:09: Hättest

00:02:09: du das gewusst, dass es die gibt?

00:02:11: Nö!

00:02:11: Das hätte ich nicht gewusst.

00:02:13: Also Trampolinspringen verbinde ich immer nur mit Blasenschwäche und gebrochenen Armen bei Kindern.

00:02:19: Echt?!

00:02:20: Ich verbinde das immer mit Strand irgendwie weil da gibts auch immer diesen großen... Wo

00:02:25: gehst du zum Strand?

00:02:26: Ein so Strandpromenaden ist das ein volles Ding.

00:02:29: Das ist dann mit Seilen, an denen man festgemacht ist und da wird man ewig in die Höhe gezogen und wieder runter.

00:02:36: Also ich denke eher an so das runtergeranzte Gartentrampolin hinterm Haus.

00:02:42: auf jeden Fall hat sie das professionell gemacht Und ich hoffe auch, dass dieses Buch mal noch übersetzt wird.

00:02:47: Ich glaube das könnte uns gefallen.

00:02:49: da geht es ganz viel um Körper und Leistungssport und ist bestimmt auch für alle interessant die Routinen von Sonne Lewandowski machen.

00:02:56: Und ja weg von diesem Bruch weil darum geht's ja eigentlich gar nicht.

00:02:59: wir wollten ja über Maybe Feed the King.

00:03:01: So ich dachte jetzt okay du warst nochmal kurz beim Trampolinbruch.

00:03:03: Ja ich war nochmal kurz bei Trampolin.

00:03:05: Weil die Könige hatten mit Sporten nicht soviel?

00:03:08: Nee also das war alles zum Trampoline-Buch.

00:03:10: diese kleine Exkursion habe ich mir erlaubt.

00:03:13: Total spannend finde und du weißt ich habe diesen Memoir Essay Fable.

00:03:19: Aber ihr Roman Maybe Feed the King klingt auch total interessant, der ist bereits ausgezeichnet mit dem Waterstones Debut Fiction Prize Und ursprünglich waren beide Strenge im Roman als individuelle Erzählungen konzipiert.

00:03:35: und während sie an diesen Erzählungen arbeitete, ging ja auf dass diese Geschichte einerseits um einen fast vergessenen König und andererseits um eine Museumskuratorin irgendwie zusammenhängen.

00:03:45: Und darin liegt auch so der erzählerische Kniff des Buches, dass sie übrigens leider eigenen Aussagen in der Badewanne geschrieben hat im Gesellschaft ihrer Katze und einer Menge Snacks.

00:03:54: Also das habe ich auch noch nicht gehört.

00:03:55: Ich kenne ja viele die am Küchentisch schreiben aber... Das hätte

00:03:58: ich so richtig Bock, die mal zu interviewen für ihre Trampolin-Vergangenheit.

00:04:02: dann zu ihren Schreibproteinen an der Baderwanne.

00:04:04: Es

00:04:05: wirkt alles irgendwie fancy!

00:04:06: Hast du schon mal eine Badewanne geschrieben?

00:04:08: Nein, auch nicht im Bett.

00:04:11: Ich mag meine Schreibtisch.

00:04:12: Ja, ich bin da auch eher klassisch unterwegs und ich find Baden irgendwie überbewertet.

00:04:16: aber gut, ich schweife schon wieder ab.

00:04:17: also Sie sitzt in der Wand und schreibt diesen Roman.

00:04:24: Der eine Handlungsstrang den sie einfließen lässt ist die Kuratoren, die ich erwähnt habe.

00:04:28: Die arbeitet in einem historischen Palast und dekoriert diese Räume damit die Geschichte dort lebendig wird Und flüchtet dabei aus ihrem eigenen Leben auch so'n bisschen in die Vergangenheit.

00:04:38: In dieser Vergangenkeit kommen wir zum anderen Strang ist ein mittelalterlicher Herrscher nach dem unawarteten Tod seiner älteren Brüder ganz überraschend auf den Thron gekommen und erstrauchelt mit den Erwartungen an seine Rolle.

00:04:49: Und am Hof werden die üblichen Intrigen

00:04:51: geschmiedet.".

00:04:52: Ja, diese Ebenen verschwimmen irgendwie immer mehr und das stelle ich mir sehr, sehr spannend vor.

00:04:57: So viel mal dazu.

00:04:58: kommen wir zum nächsten Roman Elizabeth Stroud The Thing We Never Say.

00:05:03: Da geht es um den siebenundfünfzigjährigen Geschichtslehrer Arty Dam oder Damm, dessen Leben an der Küche von Massachusetts... Also alle diese Worte sind ja mal wirklich die absoluten Zungenbrecher.

00:05:16: Also das ist ein bisschen wie Regisseur.

00:05:18: kennst du das?

00:05:18: Das konnte ich ganz lange nicht aussprechen weil ich immer Regisseure gesagt habe.

00:05:22: Ich wusste nie, Josef guckt mich so anders auf mich.

00:05:25: Ja Regisseursurg ging's mir nicht so aber bei diesen ganzen amerikanischen Städtenamen gibt´s mir total so, ja?

00:05:30: Es ist

00:05:30: Wahnsinn!

00:05:30: Okay, aber ich hab mich durchgekämpft.

00:05:34: Das Leben dieses Protagonisten ist also von einer tiefen Einsamkeit und verdrängten Konflikten durchzogen.

00:05:39: Und irgendwie haben wir diese ganze Beschreibung so ein paar ungute Vibes gegeben, weil vor allem alle Probleme erst mal daher kommen, dass niemand miteinander spricht!

00:05:48: Und da bin ich immer schon so ein bisschen skeptisch, weil ich denke das ist irgendwie zu einfach.

00:05:51: Auch wenn ich weiß dass die Lebensrealität vieler Leute davon geprägt ist.

00:05:54: aber nach außen führt Arty ein ganz normales unauffälliges Leben mit netten Nachbarn seiner Arbeit.

00:06:00: Ganz normale Leben mit Wochenendausflügen auf dem Segelboot also wie viele Leute das normal ist sei mal dahingestellt.

00:06:08: aber im Inneren ist er stark isoliert.

00:06:10: Er fühlt sich von der modernen Welt überfordert und hat insgeheime Suizidgedanken zu kämpfen.

00:06:15: Und auch die Ehe mit seiner Frau Evie ist von emotionaler Distanz geprägt, ich find's um ihn sehr süß dass die RT und Evie heißen.

00:06:23: Zudem leidet die Familie seit zehn Jahren an einem schweren Trauma weil der Sohn Rob hatte einen Autounfall bei dem dessen Freundin ums Leben kam was Rob seither völlig in sich selbst zurückgezogen hat.

00:06:36: das is kein Satz aber ihr wisst was ich meine.

00:06:40: Auch da merkt man wieder, da wird halt nicht drüber gesprochen und deswegen ist das auch zehn Jahre lang derartig schrecklich.

00:06:46: Was jetzt nicht heißen soll dass man damit irgendwie fertig wird.

00:06:49: aber ja also... Das ist auf jeden Fall auch zehn jahre später noch ein ganz entscheidendes Thema.

00:06:54: und dann kommt ein großer Turn die Nahtoderfahrung wegen der Artie dann endlich mal aus seinem Trott kommt denn bei seinem Segelausflug ertringt er beinahe und merkt dann Probleme kann man ja lösen, wenn man drüber redet.

00:07:06: Aber so einfach ist es dann nämlich doch nicht, weil da gibt's noch ein schlimmes Familiengeheimnis, das wieder alles ins Wanken

00:07:12: bringt.".

00:07:12: Es geht also vorrangig in dem Buch darum wie nahe man Menschen sein kann ohne sie zu kennen.

00:07:17: Es geht um spezifisch männliche Einsamkeit und sowas.

00:07:19: Stand auf Obamas Leseliste – ich glaub, Opera fand auch richtig toll!

00:07:23: Und erscheint im Februar nächstes Jahr auf Deutsch bei Luchterhand.

00:07:26: Und aufpassen, die Bücher heißen alle relativ ähnlich und es gibt schon ein Deutsches von der Autorin.

00:07:31: das heißt wir sagen uns alles oder so ähnlich.

00:07:35: und da war ich erst mal kurz verwirrt weil manchmal ist ja in der deutschen Übersetzung auch bisschen Freiheit gestattet aber das ist es nicht!

00:07:41: Es kommt erst noch.

00:07:44: Vielleicht habe man das jetzt schon gemerkt?

00:07:46: Ich bin irgendwie nicht so huckt... von diesen Themen.

00:07:48: Aber falls ihr das Buch schon im Original gelesen habt, schreibt gerne mal wie ihr es fandet und lasst euch von meiner Neugelei auch nicht aufhalten!

00:07:54: Die Autorin ist mehrfach ausgezeichnet unter anderem mit dem Pulitzerpreis und das will echt was heißen.

00:08:00: Außerdem haben sich alle ihre Romane wahnsinnig gut verkauft.

00:08:02: Das ist also ein bestimmtes tolles Buch.

00:08:05: Und last one is John of John – wieso habe ich das gereimt?

00:08:09: Das war glaube ich aus Versehen.

00:08:12: Der beste Titel übrigens finde Ebenfalls von einem bereits mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Autor, nämlich Douglas Stuart.

00:08:21: Und dieses Buch handelt vom zwanzig Jahre alten Cal, der nach einer Zeit in Edinburgh und Glasgow in seine rauhschottische Heimat auf den äußeren Hybriden zurückkehrt.

00:08:30: Das ist ja so eine Landschaft, die finde ich total toll!

00:08:32: Da gibt es vor allem Wiese und Wind... Und Wasser.

00:08:36: Wenn ich's glaube, diese herangehen zweiselst du auch toll gefunden?

00:08:38: Weil der Autor ist nämlich wirklich da einfach hingezogen und hat dann monatelang da gearbeitet und gelebt mit den Leuten und mit dem Leuten auch geredet über ihre Erfahrung in der Natur und in der Landschaft und dann dieses Buch dort geschrieben.

00:08:50: Das finde ich wirklich toll weil ich glaube das sind auch Dinge die man teilweise nicht unbedingt nach recherchieren kann

00:08:55: Weißt du?

00:08:55: Ja total.

00:08:56: Also wenn die Landschaft eine Rolle spielen soll, dann musst du sie irgendwie erfahren richtig

00:09:01: Sein Vater John, also Kells.

00:09:03: Vater John ist ein streng gläubiger Leienprediger Schafzüchter und Tweetweber was ich irgendwie auch sehr klassisch fand.

00:09:09: Und er hat Kerl nach Hause beordert damit sich beide um die pflegebedürftige Großmutter Ella kümmern.

00:09:15: Ich fand das Klang schon mal sehr erfrischend.

00:09:17: aber es gibt ein Problem denn Kerl kommt ja aus der Großstadt zurück und konnte bis dahin dort seine Homosexualität frei ausleben trifft aber nun auf eine Karge von Schweigen Armut und religiöser, streng geprägte Inselgemeinschaft.

00:09:31: Vater und Sohn stehen sich zwar sehr nahe verbergen aber gegenseitig voreinander ihre Homosexualität was auch eine sehr spannende Gemengelage ist.

00:09:40: Es ist so ein schmerzhafter Diebdive in familiäre Scham unterdrückte Sehensüchte Generationskonflikte Und natürlich die Frage nach Zugehörigkeit vor allem in restriktiven Gesellschaften.

00:09:50: Ich mag aber dieses Schachtelprinzip weil wir haben einmal die Insel die an sich schon abgeschottet ist Wir haben den Kerl, der von außen wieder reinkommt und sich mit seinem Vater gut versteht.

00:09:59: Aber trotzdem auch nicht vor ihm alles preisgibt.

00:10:03: Und genau diese verschiedenen Schachteln an Abschottung und Abgrenzung finde ich hier sehr interessant.

00:10:09: Am neunten November wird der Preis verliehen.

00:10:11: wir geben natürlich Bescheid wer dann die Auszeichnung erhält.

00:10:15: Jetzt kommen wir zu einem handfesten Skandal Der an mir total vorbei gegangen ist Josef Vielleicht hast du es mitbekommen dem heitianisch-kanadischen Schriftsteller Télesan Aurillon wird vorgeworfen, sein Bestseller de Bue Romain dessen französischen Titel ich euch jetzt erspare fast vollständig mithilfe von KI verfasst zu haben.

00:10:33: Davon schon gehört?

00:10:34: Ich war ja in Frankreich deswegen waren die Titelzeiten tatsächlich voll davon.

00:10:38: Alle voll davon und es entwickelt sich natürlich immer so ein bisschen weiter.

00:10:42: aber stand jetzt Oder ist der, dass er in Folge der Vorwürfe zum Beispiel von der Auswahllüste des renommierten französischen Literaturpreises Prig & Co.

00:10:52: gestrichen wurde?

00:10:54: Und das Ganze ist so gekommen!

00:10:55: Gehen wir nochmal ein paar Schritte zurück... Also wenige Stunden nach dem Aurélion einen anderen Preis für sein Buch gewonnen hatte hat ein anonymer Account auf X die Vorwürfe erhoben, über die wir jetzt sprechen.

00:11:09: und hinter dem Account steckt wie sich später herausstellt ein Kolumnist der konservativen Zeitung Le Figaro.

00:11:15: Und mit Hilfe einer KI-Erkennungssoftware soll der eben nachgewiesen haben dass bis zu siebenundneinzig Prozent des Textes maschinell generiert worden sind.

00:11:25: Sprachexperten und Kritiker weisen in der Folge eben darauf hin, dass der Roman auffällige sprachliche Monotonin hat.

00:11:32: Repetitive rhetorische Dreischritte benutzt und sie finden auch die flachen schablonenhaften Charaktere auffählig und verbinden das halt mit so einer typischen KI-Prosa.

00:11:43: Ja, und im Zuge dieser Debatte untersuchten JournalistInnen dann auch ältere journalistische Arbeiten- und Kurzgeschichten des Autors aus den Jahren zwei Tausend zwölf und zweitausend dreizehn.

00:11:53: Und haben dabei offensichtlich festgestellt dass mehrere Textpassagen von anderen Autorinnen kopiert worden seien sollen.

00:12:02: also hier geht es jetzt plötzlich auch noch um Plagiatvorwürfe.

00:12:05: so Jetzt habe ich mich gefragt was steht denn jetzt aber eigentlich in dem Buch drin?

00:12:09: erzählt wird da eine Flüchtlingsgeschichte die im Großen und Ganzen so ein Plädoyer für den humanen Umgang mit Migranten ist.

00:12:16: Und in der FAZ gibt es da einen Tickel zum Thema, den haben wir auch in der Folgenbeschreibung verlinkt.

00:12:21: Da wird ehrlicherweise kein gutes Haar an dem Roman gelassen.

00:12:24: Das hat jetzt mit KI erst mal weniger zu tun, denn die Frage ist auch so ein bisschen ... Was macht diesen Text eigentlich aus?

00:12:33: Die zweite Frage ist dann erst die KI-Frage.

00:12:36: Er analysiert... ein bisschen den Text auch auf den Vorwurf hin, dass der so steif und mechanisch wirkt.

00:12:46: Es wird ganz viel... Das hatte ich schon erwähnt in drei Schritten geschrieben.

00:12:49: Ich will das noch mal konkreter machen weil ich das ziemlich interessant finde.

00:12:52: es gibt also zum Beispiel drei Satzteile, drei Halbsätze, drei Eigenschaften.

00:12:55: Das alles ist immer sehr auffällig.

00:13:01: Im Artikel gibt es auch Zitate, dann versteht man das besser.

00:13:03: Aber ich mache jetzt mal ein Beispiel.

00:13:05: Das ist in etwa so wie wenn ich sage mein Name ist Gimli, Sohn des Gläuen vom Volke Durins.

00:13:10: Ich mochte Bier, Fleisch und Äxte Okay?

00:13:12: Und nur noch ein bisschen ausformulierter und über den ganzen Text.

00:13:17: Da wird's jetzt auch interessant denn diese Form der Gliederung ist auch ein Merkmal mündlicher Erzähltraditionen.

00:13:23: Texte diese mündlich weitergegeben werden, die müssen leicht einprägsam sein.

00:13:28: Das heißt Dreierschritte sind immer ein gutes Merkgerüst um sich in dem Text voran zu hangeln und das sagt eben auch der Autor, der das alles bestreitet.

00:13:37: er argumentiert dass die Rhythmen und die Bildsprache des Buches auf seiner persönlichen heitianischen und karibischen Erzähltradition beruhen und ich finde da schwingt schon interessanter Fakt mit weil wir schon eher dazu neigen diese müntlichen Erzähletraditionen abzuwerten Und das ist definitiv nicht von der Hand zu weisen, jetzt mal unabhängig auch von diesem konkreten Fall.

00:13:59: Er sagt außerdem, der Angriff ist rassistisch motiviert, es ist ein Buch über eine Flüchtlingsgeschichte und der Vorwurf kommt ja auch aus einem eher konservativen Lager.

00:14:10: Sein französischer Verlag... Grassei habe ich übrigens jetzt gelernt ne?

00:14:15: Ich hab' das Thema mitgesprochen!

00:14:16: Was sagt mein Frankreich-Experte gegenüber?

00:14:18: Klingt besser!

00:14:19: Grassee?!

00:14:23: Also Grassee hat ihn verteidigt und gab auch an, dass er bereits vor dem Durchbruch moderner generativer KI in diesem Text geschrieben habe.

00:14:33: Es gab allerdings wieder hohen Untersuchungen an Texten aus der Zeit vor KI bei denen das Programm dann nicht angeschlagen hat.

00:14:40: also es ist so ein bisschen undurchsichtig finde ich was man jetzt davon zu halten hatte.

00:14:44: Das ist ein sehr interessanter Fall!

00:14:45: Ich bin gespannt wie das ausgeht Und ich glaube, das ist auch etwas womit wir uns ja noch öfter beschäftigen werden.

00:14:51: Genauso wie jetzt KI auch öfter verklagt wurde weil es einfach geschützte Inhalte eins zu eins wiedergegeben hat oder im Bücher nachgeschrieben hat die dann von Original nicht mehr zu unterscheiden waren.

00:15:03: da wird es Grundsatzentscheidungen geben und das sollten wir im Blick behalten.

00:15:06: Na ja zumal ja dann eine Software entscheidet ob's ein Mensch geschrieben hat.

00:15:10: Da ist ja trotzdem egal, wie gut die gefüttert ist.

00:15:13: natürlich kann sie wahrscheinlich dann viel und natürlich kann das als Ansatzpunkt so gelten.

00:15:17: aber es ist trotzdem auch schon wieder in sich eine Schwierigkeit in der ganzen Herangehensweise.

00:15:23: interessant mal gucken was am Ende rauskommt.

00:15:26: meiner Erfahrung nach ist es ja so dass meistens an den Vorwurfen irgendwas dran ist also vor allem wenn da noch weiter recherchiert wird usw.

00:15:35: Aber gerade so dieses Feld von Debatten darüber ist auch einfach ein sehr, sehr gefährliches und schwieriges Feld dann die dann entstehen.

00:15:44: Wenn da noch so Sachen wie Rassismusvorwürfe ins Spiel kommen und quasi es gab ja diesen Fall ich weiß nicht ob du den mitbekommen hast von diesem Cambridge Professor.

00:15:55: Genau an denen habe

00:15:56: ich grade auch gedacht

00:15:57: der ja auch offensichtlich nichts sauber immer gearbeitet hat Und gleichzeitig aber auch von seiner Universität Cambridge als quasi Vorzeige.

00:16:08: Wie soll man das nennen?

00:16:10: Als Vorzeigemensch genommen wurde, als Vorzeiger POC Person of Color für das Image der Universität und immer ins Rampenlicht von der Universitet geschoben wurde.

00:16:24: Kulturellen Kommentatoren von rechts so an ihm abgearbeitet und wurde der Druck auf ihn so groß, dass er irgendwann dann halt ein paar Tage später tot in seiner Wohnung gefunden wurde.

00:16:33: Und man einfach so dieses Entsetzen hatte irgendwie von Ja da gab es diese Vorwürfe ja die waren auch berechtigt.

00:16:39: ja die Universität hat den nach vorne geschoben und hätte lieber mal sozusagen drauf gucken sollen wie arbeitet der?

00:16:47: ihm selber irgendwie, also schauen einfach wie man damit gut umgeht.

00:16:51: Und gleichzeitig ist es aber so was eskaliert auch so schnell und verlässt zu jedem Rahmen so ne?

00:16:57: Am Ende wär's halt so.

00:16:58: selbst wenns so isst dann hat er halt ein Buch geschrieben mit einer KI und dann wird sie entdeckt und kann halt keinen Preis mehr damit gewinnen und wahrscheinlich hatt´s dann nicht mehr so viel Leserschaft oder Leserumschaft.

00:17:07: Ja und gleichzeitig wie du sagst dass das dann so escaliert das hat dann halt oft diese rassistischen Beweggründe verlässt es diesen akademischen Rahmen, indem man so was natürlich betrachten muss und dem sowas offen gelegt werden muss.

00:17:22: Also ist auf jeden Fall erschreckend und ich hoffe irgendwie dass das hier nicht so eskaliert weil die einfach diese Personen um die es dann geht sind einfach nochmal ganz ganz anders unter Druck wie du schon gesagt hast weil sie eben auch oft vorgeschoben werden, um auch Institutionen irgendwie so eine Art.

00:17:40: Also Institution versuchen sich ja auch mit sowas zu profilieren und die sind dann aber nicht in der Verantwortung.

00:17:45: plötzlich wenn es an harte Fahrt kommt Die helle Kammer!

00:17:52: Linn wir wollen heute über ein Autor entsprechen wo man sagen kann die wird eigentlich gerade wieder neu entdeckt.

00:17:56: Es gab nämlich schon mal Übersetzungen von ihr Aber diese sind schon so viele Jahrzehnte zurück dass ich denke Wenn jetzt einen Verlag sagt In dem Fall der Inselverlag Wir bringen wieder ein Buch von dieser Autorin raus, dann können wir da von einer neuen Entdeckung sprechen für unseren Buchmarkt hier.

00:18:12: Und deswegen denke ich stellen mir die Autorinnen auch erst mal vor bevor wir über das Buch sprechen.

00:18:17: Es geht um Caroline Blackwood und das Buch heißt Das Schicksal von Mary Rose und ist jetzt gerade erschienen.

00:18:22: Und wir fangen mit der AutorIn an.

00:18:24: Am sechzehn Juli neunzen eintreißig wird Caroline BlackWood geboren in Nordirland In eine reiche Familie.

00:18:31: Ihr Vater Basil Ewa Blackwood stammt aus dem englischen Adel Und ihre Mutter Maureen Guinness aus der Dynastie, der Gleichnahme in Guinness Brauerei.

00:18:40: Und du kennst ja dieses Bier, ne?

00:18:43: Wahrscheinlich das Guinness-Bier... Also die haben so viel Geld!

00:18:46: Diese Familie... Das Wort gab ja auch neulich eine Serie über diese Familiendynastik.

00:18:51: quasi Ja.

00:18:54: sie ist auf jeden Fall mit sehr viel Geld aufgewachsen aber nicht sehr glücklich.

00:18:59: Ihre Eltern verbringen die Tage mit Spielen und Alkohol.

00:19:01: Sie selbst wird von Nennys großgezogen, die sie vernachlässigen.

00:19:04: Es gibt Geschichten... Also zum Beispiel eine Nennie erzählt der jungen Caroline immer Horrorgeschichten Und hat dann Spaß dran sozusagen das Kind fertig zu machen damit Andere Nennies geben ihr und den Geschwistern nichts zu essen.

00:19:16: Das ist so krass!

00:19:16: Die haben dann so Mangelernährungserscheinung.

00:19:18: Ich meine wenn man schon Geld dafür bekommt Gerade dank kann man sich doch also...

00:19:22: Das ist richtig krass, du hast ja diese Geschichten so extrem oft reichen Eltern, die sich nicht kümmern.

00:19:30: Und dann nennies sie das sozusagen ihre Macht ausüben gegenüber den Kindern.

00:19:34: Das ist so ein richtig perfides System und perfides Aufwachsen.

00:19:38: Nach der Schule geht Blackwood nicht aufs College sondern nach London direkt wo sie eine Anstellung als Journalistin findet.

00:19:46: da kann man sich irgendwie vorstellen dass da Kontakte durchaus geholfen haben.

00:19:50: So aus dem Nichts dort trifft sie den Malaluschen Freut und sie ist gerade achtzehn als die beiden heiraten.

00:19:55: Oh, Lucien freut es doch auch einer deiner Interessensgebiete.

00:19:59: Und unbedingt und ein Bild was er von ihr gemalt hat.

00:20:01: Girl in bed ist auch sozusagen eines meiner Lieblingsbilder nicht mehr so zu sagen.

00:20:05: Genau die Ehe hält aber nur drei Jahre von den beiden und in der Folge beginnt Blackwood zu trinken und hört nicht wieder auf damit.

00:20:12: also sie ist dann eine schwere Alkoholikerin relativ schnell und auch relativ lang bis ans Ende ihres Lebens.

00:20:18: erst mal zieht sich nach New York City und heiratet den Komponisten Israel Chitkovic Ich hoffe, ihr sprecht das richtig aus und von ihm bekommt sie drei Kinder.

00:20:26: Sie überlässt allerdings ihn sich um die Kinder zu kümmern...

00:20:29: Da werden natürlich Sachen reproduziert, die sie in ihrer Kindheit auch nicht anders kennengelernt

00:20:33: hat?

00:20:33: Unbedingt!

00:20:34: Und sie verbringt ihre Tage mit Schreiben und Trinken.

00:20:37: Dann verlässt sie ihn.

00:20:38: unter anderem ist sie so enttäuscht dass er nicht der nächste amerikanische Beethoven ist sondern nur so ein Komponist, der es irgendwie jetzt nicht soweit bringt wie sie sich das erwartet von ihm.

00:20:47: Sie zieht nach Los Angeles spielt in einer kleinen TV-Serie eine kleine Rolle beginnt einer Fähre mit dem Dichter Robert Lowell.

00:20:55: Sagt ihr dir was?

00:20:57: Nee, hab ich noch nie gehört.

00:20:58: Okay also mir sagt er nur vom Namen Wasser, aber ich habe jetzt auch von ihm noch nichts gelesen.

00:21:02: Was interessant ist das es eher zu der Zeit noch in der Ehe ist mit der Literaturkritikerin und Autorin Elisabeth Fahrtrick.

00:21:09: Und sie Blackwood wird schwanger von Lowell und dann verlässt er sie seine Frau und die beiden ziehen zusammen.

00:21:17: Genau man kann sagen in den Folgejahren richten Sie sich zugrunde mit immer härteren Sauf gelagen.

00:21:24: Also das geht teilweise nächtelang, tagelang dass sie beide trinken und am Ende ist Laura so verzweifelt und jetzt wird es wirklich der Terrarisch, dass er mit einem Taxi zu seiner Ex-Frau zurück will.

00:21:36: aber im Taxi eilt ihnen Herzanfall und er stirbt.

00:21:39: Oh mein Gott okay!

00:21:40: Ja krasse Geschichten.

00:21:42: Während dieser ganzen Zeit schreibt und veröffentlicht Blackwood ziemlich – das kannst du dir vielleicht vorstellen – düstere Bücher.

00:21:48: Ihr größter Erfolg damals ist das Buch Great Granny Rapstar Indem sie Kindheitserlebnisse verarbeitet und das wird auch für den Bookerpreis, da haben wir ihn wieder nominiert.

00:21:57: Starke Zeichne.

00:21:58: von ihrer Sucht kommt sie dann in den Folge ja nicht mehr so richtig auf die Beine.

00:22:01: Es folgen auch weitere sehr heftige Schicksalsschläge.

00:22:04: ihr Bruder stirbt an AIDS ihre älteste Tochter stirbt einer Heroin über Dosis Und Sie selbst bekommt Krebs bevor sie mit vierundsechzig dann im Mayfair Hotel in Manhattan New York stirbt.

00:22:14: Und Lin, ich weiß nicht wie es dir geht.

00:22:16: Aber ich muss dann bei dieser Biografie sehr oft an Edward St.

00:22:19: Orban denken... Genau!

00:22:20: An den habe ich gerade

00:22:21: auch gehört.

00:22:21: ...und diesen Fall und diese Patrick Marrows Reihe, also diese krasse Vernachlässigung von Kindern durch reiche Adelige Leute die da irgendwie auch so ein bisschen in ihrem Selbsttass und ihrem Inselstuösen wahrscheinlich auch wenn man sich den britischen Adel oder generell den Adel anguckt miteinander irgendwie so schweben und die Kinder, die einfach so krass leiden in ihrer Kindheit.

00:22:46: So wenn man sich diese Biografie anguckt – ich meine Edward St.

00:22:48: Orbin hat sich da ein bisschen von frei gemacht, er lebt ja noch und arbeitet aber dann hat das Gefühl es ist für diese Kinder unfassbar schwer irgendwie noch ein normales gutes Leben zu führen dahinzukommen.

00:23:01: Und dass hat man auch, wenn man sie diese Biographie anguckt, die natürlich extrem viele Bilder an Klemmer produziert hat.

00:23:08: Also Carolin Blackwood war sehr hübsch eine ganz lange Zeit, bevor sie sich sozusagen alkoholisch da so zugrunde gerichtet hat.

00:23:16: Es gibt unfassbar viele... Sie war auf diesen ganzen High Society Parties.

00:23:19: Wenn du sozusagen die Bilder siehst, würdest du sagen okay das ist das klamoröse beneidenswerte Leben mit Umgeben von Künstlern in großen Städten und so weiter, ne?

00:23:30: Dann guckst du diese Biografie an und sie ist einfach so die Kehr-Seite!

00:23:34: Ich

00:23:34: musste auch gerade an den Sohn vorn.

00:23:36: War das Cindy Crawford

00:23:37: denken?!

00:23:37: Der ist doch, das stand jetzt auch irgendwie, dass der verstorben ist.

00:23:41: Ich weiß nicht wie da die Familienverhältnisse waren und ich will keine Parallelen ziehen von kann ich einfach nicht beurteilen.

00:23:46: aber... Da merkt man natürlich auch erstens, das wissen wir alle schon, dass dieser Reichtum daran nichts ändert, dass diese Reichtung kein Garant für eine behütetes Aufwachsen in der emotionalen Hinsicht und was sich eben auch ganz interessant finde Wir haben es ja mit einer Intellektuellen zu tun Und das ist auch was, was dich nicht schützt.

00:24:06: Also weißt du wie ich meine, kannst in Familien auch... Du

00:24:09: kannst dein Intellekt nicht nutzen um dich zu schützen und zu sagen okay brech jetzt psychisch fruchtbar

00:24:14: machen.

00:24:14: also man kann so viel wissen und verstehen und ganz ganz viel über das Leben ja begriffen haben und sich trotzdem selbst niemals auffangen können und das finde ich immer besonders bestürzend, ehrlicherweise.

00:24:29: Das ist ja auch... Was fehlt?

00:24:31: Ja, das ist ja ein Fall bei diesen Advertisement-Orbenbüchern, bei dieser Melrose Reihe.

00:24:36: Es ist ja im Protagonist der extrem scharfsichtig auf alles blickt und alles durchblickt und auch innerhalb von Sekunden durchblick manchmal schneller als vielleicht gewöhnliche Menschen das tun würden oder als viele Gewöhnliche.

00:24:47: Und dann aber trotzdem immer feststeckt und nicht aus seinem Leben machen kann sozusagen weil er emotional wo ganz anders steckt so.

00:24:55: Okay, kommen wir zu das Schicksal von Mary Rose und Lynn ... Das Buch ist, hab ich dann nach einer Zeit gedacht eine Art psychologischer aber auch geografische Vermessung eines Ortes in seiner Menschen mit den Mitteln der Literatur.

00:25:09: vielleicht wird es gleich klarer worum was ich da meine.

00:25:12: Aber ich habe dir deswegen eine Karte gezeigt

00:25:14: Und ich lieb's!

00:25:16: Wir gehen einfach nach Orten.

00:25:17: du sagst irgendwelche Orte So tauchen wir in die Geschichte ein.

00:25:20: Okay,

00:25:20: also ich kann jetzt das erste mal sagen geht parallel... Zum Hören dieser Folge auf unseren Instagram account schaut euch das Bild der Karte an.

00:25:31: Es ist ja extrem toll, dass du dir die Mühe gemacht hast hier so eine Karte zu zeichnen und ich würde gerne tatsächlich in der Kante unten rechts beginnen mit London.

00:25:43: da steht London in einem Banner über einer kleinen gezeichneten Stadt mit so... Ich sehe das Haus vom Nikolaus-Häuschen!

00:25:50: Und eine Straße führt hinaus.

00:25:52: Was kannst du darüber erzählen?

00:25:53: Ich

00:25:54: kann dir was über London erzählen.

00:25:55: Und zwar habe ich gedacht beim Thema London fangen wir mit der Erzählfigur dieses Romanz an, das ist nämlich ein Mann einen Ich-Erzähler.

00:26:02: Wir stellen relativ schnell fest er ist irgendwie ein unzuverlässiger Icherzähler.

00:26:07: Dazu komme ich gleich nochmal, er ist Historiker und er ist am liebsten in seinem Büro in London wo er einfach so sein Ding machen kann.

00:26:15: Klingt

00:26:16: auch sehr verführerisch.

00:26:17: Ja, so total erliebt sich irgendwie komplett in seine Themen wenn er eine Biografie schreibt gerne historische Biographien sich dann kompletter drin zu verlieren und dann tagelang nicht mehr aufzutauchen und sowas.

00:26:28: Er hat da auch ne geliebte eine Frau aus der High Society die heißt Gloria und ist ein bisschen ich weiß nicht ob das ein verdecktes Selbstporträt auch ist oder zumindest aus ihrem Erfahrungsschatz von der Autorin Caroline Blackwood.

00:26:40: aber es ist so ne Frau die irgendwie Ja, sie wollte mal Schriftstellerin werden.

00:26:44: Dann wollte sie mal Malerin werden?

00:26:46: Dann wollte Sie mal Model werden und irgendwie hat sich für alles theoretisch das Geld und die Kontakte aber so praktisch verlässt sie dann immer wieder ein bisschen die Lust an jetzt weiterzumachen.

00:26:55: Und dann ist die da halt so... Die haben also ihre Szenen.

00:26:58: Aber im Grunde ist das sozusagen der Safehaven von diesem Ich erzähle London sein Büro und der präsentiert sich als superruhig und nüchtern und auch zu der rationale Mann.

00:27:09: Und ähm.. Dann hat er aber Und damit kommen wir jetzt auch in das Dorf, was wir gleich besprechen werden.

00:27:15: Noch eine Frau, Chrissida und die hat ein Kind... Also die zwei haben einen Kind zusammen von ihm.

00:27:20: Ja!

00:27:21: Und die ist halt in diesem Cottage im Beckham also einem kleinen Dorf und immer am Wochenende fährt er da raus und dann spielen sie quasi Partner-Mutterkind aber komplett ohne emotionale Zuneigung zueinander.

00:27:33: Ähm..und dann fährt der wieder?

00:27:35: Und wenn er dann in London ist telefonieren Sie auch gar nicht oder sowas und dann hat

00:27:39: er sozusagen

00:27:39: so zwei Leben parallel.

00:27:41: Ja, man muss sagen vielleicht für alle die gerade das die Karte nicht vor sich haben.

00:27:45: Also diese Straße aus London heraus führt eben auf Krisiders College Cottage.

00:27:50: wollte ich schon muss ich sagen cottage zu dass da relativ mittig zu sehen ist Und ich weiß nicht, ob du da jetzt drauf kommst.

00:27:56: Aber in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Cottage befindet sich auch Mrs Butterholens Garten?

00:28:01: Was hat es denn damit auf sich?

00:28:03: Da kommen wir noch gleich zu.

00:28:04: Ich würde nur kurz einen Punkt gerne machen zu den Erzählern.

00:28:08: dieses unzuverlässige Zählen ist in diesem Roman extrem wichtig was heißt dass der präsentiert sich so als krass rational Aber es gibt immer wieder so kleine Lügen oder praktische Erinnerungslücken.

00:28:19: Kenntest du das?

00:28:20: Und irgendwann beim Lesen denkt man sich, das kann nicht sein!

00:28:23: Das ist irgendwie... und das Interessante ist er hasst dieses Dorf.

00:28:28: Er findet dieses Dorff grauenhaft und freut sich immer, sobald der wieder wegfahren kann.

00:28:32: Obwohl seine Frau alles für ihn macht und er auch selber relativ zu Beginn schon feststellt, dass sie sich eigentlich Passt schon überklischeehaft quasi wie so eine Hausfrau für ihn benimmt und quasi guckt, dass seine Schuhe bereitstehen usw.

00:28:46: Er hasst dieses Dorf weil er sagt diese Postkartenidyllis von diesem Dorf ist einfach nur ne Lüge.

00:28:52: Und man hat irgendwann das Gefühl oder ich hatte dann irgendwann die Analogie zu ihm Weil er benimmt sich halt auch so, er präsentiert sich so idyllisch und perfekt Stimmen Dass du irgendwann so denkst Das kann nicht sein.

00:29:04: Kein Mensch ist einfach so immer der Rationale, immer der das versteht oder... Und vor allem im Verlauf des Romans präsentiert er sich halt im Kontrast zu seiner immer, sag ich mal emotional aufgewühlteren.

00:29:17: Dafür kommen wir noch Ehefrau.

00:29:20: Weißt du was die Ehevra und seinen Kind für ein Leben in der Woche führen?

00:29:24: Ja dazu kommen wir doch aber erst am richtigen Ort.

00:29:27: Wir sind jetzt im Garten Wir sind bei Miss Butterhorn.

00:29:31: Auch

00:29:31: ein geiler Name, die heißen sowieso alle toll!

00:29:33: Ich finde ja auch schon dass der Vater von der Autorin Bessel oder so was hieß also Basilikum und dann sie selber hat ja auch Blackwood, so einen sprechenden Namen, der Roman Mary

00:29:45: Rose.

00:29:46: Komplett komplett und Miss Butterhorn könnte man ja mit Butterhörnchen übersetzen oder mit Hörnche also total und ich glaube das ist auch schon so etwas.

00:29:55: Caroline Blackwood verarbeitet in diesem Roman sehr viele englische Klischees, Identitätsmerkmale.

00:30:01: Und dazu gehört natürlich auch der Garten so ne?

00:30:04: Es ist immer super wichtig dass es irgendwo einen Garten gibt wenn man über England reden möchte oder wenn man vielleicht auch die Psyche eines Landes schreiben will dann gehört bei England der Gaten dazu.

00:30:15: und diese Nachbarin Miss Butterhorn ist ganz interessant.

00:30:18: Die hatte auch meine Ehe.

00:30:21: Der Mann war irgendwie schrecklich.

00:30:22: sie fand das ganz schlimm ihre Ehe Und sieht jetzt quasi das Erbe, was sie von diesem Mann bekommen hat als Schadensersatz für das Leben.

00:30:29: Was die mit ihm führen musste und sagt so quasi.

00:30:32: eigentlich war es aber nicht so schlimm weil jetzt kriege ich meinen Teil so ne?

00:30:34: Ich habe jetzt Seins mit gelebt und war da immer in London so Die Stadt, die ich auch irgendwie nervig fand und die Empfänger hab ich immer mitgemacht.

00:30:41: Aber jetzt habe ich meine Sache und kann hier mein Garten machen.

00:30:44: Sie lässt sich komplett verwahrlosen in diesem Haus Weil sie einfach so sagt so ich habe jetzt keinen Bock mehr irgendwie auf irgendwas zu gucken Erinnert dich an Michaela Kohlhass.

00:30:53: Und dieses Thema so, dieses bisschen Widerständige sozusagen warum soll ich das Ganze mitmachen?

00:30:59: Ich mache immer im Haus was ich will und gleichzeitig hat sie aber einen wunderschönen Garten um den sich halt extrem kümmert.

00:31:06: Außen Hui in dem Fui!

00:31:08: Ja und der Erzähler mag sie nicht.

00:31:11: Das

00:31:11: dachte ich mir jetzt schon.

00:31:12: Er

00:31:12: findet aber ihren Garten irgendwie toll und wenn er seinen Garten sieht mag er sie ein bisschen mehr.

00:31:16: und das Interessante ist im Verlauf der Geschichte und dessen was passiert Wird der Erzähler also wird sie zu ihm für ihn so eine Art Ratgeberfigur.

00:31:25: Und irgendwann übernimmt die so ne komische Mutterrolle für ihn, wo er quasi die ganze Zeit sie anruft und fragt was er jetzt machen soll.

00:31:31: Die armen Frauen immer!

00:31:33: Das ist ein guter Punkt dass du das jetzt sagst weil dieser Zähler steht ja im Mittelpunkt der Geschichte.

00:31:40: Und gleichzeitig kann er aber irgendwie selber gar keine... Also er präsentiert sich halt so krass rational.

00:31:44: da sind wir auch wieder bei diesem unzuverlässigen Erzählern.

00:31:47: Gleichzeitig ist er aber extrem unfähig irgendwas selber zu entscheiden, sondern er delegiert alles eigentlich an die frauen in seiner umgebung.

00:31:55: Und im dem moment wo ihr merkt okay mit dieser Miss Butterhorn kann ich irgendwie eine verbindung knüpfen und sie könnte mir irgendwie helfen auf der die halt ständig an und so ne?

00:32:05: Also das ist völlig so...und davor hat er sich noch Schlimmsten Farben quasi gezeichnet als so eine schreckliche alte Frau, die da irgendwie im Garten ist und wo man nur froh ist, wenn man ihr nicht begegnet.

00:32:18: Das ist schon ein sehr interessanter Punkt.

00:32:21: Lass uns ruhig noch einen Ort weitergehen!

00:32:23: Ja ich wange ein bisschen aber ich glaube, ich würde erst mal gerne mehr über die Sozialsiedlung wissen, die sich jetzt in Norden London befindet weil wie du schon sagst hier sind so extrem interessante Schauplätze.

00:32:34: Okay, aber im Norden Beckham's Ich hab Backham großgezeichnet und London klein unten.

00:32:39: Ah,

00:32:39: im Norden Backham!

00:32:40: Weil Backham steht nämlich – das müssen jetzt alle wissen – ganz oben am Rand?

00:32:43: Genau.

00:32:44: Und ich

00:32:44: dachte schon es handelt sich hier um eine sehr bekannte Celebrity...

00:32:46: Nein, nein, nein.

00:32:47: Das ist….

00:32:48: Nee, nee, Backham ist sozusagen der Gesamtort und London ist dann nur klein eingezeichnet.

00:32:52: Aha.

00:32:53: Unten aber gut willkommen zur Sozialsiedlung.

00:32:55: Es ist ja schon wichtig dieses Dorf.

00:32:57: Ich hatte das schon gesagt dass es in diesem Buch sehr viel so englische Identitätsmerkmale gibt Und dazu gehört auch dieses Dorf.

00:33:08: Wenn die Engländer quasi einen Ort haben wollen würden, wo sie zeigen könnten Ausländern und so ist es hier bei uns und so sehen wir uns selber dann wäre sozusagen dieser Dorf dafür gebaut worden.

00:33:19: Also die Architektur ist irgendwie schön alt das alles so noch wie's war.

00:33:23: Die Gärten sind schön also die Natur ist noch schön belassen Und die Leute, die dort leben auch Chris Cedar in ihrem Cottage und Miss Butterhorn sind alle total angetan davon dass alles ja so schön ist.

00:33:36: So authentisch man kennt das.

00:33:38: Gleichzeitig sind sie aber halt auch unfassbar begot und irgendwie also diese Sozialsiedlung die da gebaut wird es für die halt einfach ein absoluter Schandfleck.

00:33:49: und als dann später das Verbrechen passiert auf das wir auch noch kommen werden sind sie natürlich sofort der Überzeugung, dass das alles aus der Sozialsiedlung.

00:33:57: Also alles Schlechte im Dorf kommt quasi aus der Sozialsiedlung und von den Leuten die da sind.

00:34:01: Und der Erzähler wiederum, der hasst ja dieses Dorf und hast diese ganze aufgesetzte Dülle und da wird einem tatsächlich auch ein bisschen sympathisch weil der denkt halt die ganze Zeit quasi so Ja, die Sozial-Siedlung geschieht euch so recht.

00:34:14: also ne?

00:34:14: Ich also euer Bild von dem Dorf in die Art und Weise sozusagen wie ihr das gestaltet ist einfach so.

00:34:22: Das ist einfach so unsympathisch.

00:34:24: Und ich finde, was Blackwood hier halt macht und da merkst du das auch schon, was ich mit Vermessung meinte in diesem Buch – es sind halt so viele Symbole da!

00:34:31: So viel nationale Dinge die mit Großbritannien irgendwie zu tun haben oder mit der britischen Gesellschaft.

00:34:39: Die werden hier halt ständig an ganz vielen verschiedenen Punkten analysiert.

00:34:42: Da wird mit umgegangen.

00:34:44: Und das ist das, was dieses Buch noch mal über die einzelne Geschichte dieser Zelt hinaushebt würde ich sagen….

00:34:50: Und es erinnert auch wieder an unseren Autor, der über die Londoner High Society geschrieben hat.

00:34:57: Genau.

00:34:57: Weil also diese Vermessung ist schon erstaunlich dass sie so einen klaren Blick auf die Strukturen haben aus denen sie teilweise selber...

00:35:08: Sie sind ja auch Teil dieser Gesellschaft und in den inneren Zirkeln der Macht dieser Gesellschaft gewesen immer.

00:35:15: Lass uns mal zum nächsten Ort gehen!

00:35:17: Ja, das Verbrechen hebe ich mir zum Schluss auf.

00:35:19: Ich würde gerne noch was über The Red Lion wissen!

00:35:22: Okay also der Erzähler mag diesen Pub nicht besonders weil da sitzen ja die ganzen Leute aus dem Dorf und nerven ihn.

00:35:29: aber er findet diesen Pub besser als in Crusader's Cottage bei seiner Frau zu sitzen und deswegen geht ihr da immerhin um zu trinken.

00:35:38: Und ich habe mir gedacht wir nutzen den Pub kurz weil ich das ja irgendwo unterbringen musste um über den formalen Aufbau dieses Buches zu sprechen.

00:35:46: Wir haben es, wie gesagt mit der Ich-Erzählung zu tun und einem unzuverlässigen Erzähler.

00:35:50: Wir haben klare fortlaufende Kapitel.

00:35:52: ich glaube das geht so bis siebzen achten.

00:35:54: Die sind auch dann entsprechend schon ein bisschen Seitenzahl für die jeweiligen Kapitel.

00:36:00: Es gibt wenige Rückplänten Und die Handlung schreitet sozusagen voran.

00:36:06: Es gibt dieses Verbrechen was im Zentrum dieses Romans steht Die fortschreiten in Ermittlungen zu dem Verbrechen und die Verdächtigungen und die paranoia, die sich rund um dieses verbrechen in diesem Ort Beckham ausbreitet.

00:36:20: Plus die Reaktion von Crusader darauf also der Ehefrau des Erzählers.

00:36:25: das alles Bildet sozusagen den Motor, der diesen Roman einfach voran treibt.

00:36:31: so Man könnte sagen es ist keine Novelle aber man könnte sagen Dieses Verbrechnen ist dieses außergewöhnliche Ereignis was irgendwie alles andere in Gang setzt.

00:36:42: wie soll man es sagen, diese Statik die es gibt im Leben von diesem Erzähler durcheinander bringt.

00:36:47: Also dieses ich komme am Wochenende und dann ist meine Frau will nichts von mir und ich will nix von ihr und wir sind damit zufrieden.

00:36:53: das ist unser Geschmack.

00:36:54: und dann gehe ich wieder nach London und habe da meine Geliebte.

00:36:57: mit der hab' ich immer einen großen Fight weil die eifersüchtig auf meine Frau ist.

00:37:00: aber dann klären wir's wieder und dann gehts irgendwie weiter und dann kommt uns nächste Wochenende so diese ganze Statik wird durch dieses Verbrechen gestört.

00:37:11: Ja und der Schauplatz des Verbrechens ist auch das, was du hier mit einem großen X auch eher am Rand von Becke markiert hast.

00:37:17: Wie müssen wir uns das jetzt logistisch vorstellen?

00:37:19: Wo ist das?

00:37:21: Also dass verbrechen ist... also die Leiche eines kleinen Mädchens wird im Wald gefunden so.

00:37:29: Das ist das Verbrechen.

00:37:31: Dieses Mädchen ist schlimm zugerichtet.

00:37:33: Sie wurde auch missbraucht.

00:37:36: Und ich glaube, das macht Blackwood auch wieder sehr bewusst.

00:37:39: Sie nimmt quasi so die schlimmstmögliche Vorstellung von einem Verbrechen, ne?

00:37:42: Da wird ein kleines Kind, ein junges Mädchen gefunden und das wurde missbraucht und dann ermordet und im Wald irgendwie liegen gelassen.

00:37:50: Der wird einfach mit vielen Angstmotiven, die man hat.

00:37:53: Wenn man an Verbrechens denkt was ist das Schlimmste

00:37:56: gespielt?

00:37:56: Ja natürlich!

00:37:57: Und vor allem auch die Natur, die dadurch noch mal eine ganz andere... eine ganz andere Weib bekommt, weil vorher hast du dieses Unberührte oder kulturell trotzdem auch bearbeitete aber idyllische Umgebungsweltchen geschildert und gerade das macht ja jetzt alle Orte doppelt schrecklich.

00:38:17: Das haben wir in allen Orten die du uns bis jetzt vorgestellt hast dass es immer irgendwie ne Form von Ablehnung gibt.

00:38:22: Genau!

00:38:22: Und was passiert ist?

00:38:26: Also erst mal verschwindet sie... Und der Zähler sagt zu seiner Frau, jetzt trägt dich mal nicht so auf.

00:38:30: Dies morgen wieder da, man kennt das... Das

00:38:31: ist seine eigene Tochter?

00:38:32: Nee,

00:38:33: nee es ist nicht seine eigene, aber es passiert halt in dem Ort, dass wird ja dann medial berichtet und die Frau ist von Beginn an so, dass sie sagt, hier ist was Schreckliches passiert, ich bin mir ganz sicher!

00:38:43: So.. Und dieser Konflikt zwischen den beiden ist ein bisschen Grundkonflikt des Buches und dann wird dieses Mädchen halt gefunden Was sozusagen rund um das Verbrechen auf sage ich mal der Ebene des Ortes von Beckham in diesem Romanen Rolle spielt ist eben, dass wirklich so ein bisschen... Ich musste da so ein wenig dran denken.

00:39:05: Es gibt ja viele Beispiele in der Literatur wo ein Dorf als Kosmos herhält und man sich anguckt Max Frisch hat es auch gemacht, Thürnmatt hat das auch an Stücken gemacht den Theaterstücken, da kennen wir's auch.

00:39:16: Wie verändert sich denn so ein Kosmos, der eine ganz bestimmte Vorstellung von sich hat?

00:39:21: Wie wir hier im Ort sind.

00:39:23: Wenn Dinge dazukommen die Angst auslösen und die Paraneuer auslöschen.

00:39:30: In diesem Fall ist es dieses Verbrechen, das Mädchen wird gefunden und plötzlich traut keiner dem anderen über den Weg.

00:39:37: Das beschreibt Blackwood auch ziemlich gut wie alle übereinander anfangen zu tuscheln.

00:39:40: Es gibt eine richtig krasse Szene wo... ein achtzehnjähriger verdächtigt wird, dass er es das erst gewesen sein könnte.

00:39:51: Und der wird dann im Polizeivagen zur Polizei gefahren und soll verhört werden.

00:39:56: Und dann kommen die ganzen Mitte aus dem Ort und bringen halt fast diesen Wagen quasi zum Umstürzen und wollen den halt lündchen quasi.

00:40:05: Das ist so stellvertretend oder symbolisch ein bisschen für das was in diesem Ort einfach passiert.

00:40:09: So eine Mischung aus Hass und Paranoia bricht sich der Bahn Stört halt auch so dieses Bild, was die eigentlich von sich selber haben und von ihrem schönen kleinen Ort.

00:40:20: Und damit können wir noch zu einem anderen Ort kommen.

00:40:23: Noch einen?

00:40:23: Aber ich

00:40:23: dachte, wir hatten das schon alle.

00:40:25: Ja, den entscheiden wir noch nicht.

00:40:28: Nämlich neben dem Garten ist das Cottage von Crusader... Achso!

00:40:31: Ja.

00:40:32: ...und damit kommen wir zur Ehe der beiden.

00:40:36: Zu dieser Ehe weil dass es also ich hatte jetzt schon über die Sachen gesprochen, die das den Roman so antreiben Aber im Zentrum steht eben diese Beziehung zwischen dem Ich erzähle und seiner Frau Chrisida.

00:40:48: Und Chrisida lebt damit Mary Rose, ihre Tochter.

00:40:52: Ihre Tochter ist auch hier wieder ein sprechender Name, ne?

00:40:55: Mary von Maria und Rose von Rosa also quasi so die doppelte... ...doppelte Unschuld ganz genau!

00:41:03: Und Chriside ist eine junge Frau sie ist nicht sonderlich gebildet Sie lebt mit ihrer Tochter da und für sie ist die Tochter alles So.

00:41:13: Das ist aber auf eine Weise obsessiv, die nicht gesund für das Kind ist und vieles was Chrissy da macht.

00:41:19: Ist echt kruselig.

00:41:21: so als Vorstellung also hat sie quasi so ganz bestimmte eigene Vorstellung davon, wie man sich gut um den Kind kümmert und lebt nach diesen Vorstellungen.

00:41:31: Das heißt sie ist nicht so dass sie jetzt auf das Kind sehr achtet oder eingeht aber sie will halt dieses Kind schützen und sie baut da die Welt um das Kind aus und interessiert sich eben auch nicht für ihren Mann sondern es einfach nur froh der quasi in Ruhe lässt und sich bei dem Kind nicht einmischt.

00:41:47: Wolltest du eine Frage stellen?

00:41:48: Ja, ich wollte eigentlich fragen ob du ein Beispiel dafür hast wie sie mit diesem Kind umgeht.

00:41:52: Weil es klingt so wie bei diesen Filmen.

00:41:54: Ich weiß gar nicht mehr, wie der hieß aber wo dieses Kind immer in dieser Blase sich bewegen muss.

00:41:58: In diesem aufgepusteten

00:41:59: Malong damit das sich

00:42:01: wirklich tut.

00:42:02: Also ja diese Aspekte kommt noch am Anfang.

00:42:06: ist es zum Beispiel es gibt eine Szene da geht er also ne kleine Rückblende da geht der Erzähler um das Kind zum ersten mal zu sehen im Krankenhaus und das Kind liegt da schreit wie verrückt und hat einfach Hunger.

00:42:19: Und die Crusader sagt, ja es ist ganz wichtig ihm von vornherein beizubringen dass es Milch zu festen Zeiten gibt sonst wird's verwirrt so.

00:42:26: Also sie hat eine sehr eigene Vorstellung und das Kind leidet halt darunter.

00:42:29: oder das muss man morgens einen Haarverschleim essen wo der Erzähler wenn er dann da ist quasi selber fast ausrastet innerlich weil er es so widerlich findet dieses Zeug.

00:42:38: Ja!

00:42:39: Das Kind muss was machen.

00:42:40: und da kommen wir aber auch wieder zum Erzählern der sich so als rational präsentiert.

00:42:45: Der denkt dann in diesem Moment, ja wenn sie sich stört die Tochter, soll sie doch was sagen.

00:42:50: Sonst kann ich ihr auch nicht helfen.

00:42:52: Wenn sie selber sich den Mund aufmacht so nach dem Motto, dann kann ich er auch nicht helpen.

00:42:56: Also diese Eltern sind einfach beide Beispiele für komplette Vernachlässigungen und man würde wirklich beiden das Kind wegnehmen aber aus unterschiedlichen Gründen.

00:43:04: dem Erzähler weil er den Blick drauf hat und nichts macht und sich da bequem macht und sagt okay wenn meine Frau das unbedingt will, dann soll sie halt machen Weil sie das Kind zu einem Objekt macht, wo sie einfach das in seinem Kind sein.

00:43:22: Also die Subjektivität von diesem Kind komplett verletzt und alle Grenzen überschreitet.

00:43:25: Das ist

00:43:25: auch so gruselig!

00:43:26: Ich kenne diese Stories mit diesen festen Essenszeiten für Säuglinge.

00:43:30: Das kenn ich halt auch noch von früher als ich Kind war.

00:43:32: Gab's so Familien, wo das gemacht wurde?

00:43:35: Und wo dann die Eltern immer gesagt haben na uns wurde gesagt dass es besser für die Kinder und die haben da wirklich dran geglaubt und die denken sich heute ganz oft was hab' ich eigentlich gemacht dass mein Kind quasi hungern musste in gewissen Situationen und sich da als wirklich Neugeborenes die Seele aus dem Leib schreit.

00:43:52: Und bereuen das total, aber wenn du da irgendwie gerade Eltern werden ja mit Rad überschüttet ungefragt?

00:44:00: Und es hat alles nichts mehr mit Intuition zu tun, die da gefördert wird oft... Und die machen dann und halten sich an sowas.

00:44:07: Und denken, sie würden was Gutes tun.

00:44:08: dabei geht's denen selber noch schlecht weil die sehen wie das Kind leidet aber sie zwingen sich dazu.

00:44:12: also ich finde wirklich dass ist so eine gruselige Vorstellung einfach.

00:44:16: Das ist auch hier in diesem Roman wiedergespiegelt weil ich hatte es ja schon gesagt diese Crusader wird ja als nicht besonders intelligent beschneben.

00:44:26: man hat schon das Gefühl manchmal man ist sich nicht so sicher Und das lässt die Autoren, glaube ich auch mit Absicht offen.

00:44:32: Dass man sich fragt ist sie bösartig oder plickt sie es nicht so ganz?

00:44:36: Versucht Sie ihr Kind zu schützen... ...oder geht sie auf eine Weise mit diesem Kind um wo man sagen muss also ne?

00:44:43: Sie geht ganz sicher nicht gut mit dem Kind um.

00:44:44: aber sozusagen was steckt dahinter in Motivation?

00:44:48: weil dadurch dass wir's durch seine Augen sehen ist halt sehr viel möglich quasi.

00:44:53: und was halt passiert ist, ich hatte ja schon gesagt es gibt diese Abmachung.

00:44:58: Tatsächlich kannten auch Chrissida und der Ich erzählte sich gar nicht so lange die hatten one night stand.

00:45:02: dann ist das Kind gekommen.

00:45:03: Dann hat sie gesagt Sie wills das Kind nicht wegmachen lassen.

00:45:05: Der Mann hatte das Gefühl okay ich muss halt irgendwas machen.

00:45:08: ich bin ja der Mann und ich

00:45:09: so.

00:45:10: Es wäre jetzt irgendwie ganz schön plöt die einfach sitzen zu lassen.

00:45:12: also kaufe ich den halt dieses Cottage.

00:45:14: Und dann hatten sie ihre abmachungen.

00:45:16: jeder war damit glücklich weil sie wollte einfach das kind und er wollte seine Ruhe.

00:45:19: Und dann passiert aber dieser Mordfall und diese Crusader trägt zunehmend durch.

00:45:25: Das ist auch noch mal quasi fünf Stufen schlimmer als das, was sie davor, was ich jetzt als Beispiele gebracht habe.

00:45:33: Sie macht immer schlimmere Sachen.

00:45:34: Sie geht zum Beispiel mit dem Kind zum Schauplatz des Verbrechens überlistet die Polizisten in denen sie ihnen erzählt hat, dass sie eine ganz enge Verbindung zu dem Kind hatte Und stellt sich dann mit dem Kind an diesen Tatort und erzählt ihm genau, was diesem toten Mädchen die auch das gleiche Alter hat wie Mary Rose alles passiert wurde.

00:45:55: Um sie sozusagen zu schützen, erzählt sie ihr, wie Vergewaltigung funktioniert, wie Messerstiche usw.

00:46:01: Alles funktionieren.

00:46:02: Du kannst es dir vorstellen.

00:46:04: Später geht sie mit dem kind zur Beerdigung zieht das Kind genauso an wie das tote Kind und geht dann zu den Eltern des toten Kindes.

00:46:11: Also ne, sie macht wirklich so Sachen wo du einfach denkst es ist so durchgeknallt Und dann ist es auch so dass die ganzen Frauen in dem Umfeld das ich erzählers Von der Nachbarin über die Geliebte und so weiter.

00:46:23: Alle sagen, du musst jetzt das Kind daraus nehmen.

00:46:26: Du musst das Kind herausnehmen!

00:46:27: Und er will halt diese Verantwortung immer nicht übernehmen und denkt sich so ja noch einmal geht's.

00:46:31: ich ruf mal meine Sekretärin an die Sommer übers Wochenende vorbeikommen und ein bisschen Beistand halten dann wird es schon irgendwie gehen.

00:46:36: Und merkt es aber auch gleichzeitig dass da irgendwie was ist?

00:46:43: Also es ist ein interessanter Move finde ich generell, dass Caroline Black wird sich dafür entschieden hat das Buch aus der männlichen Perspektive zu erzählen.

00:46:50: Weil man dadurch sich dieser Mutter Chrissida einfach nie so richtig sicher ist und dadurch dass dieser männliche Erzähler aber auch unzuverlässig ist, ist das was am Ende bleibt eigentlich zwei Figuren bei denen man beiden das Gefühl hat... Die werden ihre Rolle und ihre Aufgabe nicht gerecht.

00:47:07: Und wer dazwischen aufgerieben wird, ist halt dieses Kind.

00:47:10: Dieses Kind ist auch wie so eine Lehrstelle in diesem Buch.

00:47:13: Das ist fast wie so ne Puppe.

00:47:14: die wenigen Beschreibungen, die es gibt sind eben... Du hast das Klischee, diesen klischeen Namen dann hast du irgendwie so das gleiche Kind dass dann irgendwie da sitzt und eigentlich kriegt das durch alles was es in dem Buch gibt.

00:47:28: durch den Druck die Selbstbezogenheit der Erwachsenen und so weiter kriegt dieses Kind in diesem Buch keinen Luft zum Atmen sozusagen.

00:47:36: Und dadurch wird es irgendwie erfahrbar gemacht, was Literatur ja im Idealfall kann.

00:47:40: Was das bedeuten kann eben eine Kindheit zu haben wo du gar nicht Kind sein kannst weil die Erwachsenden so sehr den Raum einnehmen und sich so sehr unterdrücken und zertrücken einfach zwischen ihrem Leben.

00:47:52: Da sind wir auch bei einem Thema was ja die Autorin Zeit ihres Lebens nicht vergessen kann sicherlich nicht so aufgewachsen ist, aber unter den gleichen Mechanismen gelitten hat.

00:48:03: Genau und das hat mich auch an Edward Cent Orbin erinnert und hat mich dann auch irgendwann hatte ich so ein bisschen die Analogie beim Lesen dass man sich fragen muss eigentlich und ich glaube das beabsichtigt Packwood auch ein bisschen indem sie dieses tote Mädchen mit dem lebenden Mädchen quasi so komplette Beziehungen setzt und die sich da noch gleich anziehen und sowas Dass man sich Fragen muss quasi es ist schlimmer denn in so einem Leben überhaupt tot zu sein einmal getötet zu werden und weg zu sein, als das ertragen zu müssen weiterzuleben in dieser Hölle.

00:48:33: Also so schlimm ist es.

00:48:35: Und dementsprechend ist das Buch jetzt auch nicht unengeschränkt für alle zu empfehlen die irgendwie mal eine nette Lektüre wollen.

00:48:43: Ja.

00:48:44: Gleichzeitig würde ich aber trotzdem sagen wegen diesen ganzen Sachen die wir besprochen haben und du merkst ja da ist schon viel drin irgendwie... Ist es schon der Empfehlung sich das mal zu lesen?

00:48:54: Das ist super geschrieben!

00:48:57: Was vom Tage

00:48:59: übrig blieb.

00:49:02: Ja, es ist ganz toll wie heute die Themen so auseinandergreifen weil wir bleiben auch jetzt in Großbritannien, wir bleiben in London und es bleibt auch glamorous!

00:49:13: Also das muss man nach dem was du jetzt über das Buch erzählt hast natürlich ein bisschen differenziert sehen.

00:49:20: aber erst mal bleibt es glamourös.

00:49:22: Am vierten Oktober Sie wird eine der weltweit erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen des zwanzigsten und frühen, einundzwanzigste Jahrhunderts werden.

00:49:36: Jetzt darfst du mal schätzen wie viele ihrer Zweiunddreißig Romana auf der New York Times Bestsellaliste gelandet sind?

00:49:43: Achtenswanzig!

00:49:45: Alle!

00:49:47: Ich wusste nämlich, dass das nicht passieren wird.

00:49:50: Dass du das erredest.

00:49:51: Ja alle, alle zweiunddreißig Romane waren

00:49:53: auf deinem Erem.

00:49:54: Das ist jetzt die Rache, ob wir das Gläser wegbringen oder was?

00:49:56: Genau

00:49:56: für meine schmerzende Schulter!

00:49:58: Überlegen wir dann immer etwas...

00:50:00: Also das Erfolgsrezept ihrer Bücher war ein glamouröses skandalöse Page-Turner über die High Society, Machtkämpfe und liebes Affären allerdings nicht in England sondern in Hollywood.

00:50:11: Und jetzt darfst Du nochmal schätzen, wie viele Bücher sie weltweit verkauft hat.

00:50:16: Äh, Vierhunderttausend.

00:50:18: Fünfhundert Millionen?

00:50:21: Jungen!

00:50:21: Fünf-Hundert Millionen.

00:50:22: und mal zur Einordnung die Harry Potter Bücher verkaufen sich nur hundert Millionen Mal mehr also sechshundert Millionen Harry Potter weltweit Also und fünfhundert Million.

00:50:31: ähm Jackie Collins das finde ich schon absoluten Wahnsinn.

00:50:35: Ja vierhundert Tausend war eine schlechte Schätzung auf den Vier-Hundred Millionen.

00:50:40: Aber das ist sozusagen auch wirklich ein Name.

00:50:42: Das ist jetzt nicht das Pseudonym für einen Namen, den man dann kennt?

00:50:44: Nee!

00:50:45: Das ist es nicht Agatha Christie.

00:50:47: Ja weil ich dachte jetzt kommst du irgendwie mit wem musst du ... Agatha

00:50:50: Christi hat übrigens noch mal viel mehr

00:50:51: gehabt.

00:50:52: Ja genau die hat ja.

00:50:53: aber so einfach nur dieses ... Weil

00:50:55: ich hab

00:50:56: halt diesen Namen einfach mich die Wahl in ihrer Zeit an gemacht habe.

00:50:59: Ich kannte

00:50:59: sie nämlich auch nicht und das ändern wir jetzt.

00:51:01: also wir schauen uns das Leben der Jackie Collins mal an.

00:51:04: Jackie war die jüngere Schwester und die kennst auf jeden Fall der weltbekannten Schauspielerin Joan Collins.

00:51:09: Denn war klar, vielleicht klingelt's bei dir.

00:51:12: Hast du ein Bild vor Augen?

00:51:12: Hab ich einen.

00:51:14: Dachte ich mir!

00:51:15: Ihr Vater Joseph William Collins war erfolgreicher Theateragent und zu dessen späteren Klienten gehörten Musikgrößen wie The Beatles oder Tom Jones.

00:51:24: Ihre Mutter Elsa war eine ehemalige Nachtclub-Hostess.

00:51:27: Stimmt auch einen sehr guten Job gemacht.

00:51:30: Durch den Beruf des Vaters kam Jackie und ihre Geschwister also ... Schwester Joan und die Rüngerer Brüder Bill schon früh mit der glamourösen aber eben auch sehr rücksichtslosen Welt des Entertainments in Berührung.

00:51:42: Und der Vater hat sich für die Töchter oder wahrscheinlich eher für sich selbst Karrieren im Rampenlicht gewünscht, dann wurden sie entsprechend gedrillt.

00:51:50: Obwohl die Familie also in behüteten und wohlhabenden Verhältnissen lebt war Jackie's Kindheit emotional nicht immer leicht haben veröffentlichte Tagebücher von ihr gezeigt, dass sie unter sehr starken Minderwertigkeitskomplexen litt.

00:52:05: Weil ihre ältere Schwester Joan die galt als markellose Schönheit hat eine erfolgreiche Hollywood-Karriere gestartet und da hat sich Jackie daneben oft wie das zitat hässliche Entlein der Familie gefühlt zumal der Vater eben Joan auch sichtlich bevorzugt hat.

00:52:20: Und das hat die Unsicherheiten, die Jackie sowieso schon hatte noch verstärkt.

00:52:25: In ihrer Jugend galt Jackie als rebellisch.

00:52:27: Sie wurde von der Schule verwiesen Und das ist auch wild.

00:52:32: Die Eltern haben sie nämlich daraufhin vor die Wahl gestellt und ich weiß nicht, wie du diese Wahl findest und was du gewählt hättest.

00:52:38: Sie haben gesagt jetzt reicht Jackie.

00:52:40: entweder gehst du in eine Besserungsanstalt oder du gehst zu deiner Schwester Joan nach Hollywood.

00:52:49: Was mache ich da bloß?

00:52:50: Keine Ahnung.

00:52:51: Ja, also Jackie musste nicht lange überlegen.

00:52:55: sie ist nach Los Angeles gezogen hat sich selbst als Schauspielerin versucht.

00:53:00: das war noch in London aber dann in Los Angeles hat sie das aufgegeben und es geht dann schon spicy los.

00:53:05: ihre debut Roman The world is full of married men von nineteen achten sechzig wurde wegen seiner expliziten Darstellung von Sex und Affären in Australien und Südafrika verboten Aber sie hat die Empörung einfach zu PR-Swecken genutzt und ist halt einfach direkt total erfolgreich geworden.

00:53:22: Mit diesem Vermögen, das sie damals dann schon verdient hat, erfüllt sich den Traum einer Luxusvilla in Beverly Hills, die sie komplett selbst entworfen hat.

00:53:29: Das Anwesen war quasi um einen Pool herum gebaut – ein riesigen Pool!

00:53:34: Und sie isst aber trotz des Reichtums….

00:53:36: Wir haben vorhin von zweiunddreißig Romanen gesprochen.

00:53:38: eine extrem hart arbeitende Autorin gewesen.

00:53:41: Sie schrieb jedes ihrer Bücher traditionell mit der Hand Und zwar auf diesen gelben Legalpad-Blöcken.

00:53:48: Ich weiß nicht, ob du die kennst und das ist auch lustig!

00:53:50: Die gibt es auch in Leipzig zu kaufen bei meiner Vertrauenspapeterie Eisenhower mit tollen Schreibwarnkleider für ein Block.

00:54:00: Da gibt's diese Legalpads.

00:54:01: Das sind so gelbe Papiere und ich glaube sie werden oft in so offiziellen Behörden bei Gericht verwendet.

00:54:06: Daher kennt man die, glaub' ich... Auf denen?

00:54:09: Auf all diesen... Gelben Papieren hat sie ihre Romane mit der Hand geschrieben.

00:54:13: Warum reite ich da so drauf rum?

00:54:14: Naja, ich finde das schon irgendwie auch toll ne!

00:54:16: Also wenn ihr dir überlegst ja dann dieses Papier und nur auf diesem schreibt es dann alles mit der hand.

00:54:22: In der Öffentlichkeit war sie immer so inszeniert... Hat sich immer so als Ladyboss Schulter gepolsterte Designerjacken Perfekte Föhnfrisur großer Schmuck.

00:54:33: die ist auch extrem charismatisch gewesen.

00:54:35: Sie hat drei Töchter und verbracht ihre Freizeit am liebsten mit ihren Enkeln beim Hören von Rapmusik und beim Schauen von Reality TV.

00:54:42: Und an diesem Punkt habe ich mich wirklich gefragt, wie cool kann ein Mensch eigentlich sein?

00:54:47: Ihr wohl bekanntestes Einzelwerk ist Hollywood Wives dass die fiktiven, aber eben erschreckend realitätsnahen Leben von Frauen mächtiger Studiobosse in Hollywood zeigt.

00:54:57: Das Buch wurde auch als erfolgreiche TV-Miniserie verfilmt unter dem Titel Hollywood – Intim und indiskret!

00:55:03: Und wirklich das ist achtziger Jahre Chor also wenn du dir das reinziehst.

00:55:08: Das kann man immer noch streamen, das ist auch sehr interessant.

00:55:14: Ihre Bücher wurden natürlich oft als reine Unterhaltungsliteratur abgetan, aber Collins selbst hat sich definitiv als feministische Autoren verstanden.

00:55:22: Ihre weiblichen Hauptfiguren waren fast ausnahmslos stark unabhängig und sexuell selbstbestimmt – das in dieser Zeit!

00:55:28: Und sie waren den Männern in den Büchern in Sachen Business- und Cleverness weit überlegen.

00:55:33: Sie hat mal gesagt ich schreibe über Frauen die die Kontrolle übernehmen.

00:55:37: Ja, und sie selbst hat auch gesagt dass sie in ihrem früheren Leben Amerikanerin gewesen sein muss, weil sie sich so sehr danach gesehen hat nicht nur dort zu leben sondern eben auch über Amerika zu schreiben.

00:55:48: Und das finde ich auch interessant, da sind wir wieder bei diesen Büchern die eine Gesellschaft porträtieren viel über diese superreichen Hollywood erzählen konnte.

00:55:59: und ich finde auch interessant dass ihr über starke unabhängige sexuell- und ökonomisch unabhängige Frauen geschrieben habt weil sie natürlich trotzdem Zeit ihres Lebens stark unter dieser Unsicherheit gelitten hat.

00:56:12: Und es ist ganz rührend zu sehen, wie sie auch über ihre Figuren spricht.

00:56:15: Es gibt so kleine Videos auf YouTube in denen sie über ihr Schreiben redet und da erklärt sie auch ihre Figur und dann sagt sie immer so ... Ich war verliebt in meine Figur!

00:56:26: Und ihr werdet das auch sein?

00:56:28: Das ist so richtig irgendwie ... weiß nicht, ich fand das irgendwie schön.

00:56:31: Sie hat gesagt, dass Ihre Plotz oft so unvorhersehbar sind, weil sie einfach mit der Hand drauf los schreibt und überhaupt nicht plant was passiert.

00:56:41: Und das merkt man in Büchern auch an – und das macht die Bücher eben auch so spannend!

00:56:46: Mit Anfang Siebzig wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert und sie behielt das bis kurz vor ihrem Tod sieben Jahre lang geheim.

00:56:56: Also sie behält es für sich, sie hielt es geheim Hat niemandem davon erzählt, außer ihren drei Töchtern.

00:57:02: Sie starb dann an diesem Krebs in Jahr zweitausendfünfzehn hat doch ihrer Schwester Joan erst zwei Wochen vor ihrem Tod davon erzählt immer mit der Begründung sie wolle es anderen nicht schwerer machen als das ist.

00:57:14: Ich glaube was aber auch eine große Rolle gespielt hat war so ne Form von Selbstschutz sich das nicht einzugestehen damit nicht umgehen zu können und Sie hat auch bis wenige wochen vor dem tot einfach Interviews gegeben war wie immer top gestylt und niemand hat das auch nur geahnt.

00:57:35: Ja, heute möchte ich auf sie anstoßen vor allem weil sie gesagt hat dass sie nichts als Spaß dabei hatte ihre Bücher zu schreiben und ich finde es so sympathisch und unprätenziös.

00:57:47: Klischees vom leidenden Autor kann man sowas nicht überbetonen und sie hat übrigens auch den Beach Read geprägt, also das was wir als Strandlektüre bezeichnen.

00:57:56: Also jetzt ist natürlich die Sommerzeit erst mal vorbei aber spätestens im nächsten Jahr kann man sich dann sechs Wochen Sommerferien gönnen mit den Figuren dieser Autoren Und damit stoßen wir an auf Jackie Collins

00:58:10: Auf Jackie Collins!

00:58:12: Wir sehen uns nächste Woche wieder.

00:58:14: Bis dann Tschüss

00:58:38: Das war Wasser und Buch der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedo P. Miklitz und Josef Braun.

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