Weil's nicht reicht
Shownotes
Wir haben Besuch. Und dann gleich zu einem extrem wichtigen Thema. Die Übersetzerin Franka Reinhart spricht mit uns über den aktuellen Protest von über 200 Übersetzer*innen. Es geht um Altersarmut, Berufswege und die Frage: wie ist das überhaupt ein Buch zu übersetzen? Hört rein und teilt den Protest. Denn ohne Übersetzer*innen wär die Literatur doch arg karg.
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00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedope Miklitz und Josef
00:00:10: Braun.
00:00:23: Hallo Franka!
00:00:23: Schön dass du da bist.
00:00:25: Hallo Danke für die Einladung.
00:00:27: Also Lin und ich hatten uns in unserer letzten Folge ja schon angekündigt das wir uns gern ausführlicher mit dem aktuellen Übersetzerinnenprotest in Deutschland beschäftigen wollen Und umso glücklicher bin ich jetzt, dass wir mit dir Frankerein hat heute sprechen können und dass du so spontan bei uns vorbeigekommen bist.
00:00:43: Du bist Übersetzerin hier in Leipzig und ich würde gerne später noch auf deine Biografie auch ein bisschen zu sprechen kommen – auf deine Übersetzerin Biographie!
00:00:50: Doch lass uns mal gleich mit dem Protest einsteigen.
00:00:54: Unter dem Hashtag es reicht nicht machen Übersetserinnen gerade im Internet Mobil.
00:00:58: Du bist gemeinsam mit rund zweihundert anderen Übersetzen Teil dieses Protests.
00:01:04: Wie habt ihr euch zusammengefunden und was ist euer Anliegen?
00:01:08: Ja, also unsere Kampagne findet sowohl online als auch ganz analog statt.
00:01:18: Aktuell war sie auf der Buchmesse mit einer Postkartenaktion und einem Flashmob vertreten.
00:01:25: Gestartet ist sie aber als tatsächliche Basisinitiative von zwei Kolleginnen von uns, Lisa Kögeböhn aus Leipzig und Barbara König aus Hamburg die sich ausgetauscht haben wie so oft über schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Vergütung unserer Arbeit.
00:01:48: Das Ganze hat dann Fahrt aufgenommen im Internet und daraus ist eine Initiative entstanden die die beiden in Eigeninitiative konzipiert haben.
00:02:00: sehr beeindruckend muss ich hinzufügen.
00:02:04: gut vorbereitet Für uns als Kollegenschaft, wir konnten also uns sehr leicht beteiligen und diese Kacheln mit Inhalten füllen.
00:02:15: Mit unseren persönlichen Betroffenheiten, mit unseren Wahrnehmungen Schilderungen der Situation Und Lisa und Barbara haben das dann fantastisch aufbereitet und online gestellt.
00:02:29: vielleicht fangen wir mal oder gehen wir mal damit rein kurz, dass wir uns einmal die Arbeit von einer Übersetzerin angucken.
00:02:37: Du bist ja jetzt schon lange Übersetserin und ich wollte dir da mal ein paar Fragen zu stellen weil ich glaube manchmal ist das Bild etwas unterkomplexes was wir davon haben was so eine Übersetzerin eigentlich tut.
00:02:46: So nach dem Motto Ja okay da stehen halt die Worte die muss man einmal ins Deutsche bringen und dann bitte an den Verlag damit er es veröffentlicht fürs für die deutsche Leserinnen schafft.
00:02:56: Kannst du uns mal mit in deinen Arbeitsalltag nehmen, wie läuft so ein Übersetzungsprozess bei dir ab?
00:03:02: Das beginnt in der Regel mit der Anfrage durch den Verlag.
00:03:05: Man bekommt einen Manuskript manchmal auch nur ein Exposé vorgelegt.
00:03:11: Das hängt davon ab, wie weit das Projekt in der Originalsprache schon gedien ist.
00:03:16: im Englischen haben wir oft die Situation dass wir mit unfertigen Manuskrypten starten weil die Erscheinungstermine der deutschen Ausgaben sehr nah an Originalsprachigen-Ausgaben rangerückt sind.
00:03:29: Ist das eine Entwicklung?
00:03:31: Das
00:03:31: ist eine Entwicklung dieser Zeitdruck, der damit verbunden ist, der nimmt immer mehr zu.
00:03:39: Also vor allem merken wir es in den großen Sprachen also die Sprache mit dem großen Anteil an Übersetzungen auf dem deutschen Buchmarkt.
00:03:49: Und dahinter steht natürlich die Sorge der Verlage, dass die Leute das Original kaufen und lesen.
00:03:57: Und dann darauf verzichten, die Übersetzung zu erwerben.
00:04:01: Das ist der ganze Grund für diese Eile, die eine Reihe von negativen Auswirkungen hat, was unseren Arbeitsprozess angeht.
00:04:11: Wie ist es denn wenn da so ein Buch ist?
00:04:14: Was so erwartet wird?
00:04:15: und würde die Verlage sagen, das muss jetzt schnell gehen.
00:04:16: Dann habt ihr ja teilweise hast du ja auch habe ich gesehen im Tandem übersetzt zum Beispiel Wie ist dann so ein Prozess?
00:04:22: Kann man sich dann bleibt dann überhaupt genug Zeit sich gut abzusprechen?
00:04:26: oder wie arbeitet man denn?
00:04:28: Ich würde sagen, das hängt ganz davon ab in welcher Konstellation man arbeitet.
00:04:33: Wenn man beispielsweise im Zweierteam im Tandem übersetzt mit einer Kollegin oder einem Kollegen, mit dem man eine gute Zusammenarbeit hat weil man vielleicht schon vorher kooperiert hat dann kann das sehr bereichernd und wirklich auch bereicherend sein und ein Erkenntnisgewinn bringen, weil wir uns gegenseitig natürlich quasi lektorieren, redigieren und gemeinsam natürlich an vielen übersetzerischen Entscheidungen arbeiten.
00:05:05: Oft lange grübeln bis wir dann auch zu einer homogenen Lösung und einer homogene Textversion kommen.
00:05:15: Da steckt schon einiges an Mehrarbeit drin.
00:05:20: Das ist insofern manchmal Illusion, dass das so sehr viel schneller geht.
00:05:26: Natürlich teilt man den Text entsprechend auf manchmal kapitelweise, manchmal helftig je nachdem was der Ausgangstexter anbietet und meine Erfahrung ist es zweier Teams gut funktionieren.
00:05:40: wenn die teams größer werden ist es oft ein Kompromiss sag ich mal.
00:05:46: Es ist dann einfach dem Zeitplan geschuldet Ein Stück nachvollziehbar, manchmal frage ich mich dann auch ob die Qualität dann nicht doch stärker leidet und man nicht besser daran täte ein Stück mehr Raum zu geben.
00:06:07: Manchmal hilft es ja auch das in Texte ein Stück reift dass man erstmal einmal im Rohdurchgang durchgeht, sacken lässt nochmal parallel Lektüre konsultiert, die Recherchen dann wirklich in der Tiefe auch noch mal prüfen kann.
00:06:29: Ja also das ist ein Spannungsfeld mit dem wir leben, mit dem aber natürlich alle an der Buchproduktion beteiligten Leben.
00:06:36: Das ist auch klar!
00:06:37: Aber es erinnert mich so'n bisschen auch beim regulären Schreibprozess ne?
00:06:41: Wenn man im Buch schreibt oder sowas ja auch immer so dieses Ding dass man sagt wenn die erste Fassung mal da ist tut's auch gut das Gott liegen zu lassen, dass man dann wieder einen neuen Blick hat und sowas Und dafür braucht es aber einfach Zeit.
00:06:52: Wie ist denn das bei dir, wie viel Zeit hast du?
00:06:54: Denn im Schnitt gibt's da irgendwie so ein Wert an dem du dich ungefähr orientieren kannst bei deinen Übersetzern?
00:07:00: Also es gibt in unserer Branche so Erfahrungswerte und eine Größe mit der viele von uns bei der Kalkulation von solchen Projekten operieren isst die Zahl von hundert Normseiten pro Monat.
00:07:14: Die Normseite definierte Seite, eine Rechengröße von – ich jetzt muss sich ganz kurz nochmal nachgucken.
00:07:28: Die ist definiert mit maximal dreißig Zeilen A-maximal sechszig Anschlägen inklusive Leerzeichen.
00:07:35: Das ist die Definition der Normseite, die uns auch sehr wichtig ist weil nur dadurch eine Vergleichbarkeit gegeben eine Fairness in der Vergütung, wenn diese Normseite zugrunde gelegt wird.
00:07:51: In der Abrechnung?
00:07:53: Und dann hat man hundert Stück.
00:07:55: das heißt so ein Übersetzungsprozess sagen wir im Buch da hat ihr zu zwei drei Hundert Seiten.
00:08:02: wären dann so drei Monate ungefähr kann man das dann so?
00:08:06: Das kann man ungefähr so sagen, wobei man berücksichtigen und bedenken muss dass diese hundert Seiten auch wieder nur eine Rechengröße sind.
00:08:14: Weil da ja alles an zusätzlicher Arbeit.
00:08:17: unsere Arbeit besteht nicht nur im Rhein übersetzen sondern die besteht auch darin das wir recherchieren.
00:08:24: Wir müssen oft Expertinnen und Experten konsultieren.
00:08:28: Übersetzende haben oft einen großen Bekanntenkreis mit abseitigem Spezialgebieten.
00:08:34: Ganz wichtig, man fragt manchmal Leute an die sich in Bereichen auskennen.
00:08:40: Die jetzt nicht unbedingt allgemein gut sind und in diesen hundert Seiten sind auch alle Bearbeitungs- und Überarbeitungsdurchgänge drin.
00:08:51: wir erstellen ja eine Rohfassung und die wird dann von uns noch mindestens einmal oft zweimal überarbeitet nach verschiedenen Aspekten.
00:09:07: Bei mir bleiben immer erst mal relativ viele Stellen blau markiert, so handhabe ich das wenn ich weiß da muss sich nochmal ran entweder weil ich noch was recherchieren muss oder weil ich weiß die Formulierung passt noch nicht hundertprozentig und das funktioniert dann sehr gut im nächsten Durchgang.
00:09:25: mit einem bisschen Abstand kommt man ja viel besser in den Gesamtzusammenhang des Textes rein, hat dann wenn man schon einmal roh durchgegangen ist ein viel besseres Gefühl für den Ton, den wir auch treffen müssen.
00:09:39: Wir müssen ja schauen wie ist der Originaltext verfasst?
00:09:44: Was passiert da?
00:09:45: Ist er eher im unterhaltenden Ton oder ist das eine sehr akademische Haltung die dahinter steht?
00:09:53: Das reproduzieren wir alles und stehen immer mit unserer Arbeit ganz klar im Dienst des Originals.
00:10:01: Da ist ja wenig Raum für individuelle Vorlieben sondern wir schauen uns das ja sehr genau an.
00:10:13: Wir empfinden das, also ich glaube, wir sind eine Berufsgruppe mit einem hohen Empathiefaktor weil wir uns da ja sehr intensiv reinbegeben ganz egal ob das jetzt in Sachtext ist oder ein elektristischer Text, in Krimi, wo ein Spannungsgefühl erzeugt werden muss oder ob es um Umgangssprache geht.
00:10:37: Ob das sehr dialoglastig ist, viel Mündlichkeit vorkommt – all das überlegen wir uns ja und entscheiden dann mit welchen Mitteln wir das in unserer Muttersprache wiedergeben.
00:10:48: Hast du denn vorher schon?
00:10:49: Also quasi wenn du liest du dir den Text dann einmal vorher durch und versuchst schon so für dich irgendwie festzulegen, quasi wie so ungefähr dieser Ton ist.
00:10:57: Damit du dann beim Übersetzen direkt damit einsteigen kannst?
00:11:00: In der Belletristik mache ich das so.
00:11:02: Das lese ich immer einmal durch, damit ich das Personal kenne, damit Ich weiß welche Besonderheiten die haben ob es da biografische Sachen gibt, ob da irgendwas sozial markiert ist eine Herkunft irgendwie gekennzeichnet, die ich von Anfang an bedenken muss.
00:11:20: Im Sachbuch mache ich es oft eher so, dass ich so nach und nach einsteige.
00:11:25: Dass sich auf die ersten Kapitel erstmal lese... Und dann beginne, dann fange ich an mit der Recherche Dann fang' ich an schon mal rot zu übersetzen.
00:11:33: Dann lese ich weiter, recherchiere weiter.
00:11:35: Das ist dann eher so einen Ineinandergreifen von meiner eigenen Beschäftigung Mit dieser Thematik, die ja oft für mich auch erst einmal fremd ist Wenn ich daran denke Ich hab vor ein paar Jahren einen Buch über altnordische Mythologie übersetzt.
00:11:53: Das war also quasi ein Crash Course in Skandinavistik, da kann ich nicht so linear arbeiten sondern muss mir das Thema ja erst selber erstmal inhaltlich erschließen bevor ich dann auch... informieren, welche Übersetzungen dieser altnordischen Sagen oder Saagas und Mythen sind die mit denen heute wissenschaftlich auch gearbeitet wird.
00:12:21: Das war also ein längerer Prozess der Auseinandersetzung erst mal mit dem Gegenstand um den es geht.
00:12:28: Es ist dann auch tendenziell so das Sachbücher mehr Zeit brauchen weil man noch so viel recherchieren muss als Beletristik?
00:12:34: Das ist oft der Fall tatsächlich.
00:12:37: Wir verbringen oft sehr viel Zeit, also ich arbeite ganz oft in der Nationalbibliothek bin froh und dankbar dass wir die hier in Leipzig haben und weiß einfach das ich dort Sachen finde, die auf Deutsch publiziert sind und mich auch beraten lassen kann wenn es zum Beispiel um Zeitschriftenrecherche geht.
00:12:59: Also um ältere Jahrgänge von zum Teil nicht mehr existierenden Zeitsschriften.
00:13:04: das ist gar nicht so einfach die im Katalog zu finden und da bin ich sehr dankbar für die Kompetenz der Mitarbeitenden dort wenn ich da weiß Ich kann dort nachfragen und bekomme kompetente Antworten.
00:13:16: Jetzt hatten wir ja also der Protest richtet sich vor allem oder dreht sich vor allem ja um das Thema Bezahlung von Übersetzerinnen und Übersetzern.
00:13:25: Ein wichtiger Bestandteil ist, dass einfach diese Bezahlungen sich nicht angepasst hat irgendwie schon seit Jahren.
00:13:31: Das Übersetzerin wenn man diese Karren liest dann liest man von Leuten die sagen ich habe vor zehn Jahren dasselbe verdient wie jetzt damit.
00:13:38: aber jetzt haben sich ja die Lebenshaltungskosten so massiv gesteigert durch die Inflationen aber auch generell einfach das nehmen alle war und es hat sich einfach.
00:13:48: Das heißt, ich kann jetzt noch viel weniger davon leben und das war schon vor zehn Jahren nicht rosig.
00:13:53: Wir hatten ja über diese Normenseite gesprochen als Kennengröße.
00:13:56: Gibt es auch irgendwie von der finanziellen Entsprechung eine Kennengröße oder ist das wirklich mit jedem Verlag immer ein Aushandlungsprozess?
00:14:06: Es ist so dass unser Berufsverband VDI regelmäßig Honorarumfragen durchführt ganz gut dokumentiert ist, wie sich das Durchschnittseitenhonorar bemisst und entwickelt beziehungsweise nicht entwickelt hat.
00:14:22: Es ist so dass es seit rund zwanzig Jahren bei durchschnittlich knapp zwanziger Euro je Normseite liegt.
00:14:33: Das bedeutet aber nicht, dass jeder von uns zwanzige Euro pro Normseit bekommt sondern es gibt durchaus auch Kolleginnen und Kollegen die speziell in der Genre Literatur, also beispielsweise Jugendbuch oder Fantasie ist auch so ein Thema mit deutlich niedrigeren Honoraren leben müssen.
00:14:56: Das geht zum Teil bis dreizehn Euro runter.
00:14:59: zwischen dreizehn und fünfzehn euro sind auch solche Honorierungen, längst nicht mehr ausreichen, schon noch nie ausgereicht haben.
00:15:12: und du erwähnst die Inflationen, die Teuerungsraten.
00:15:16: Das ist vermutlich auch der Grund warum die Kampagne jetzt so eine breite Resonanz in unserer Berufsgruppe gefunden hat dass ganz viele sagen es ging noch nie gut aber jetzt geht's wirklich gar nicht mehr.
00:15:30: Jetzt ist Alarmstufe dunkelrot und nicht wenige von uns auch sehr renommierte übersetzende preisgekrönte haben sich in den letzten Jahren entschieden, den Beruf zu verlassen.
00:15:45: Sich anderweitig zu orientieren was im Einzelfall natürlich absolut verständlich und nachvollziehbar ist aber für uns als Berufsstand hoch tragisch zu beobachten weil wir alle mit so viel Leidenschaft an unseren Übersetzungen arbeiten, also ich glaube die Verlage könnten viel mehr auch mit unserer Loyalität und unserer Kenntnis dieser Texte arbeiten.
00:16:15: Und sich das besser zu Nutze machen.
00:16:19: im Zeitalter von KI mag es ja durchaus ein Qualitäts- Merkmal sein, wenn vorn draufsteht übersetzt von und dann steht da der Name der Übersetzerin oder des Übersetzers.
00:16:34: Das ist vielleicht für die Leserschaft auch durchaus hilfreich bei der Orientierung.
00:16:41: Wenn man schon mal eine Übersetzung gelesen hat von jemandem und einem dieser Text zugesagt hat, dann wär's ja durchaus ne Idee mal zu schauen was hat der oder die denn noch so übersetzt.
00:16:52: Total also ich hab diese Erfahrung tatsächlich schon ziemlich oft gemacht mit Übersetzern und Übersetzen dass ich so irgendwann gedacht habe okay das Buch ist jetzt schon wieder für Übersetzt von Eva Bonet zum Beispiel und das trifft irgendwie alles mein Geschmack.
00:17:06: Das heißt irgendwann fängt man an zu denken, weil es kommt ja aus anderen Sprachen.
00:17:09: Manches kennt man aber auch noch nicht dass man so denkt okay wenn diese Bücher alle schon übersetzt waren dann kann man sich da vielleicht ganz gut drauf verlassen.
00:17:17: das selben ist zumindest und hat sich dann auch jedes mal erfüllt.
00:17:20: also ich glaube auch dass das echt ein guter Effekt sein könnte gerade weil's ja immer aus einem anderen Markt kommen sozusagen und nicht was einem jetzt hier unbedingt sofort sowieso die ganze Zeit unterkommt weil das die Leute sind die hier immer lesen und sowas.
00:17:35: Dazu kann man vielleicht auch noch ergänzen, dass Kolleginnen und Kollegen die aus kleineren Sprachen übersetzen.
00:17:39: Also ich weiß es konkret von Leipziger-Kolleginnen aus dem Tschechischen oder Slowakischen, die ganz oft die Märkte ihrer Ausgangssprachen sehr genau kennen und beobachten und auch den Verlagen ganz konkrete Titel vorschlagen weil natürlich in den Verlagen nicht jede Sprache auch beherrscht wird von den Lektoraten, das ist ja ganz nachvollziehbar.
00:18:03: Und insofern sind die Übersetzenden dann auch nicht selten als Scouts unterwegs und begleiten dann auch oft ihre Autoren auf Lesereisen, Dolmetschen für die Veranstaltungen, stellen die Projekte auch auf Buchmessen vor.
00:18:20: Ich frage mich manchmal, warum das nicht auch in den größeren Sprachen so sein könnte.
00:18:24: Dass wenn zum Beispiel ein Autor eine Autorin aus einem fremdsprachiger Autor sein neues Buch auf Deutsch vorstellt?
00:18:34: Warum dann oft die deutschen Texte von Schauspielern gelesen werden?
00:18:42: Viele von uns haben sich in den letzten Jahren da sehr professionalisiert, Bühntrainings-, Sprechtraining gemacht und stehen durchaus zur Verfügung, auch solche Veranstaltungsformate zu begleiten.
00:18:56: Und können da ja auch für den Verlag ein Mehrwert bieten wenn fürs Publikum nicht nur der Autor und die Autorin präsent ist sondern auch mal als zusätzliche Information, als weitere Facette dieses Buches die Übersetzerin oder der Übersetzer sichtbar wird.
00:19:17: ich mache Manchmal bei Übersetzungslesungen, die wir ja durchaus gelegentlich organisieren.
00:19:24: Manchmal zum Hieronymustag, manchmal im Rahmen des Literaturforums und des Bibliotheksverbands.
00:19:32: Wenn wir unsere Übersetzungen vorstellen treffen wir oft auf ganz interessiertes Publikum Und das ist immer eine große Freude festzustellen dass es nicht so ist, dass die Leute sich nicht dafür interessieren.
00:19:48: Sondern ganz im Gegenteil.
00:19:49: oft hat das so ein Aha-Effekt gerade wenn man mit so einem interessierten Lesepublikum zu tun hat, die jetzt aber keine Experten auf dem Literatursektor sind sondern die sich dann einfach sagen ach stimmt ja da hat ja noch jemand mitgearbeitet.
00:20:08: wir können uns das oft gar nicht vorstellen weil wir tagtäglich Büchern und Übersetzungen operieren, aber es ist wirklich immer wieder so ein Effekt.
00:20:16: Also seit ich das weiß, gucke ich jetzt oft vorn rein wer hat das denn übersetzt?
00:20:22: Und das ist für mich eine neue und bereichernde Information.
00:20:27: also das stößt durchaus auf Interesse
00:20:30: Wie wenn du das jetzt gerade zu erzählst mit Veranstaltung und dass man manchmal auch Autorinnen begleitet.
00:20:36: wie sieht denn deine Arbeitsalltag eigentlich aus?
00:20:38: weil wir haben ja über die Seiten gesprochen die Arbeit am Text.
00:20:43: Aber ist es dann so, dass die hauptsächliche Arbeit ist?
00:20:46: Du fährst morgens zum Beispiel in die Nationalbibliothek und setzt dich hin und übersetzt und hast dann auch ein Buch oder sind das teilweise auch mehrere Projekte, die sich überschneiden?
00:20:55: Wie kann man sich das vorstellen?
00:20:58: In meinem Fall ist es so, daß ich tatsächlich in der Regel an einem Buchprojekt arbeite also ich könnte mir das nicht vorstellen mehrere parallel zu haben dass durch die Komplexität dieser Sachbücher ist es schon ratsam, sich auf eine Sache zu konzentrieren und da wirklich intensiv und konzentrierend auch dranzuarbeiten.
00:21:23: Tatsächlich ist das so, dass ich über weite Strecken des Monats sozusagen mich täglich an den Computersätze übersetze.
00:21:35: Es gibt allerdings für viele Kolleginnen und Kollegen noch weitere Standbeine, mit denen wir unseren Lebensunterhalt finanzieren, verdienen, erwirtschaften.
00:21:51: In meinem Fall ist das ein Projekt, dass ich zusammen mit zwei Kolleginnen, mit Bettina Bach Programm für die Leipziger Buchmesse, das wir jedes Jahr auf die Bühne in Halle Vier bringen.
00:22:13: Das ist das Forum Übersetzen.
00:22:15: Da haben wir Podiumsgespräche zum Thema Literaturübersetzung ganz allgemein.
00:22:23: Wir haben die Nominierten für den Preis der Leipzig-Buchmesse in der Kategorie Übersetzungen jedes Jahr zu Gast und dann auch jeweils den Preisträger oder die Preisträgerinnen.
00:22:34: Jedes Jahr stellen wir ein Programm zusammen auch durchaus auf Anregung aus unserer Berufsgruppe, dass wir uns mit Themen auseinandersetzen und die auf die Bühne bringen.
00:22:48: Die für uns gerade relevant sind oder den Beruf und das Übersetzen von Literatur anschaulich machen und illustrieren und fürs Publikum aufbereiten.
00:23:01: Machst du da eigentlich auch die Erfahrung, dass meine Leute auf dich zukommen und sagen, ich möchte diesen Beruf gerne ergreifen?
00:23:06: Die sozusagen noch ganz am Anfang stehen.
00:23:09: Ja das passiert immer wieder!
00:23:11: Wir haben auch deshalb ganz bewusst im Forum übersetzen einen Informationsstand mit Informationsmaterial, das sehr breit alles Mögliche abdeckt was auch den Einstieg in den Beruf angeht von Ausbildungseinrichtungen über Fördermöglichkeiten Fortbildungsangebote.
00:23:31: Das werden wir immer wieder gefragt und darauf gibt es auch gar nicht die eine Antwort, sondern viele von uns sind über die Begeisterung für Literatur zum Literaturübersetzen gekommen.
00:23:45: Es gibt Studiengänge in Düsseldorf und München wo man Literatur übersetzen studieren kann.
00:23:52: aber das ist keine Zugangsvoraussetzung, sage ich mal in den Beruf.
00:23:59: Da sind die Zugangswege sehr individuell ganz unterschiedlich.
00:24:03: Wie war der denn bei dir?
00:24:05: Ich habe in Leipzig Fachübersetzen studiert und da war immer der Tenor ach naja Literatur das muss man gar nicht erst probieren davon kann man eh nicht leben.
00:24:18: Da schließt sich jetzt vielleicht auch irgendwie ein Kreis keine Ahnung aber Das hat sich ergeben über Vermittlung von Kolleginnen und Kollegen.
00:24:33: Das passiert gar nicht so selten, dass zum Beispiel Leute die schon lange in dem Bereich arbeiten, Anfragen bekommen, die sie selber nicht bedienen können weil sie gut ausgebucht sind aussprechen und sagen, ich kann es nicht machen.
00:24:52: Aber ich empfehle den oder die Kollegin.
00:24:56: Oder man beginnt in einem Team mit jemanden der schon mehr Erfahrung hat und wächst dann so langsam
00:25:05: rein."
00:25:05: Und
00:25:06: was hast du beim Fachübersetzen in diesem Studiengang?
00:25:08: Was hat man da
00:25:09: gelernt?".
00:25:10: Also quasi Fachtexte zu übersetzen?
00:25:12: Ja, genau.
00:25:13: Ich habe mich im Studium auf das Fach Psychologie spezialisiert.
00:25:20: Deshalb übersetze ich auch immer mal wieder Sachbücher aus dem psychologischen Bereich.
00:25:32: Sehr schön.
00:25:34: Ich komme wieder auf den Protest zurück, weil ich habe bei den Karren das ist ja wirklich sehr praktisch.
00:25:38: Das ist so zusammengefasst.
00:25:40: was die Probleme sind erzählt aus dem Perspektiven einzelne Besitzenden und ich hab mir dann mal ein paar Themen die immer wieder aufgekommen sind rausgeholt und würde gerne darüber noch sprechen.
00:25:54: zum Beispiel ein Thema war dass die kleineren und mittelständischen Verlage es oft trotz angespanter finanzieller Situation bei sich selber besser hinbekommen, Übersetzerinnen zu bezahlen oder zu beteiligen mehr in dem Prozess.
00:26:07: Ein Punkt der dann immer genannt wird ist diese Forderung auch dass man ab dem ersten verkauften Exemplar schon mitbeteiligt wird an den Einnahmen.
00:26:16: was können wir ja vielleicht kurz dazu sagen.
00:26:19: nicht üblich ist also bei einigen Büchern oder bei vielen Bücheren das ist glaube ich so dass man erst wirklich eine relativ hohen Zahl von Büchtern die erst mal verkauft werden müssen, damit dann eine Übersetzerin noch mit dran beteiligt wird.
00:26:31: Wo ich dann auch gelesen habe dass das in vielen Kategorien und Genres einfach diese Zahl utopisch ist da kommt man quasi eh nie hin.
00:26:38: Das heißt dann kann man da keine Beteiligung erwarten und dass da aber kleinere Verlage oder so oft viel Gesprächsbereiter sind und sich bemühen da eine Lösung zu finden während die großen Konzerne vor allem sehr wenig drauf mit drauf zugehen irgendwie und sehr wenig darauf eingehen.
00:26:57: Und dann haben auch viele Besetzerinnen und Übersetzer gesagt, dass sie jetzt nicht den Nektoren oder den ElektorInnen den Vorwurf machen weil die einfach ihre Vorgaben haben.
00:27:08: so viel haben wir an Budget.
00:27:09: du kannst es sozusagen nehmen aber mehr ist hier wird nicht groß verhandelt.
00:27:14: Wie ist da deine Erfahrung?
00:27:16: Warum glaubst du ist das so?
00:27:18: warum gibt's da diese Skriptanz?
00:27:21: Ja das ist richtig Beteiligung am Verkaufserlös, ab dem ersten Exemplar fordern neben unserer Hauptforderung von einer Honorierung in Höhe von dreißig Euro je Normseite.
00:27:35: Das würde ich gerne nochmal ergänzen.
00:27:40: Ja warum das so ist?
00:27:43: Das ist wahrscheinlich eine sehr große Frage die man Wahrscheinlich den Verlagen stellen müsste, aber es ist tatsächlich so dass wir die Erfahrung machen mit kleineren unabhängigen Verlagen sehr viel mehr auf Augenhöhe verhandeln zu können und uns da mehr Verständnis und Entgegenkommen begegnet.
00:28:05: Wenn gleich natürlich auch speziell die kleinen Verlage finanziell unter großen Druck stehen, aber wir verhandeln dort stärker auf Augenhöhe.
00:28:14: Wir haben dort mit den Entscheidern vielfach zu tun währenddessen bei den großen Konzernverlagen wie du es gerade gesagt hast.
00:28:21: Wir oft mit den Lektoraten sprechen und dann oft den Gesprächspartnern die Hände gebunden sind.
00:28:30: Und das ist der Grund warum wir so laut und deutlich aufmerksam mit dieser Kampagne, dass es einfach nicht mehr geht.
00:28:38: Wir können von diesen bisher gezahlten Honoraren nicht mehr auskömmlich leben und am Ende ist es für viele so das sie versuchen ihr Einkommen quer zu finanzieren durch Nebenjobs oder durch andere Tätigkeiten Was allerdings in vielen Fällen, das berichten die Kolleginnen und Kollegen auch praktisch gar nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist.
00:29:04: Weil wie ich vorhin ja beschrieben habe, die Bearbeitungszeiten, die Zyklen immer kürzer werden und somit einfach die Zeit gar nicht zur Verfügung steht dass man sagen kann okay ich hab zu fünfzig Prozent noch eine andere Einnahmequelle Übersätze quasi nebenbei.
00:29:23: Das funktioniert irgendwie nicht mehr und das ist ja auch nicht Sinn der Sache, ich meine wir haben einen hochqualifizierten Beruf.
00:29:29: Wir üben den in aller Regel mit großer Freude Mit viel Leidenschaft aus Und wollen schlichtweg davon leben können.
00:29:40: Ein Punkt der da auch so ein bisschen reingeht wird dass jetzt dieses Quer finanzieren angesprochen.
00:29:44: und da habe Ich auch ein Zitat gefunden was sich ziemlich Krass fand.
00:29:48: die Übersetzerin von Emmanuel Carré und Jasmin Arreza, Claudia Hamm hat gesagt ich übersetzte Literatur.
00:29:54: Und bin die erste von drei Generationen von Frauen in der Familie, die finanziell nicht mehr unabhängig ist.
00:29:59: Und dieses Thema dass viele auch sagen ja Ich habe halt einen Partner.
00:30:03: Ich muss ein Partner oder eine Partnerin haben, die mehr verdient.
00:30:06: aber das bedeutet ja auch Dass sich in meiner Beziehung dann immer immer dieses Ungleichgewicht ist obwohl ich ja die ganze Zeit auch meine Arbeit mache Und dass einfach so schlecht bezahlt wird, ist das auch ein Thema was dir immer wieder mal begegnet wenn ihr dieses Übersetzerforum macht oder euch untereinander austauscht?
00:30:21: Definitiv.
00:30:22: Das ist eine totale Schieflage und ich frage mich schon auch ob dabei eine Rolle spielt, dass unser Beruf sehr weiblicher ist.
00:30:29: also ungefähr achtzig Prozent der Literatur übersetzenden sind Frauen und ja keine Ahnung.
00:30:38: da stelle ich mir schon die Frage Ob wir nicht hart genug verhandeln, vielleicht müssen wir uns an der Stelle ganz gezielt fortbilden um diese Hartnäckigkeit in den Verhandlungen auch an den Tag zu legen.
00:30:59: Es gibt ja, weil wir KI schon mal hatten, gibt es ja jetzt vor allem nämlich das so wahr wenn jetzt Interviews dazu geführt werden zu dem Thema dass oft so KI als der Aufhänger genutzt wird und so gesagt wird dieser Protest kommt jetzt vor allen in einem Branche und ich hab dann manchmal so wahrgenommen, dass von der Rückmeldung war.
00:31:17: Hier geht's erst mal auch um Geld.
00:31:18: also ne?
00:31:19: Es ist nicht jetzt nur so das wir sagen irgendwie die KI macht uns alles kaputt oder es wird auch nicht so leicht dass einfach eine KI kommt und das Buch so übersetzt.
00:31:29: was sind denn deine Gedanken dazu?
00:31:31: zu diesem sage ich mal Szenario was immer sehr schnell gesagt wird dass die KI die Übersetzung dann einfach übernimmt bald.
00:31:40: Also ich glaube tatsächlich dass KI nicht unser Hauptproblem Unser Hauptproblem ist die Vergütung, auf die wir mit unserer Kampagne aufmerksam machen.
00:31:51: Natürlich spielt KI eine Rolle!
00:31:53: Aber meine Wahrnehmung in der Branche ist, dass sich niemand die Illusion macht.
00:31:58: Dass man in literarischen speziellen Hochliterarischen oder aber auch im komplexen Sachtext einfach durch eine KI jagt und dann hat man einen fertigen Text den man ohne Bedenken publizieren kann.
00:32:10: das ist natürlich nicht der Fall.
00:32:11: und selbst wenn man jetzt an das unseelige Thema Post Editing sprich Man bekommt eine KI-generierte Textvorlage und soll die dann in ein sinnvolles Konstrukt bringen.
00:32:26: Da sind die Erfahrungen so, dass das so aufwendig und so ermüdend ist, dass es auch nicht schneller geht.
00:32:32: Und dass vor allem die Qualität so massiv leidet... Also man kann aus einem seelenlosen KI-Text einfach keine lebendige oder überzeugende Literatur machen!
00:32:43: Das funktioniert einfach nicht.
00:32:45: Ich denke, dass viele Akteurinnen und Akteure in den Verlagen das auch genau wissen.
00:32:54: Oft ist es vielleicht ein hilfloser Versuch mit dem finanziellen Druck umzugehen aber die Ergebnisse sind nach allem was wir jetzt erfahren haben überhaupt nicht überzeugend.
00:33:07: Die KI scheitert grandios an allem Text zur Literatur macht, an Wortspielen.
00:33:14: An Ironie!
00:33:15: An Emotionalität und Atmosphäre – all das in dass wir uns mit unserer professionellen Empathie hineinbegeben, um das möglichst gut, möglichst adäquat im Deutschen zu reproduzieren.
00:33:30: Daran scheitert die KI und insofern möchte ich dem eher das Stichwort künstlerische Intelligenz entgegensetzen weil dass die Eigenschaft oder die Kompetenz ist die für eine Literaturübersetzung erforderlich ist, dass wir all das in einem fremdsprachigen Text erfassen.
00:33:56: Wir sitzen ja nicht da und rechnen oder geben Wort für Wort wieder was in diesem fremdsprachigen text steht sondern wir treffen ja Entscheidungen wie wir bestimmte Besonderheiten des Textes im deutschen widergeben.
00:34:13: Das sind ja ganz individuelle Ansätze und Entscheidungen, die wir da treffen.
00:34:43: Gab es auch mal Zeiten, wo du nur vom Übersetzen gelebt hast?
00:34:48: Ja ich lebe vom Üersetzen.
00:34:51: Ich kann allerdings nicht meine Familie davon ernähren.
00:34:54: also wir sind schon auf ein doppeltes Einkommen angewiesen und dieser zweite Teilbereich meiner Arbeit ist jetzt auch weniger eine Querfinanzierung, würde ich sagen.
00:35:12: Sondern also für mich persönlich geht es dabei auch darum nicht immer nur im stillen Kämmerlein zu arbeiten.
00:35:20: das hat auch den Effekt dass ich da mit meinen beiden Kolleginnen Bettina und Anja im Team arbeite und wir am Ende dann dieses Programm auf die Bühne stellen.
00:35:31: Also wirklich ganz analog und handfest, die menschlichen Begegnungen, die wir im Forum übersetzen haben.
00:35:40: Das ist auch ein Anlaufpunkt für alle, die in dem Beruf arbeiten oder sich für den Beruf interessieren.
00:35:47: Eine Kollegin hat letztes Jahr auf der Messe gesagt ihr seid mein Heimatharfen und das fand ich so eine schöne Umschreibung für das was wir da machen wollen.
00:35:57: und wir merken auch immer wieder in der Literaturszene oder Übersetzungszene in unserem Fall jetzt dass dieses Begegnen und dieser Austausch miteinander im ganz realen unheimlich wichtig geworden ist.
00:36:14: Das haben wir jetzt in Frankfurt auch wieder gesehen, diese Lebendigkeit und diese Quirligkeit die dann die Literaturbranche auch vermittelt ist glaube ich ein sehr guter Ausgleich und eine gute Kompensation für dieses Einsame was wir in unserer Arbeit oft haben Autorinnen und Autoren ja auch.
00:36:38: Insofern sind wir da irgendwie auch.
00:36:42: Und mit unserer Kampagne, das ist mir auch noch mal wichtig anzumerken.
00:36:46: Dabei geht es uns nicht darum, einen Teilbereich des Literaturbetriebs gegen den anderen aufzuwiegen und auszuspielen.
00:36:59: Es geht uns darum, aufmerksam zu machen auf die Situation speziell... in unserer Berufsgruppe und deutlich zu machen, dass da eine Veränderung her muss.
00:37:12: Da könnten wir ja noch kurz über den Aspekt der Unsichtbarkeit von Übersetzern und Übersetzerinnen sprechen.
00:37:17: natürlich jetzt mit der Kampagne weniger und es gab auch sicherlich in den letzten Jahren paar Veränderungen bei ein paar Verlagen um bisschen mehr bewusst sein bei den einen oder anderen Personen aber immer noch im großen Breiten gibt's immer so dieses Thema das die Besetzerin Du hast es jetzt schon sehr genau auch erklärt, die an einem Buch einfach einen maßgeblichen Anteil haben.
00:37:40: Wenn das von einer anderen Sprache kommt, dass sie irgendwie so hinten runterfallen und was ist da deine Sicht drauf?
00:37:50: Deine Erfahrung damit und was denkst du woran das vielleicht liegt?
00:37:56: Ja, das ist wirklich eine Besonderheit an unserem Beruf, in dem wir im Dienst des Originals stehen oft nicht wirklich wahrgenommen werden, weil wenn eine Übersetzung sich gut liest und niemand daran Anstoß nimmt dann wird in der Regel gar nicht drüber gesprochen.
00:38:23: Und es ist gar kein Bewusstsein dafür da dass es sich um ne Übersetzung handelt.
00:38:28: allzu oft passiertes das Stellen bei denen Leute über die Leute stolpern, plötzlich der Übersetzung angelastet werden in so einem reflexhaften Geschehen und wir uns eigentlich mit guter Arbeit noch unsichtbarer machen als ohnehin schon.
00:38:53: Das ist eigentlich so ein Kernproblem an unserer Arbeit und viele Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Jahren viel dafür getan, sich auch zu zeigen ob das jetzt online mit einer eigenen... Seite im Netz sowieso, aber auch auf Social Media aktiv sind.
00:39:18: Lisa Kökeböhn ist dafür natürlich ein ganz wunderbares Beispiel die da sehr, sehr viel Sichtbarkeit schafft und auch sehr aktiv in den Austausch mit den Lesenden geht.
00:39:31: Das ist nicht jeder von uns gegeben aber viele versuchen schon auch den Hieronymustag beispielsweise zu nutzen.
00:39:40: Da gibt es zunehmend nicht nur in den größeren Städten Übersetzungslesungen.
00:39:46: Wir machen das in der Regel in Leipzig im Literaturhaus, haben dort zum Glück gute Kontakte und können dort Veranstaltungen auch organisieren.
00:40:00: In Leipzig auch in Zusammenarbeit mit dem Übersetzerverein Die Fähre Das ist der sächsische Verein für Literaturübersetzung sehr verdienstvoll schon seit vielen Jahren.
00:40:11: Und ja, so sind es kleine Schritte in die Sichtbarkeit für manche von uns auch durchaus mit Überwindung verbunden.
00:40:18: Also es sind schon viele introvertierte Menschen in diesem Beruf unterwegs aber wir uns ist natürlich klar dass wir selber auch was für dieses Bewusstsein tun können und sollten, um zu zeigen Literaturübersetzung ist ein relevantes Thema.
00:40:41: Und da gibt es glaube ich noch viel Potenzial was man auch in Zusammenarbeit mit den Verlagen ausloten könnte.
00:40:51: Ein Aspekt, zu dem ich... Ich muss jetzt schon wieder zum Negativen kommen.
00:40:54: Aber es ist ja auch ein Protest weil sich Dinge ändern müssen.
00:40:57: und einen Aspekt der immer wieder aufkam in diesen Kacheln war das Thema Altersarmut.
00:41:02: also da hat dann jemand gesagt irgendwie ich hoffe einfach dass ich bis Achtzig arbeiten kann weil es gibt keine Rente für mich quasi ich kann mir mein Leben sonst eh nicht mehr leisten.
00:41:13: wie ist das denn so?
00:41:14: Gibt's irgendeine Möglichkeit zum Beispiel von dem Verband der Übersetzer oder so, dass die dann sagen okay wir versuchen irgendwie so eine Art Rettungsschirm zu haben.
00:41:22: Gibt es existiert sozusagen irgendwas?
00:41:25: Weil das ist ja wirklich ein riesiges Problem wenn man sagt ok ich mach diesen Job Ich mache ihn mit Leidenschaft Der braucht auch Zeit Den kann nicht einfach irgendwo mal etwas übersetzen und aber irgendwann kommt dann ein gewisses Alter Und mir fehlt einfach das Geld in meiner Vorsorge.
00:41:44: Gibt es da irgendwas?
00:41:45: Und wie ist das so, könnte man da auch etwas geben.
00:41:48: Es gibt vielleicht Stellschrauben an denen man trägen könnte um das zu verbessern.
00:41:53: Also eine wichtige Sache für unsere Branche ist die Förderung in Form von Stipendien.
00:42:00: Es geht den deutschen Übersetzerfonds.
00:42:02: Das ist einer der Kulturfonds in Deutschland.
00:42:04: Der ist angegliedert an den Literaturfonds wo wir zu festen Fristen im Jahr Stipendien beantragen können.
00:42:13: Das sind zum einen Arbeitsstipendian, es gibt aber auch Recherche- oder Reisestipendienne verschiedene Formate... wo man die Möglichkeit hat sich mit seinen Projekten zu bewerben und dann aber natürlich darauf angewiesen ist, da gibt es natürlich immer viel mehr Bewerbungen als tatsächlich Mittel zur Verfügung stehen.
00:42:34: Das heißt das ist eine Möglichkeit der zusätzlichen Finanzierung, aber es ist keine verlässliche.
00:42:41: insofern ist das unbedingt zu erwähnen.
00:42:48: Eine andere Möglichkeit ist über die VG Wort, deren Autorenversorgungswerk bietet ein Alterszuschuss an.
00:42:56: Das ist eine einmalige Zahlung, die man beantragen kann im Jahr des fünftigsten Geburtstags und das ist vielleicht auch noch gar nicht so bekannt.
00:43:08: also ich lese immer mal in unseren Austausch, Mail-Austauschgruppen oder auf Social Media.
00:43:18: Leute bewerbt euch da!
00:43:20: Das ist eine gute Möglichkeit aber das ist ne Einmalzahlung.
00:43:25: die deckt natürlich nicht des gesamte Alter ab und Altersarmut ist definitiv ein großes Thema.
00:43:35: Niemand von uns weiß, wie wir gesundheitlich im höheren Alter aufgestellt sein werden.
00:43:42: Ob das noch möglich sein wird weiter zu arbeiten?
00:43:45: Also die Rentenprognosen der meisten von uns sind ernüchternd und eine private Vorsorge ist schwer zu finanzieren von diesen niedrigen Honoraren.
00:43:59: also das ist und bleibt ein großes Problem
00:44:03: Und da hilft wahrscheinlich auch, also was ja trotzdem helfen würde wäre einfach mehr Geld.
00:44:08: Also dass die Arbeit einfach besser entlohnt wird und dann kann man zumindest vielleicht hat man wieder ein bisschen Spielraum auch mal etwas zurückzulegen.
00:44:14: So ist es.
00:44:15: Dann kann man Rücklagen bilden, diese Rücklagen oder Möglichkeit zur Rücklagenbildung.
00:44:20: Die fehlt uns komplett!
00:44:21: Wir müssen ja auch von unseren Honoraren – das darf man ja nicht vergessen wenn man jetzt mit dieser rechnerischen Größe von hundert Seiten pro Monat rechnet.
00:44:30: Da müssen wir hier alles mit einpreisen.
00:44:32: da ist Urlaub mit eingerechnet Krankheit Vielleicht auch Zeiten in den Auftragsflauten herrschen.
00:44:41: Da sind Fortbildungen eingepreist, Messebesuche... Wir sind Freiberuflerinnen und müssen das alles natürlich von diesen Honoraren auch mit finanzieren.
00:44:54: Das heißt, wenn wir länger krank sind dann kann das schon schnell auch existenziell werden und lange Urlaube sind für viele nicht drin.
00:45:04: eine Kollegin hatte auf ihrer Kachel auch geschrieben dass sie schon ewig keinen Urlaub mehr gemacht hat.
00:45:11: also das ist auf jeden Fall ein Missstand auf den wir mit großen Nachdruck hinweisen wollen.
00:45:18: da fällt mir auch einen Zitat ein wo es irgendwie darum ging Eine Besetzerin gesagt hat, sie hofft einfach dass der nächste Burnout sie nicht komplett aus der Bahn wirft.
00:45:28: Weil sie hatte schon so viel aber es muss halt immer weiter gehen und die große Angst davor dass es dann irgendwann so viel ist das gar nichts mehr geht.
00:45:37: und das sind ja keine Zustände mit denen man irgendwie arbeiten kann
00:45:41: Ja, definitiv.
00:45:42: Oder wenn ich lese, dass eine Kollegin schreibt sie konnte sich den Messebesuch nicht leisten weil es einfach zu teuer ist die Übernachtung in Frankfurt sind teuer Zu solchen Hochzeiten wie der Buchmesse Das geht ja gar nicht.
00:45:56: Wenn so ein wichtiges Branchentreffen aus finanziellen Gründen nicht drin ist dann ist das wirklich sehr arg.
00:46:07: Ja, jetzt haben wir über viele Aspekte gesprochen und ich würde gerne zum Ende noch mal so eine kleine Zusammenfassung machen quasi der Blick in die Glasskugel.
00:46:15: Wenn jetzt dieses Gespräch käme mit den Verlagen wenn sich da was bewegt also auch ein Gespräch zustande kommt?
00:46:24: Was wäre so ein bisschen die ideale Welt dass wirklich diese Situation wirklich grundlegend, nicht nur so ein kleines bisschen sondern wirklich grundlägend verbessert wird für Besetzerinnen und das vielleicht auch junge Menschen die da reingehen wollen in diesen Beruf der ja weiterhin wichtig ist.
00:46:41: Auch Lust kriegen vielleicht darauf wie können wir das zusammenfassen?
00:46:47: Ja, da geht's ans Eingemachte!
00:46:53: Wir fordern diese deutlich höhere Honorierung von dreißig Euro pro Seite, pro Normseite und würden gerne ins Gespräch gehen mit den Verlagen.
00:47:07: Und gemeinsam auch überlegen was für Möglichkeiten es gibt uns stärker einzubinden in die Übersetzungsprojekte also möglicherweise auch gemeinsam Veranstaltungsideen entwickeln oder die Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam zu bedenken und auch Entscheidungsprozesse transparenter zu machen beispielsweise.
00:47:40: Mehr Geld, einfach mehr Geld eine angemessene Bezahlung.
00:47:45: ich bin sehr, sehr froh dass du heute hierher gekommen bist.
00:47:47: Ich würde aber auch sagen wenn du noch was hast das wir noch nicht besprochen haben sagt es gerne weil ich habe auch auf die Erfahrung gemacht man bereitet sich dann ja sofort und hat so seine Sicht oder seine Fragen.
00:47:58: Aber sie sind ja immer von außen Man lebt ja nicht in diesem Beruf Und hat nicht zu dieser Erfahrung.
00:48:04: Deswegen gibt's da noch Sachen.
00:48:05: Ja
00:48:05: ich hab tatsächlich noch zwei Punkte.
00:48:08: Das eine Politisch sehr, sehr wünschenswert für die ganze Branche wäre eine strukturelle Verlagsförderung.
00:48:16: Die Verlage, davor verschließen wir natürlich auch nicht die Augen, die unter großem finanziellen Druck stehen dass da eine größere Verlässlichkeit bei der Förderung für sie bestehen würde und in Hamburg wird jetzt der Versuch unternommen.
00:48:36: das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.
00:48:41: Und ein zweiter Punkt aus Berufsverbandssicht, also den Berufsverband VdU möchte ich hier auch nochmal ganz nachdrücklich nennen der viel für unsere Sichtbarkeit tut sehr viel für die Stärkung unserer Branche tut.
00:48:58: wir sind als VdÜ-Mitglieder auch Mitglieder bei Verdi das heißt wir haben eine gewerkschaftliche Vertretung haben, auch Unterstützung im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten.
00:49:15: Wir können da eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen und was auch eine Forderung unserer Berufsgruppe ist ein Verbandsklagerecht dass wenn es wirklich zu Unüber Brückbahnstreitigkeiten kommen die vor Gericht landen wir natürlich eine große Asymetrie im Machtverhältnis haben und als Einzelkämpfer, Einzelkempferinnen da oft sehr allein dastehen.
00:49:42: Und wenn der Berufsverband die Möglichkeit hätte für uns diese Klage zu führen wäre das natürlich ne große Erleichterung.
00:49:51: insofern fordern wir die auch unter anderem mit
00:49:57: Sehr schön und danke dir noch mal, dass du gekommen bist.
00:50:00: Und ich kann von unserer Seite aus nur sagen das auch wir durch diesen Protest einfach nochmal mehr im Bewusstsein dafür bekommen haben wie wichtig es ist das einfach mit zu erwähnen.
00:50:11: und Es ist irgendwie was eigentlich weiß man das.
00:50:14: also wir als Menschen die sich quasi viel mit Literatur beschäftigen wissen das natürlich schon dass es Übersetzungen gibt und selbst da ist es irgendwie so dass es dann trotzdem schnell runter rutscht weil man Zum Beispiel hatte ich das neulich über das neue Buch von Caroline Blackwood reden will.
00:50:28: Und dann ist man so begeistert von dem Buch und der Autorin, dass die jetzt wieder entdeckt wird... ...dass man sich da so drauf stürzt und dann so völlig drin ist und am Ende denkt, warte mal haben wir jetzt über die Übersetzerinnen auch geredet, Claudia Feuth?
00:50:39: Oder ist das irgendwie wieder runtergefallen?
00:50:42: Dann muss man es halt wieder nach hinten machen.
00:50:44: aber ich glaube da ist es wirklich so.. Wie du auch gesagt hast, auch von LeserInnen-Seite... Ich glaub die Bereitschaft ist da!
00:50:53: Das auch zu schätzen und sich darüber auch zu freuen, dass es Menschen gibt die sich diese Mühe machen Bücher aus anderen Sprachen für uns lesbar zu machen.
00:51:00: Und das ist ja auch was kann man vielleicht ja auch noch mal sagen, was in Deutschland schon ziemlich besonders ist wie viel Literatur einfach vom Ausland her übersetzt wird in unsere Sprache.
00:51:09: Das ist in anderen Buchmerken viel kleiner der Anteil an Sprachen von Dino kommen und das belebt ihr einfach eine Kultur extrem.
00:51:18: Das sind derzeit ungefähr fünfzehn Prozent der Neuerscheinungen.
00:51:23: Ja, was du sagst ist natürlich vollkommen richtig und auch nachvollziehbar wenn das in Einzelfällen mal runterrutscht dass man vor lauter Freude über eine Neuerscheinung versäumt hat zu erwähnen, aber ich fand es insofern sehr charmant in eurer letzten Folge.
00:51:42: Dass du's einfach noch mal nachgeschoben hast und ergänzt hast – das ist uns beim letzten Mal durchgerutscht – auch nicht selten, wenn wir Journalistinnen und Journalisten die Bücher rezensiert haben.
00:51:57: Darauf hinweisen.
00:51:58: übrigens da fehlte die Angabe.
00:52:00: das ist oft gar kein böser Wille sondern es geht wirklich um das Bewusstsein dass dafür zu schärfen sehr, sehr lange viele Wochen Monate an so einem Buch sitzen.
00:52:12: und wenn dann einfach nur vom Verlag gemeldet wird.
00:52:15: Jetzt endlich auch auf Deutsch!
00:52:17: Und dann in den ganzen bibliografischen Angaben kein Platz für schlichtweg den Namen des Übersetzenden ist.
00:52:24: Das ist dann einfach oft... eine frustrierende Erfahrung und die ist auch unnötig.
00:52:30: Also insofern großes Plädoyer für ein Bewusstsein dafür, dass es Menschen gibt, die Literatur übersetzen.
00:52:37: Das ist doch ein schönes Schlüsstwort.
00:52:39: Auf Wiedersehen!
00:52:40: Tschüss bis zum nächsten
00:53:15: Mal.
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