Keine Zeitverschwendung

Shownotes

Wer bereitete den Weg für nigerianische Autorinnen? Wie fühlt es sich an, im 18. November festzustecken? Und wieso gibt es jetzt überall Memes zu Sally Rooney? Wir reden drüber. Inklusive Deepdive ins literarische Mammutprojekt „Über die Berechnung des Rauminhalts“ von Solvej Balle. Und wir erinnern an Mehdi Moradpour und Flora Nwapa.

Bücher Solvej Balle, „Über die Berechnung des Rauminhalts 1-5“ (übers.: Peter Urban-Halle, Matthes&Seitz)

Credits Sprecher: Malte Schlage Design: Elisa Merino Vazquez Musik: Johannes Rieger Produktion: Josef Braun und Linn Penelope Rieger

Wir freuen uns über Anmerkungen, Lob und Kritik, Buchtipps und alles was sonst zur aktuellen Folge oder dem Podcast zu sagen ist.

Unsere Mail: wasserundbuch@web.de

Unser Instagram-Account: wasserundbuch

UNTERSTÜTZT UNSERE ARBEIT GERNE: paypal.me/wasserundbuch DANKE!

Um zu wachsen und unseren Podcast mit möglichst vielen teilen zu können, freuen wir uns über jedes Abonnement (https://wasser-und-buch.podigee.io/?token=moB-mTRwsduSRwVQM-5iWw)) und jeden Fünf-Sterne-Bewertung auf den gängigen Plattformen, die unseren Podcast für andere sichtbarer macht. Habt vielen Dank!

Transkript anzeigen

00:00:02: Wasser und Buch, der Podcast für literarische Grundbedürfnisse mit Lin Pinedope Miklitz und Josef Braun.

00:00:23: Josef schön dich zu sehen!

00:00:24: Hallo Lin, schön dich zusehen.

00:00:26: Ja heute mal wieder in der klassischen Besetzung.

00:00:30: Du und ich.

00:00:30: Stimmt, das war ja letzte Woche gar nicht gott.

00:00:33: die Zeit geht so schnell vorbei.

00:00:34: Wahnsinn.

00:00:34: Es passiert so viel... Aber es freut uns sehr, dass unsere Übersetzerin Folge so viel mit Frauke so viel angehört wurde.

00:00:44: Ja hat sehr viel Resonanz erfahren.

00:00:46: das hat uns total gefreut.

00:00:48: Wichtiges Thema und ja bin auch sehr froh, dass dieses Gespräch zustande gekommen ist.

00:00:53: also vielen Dank nochmal!

00:00:56: Genau.

00:00:56: Und Lin, ich war schon wieder im Kino.

00:00:58: Willst du mich dazu befragen?

00:01:00: Weil ich war ja gestern ... Soll ich dir mal sagen was ich gestern gemacht hab?

00:01:02: Ich bin gestern extra nach Halle gefahren um ins Kino zu gehen damit's noch vor unserem Podcast klappt ne?

00:01:08: Weil

00:01:08: es leid

00:01:08: sich war ja noch

00:01:09: dass das Wahnsinns-Einsatz extra nach Halle fahren und ins Kinos zu gehen um dann hier drei Minuten davonzuzählen.

00:01:15: Ich find auch!

00:01:16: Aber dann hau mal raus hat sich der Film gelohnt und erzähl mal wo warst Du

00:01:20: also...ich war in einem sehr komplex Pro komplexen Kino, also Synaptics, Cinemax.

00:01:27: Das weiß ich nicht, das ist klar.

00:01:29: Weil der falsche Ausdruck so ein bisschen aber jedenfalls kein besonderes Arthauskino hat aber den Vorteil dass es direkt am Bahnhof liegt.

00:01:35: Aber wir konzentrieren uns jetzt mal ein bisschen.

00:01:38: Sinn und Sinnlichkeit ist ja die neue Verfilmung.

00:01:41: Die letzte ist schon ein bisschen her, die waren in neunziger Jahren.

00:01:44: Da hat Emma Thompson das Drehbuch Also sie hat das Drebuch geschrieben Und Oscar für das beste Drehbuch damals gewonnen.

00:01:50: Sie hat auch eine der Haupträumen gespielt Nämlich Eleanor Und mitgespielt hat auch damals Alan Rickman, der Snape Show Spieler.

00:01:59: Der, der ja auch vertraut sein dürfte und wir haben ja schon mal unsere große Jane Austen Folge gemacht wo wir ja auch so ein bisschen Jane Auston Verfilmungen gerankt haben.

00:02:07: da habe ich auch schon über diesen Film so ein bißchen erzählt.

00:02:09: Auf

00:02:09: welcher Skala... oder wie hoch hast du ihn da eingeordnet?

00:02:13: Das weiß ich

00:02:14: gar nicht.

00:02:15: Ziemlich weit hoch!

00:02:15: Ja, der war gut.

00:02:17: und jetzt halt die solcher... Das

00:02:19: ist die gleiche Story das heißt passiert auf dem gleichen Roman Sinn und Sinnlichkeit und hat natürlich einen Ruf zu verlieren sage ich jetzt mal.

00:02:26: Hat ein Ruf to verlieren.

00:02:27: es ist so ein bisschen so dass man sagt dass Jane Austens Romane so gut gebaut sind dass man eigentlich wenig falsch machen kann.

00:02:33: so mal grundsätzlich die lassen sich einfach super verfilmen.

00:02:35: deswegen werden sie auch so oft verfilmt.

00:02:38: Es wird dich vielleicht nicht überraschend zu hören, dass Netflix bald eine stolze Vorteil sehr ihr rausbringt.

00:02:43: Und die sieht tatsächlich sehr gut besetzt aus.

00:02:46: Kennst du das?

00:02:46: Dass man manchmal so ein Trailer sieht von einem Buch und man denkt so ja... Das ist genau die richtige Besetzung für diese Figur!

00:02:54: Man hat gleich schon so ein gutes Gefühl.

00:02:55: bei der habe ich echt hohe Erwartungen.

00:02:58: Bei diesem Film ging es mir so, dass sich auch eigentlich von den zumindest so vornehmen Träler, vor allem auch von den Plakaten und so.

00:03:06: Du hast es ja auch gesagt irgendwie total angetan war.

00:03:09: ne?

00:03:10: Es hatte diese Britishness, das war irgendwie so pastellig

00:03:14: die Kleider, die Kostüme.

00:03:16: man hat direkt das Gefühl von oh Gott danach werfe ich mir auch ein Häubchen über

00:03:20: und trage

00:03:21: die Haare auf.

00:03:23: Und weißt du noch grob die Geschichte von Sinonsinnlichkeit?

00:03:27: Kein bisschen!

00:03:29: Aber wieder natürlich höhere Töchter die richtigen Beziehungen finden, Etikette.

00:03:36: Liebe ist vor allem ein Arrangement und ein Gebot an Höflichkeiten.

00:03:40: also solche Dinge

00:03:41: halt.".

00:03:42: Ja und im Zentrum stehen die zwei Schwestern oder die Familie Dashwood und vor allem die zwei älteren Schwesten Eleanor und Marion Dashwood Und diese stehen für die Zwei Polar aus dem Titel sozusagen Also Sinn verstand es Eleanor Die ältere Schwester und Marion hat eben Sinnlichkeit, dies heißt blütig impulsiv und die möchte sozusagen die Diebe einfach wirklich.

00:04:05: die will die Leidenschaft auch spüren.

00:04:06: Wenn Elena immer sagt so bleibt vernünftig überlegt ihr genau und so weiter was dann wiederum dazu führt dass Elena Schwierigkeiten hat ihre Diebe auch zu gestehen oder ihre Gefühle zugestehen weil sie so sehr immer versucht das Richtige zu tun.

00:04:21: so Und diese zwei Pole Diese Schwesternschaft steht im Mittelpunkt.

00:04:26: der Roman Und auch dann der Film setzt damit ein, dass der Vater stirbt und Erblinie zu der Zeit das Anwesen in dem die gelebt haben.

00:04:37: In dem die ihr Leben bisher verbracht haben so'n großes englisches Landhaus geht halt an den Heilbruder weil er halt Mann ist und deswegen müssen sie dann in so'nen kleines Cottage und dann geht's halt darum wie die alle miteinander, wie die halt alle verlobt werden sollen an verschiedene Typen Männer treffen.

00:04:55: und du kannst dir vorstellen, das ist nicht so einfach.

00:04:59: Was ich bei dieser Verfilmung jetzt ganz schön finde um darauf mal zu kommen ist dass was du schon von den Plakaten so erahnt hast die Landschaften und wie es gefilmt wird ist total toll.

00:05:10: also es gibt ja zwei Arten.

00:05:11: Du kannst es entweder fast wie auf einem Gemälde machen Also irgendwie dass die Natur zwar da ist aber so Ich weiß nicht ob du das weißt.

00:05:22: Olivia Leng hat in ihrem Gartenbuch darüber geschrieben, dass es eine Zeit gab wo die englischen Gärtner und so bestimmte Leute sich quasi die Natur so zurechtgeschnitten haben.

00:05:32: Ich habe sie auch mal in London gesehen.

00:05:34: beim Kennenmuthaus gibt's das.

00:05:36: Da haben die sich quasi die Natur so zurechtgelegt, dass sie aussieht wie auf einem Gemälde.

00:05:40: Und dann haben wir sich wirklich an der Aussichtsplattform gestellt und gesagt okay, der Hügel muss weg!

00:05:45: Da müssen fünf Bäume hin, da unten muss der Teichchen, da muss der Weg runter... Das ist mal und dann wurde wirklich die Natur zu recht gestaltet das am Ende der Idee war wenn ich dann da stehe will ich ein gemälder haben quasi so.

00:05:58: Die Natur soll mein Gemäle sein so ne?

00:06:00: Und das hast du ja auch in manchen von diesen Jane Austen Verfilmungen diese Art britischer Landschaft, wo du das Gefühl hast jetzt ist alles komplett gestaltet.

00:06:09: Warum

00:06:10: steht der Busch im Gold?

00:06:11: Genau genau!

00:06:13: Das ist sozusagen aber davon habe ich das Gefühl gehen moderne Verfilmungen eher so ein bisschen weg auch mit so unserem bisschen veränderten Verständnis von wie wertvoll die Natur ist oder so.

00:06:22: Hast Du jetzt eher eine Natur?

00:06:24: Die ist so zum Anfassen, weißt du?

00:06:26: Es ist so grau und ein bisschen diesig.

00:06:29: Und du hast das Gefühl... Ja und du spürst die Erde im Sohn.

00:06:32: Also du hast sozusagen nicht so dieses einfach nur so'n Bild wo alles perfekt ist.

00:06:36: Das fand ich sehr toll.

00:06:37: also die Einstellungen waren super.

00:06:40: Was sich auch richtig cool fand war irgendwie so dieses... ...die Schwestern, dass es irgendwie ganz gut gezeigt also der Fokus in diesem Film stark auf den Schwesten währenddass in dieser Nineteinneunziger Verfilmung Ich glaube die war von Vierneunzig stark auf den Liebesbeziehungen gewesen.

00:06:57: Das ergibt auch irgendwie auch Sinn vom Alter her, weil als Emma Thompson und dann Rick Mann das gestreht haben war er halt zum Beispiel neunvierzig und sie sechsten dreißig also Emma Thompson ja.

00:07:10: Und jetzt die sind alle so in ihren zwanzigeren.

00:07:13: Also das ist so näher dran an dem wie

00:07:15: es eigentlich

00:07:15: gedacht ist.

00:07:16: Ja da kannst du zumindest so...also ich fand dass Du kannst halt dann zumindest diesen Aspekt stärker betonen, weil ich hab so ein bisschen darüber nachgedacht dass bei so Schwestern schafft oder wenn du das zeigen willst oft zeigt sich das halt super.

00:07:31: Wenn du noch dieses Jugendliche mit hast weißt du man kabbelt sich so ein bischen und dann legt man aber auch irgendwie zusammen im Bett und kuschelt noch ein bisschen und dann tauscht man sich halt aus wie es beim Daten läuft.

00:07:42: ja und das ist natürlich um so älter die Figuren werden oder auch die Schauspielerinnen auf der Leinwand Umso mehr müsste man das irgendwie auf eine erwachsene Weise erzählen.

00:07:50: Und dadurch ist es vielleicht ein bisschen komplizierter, dass im Kino Bilder zu bringen als jetzt dieses.

00:07:56: so wir schmeißen uns alle aufs Bett und dann erzählen wir alle miteinander was du auch in anderen Verfilmungen hattest.

00:08:02: genau deswegen ist das irgendwie ganz cool Diese diese Aspekt.

00:08:08: ich werde aber trotzdem sagen, dass der Film aus den neunzigern einfach besser ist.

00:08:11: also man kann diesen jetzt gut gucken.

00:08:14: Weil die wichtigen gefühle dieses zurückgenommen und dieses leiden darunter und diese ganzen sachen Die waren so gut gespielt von Emma Thompson und Ellen Rickman Dass du jetzt leider wirklich da sitzt Und auch bei dem paar anderen Casting Entscheidungen und dann denkst du Der kriegt das einfach nicht so hin, wie Alan Rickman das hingekriegt hat.

00:08:33: Und es ist vielleicht auch unfair, weil der eine Schauspieler dreißig ist und der andere neunvierzig.

00:08:37: und dann diese Sehnsucht und dieses ... Aber du kannst sich vielleicht nach erinnern, dass Alan Rickmann auch als Snape seine Momente hatte, wo man diesen ganzen Schmerz darüber gesehen hat in dieser sehr zurückgezogenen, zurückgenommenen Haltung, den Schmerzen darüber, dass er ja eigentlich Harrys Mutter geliebt hat.

00:08:56: In dem Fall ist es halt so, dass die einfach so gut

00:08:59: sind.".

00:08:59: Dass man sich diesen Film super angucken kann, dass er irgendwie super aussieht und ein paar schöne Aspekte hat.

00:09:05: Aber das der einfach nicht ran reißt an den aus Neunzigern.

00:09:08: Ähm... aber es ist trotzdem keine Zeit für Schwende.

00:09:15: Im Vulkan!

00:09:16: Willen wir müssen schon wieder in zu News mit einer traurigen Nachricht starten?

00:09:20: Der Autor- und Traumatiker Medi Morathpur ist gestorben.

00:09:24: Er wurde neunzehneunzebzig in Täran geboren, hat dort zunächst Physik und Industrietechnik studiert und ist dann aber ein Jahrzehnte nach Deutschland gekommen, hat seine Studienfächer noch mal komplett gewechselt hier in Leipzig.

00:09:37: Und in Havanna studierte er ab dem Jahr zwei-tausendvier Hispanistik, Soziologie Amerikanistik und Arabistik.

00:09:44: Er wurde Teil der freien Theater-Szenen Leipzig und Berlin.

00:09:47: Das war also vor unserer Zeit so ein bisschen ... Sonst hätten wir ihn vielleicht auch mehr mit seiner Arbeit schon mitbekommen.

00:09:53: Im Jahr zwei Tausend vierzehn bis zum Jahr zwei tausendsechzehn besuchte er den Lehrgang Forum Text von der Uni T. Graatz und begann dann sich als Autor und Dramatiker zu etablieren, sozusagen den Sprung aus der freien Szene raus in die offiziellere Theaterwelt.

00:10:10: Sein Stück Mumi ein Heimspiel wo er sich mit Flucht Asyl Gewalt und Identität beschäftigte wurde am Theater Konstanz-Uhr aufgeführt.

00:10:19: das war so ein bisschen sein erstes großer Ja, sprungen und dann folgen weitere Stücke unter anderem Attentat oder frische Blumen für Karl Ludwig.

00:10:28: Und die Verhandlung der Träume... ...und dieses Jahr war er mit seinem Stück gut beigeganden noch beim Heidelberger Stückemarkt vertreten.

00:10:37: Das Stück könnte dich von der Anlage interessieren, Lin.

00:10:39: Denn im Zentrum steht eine sprechende Tagebaugrube.

00:10:43: Die ist die Protagonistin und Erzählerin und die blickt quasi auf die Menschheitsgeschichte zurück und reflektiert die Klimakrise und hinterfragt das... Größenwahnsinnige Verhältnis des Menschen zur Natur.

00:10:54: Das klingt wirklich fabelhaft!

00:10:56: Das klingt wirklich gut, ne?

00:10:58: Und Morat Puer arbeitete auch an Theatern... Also er schrieb quasi nicht nur Stücke sondern arbeiterte auch als Dramatur an den Münchner Kammerspielen am Schauspielhaus im Bochum und jetzt das letzte Jahr am Thalia Theater in Hamburg.

00:11:11: Und das Besonderes Tragische ist die Daten zeigen es ja auch so ein bisschen dass ihr halt wirklich Jung gestorben ist, er ist nur siebenvierzig Jahre alt geworden bevor jetzt seine schweren krankheit verstorben.

00:11:23: Ist.

00:11:24: und linden lassen uns am ende der folge wieder auf ihn anstoßen und auf seiner arbeit.

00:11:28: Und Genau.

00:11:31: und dann haben wir müssen wir diesen harten katt machen weil das immer so ist irgendwie nach solchen Todesmeldungen.

00:11:38: Wir müssen noch Auf seleruni zu sprechen können.

00:11:42: also dass war ja Eine Riesenmeldung und alle waren auch, finde ich.

00:11:47: Du wirst uns gleich ein bisschen mitnehmen relativ verwirrt oder.

00:11:51: ich hatte den Eindruck es gab einige Verwirrungen über die genauen Hintergründe weil wir reden hier Jetzt gleich über sehr, sehr handfeste Themen.

00:12:00: Die wird bis ins recht, ins britische Recht auch hineingehen und ich bin froh, dass du das mal für uns rausgesucht und mitgebracht hast und mir jetzt mal genau erklärt was da los ist.

00:12:09: zumal wir über Sally Rooney hier in den News schon öfter gesprochen haben weil es gab immer wieder so kleine Skandale um ihre politischen Tätigkeiten sag' ich jetzt mal also leg mal los und hol mich

00:12:22: ab!

00:12:22: Ich wollte gerne noch eine kleine Vergleichsebene einziehen, wenn wir jetzt über Medi-Murat pur gesprochen haben.

00:12:27: Dann sind seine Texte und Stücke ja komplett politisch gewesen offensichtlich dezidiertpolitische Stücke.

00:12:33: bei Sally Rooney ist es ja so dass ihr Werk an sich gar nicht so krass politisch ist.

00:12:38: also ich will das noch kurz für die die sie vielleicht nicht kennen oder sich da nicht so auskennen.

00:12:43: Sie hat normal people geschrieben unter Metzo unter anderem.

00:12:46: Das sind Bücher über junge Leute.

00:12:49: Meistens geht's um die Beziehung zwischen Männern und Frauen.

00:12:53: Und um die Frage, wie man zueinander findet oder eben auch gerade nicht zueinander findet.

00:12:57: Ja das

00:12:57: ist doch die Tradition von Jane Austen gewendet in die

00:13:01: Moderne?

00:13:02: Genau für die moderne Generation!

00:13:05: Und dabei spielt Politik schon immer eine Rolle.

00:13:07: auch in diesen Büchern also zum Beispiel grade normal people handelt viel auch von den Klassen unterschieden zwischen dem Protagonisten Connor und Marianne.

00:13:17: Es ist auch ein Thema zwischen den Figuren, also die reden immer mal wieder über Politik.

00:13:22: Aber es sind halt trotzdem... das ist keine dezidiert politische Literatur.

00:13:27: Das kann man so sagen.

00:13:30: aber Rooney als Autorin ist eine sehr politisch aktive Stimme in Großbritannien was uns eben zu der heutigen Nachricht bringt.

00:13:39: Die Nachricht ist, Rooney Bücher werden in Groß Britannia nicht mehr verkauft In Irland schon.

00:13:44: Das gehört ja nicht zur Großbritannien und auch im Rest der Welt, genau da lebt sie auch im rest der welt auch weiterhin aber in Großbritanien nicht mehr.

00:13:52: und damit kommen wir sozusagen zu dieser ganzen rechtslage die du schon angedeutet hast.

00:13:57: Um zwanzig fünfundzwanzig hat die britische Regierung nach verschiedenen Sabotage Akten die Organisation Palestine Action auf eine Terrorliste gesetzt.

00:14:07: Dazu muss man wissen, Palestine Action.

00:14:09: Wenn man es jetzt sozusagen in den Vergleich ziehen will zu unseren Klimabewegungen hier gab's ja auch ein paar weißt du noch?

00:14:15: Den Titel fällt dir gerade nicht mehr ein.

00:14:17: sonst Du meinst die

00:14:20: letzte Generation und da war es doch auch so Die haben sich dann auch auf Autobahnen irgendwie festgeklebt und so weiter genau.

00:14:27: Und dann gibt es halt die Frage und soll sowas gabs eben Aber eben auf dem Bereich des Militärs und der Unterstützung der Israelis durch die Briten bezogen auch in Großbritannien.

00:14:37: Also Palestinian Action-Aktivisten haben zum Beispiel verschiedene stützpunkte, militärische Stützpunkte irgendwie versucht da zu verhindern das Waffen geliefert werden nach Israel so.

00:14:48: Daraufhin hat irgendwann die britische Regierung gesagt okay das sind jetzt hier terroristische... Sachen, die hier passieren.

00:14:53: Und wir stellen das jetzt auf ... Wir setzen sie auf die Terrorliste.

00:14:56: Auch

00:14:56: keine unumstrittene Entscheidung?

00:14:58: Überhaupt

00:14:59: nicht unumstritten!

00:15:00: Das wurde super viel diskutiert und ich glaube zu dem Zeitpunkt haben wir auch schon mal bei Celeboni gesprochen weil die nämlich dann gesagt hat wenn ihr das macht, dann spendere ich meine Tantiemen meiner Einnahmen an Palestine Action in Zukunft Sondern um dir zu unterstützen aus Solidarität.

00:15:15: und es gibt bis heute in Großbritannien immer wieder große Proteste so.

00:15:21: Das ist aber jetzt, und jetzt kommen wir halt zum Problem.

00:15:23: Wenn die aber die Tentiemen an die Stift an Palestine Action spendet und Palestine Action aber auf der Terrorliste steht dann ist das halt wäre das Terrorfinanzierung.

00:15:34: Und deswegen sind ja auch viele Aktivisten so empört dass diese Gruppe da drauf ist Weil

00:15:39: es ganz viele Leute dann strafbar machen?

00:15:40: Ja natürlich!

00:15:42: Der Verlag Farbe und Farbe, der englische Verlag von Celeroni würde sich halt auch strafba machen wenn er die das Geld an sie weiterleitet und weiß, sie zahlt das dann an Palestine Action.

00:15:53: Woraufhin dann Celi Runi und der Verlag eben gesagt haben okay da nehmen wir jetzt in Großbritannien die Bücher aus dem Verkauf.

00:16:00: Das heißt wenn man jetzt sozusagen Großbritanien in den Buchlern geht gibt es die Büche von Celi Runi momentan nicht?

00:16:06: Ja und es gibt ja auch schon auf Instagram ganz viele ...

00:16:09: Du hast mir was geschickt ne?

00:16:10: Erzähl mal eins!

00:16:11: Naja, das ist so ein Typ.

00:16:13: Es wird halt im Prinzip eine parallele zu Drogenhandel aufgemacht und du siehst zwei Gestalten die ein bisschen scheu in der Gegend herum starren und dann sich fragen hast du was?

00:16:24: Und ja, dann macht er seine Jackentasche auf und dann geht da der harte Stoff über den Tisch in der Metzo- und Normalpiepel!

00:16:35: Das ist schon ... Also, das ist ein Riesenthema jetzt.

00:16:42: Dafür spricht auch, dass im New Statesman ein offener Brief erschien an die britische Regierung der unter anderem unterzeichnet wurde von Naomi Klein, von Annie Eno, von Quacy und Paul Maskell und Daisy Edgar Jones.

00:16:57: Daisy Edgar-Jones hat auch in Sinn und Sinnlichkeit die Hauptrolle gespielt und beide haben natürlich die Hauptrollen gespielt den normalen People in der Serie, die ja auch sehr erfolgreich war bei der BBC-Serie.

00:17:06: Das heißt, dieser Fall wird weitergehen und letztlich neben den Sachen die da jetzt für Celeroni ungünstig sind sage ich mal hat sie natürlich erreicht.

00:17:16: Sie natürlich trotzdem auch die Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit.

00:17:20: Es ist

00:17:20: eine riesen Aufmerksamkeitsökonomie ne?

00:17:23: Ja und richtet die auch dahin wo sie eigentlich will.

00:17:26: deswegen glaube ich es... Ich weiß gar nicht ob sie so hundertprozent unglücklich Zwar einerseits.

00:17:32: sicherlich wühlt die das auch auf, aber ich frag mich manchmal ob sie sich nicht auch denkt eigentlich laufen auch ein paar Sachen ganz gut weil sozusagen es einfach eine riesige Aufmerksamkeit dann für dieses Thema und für dieses Verbot gibt.

00:17:42: was ja trotzdem in Großbritannien für einen riesigen Aufschrei gesorgt hat, dieses Verbot.

00:17:47: Aber was trotzdem dann auch irgendwie so eine sehr britische Debatte war, weil das halt in dem Land diese Gruppe, die es auch in diesem Land getroffen hat... Wir werden das weiterverfolgen!

00:17:55: Und sag nur ganz kurz, in diesem offenen Brief haben sich die Unterzeichnerinnen dafür ausgesprochen, dieses Verbot zurückzunehmen.

00:18:02: oder worum ging's da dann konkret?

00:18:03: Naja, das geht natürlich stark gegen Zensur von Autoren und Autorinnen.

00:18:09: Ich glaube die Forderung ist quasi lasst dir in Ruhe, wenn sie soll unterstützen können was sie will.

00:18:15: Ja ich finde das interessant!

00:18:16: Aber das ist ja der interessante... Aspekt, über den du ja auch schon geredet hast vorhin.

00:18:21: Es ist jetzt halt eine gesetzliche Problematik.

00:18:24: Wenn dies auf diese Terrorliste steht kannst du nicht einfach sagen okay bei einer Autorin muss man einen außen haben.

00:18:29: wir machen für alle anderen Leute die würden dann... Man muss

00:18:31: da ja auch trennscharf sein sie als Person.

00:18:34: mit ihren Texten wird ja nichts sensiert in dem Sinne sondern der Verlag hat die Entscheidung getroffen.

00:18:38: ich will mich nicht strafbar machen

00:18:39: und Sie könnte auch weiter Texte veröffentlichen Auch zu Palästina wenn sie halt nicht sagen würde Ich nehme das Geld davon und zahl das an diese Super.

00:18:48: So,

00:18:49: insofern muss man da glaube ich ein bisschen vorsichtig sein was man jetzt genau wem vorwirft.

00:18:54: Ich verstehe aber und finde die Debatte wichtig dass sie geführt wird.

00:18:58: Was hat diese Organisation auf dieser Liste zu suchen?

00:19:01: zum Beispiel Zumal

00:19:02: wir ja bei so Sachen wie letzte Generation oder solche Debatten auch immer wieder arbeiten Und man sich wirklich fragen muss Bei ernsthaften gesellschaftlichen und politischen Problemen Kann es eigentlich nicht sein Das dann der Staat sagt okay, wir verbieten die Die darauf aufmerksam machen Also und die das stören sozusagen diese, dieser Dings.

00:19:19: Ja total finde ich auch.

00:19:20: aber ich find's auch gut dass du noch mal drauf hinweist weil es ist trotzdem wichtig dass man das nicht einfach eins zu eins gleich setzt.

00:19:26: Es wäre einfach...es is in dem Sinne keine Zensur.

00:19:28: sie darf veröffentlichen in jeder Zeitung.

00:19:30: jede Zeitung würde sich gerade mit Kusshand nehmen und Texte von ihr drucken.

00:19:33: also jetzt muss man einfach wirklich so klar sagen

00:19:37: Die helle Kammer

00:19:39: Linn.

00:19:39: wir wollen heute über Solvay Ball reden und Wir haben heute sogar die Bücher alle beide gelesen.

00:19:45: Ja, wir haben

00:19:46: beide fünf Bände dieses Romanprojekts gelesen und ich find's total cool dass wir das so gemacht haben weil es gibt viele Rezensionen.

00:19:53: Dieses Projekt ist nicht neu.

00:19:54: jetzt gerade ist der fünfte Band erschienen Es ist aber auch noch nicht der letzte.

00:19:58: Das heißt Wir hätten schon viel früher sprechen können.

00:20:01: Ich finde es aber total toll dass wir es jetzt machen Weil ich doch das Gefühl habe es gibt so ein paar Aspekte über Die muss man mal wirklich diskutieren

00:20:10: Und man kann halt nur diskutieren, wenn wir es wirklich beide gelesen haben.

00:20:13: Und wenn man

00:20:13: ein bisschen Zeit hat?

00:20:14: Genau!

00:20:14: Also der Madison Seitzverlag bringt die heraus und jetzt ist gerade Band fünf erschienen.

00:20:19: insgesamt werden sieben Bände werden.

00:20:21: ich habe mal geguckt.

00:20:22: Die erste Veröffentlichung war wohl in Dänemark zwanzigzwanzig rum.

00:20:26: Solve Balle is eine dänische Autorin auch Übersetzerin übrigens.

00:20:30: also sie hat doch viel übersetzt oder arbeitet auch viel als Übersetzerin und das ganze Projekt heißt über die Berechnungen des Raumeninhalts auf Deutsch Und angeblich ist es wohl so, dass sie schon... also das die Ideen dafür wohl schon über dreißig Jahre in ihr gearbeitet haben.

00:20:46: Das heißt jetzt erscheint zwar alles aber es ist wohl schon ein Projekt was lange sozusagen von ihr durchdacht wurde oder die Ideien dafür hatte sie wohl schon Anfang der achtziger Jahre oder Mitte der achziger Jahre.

00:20:58: Übersetzt ist das von Peter Urban Halle alle Bände auch eine große Übersetzungsleistung.

00:21:05: dann wiederum, sozusagen wenn du da jedes Jahr ein neues neuen Band hast.

00:21:09: Ja

00:21:09: oder eine gute Möglichkeit lange in Lohn und Brot zu spielen.

00:21:13: Wobei die ja relativ schmal sind.

00:21:15: also die Bände haben alle von eins bis vier so hundertsiebzig Seiten.

00:21:19: jetzt der fünfte ist bisschen dicker mit zweihundert fünfseiten und ich glaube die letzten zwei Bände werden auch nochmal...

00:21:26: Ich finde, was ich an dem Aspekt noch ganz gut finde ist wenn es dann dieselben Übersetzerinnen und Übersetzter sind.

00:21:31: Es geht mir auch bei Autoren wie zum Beispiel der Autorin Rachel Kask oder so oder Knausgrau.

00:21:37: das ist irgendwie ganz gut ist.

00:21:39: man spürt dann irgendwie so wenn die ihren Stammübersetze-Übersetzern haben.

00:21:42: Dann hast du so einen Sound für diese Autoren und Autorinnen.

00:21:46: Das

00:21:46: ist total gut, ja!

00:21:47: Wie bei einem Schauspieler, wenn dann irgendwie die Sinkronisationsstimme wechselt – ganz schlimm.

00:21:51: Kannste das nicht dran gewöhnen?

00:21:52: Es ist

00:21:52: so herzzerbrechen teilweise... Ja,

00:21:53: du denkst, der hat seine Stimme verloren.

00:21:55: Identitätsverlust, es geht einfach nicht.

00:21:57: Okay aber wir steigen in diese Welt ein und Linden will zu uns erklären was wir vorbereitet haben.

00:22:02: Wir dachten, wir machen das mal wieder so ein bisschen

00:22:04: interaktiv.

00:22:06: Wir haben uns sechs Schlagworte überlegt jeweils drei Schlag Worte unter deren unter den Begrifflichkeiten wir sprechen wollen über dieses Projekt, weil wir es für wenig zielführend erachten euch und uns jetzt den Inhalt nachzuerzählen.

00:22:24: Wir werden natürlich viel über inhaltliche Aspekte sprechen.

00:22:28: Ein

00:22:28: paar Spoiler werden

00:22:31: kommen aber man muss ehrlicherweise sagen das dass dieses Romanprojekt nicht so sehr plotgetrieben ist.

00:22:36: Warum?

00:22:37: Gar nicht, da kommen wir noch zu.

00:22:38: aber also keine Sorge sozusagen.

00:22:40: Genau, keine Sorgfondspoilern im Gegenteil das macht glaube ich total Lust auch auf die Bücher in so einem Gespräch.

00:22:49: und wir hangeln uns jetzt ein bisschen lang an diesen großen Überschriften um ein bisschen zu verstehen was passiert hier eigentlich an?

00:22:57: und wir fangen mit dem Begriff Tara.

00:23:01: Tara Selter ist der Name unserer Protagonistin und Erzählerin dieses Buches, und ich finde es ist ein sehr sprechender Name.

00:23:10: denn Tara du kennst das vielleicht?

00:23:13: Das ist ein Begriff der... Ich habe mich die ganze gefragt woher ich den kenne.

00:23:18: Ist dir auch aufgefallen?

00:23:20: Ja!

00:23:21: Ich kenne das irgendwo von so Wagen aber da

00:23:23: ganz genau auf der Waage gibt Es gibt dass Tara Gewicht und das ist das sogenannte Leergewicht eines Behälters.

00:23:30: Das heißt, du kannst zum Beispiel auch wenn du was abwiegen willst diese Skalierung betätigen und dann wird das Gewicht des Behälters abgezogen.

00:23:38: Genau.

00:23:38: Und eben Tara bezeichnet genau dieses Gewichtesbehälter als wenn er leer ist und dass das eben kein zufälliger Name ist.

00:23:45: Das wird dann auch klar.

00:23:48: wir kommen auf die Sache mit dem Behälter nochmal zu sprechen also Tara Selta.

00:23:55: Antiquaren hat ein Unternehmen mit ihrem Mann Thomas, Tee und Tee Selta.

00:24:00: Und sie handeln mit alten Büchern nicht unbedingt Bücheren die wahnsinnig selten sind oder kostbar aber beliefern zufriedene Kundschaft.

00:24:09: Sie machen das so ein bisschen in Mitteleuropa würde ich sagen.

00:24:12: Die sind auch international ganz gut unterwegs!

00:24:18: Jetzt ist es so dass unsere liebe Tara Selta zu Beginn dieses Buches eben ein unerhörtes Ereignis erlebt, wenn man so will.

00:24:26: Denn die Prämisse dieses Buches ist eben dass plötzlich die Zeit anhält und zwar genauer gesagt das Datum.

00:24:35: es wird für immer von jetzt an der achzehnte November sein Und wir haben ja also so eine Art.

00:24:41: täglich grüßt das Murmeltier Situationen was ich aber ganz wichtig finde.

00:24:45: fürs Verständnis weil da kann sich einem teilweise echt das Gehirn verknoten.

00:24:49: Tara Selta ist also die einzige, die gerade merkt, dass sich der Tag immer wieder wiederholt.

00:24:57: Das Gleiche, der Klärachzehnte November, immer wiederwiederholt und alle anderen merken es aber nicht.

00:25:03: Also alle anderen erleben diesen Tag als würde er grade neu beginnen.

00:25:06: Das heißt genau genommen habe ich den Eindruck, die Zeit bleibt für alle anderen stehen und nicht für sie.

00:25:12: Also weißt du was ich meine?

00:25:13: Weil Sie erlebt ja das Vergehen der Zeit!

00:25:15: Und deswegen fängt sie auch an

00:25:18: Wobei natürlich die anderen dadurch, dass sie es nicht wissen immer noch viel mehr in der Zeit leben.

00:25:21: Weil Sie denken am nächsten Tag kommt ja der neunzehnte.

00:25:24: Genau also das ist das der spannende Aspekt, die einen Wissen um das Vergehen... Dass die Zeit gestoppt ist, wissen sie nicht und haben deswegen das Gefühl von gestern und morgen.

00:25:32: Und die andere Person, die merkt, dass die Zeit nicht mehr vergeht und lebt fortan zwar quasi ihr Leben und kann auch altern aber Es ist eine völlige Zeitlosigkeit eingetreten.

00:25:45: Es gibt keine Jahreszeiten mehr, es gibt kein Morgen mehr.

00:25:49: Wir reden hier schon so ein bisschen über das Worldbuilding und ich glaube dieser Aspekt ist wirklich wichtig dass wir das kurz klar machen.

00:25:55: Es ist nämlich auch so dass die Leute die nicht wissen dass sie quasi in der Zeit gefangen sind, die denken morgen ist der nächste Tag geht es einfach weiter.

00:26:04: Wenn die was essen oder so alles was die sozusagen tun wird mit Mitternacht wieder auf null gestellt.

00:26:10: Das heißt wenn die sich einen Kaffee holen dann ist der Morgen wieder genauso da und können ihn sich wieder genauso holen.

00:26:15: Ja das wird nichts lernen.

00:26:16: Genau und Tara die aber weiß dass die zeit vergeht und die auch älter wird.

00:26:20: Die entnimmt der Welt auch Dinge.

00:26:23: Die verbraucht

00:26:24: ihre Ressourcen,

00:26:24: die verbrauchte Sachen und das heißt wenn dann, wenn sie was nimmt ist halt am nächsten Tag in diesem Supermarktregal dann genau das was sie genommen hat leer.

00:26:33: weswegen Sie sich zwischendurch auch mal als Monster bezeichnet?

00:26:36: Genau ein Monster dass die Welt aufrisst.

00:26:38: wir kommen da noch zum Worldbuilding.

00:26:39: genauer das ist nämlich auch so ein großer Begriff den wir uns ja aufgeschrieben haben.

00:26:43: ich komme aber nochmal zurück zur Erzählerin denn Gerade im ersten Band lernen wir die ja ganz frisch kennen.

00:26:52: Sie ist Mitte oder Anfang dreißig zu der Zeit eben in ihrer Langzeitbeziehung mit Thomas, sie ist zufrieden, sie isst eher eine ruhige Person interessiert sich für die Vergangenheit gerade für die Gegenstände der Vergangenkeit hat sie ne große Faszination für Bücher.

00:27:08: und diese gefestigte Frau deren Leben gerät eben durch diesen Zeitstillstand einfach komplett Ins Wanken.

00:27:18: und gerade in den ersten zwei Bänden widmet sich Solveiballe eben der Auslotung dieser Isolation, der Verzweiflung dieser schmerzhaften Entfrennung von dem Ehemann.

00:27:29: Ich meine du musst dir vorstellen das ist auch das Besondere an diesem Einstieg in dieses Romanprojekt.

00:27:35: sie ist auf Dienstreise und will genau an diesen neunzehnten November zu ihm zurück kommen.

00:27:41: so das heißt Sie kommt dann am neunzen November zurück.

00:27:44: er begrüßt.

00:27:45: sie freut sich sie zu sehen.

00:27:47: Dann gehen die zusammen schlafen und am nächsten Morgen muss sie ihm ja erklären, warum sie schon da ist.

00:27:52: Weil er wacht ja wieder auf mit dem Gedanken, Sie kommt heute erst an!

00:27:56: Und das is auch sowas was ich... An diesem ersten Teil dieses Buches.

00:28:00: Warum der so ne ungeheure Wucht auf mich ausgeübt hat.

00:28:03: Ich weiß nicht wie es dir ging Aber diese existenzielle Verzweiflung Dass du jemanden das nicht begreiflich machen kannst Ich mein' sie versucht ihm das zu erklären Na nein, heut iss eigentlich der zwanzigste.

00:28:12: Ich bin ja schon seit gestern da.

00:28:14: Die Zeit vergeht nicht mehr.

00:28:15: Also im schlimmsten Fall denkt ihr halt, okay jetzt ist sie völlig übergeschnappt.

00:28:19: Aber das kannst du ja nicht begreiflich machen.

00:28:22: und gerade dieses erste Erleben, dieses in die Zeitschleife geworfen werden, das hatte für mich eine enorme Wucht.

00:28:31: Das macht den ersten Teil für mich auch.

00:28:34: und wir kommen noch drauf zu einem ganz starken Buch wo ich einfach total eingenommen war und wo für mich diese Zeitscheife auch teilweise etwas sehr Metaphorisches hatte als ich noch ganz unbeleckt war von den anderen Bänden und einfach nur eingestiegen bin, ohne zu wissen.

00:28:51: Ich habe auch niemanden gefragt was passiert dann?

00:28:53: oder ich hab relativ spät angefangen in dieses Projekt reinzugehen.

00:28:57: Da habe ich wirklich noch gedacht.

00:28:58: wofür steht das hier symbolisch?

00:29:02: Geht es hier um jemanden der eine Art Depression erlebt und für denen also ist das hier ne Metapher?

00:29:07: Für jemanden sich von der Welt derartig entfremdet dass es sich anfühlt im gleichen Tag gefangen zu sein wäre für mich absolut schlüssig gewesen hätte Total funktioniert und wäre für mich auch ein spannender Kniff gewesen, um sowas zu erzählen.

00:29:20: Keine Zukunft mehr haben weil einem die Richtung fehlt.

00:29:23: Die Richtung, die die Zeit vorgibt das ist immer weitergeht also ganz brutal in dieser Welt nicht mehr zu Hause zu sein.

00:29:31: dass ganze vielleicht kommen wir mal zum zweiten Begriff.

00:29:35: wie es das Ganze geschrieben eigentlich?

00:29:37: Wie erzählt man das?

00:29:38: Das wird sich durch die Bücher hinweg nicht verändern.

00:29:42: das ist eine Art Kronik.

00:29:45: Das heißt, Tara Selter beginnt die Tage zu zählen.

00:29:48: Mit Tag eins, Tag zwei und so weiter... Die

00:29:50: sind auch angegeben?

00:29:51: Ja!

00:29:51: Die springen dann immer mal wieder.

00:29:52: ein bisschen kann man sich vorstellen weil irgendwann sind wir bei Tag viertausend irgendwas.

00:29:55: uns wird nicht jeder einzelne auserzählt sondern manchmal über Wochen, Monate.

00:29:59: Man darf auch nicht hinter den einzelnen Tagen eine Ereignisse des Tages erwarten Sondern es ist eher so dass sie verschiedene Gelegenheiten hat zum Aufschreiben Mal nach vierundzwanzig Stunden, mal nach Wochen.

00:30:10: Und sie gibt dann immer nur die Zahl des Tages an und fasst dann manchmal auch einfach lange Zeitspanne so ein bisschen zusammen.

00:30:17: Ich muss auch sagen dass mich das je länger diese Chronik fortschreitet auch als Konzept des Aufschreibens immer weniger überzeugt.

00:30:29: wir sind irgendwann du kennst ja die Bücher bei Tag neuntausendneinzig Wir sind also über zwanzig Jahre im neunzehnten November.

00:30:38: Ist das eigentlich der Neunzehnste?

00:30:40: Ja, der Achzehnte.

00:30:41: Der Achzehnte!

00:30:41: Wir sind über ... äh, vierundzwanzig ... ja, über zwanzig Jahre irgendwann im nachzehntem November.

00:30:47: und da du kannst dir ja unter diesem Tag neuntausendneinzig gar nichts vorstellen weil man kann das nicht umrechnen so schnell ist nicht wie sieben Tage und du weißt okay das is eine Woche.

00:30:56: Und ich finde Ich weiß nicht wie es dir gegen diese Form der Kronik hat mich verloren im Laufe der Zeit.

00:31:01: Weil erstens werden die Zeitsprünge irgendwann so, dass du intuitiv nicht mehr erfasst wie viel Zeit ist vergangen.

00:31:08: Also reden wir gerade von drei Tagen später das sehe ich dann vielleicht noch an den Endnummern oder es jetzt hier eine lange Zeit vergangen.

00:31:16: irgendwie wird's so egal für mich.

00:31:18: Ich überspringe das ein bisschen diese Information und es könnte für mich auch ob es der Tag danach gewesen wäre oder zwei Wochen spätestens an vielen Stellen Egal.

00:31:29: Und da verliert die Kronik für mich so ein bisschen ihre Schlüssigkeit, warum hält sie an diesen Tagen fest?

00:31:35: Wie ist das auch überhaupt, dass zu zählen?

00:31:37: also wachst du dann wirklich morgens auf.

00:31:40: ich kann mir nicht mal merken ob es der achtzehnt oder der neunzehnte Oktober ist und denkst ja Tag neuntausend einenundneinzig.

00:31:45: Ich meine es wird ein bisschen thematisiert in einigen Stellen, dass auch andere Menschen wir kommen vielleicht auch noch gleich beim worldbuilding zu aber das ist Schwierigkeiten damit gibt manchmal sich die tage zu merken, dass man da raus fällt einfach

00:31:57: Ja.

00:31:58: Aber diesen Aspekt finde ich interessant und der hängt für mich auch noch an der Ich-Stimme sogar, weil ich das Gefühl habe es gibt gar nicht so eine krasse Entwicklung.

00:32:05: Und das Ding ist, es wird aber ja biologisch im Alterungsprozess erzählt.

00:32:09: Das heißt natürlich ist die immer am selben Tag, aber eigentlich müsste sie schon ne größere Entwicklung durchmachen und ich finde die Entwicklung über fünf Bände tatsächlich ein bisschen schwach dafür dass sie sozusagen mit einer komplett anderen Umgebung klar kommen muss.

00:32:26: Und viele Dinge werden einfach so, also in diesem chronischen Stil wird halt so quasi okay.

00:32:32: das ist der Ausgangspunkt mit meinem Mann und ich muss es dem erklären und irgendwann habe ich keine Kraft mehr, aus dem zu erklären.

00:32:37: dann gehe ich weg aber dann kommt die halt immer wieder zudem zurück und da ist aber irgendwie dieses Gefühl emotional macht das gar nicht so viel dann geht sie auch irgendwann wieder weg dann reißt sie wieder dahin, dann reist sie wieder Dahin.

00:32:47: Das heißt diese Chronik bekommt irgendwann sowas... Ich finde sowas beliebig.

00:32:51: ist Darüber nachgedacht, dass du ja in so Fantasy-Welten oder so öfters mal diesen Kniff mit der Chronik hast.

00:32:57: Dass es den Chronisten gibt, der uns das erzählt und das ist hier schon auch eine Anlehnung.

00:33:02: Es gibt am Ende, wenn fünf

00:33:03: z.B.,

00:33:04: wird sie Archivarinmal für ne Weile ... Das heißt, das greift dann wieder auf, die Erlebnisse dieser Menschen, die das mitbekommen, aufschreibt.

00:33:15: aber ich finde halt wie gesagt normalerweise würde ich von der chronik wenn sie über längere zeit geht eben auch erwarten dass sie mir die welt so stück für stück entplättert.

00:33:24: ja

00:33:24: und ich finde das tut diese chronik hier nicht sondern das ist ein bisschen wie so weiß ich nicht genau.

00:33:29: also ich habe das gefühl die idee dahinter ist schon auch, dass wir als diejenigen für die die zeit weiter vergeht außen vorbleiben weil das ist der effekt man kommt nicht so richtig in diesen in dieser tages in diese neue form der zeitlosigkeit mit hinein.

00:33:43: denn die chronik kennt als archiv von gedanken die relativ wenig handfeste Szenen schildert, keine Spannung.

00:33:53: Wir werden niemals richtig Teil der Szenerie.

00:33:55: Es gibt... Und da kommen wir dann auch noch drauf, deswegen nehme ich es jetzt nicht so stark vorweg meine ich.

00:34:02: Auch es gibt ja trotzdem viele Personen, wir kommen da gleich nämlich darauf dass das Tara Selta nicht die einzige ist bei der die Zeit stehen geblieben ist und trotzdem sind wir nie, obwohl wir dann rein theoretisch wieder ganz normal erzählen könnten im Rahmen dieser Kronik.

00:34:23: Passiert das nicht?

00:34:24: Da kommen wir vielleicht noch mal darüber wenn wir über diesen Aspekt des Zusammenlebens sprechen.

00:34:29: Ich finde du hast es gesagt dass Alter wird angedeutet das körperliche unserer Protagonistin.

00:34:34: ich meine man muss sich vorstellen die ist Mitte dreißig als sie da reingerät und sie ist Mitte Ende Fünfzig in fünften Band Und Das ist für mich etwas was gar nicht greifbar geworden ist.

00:34:45: Manchmal sagt sie dann, sie findet es schön, dass ihre Haut wie so eine Landkarte jetzt ist.

00:34:50: Und ich hatte den Eindruck da gelingt der Autorin das Alter nicht so wirklich literarisch in der Umsetzung.

00:35:00: Das bleibt immer ein bisschen ne Behauptung weil wir eben auch nicht wirklich handfeste Dinge erfahren.

00:35:06: zum Beispiel ja wie ist es eigentlich mit der körperlichen Arbeit?

00:35:11: Was passiert da wirklich?

00:35:12: Wie fühlt sich der Körper An?

00:35:15: der Körper ist überhaupt ein Thema, was relativ zurückgenommen ist.

00:35:19: Wir werden dazu auch noch kommen wenn wir über das Zusammenleben sprechen.

00:35:23: alles was den Körper betrifft also sowohl das Altern als auch andere körperliche Phänomene bleiben total außen vor.

00:35:31: es wird zwar später eine Forschungsgruppe geben von diesen Zeitgefangenen die sich auch mit Krankheiten und so weiter beschäftigen werden um eben Man muss sich das vorstellen, im Rahmen der Möglichkeiten eine Form von medizinischer Versorgung zu gewährleisten.

00:35:48: Aber das bleibt alles sehr abstrakt wie überhaupt.

00:35:51: alles wirkt wie ein großes Gedankenexperiment.

00:35:56: Lass uns jetzt den Flock einschlagen bei Zusammenleben!

00:35:58: Du hast schon so viel darüber geredet und ich glaube wir müssen darüber reden.

00:36:03: Wir hatten die ersten, ich glaube in den ersten zwei Bänden.

00:36:06: so ungefähr ist dass sie alleine ist und denkt das ist halt ihre Erfahrung.

00:36:10: Die Welt geht so weiter.

00:36:11: Genau!

00:36:11: Sie ist allein.

00:36:12: Sie versucht ja nochmal Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen.

00:36:14: Versucht es denen zu erklären.

00:36:16: Und die, denen sich erklärt... Das ist auch so, dass die meistens dann schon ein Verständnis dafür haben nur, dass sie einfach keine Lösung gibt und dass sie irgendwann so denkt Ich kann das denn jetzt nicht tausendmal erklären.

00:36:29: Ja,

00:36:29: genau sie muss es ja immer wieder neu erklären, dass vielleicht noch kurze Erklärungen auch dieses Wissen darum verschwindet.

00:36:36: und was ich aber auch dann wie ging dir das denn?

00:36:37: Ich fand teilweise klar wenn du jetzt mit deinem... Du gehst zu deiner Mutter und zu deinem Vater und sagst okay ist etwas voll Seltsames passiert.

00:36:45: Ich finde es teilweise nicht ganz glaubwürdig, dass niemand mal sagt Tara sorry aber du musst dir mal Hilfe suchen!

00:36:51: Du spinnest ja komplett weil wir müssen jetzt mal.. Es geht hier ja nicht drum dass man hier irgendwie einfach vielleicht plötzlich eine andere politische Überzeugung hat, sondern da kommt jemand und sagt die Zeit ist stehen geblieben.

00:37:04: Was

00:37:05: nach unserem heutigen Wissen... einfach völlig unmöglich ist.

00:37:08: Und ich finde, es schon teilweise gibt es relativ wenig Konflikte darüber mit diesen Leuten und diesen Normal-Hos die halt in der anderen Welt sind.

00:37:16: Das

00:37:16: ist mir auch aufgefallen dass das Vieles was auch worüber sich die Protagonisten Sorgen macht am Ende nie ein Problem ist.

00:37:24: ja also Es ist so ein bisschen so als ob die Autoren nicht weiß nicht ob sie das bewusst macht aber alle Regeln der Erzählkunst oder der Strukturkunst wenn man das so sagen will über Bord wirft.

00:37:34: Also Du liest so ein Band.

00:37:37: Wir waren jetzt gerade bei Band zwei, weil es darum ging wann die anderen Figuren kommen.

00:37:40: Der ganze Band plätschert sich vor sich hin und dann am Ende stand plötzlich einen Anderer da und der ist auch im Zeitgefangener.

00:37:48: Und so funktioniert das eigentlich jeden Band.

00:37:49: Du hast ganz am Ende irgendeinen Cliffhänger damit du noch den zweiten Band liest.

00:37:53: aber eigentlich hast du den ganzen Band über nicht wirklich irgendein Anlass gekriegt immer weiterzulesen.

00:37:59: Irgendein Spannungsmoment oder sowas.

00:38:00: Genau!

00:38:00: Es

00:38:01: ist eher wie so ein Mitlauf in diesem...

00:38:02: Ja, in

00:38:04: diesem Zeitloch.

00:38:05: Du bist genauso dann gefangen... Es gibt ja interessanterweise ganz viele Stimmen die sagen es entwickelt schon einen eigentümlichen Sog und ich glaube das ist auch so ein bisschen so was naja Die Autorin verweigert sich diesen klassischen Spannungsaufbau Und den zu erzeugen.

00:38:21: Aber sie weiß natürlich auch dass die Prämisse so ungeheuerlich ist Dass man trotzdem die ganze zeit denkt da kommt doch noch etwas.

00:38:27: Ja genau also Sie spielt so ein bissel mit dieser Erwartung.

00:38:29: ein guter Punkt und in Band drei fängt das anders eben andere Leute dazu kommt.

00:38:34: Das ist wichtig, ja!

00:38:35: Und

00:38:35: da findet sozusagen eine Verschiebung statt.

00:38:38: die nächsten Bänder so drei bis fünf handeln sehr viel von diesen anderen Figuren auch immer durch die durch die Chronisten Tätigkeit der Autoren gedeckt sozusagen.

00:38:48: aber wir erfahren plötzlich also und es kommen mit jedem Band so viele andere dazu.

00:38:54: Also es gibt einfach um das kurz zum Worldbuilding zu sagen, es gibt einfach überall auf der Welt Menschen die genauso feststecken und es wissen.

00:39:02: Und wenn sie was wegnehmen sozusagen von der Welt rauben.

00:39:08: Die haben natürlich alle unterschiedliche Plicke darauf.

00:39:10: für die einen ist es irgendwie ganz cool, für die anderen ist es richtig schrecklich und dann gibt's auch unterschiedliche Arten damit umzugehen.

00:39:20: Es gibt einen Mann Ralf, der will immer ein Projekt daraus machen und will alle Unglücksfälle verhindern.

00:39:29: Und versucht da was zu entwickeln.

00:39:30: Ich hab auch das Gefühl, da wird so oft im Hintergrund dieses Männer-Frauen Thema mitgespielt.

00:39:36: Die Männer wollen immer irgendwas organisieren und irgendwas machen und irgendwie das in eine Form bringen.

00:39:42: Und die Frauen sind oft ... in diesem Romanenprojekt hier, sodass sie so eher diese Verbindung zur Natur und zu also gerade auch die Protagonistin Tara.

00:39:54: Während der Mann ihr erklärt, wie er dieses Projekt plant oder so hat sie ein Gefühl für diesen Tag gerade.

00:40:00: Oder den Wind in den Bäumen und sowas.

00:40:03: Also das ist da mit diesem Motiv zumindest gespielt wird ohne dass es jetzt in jedem Ding so offensichtlich ist.

00:40:10: Wir haben diese Menschen und dann haben wir dieses Zusammenleben und die finden sich irgendwie immer mehr zusammen weil sie alle... Dadurch du hast es ja erwähnt, es ist eine ewig lange Zeit im selben Tag, dass es so ein bisschen so ist dass sie alle zusammenfinden, weil sie alles andere auch schon ausprobiert haben.

00:40:26: Man muss sich ja vorstellen ... Wir lernen dieses ganze Zeitloch über Tara Selta kennen, aber was dann deutlich wird?

00:40:33: Das Phänomen erstreckt sich auf die Welt und überall gibt es Menschen, die sich früher oder später in Gruppen finden, das fällt einfach auf!

00:40:41: Wenn du immer den gleichen Tag erlebst, merkst du, wenn jemand plötzlich in deine Welt einbricht, der diese Routine durcheinanderbringt, musst du davon ausgehen nach dem geht das ja genauso, sonst würde der hier jetzt nicht auftauchen können.

00:40:53: Und das heißt diese Leute finden sich, knäulen sich quasi so zusammen und dann entwickeln sie sich – und das finde ich auch ganz interessant!

00:40:59: Weil hier haben wir etwas Thema Worldbuilding und auch Thema Zusammenleben was ich schlüssig finde dass sich Menschen die von einem gleichen Phänomen betroffen sind zusammenfinden und je mehr Leute es werden desto mehr differenziert sich das auch wieder aus.

00:41:12: Wir haben Gruppen, die ziehen nach Süden Die sagen Der achtzente November in Nordeuropa No Way.

00:41:19: Das halte ich nicht mein ganzes Leben aus.

00:41:20: Es ist ja auch immer jeden Tag um die gleiche Zeit das gleiche Wetter!

00:41:23: Die gehen dann also nach Süden oder reisen grundsätzlich den Jahreszeiten hinterher, es finde ich einen sehr, sehr krassen, auch sehr bestürzenden Aspekt, dass du als Mensch mit Jahreszeichen – zumindest wir in Europa haben diese Jahreszeite ja auf jeden Fall -, dass du die plötzlich nicht mehr hast und ... Also, ich mein in Amerika gibt's die auch.

00:41:45: Aber ihr wisst was?

00:41:46: Ich meine also du hast halt nicht überall auf der Weltjahreszeiten aber gerade da wo du sie hast wird die Zeitlichkeit auch darin bemessen.

00:41:53: und diese dieses, dieser Gedanke von wann wird's endlich wieder warm oder wann hab ich endlich wieder kühlere Zeiten?

00:41:59: Das gibt es nicht mehr.

00:42:00: Das heißt auch das ist etwas was unser Zeitempfinden beeinflusst und so eine Art Heimweh erzeugt.

00:42:05: und viele reisen diesen Jahreszeiten dann so nach.

00:42:07: Tara macht das auch ne Zeit lang, reist den Jahreszeichen hinterher um Zeitlichkeit zu simulieren und merkt dann aber eben auch irgendwannes is nichts für mich Aber wir können ja mal ein bisschen über diese anderen sprechen.

00:42:20: Es ist so Drei und vier entdeckt sie eben nach.

00:42:24: Und nach es gibt andere Leute, lernt dann auch zuallererst Henry kennen.

00:42:28: Das ist der mit dem sie bis zum Schluss am ehesten so verbandelt ist, weil die zu zweit am Anfang dachten, Sie sind nur zwei Leute im achtzehnten November, bis sie irgendwann gemerkt haben.

00:42:37: Es sind doch noch mehr!

00:42:39: Für den hat man ein Gefühl, da die lebende Zeit lang zusammen ... Ich muss aber sagen, je mehr Leute das wurden, desto mehr war ich irgendwie raus.

00:42:48: Weil die haben alle Namen vor- und Nachnamen?

00:42:52: werden aber nicht beschrieben.

00:42:54: Ich weiß auch bis heute nicht, welche Haarfarbe Tara Selta hat und es ist wie so eine Verweigerung hatte ich den Eindruck von dieser Protagonistin auch nur eine handfeste Information.

00:43:04: Es gibt eine mit einer gelben Jacke okay?

00:43:06: Eine ist siebzehn am Anfang die ist glaube ich somit die jüngste Aber mehr erfahren wir nicht.

00:43:11: und was dann sich entspint da hatte ich manchmal das Gefühl dass es wie so ein Sicherheitsgurt der aber nicht ganz auf geht und seinen Zweck erfüllt.

00:43:23: Denn es ist ja so, dass diese Gruppen irgendwann feststellen das die sich alle relativ ähnlich sind.

00:43:31: Es gibt keine Kinder, es gibt keine alten Leute.

00:43:36: Sie sind alle aus einer relativ ähnlichen sozialen Gruppe.

00:43:42: sie finden in ihrer Vergangenheit wenn sie dann über ihre Vorfahren sprechen so ein bisschen Unterschiede.

00:43:47: aber das habe ich das Gefühl irgendwie so zu zeigen, ja wir sind ja doch alle nicht so gleich.

00:43:54: Es sind

00:43:54: alles Leute die irgendwie so ein bisschen gezweifelt haben.

00:43:56: in ihrem Leben, wie alle eher so ein bischen hatte man das Gefühl sowieso schon so ein Bisschen prekärer.

00:44:01: er waren aber jetzt nicht im Sinne von Arm sondern schon so irgendwie gebildet und gebildete

00:44:06: Schicht

00:44:06: und aber so ein bißchen so dass das leben jetzt halt nicht Komplett festgezortbar, sondern auch so eine gewisse Durchlässigkeit vielleicht für Phänomenen.

00:44:14: Vielleicht

00:44:15: so ne Melancholie, so nen Weltschmerz, so ein Gefühl, ne Suche, ne Sinnsuche und in den Bänden Band fünf.

00:44:25: vor allem ist es so dass sich dann so sociologische und utopische Gesellschaftsexperimente Entspinnen.

00:44:34: Diese Novembermenschen gründen eigene Forschungsstätten und organisieren eben völlig neues Zusammenleben abseits von der Zeit, die vergeht.

00:44:42: Es ist für uns auch ganz interessant dass dieses Projekt auf sieben Bänder angelegt ist.

00:44:47: das war von Anfang an so gedacht.

00:44:48: und die Sieben... Das ist ja auch eine Zahl die für Vollständigkeit steht.

00:44:51: da müssen wir nur in die Schöpfung denken.

00:44:53: also das ist auch nicht zufällig

00:44:55: und findet sich auch in der Sprache wieder.

00:44:57: Also es gibt immer wieder, ich habe das mal so für mich Formzitate oder Stilzitate genannt, dass ich gar nicht so das Gefühl hab sie zitiert ja jetzt direkt zu einer Stelle aber manches erinnert an Dichtung.

00:45:07: in der Art ist dann plötzlich klingt ein Manches erinnert an die Bibel ganz stark an bestimmte in bestimmten Momenten.

00:45:14: Das heißt diese Motive werden auch sprachlich immer wieder mit Laufen gelassen.

00:45:18: und wenn wir über diese diese chronik und alles schon gesprochen haben, dann kann man ja auch sagen das soll bei baller ganz offensichtlich Wenn sie nicht so an struktur interessiert ist und nicht ein figuren bilden interessiert.

00:45:27: Ist da würde ich nämlich komplett zustimmen.

00:45:29: Du hast wirklich gefühlt ihr werden einfach die ganze zeit irgendwelche namen hingeworfen oder gar keine ahnung Aber sie ist interessiert an Sprache.

00:45:36: Sprachlich ist es exzellent

00:45:38: gearbeitet.

00:45:39: Sie sucht auch immer wieder nach Worten und wie die Worte, was man dann noch darüber denken kann usw.

00:45:44: Das ist das wo sie wirklich interessiert ist.

00:45:47: Und sie isst und damit können wir zurückkommen eben auch interessiert in Wissenschaft, in Mathematik.

00:45:51: ich meine es heißt über die Berechnung des Raumenhalts.

00:45:54: oft ist von der Mechanik der Zeit die Rede.

00:45:57: Es gibt diese verschiedenen Experimente und Linn wollen vielleicht mal kurz erzählen was diese Leute machen nachdem sie sich da treffen

00:46:06: In Lüthich.

00:46:06: Genau, das ist ganz interessant.

00:46:09: Also erst mal ganz kurz noch zu dieser Mechanik und dem Wissenschaften.

00:46:16: Je mehr Leute zusammenkommen, desto mehr hat sie natürlich – also soll wir beide auch die Chance Weltbilder aufeinander prallen zu lassen nicht einmal in der Praxis weil die aus unterschiedlichen Welten sozusagen kommen sondern in der Theorie

00:46:30: d.h.,

00:46:30: die diskutieren.

00:46:32: Ganz viele dieses Buches sind in der indirekten Rede wiedergegebene Diskussionen.

00:46:37: Wir sprachen über das und dass, wir redeten dann noch darüber ob – wir diskutierten ein bisschen hin- und her, Ralf sagte dieses, Olga sagte jenes – und worauf ich hinaus will ist, soll bei Baile es studierte Philosophen.

00:46:54: Eigentlich könnte man vielleicht sagen, es ist ein philosophisches Experiment in Buchform.

00:47:00: Sie hat Interesse daran solche Dinge auszudiskutieren und zu durchdenken und benutzt dafür eben diese Figuren die aber auch Behälter bleiben.

00:47:07: Und wir haben schon das Leergewicht der Behältern Tara gehabt.

00:47:11: Das ist eine Theorie, die Tara Selta selbst aufstellt, schon ziemlich weit zu Beginn dieses Romanprojekts nämlich dass die Zeit ein Behälter ist und dass sie in diesem Behältern jetzt gefangen ist.

00:47:23: Und das ist ganz interessant, ich glaube es wird uns in den nächsten beiden Bänden irgendwie auch noch beschäftigen weil das ist so ein bisschen der philosophische Unterbau würde ich sagen dieser ganzen Sache.

00:47:35: Was machen die jetzt?

00:47:36: Ich komme auf deine Frage zurück, die gehen nach Lüttich.

00:47:38: da gibt's nämlich ein altes Universitätsgelände und das ist sehr interessant, das gibt's wirklich.

00:47:44: Val Benoit heißt das oder so ähnlich habe ich mal gegoogelt, weil ich dachte das klingt wirklich wie der perfekte Ort.

00:47:51: Das kann noch nicht echt sein.

00:47:53: aber tatsächlich gibt es diese alte Universität und das ist auch noch so.

00:47:56: ein ganz herrschaftliches Gelände, kommt alles von den Tapeten runter, aber du siehst noch teilweise die Sachen in den Möbeln stehen.

00:48:08: Also Möbelschränke, alles ist noch gefüllt.

00:48:10: also es wirklich einfach so.

00:48:11: ein Ort wo irgendwann jemand dann gesagt hat so na das jetzt als bisschen überholt hier wir müssen uns jetzt anders aufstellen an den Unis Wir machen das jetzt anders dass Gelände verfällt und da nisten die sich halt ein Und die renovieren das eben Und versuchen das wieder nutzbar zu machen und dort eine Art eigene Universität und Forschungsstädte zu gründen

00:48:30: weil eben auch Dieses Gebäude nicht gebraucht wird, das ist ein Problem mit dem die sich immer wieder rumschlagen müssen.

00:48:35: Die müssen auch überlegen zum Beispiel wo bekommen sie ihre Vorräte her?

00:48:39: Weil wenn Sie alle im selben Supermarkt um die Ecke gehen dann würde ja irgendwann komplett leer sein.

00:48:43: Ja deswegen ist diese Frage einfach wichtig und da sie viele sind und da so Konferenzen abhalten wollen nehmen sie sich eben logischerweise irgendwie Altes Universitätsgelände was keiner mehr braucht, wo auch keiner drauf kommen wird.

00:48:57: Die verstecken sich dann immer vor den Security Leuten die da einmal am Tag vorbei kommen und dann können sie da ihre Konferenzen halten.

00:49:04: Vielleicht können wir auch noch kurz über den Aspekt sprechen, dass das ein sehr europäisches Buch ist.

00:49:08: Du hattest vorhin über diese Gruppe gesprochen und was die auch vereint, das sind alles Europäer.

00:49:14: Und eigentlich gibt es in diesem Buch unfassbar viele Zugfahrten zwischen Frankreich Deutschland.

00:49:18: Bist du hier manchmal noch Skandinavien mit dabei?

00:49:20: Aber vor allem Frankreich, Deutschland spielen Belgien spielen extrem große Rollen und ganz oft fährt zum Beispiel die Tarazelter nach Bordeaux dann fährt sie nach Clérot glaube ich wo eben der Thomas wo sie eigentlich gelebt hat.

00:49:35: Paris kommt immer wieder vor, das heißt es ist auch ein Roman der sich permanent zickzack durch Europa bewegt aber immer in diesem Kreis von Europa.

00:49:43: eigentlich passt immer eine Figur fliegt auch mal nach Amerika, aber das was wir sehen ist eigentlich Europa und aber auch immer so dass du nichts Gefühl hast du bist irgendwie wirklich auf einer Reise Weil sie kann auch im nächsten Moment einfach so diese Reise beschreiben nach Norden und dann sagt sie ja, oder wenn ich in den Zug gestiegen bin wieder nach X gefahren zurück.

00:50:03: Und dann hast du das Gefühl dieses was sich sonst aufbaut auch wie der Spannungsaufbau bei einer Reise wo du so das Gefühl hast langsam kommen wir an ein Ziel.

00:50:10: Das wird hier einfach mal mit einer Zugfahrt schnell ausgebügelt wieder.

00:50:14: Das hast Du auch nicht genau und ich finde es so dass geht mir bei vielen Sachen soweit.

00:50:18: Ich hab ja auch mal einen Bachelor in Philosophie gemacht.

00:50:21: Ich bin eigentlich die perfekte Leserin für dieses Projekt, mich interessiert so was.

00:50:25: Jetzt bin ich aber teilweise einfach ein bisschen fast ... naja, sauer gewesen, weil ich dachte, ich will das spüren!

00:50:33: Ich will spülen, was es bedeutet im achtzehnten November gefangen zu sein.

00:50:36: Das heißt zum Beispiel, eigentlich ist diese Prämisse total genial.

00:50:40: Also... Das hat dir diesen, ein bisschen diesen Utopie-Effekt für mich.

00:50:45: Du

00:50:46: alles hält an?

00:50:48: Und vierundzwanzig Stunden wiederholen sich immer wieder.

00:50:50: Das heißt, diese ganze Hektik die du permanent hast von Oh Mann wenn ich jetzt nicht in Sinn und Sinnlichkeit gehe läuft es aber nicht mehr.

00:50:56: Was mache ich denn dann?

00:50:58: Ich will's gerne sehen oder ich habe den Film einmal gesehen Aber das kostet übelst viel ins Kino zu gehen.

00:51:02: Ich kann ihn nicht nochmal angucken.

00:51:04: Das sind alles Sachen die überhaupt keine Rolle mehr spielen.

00:51:06: und wie gerne hätte ich mal gelesen dass eine Figur dreimal hintereinander ins kino geht In denselben film und sich drei Mal unterschiedliche Gedanken macht.

00:51:14: Diese Entwicklung Die wir vollziehen können, an einem konkreten Beispiel zu sehen im Mikrokosmos.

00:51:21: Wenn wir die Zeit haben, die es braucht... Das ist schon Thema auch des Buches aber immer als Die Person XY hat das so gemacht.

00:51:29: Das halte ich jetzt hier fest in meiner Kronik.

00:51:31: Die beschäftigt sich auch mit dem Ballstanz der Kraniche und beschreibt das und guckt es immer wieder an okay?

00:51:35: Aber du bist nie wirklich dabei!

00:51:37: Und das finde ich teilweise so verschenkt.

00:51:39: oder zum Beispiel Es ist so dass eben Deswegen habe ich das große Thema Gesellschaft aufgeschrieben.

00:51:50: Es ist wie eine Utopie, weil die sich in einer neuen Gesellschaft zusammenfinden und zusammenleben Aber es wirkt so hölzern Weil alles was für unsere Gesellschaft leider Gottes Thema ist verschwindet dort sofort.

00:52:07: Es ist nie da gewesen.

00:52:08: zum Beispiel Rassismus gibt's nicht.

00:52:11: Was es auch nicht gibt ist Sexismus.

00:52:15: Also klar, du hast es schon gesagt.

00:52:16: Es gibt so manchmal die Unterschiede, sich auf Männer und Frauen ein bisschen

00:52:22: dualistisch

00:52:22: erstrecken.

00:52:23: Das ist so ein Typen-Ding ... Aber dass mal dieses Zusammenleben wirklich in Gefahr ist auch Hierarchien gibt das nicht!

00:52:30: Die leben da teilweise zu zwanzigst in einer riesigen Villa Und dann ist immer ja ich war schon nachts aufgestanden um Brot für alle zu backen.

00:52:39: Gibt's irgendwann mal einen Konflikt darüber, dass jemand immer neben die Klobrille scheißt oder sowas?

00:52:44: Überhaupt nicht.

00:52:44: Hast

00:52:45: du statt der Plinten gelesen von Saramago zuverlägt

00:52:48: ... Nein aber es

00:52:49: gibt auch eine Verfilmung und da ist ja auch so das an einem Tag werden... Also das ist ein anderes Konzept.

00:52:55: Aber es gibt eben dieses Konzept an einem tag werden die Leute plinnt.

00:52:58: Und es ist ne Krankheit, die sich irgendwie ausbreitet Und ein Teil der Gesellschaft hat das.

00:53:03: Das heißt, da kann man sozusagen eine Vergleichsebene ziehen.

00:53:06: und was passiert dann?

00:53:07: Die anderen kriegen Angst die sperren diese Plinden in so einen Heim ein und es greift aber trotzdem immer weiter auf sich.

00:53:13: und dann erzählt er die Erschütterung der Gesellschaft So was solche Vergleiche muss ich dann halt schon ziehen, weil das muss ja nicht so erzählen.

00:53:21: Also sie kann ja auch sagen okay ich glaube nicht wenn X Y passieren würde dass der Mensch per se schlecht ist und dann übereinander her fällt.

00:53:29: Das machen sowieso sehr viele.

00:53:31: da wäre ich sogar froh wenn es nicht so wär.

00:53:34: Aber man hat eben wie du sagst, man spürt einfach die Erschütterung gar nicht.

00:53:37: Es gibt auch irgendwann dann wird einfach erwähnt so ja wir hatten uns jetzt da... Wir hatten jetzt begriffen dass wir eigentlich ein Privileg hatten mit dieser Zeit letztlich das worauf du ja auch hinaus willst.

00:53:46: was haben wir plötzlich alles für Möglichkeiten?

00:53:49: und es wird aber einfach so gesagt und man hat aber davor bei keiner Figur wirklich das Gefühl gehabt.

00:53:53: okay das habe ich jetzt auch mitgesickt.

00:53:58: dieses Ausdifferenzieren von dem was es heißt für mich immer so spannend macht, dass ich's nachfühlen kann.

00:54:07: Weil sonst könnte ich doch einfach ein Artikel lesen zu einem Gedankenexperten.

00:54:10: So ist es und weißt du woran ich auch denken muss?

00:54:12: Es gibt diese Serie die hab' ich als Kind wirklich geliebt.

00:54:15: Das war eine australische Serie, die hieß The Tribe.

00:54:19: Kennst du die?

00:54:19: Nee

00:54:20: Da war auch so ne Prämisse, es gibt ne Krankheit Und sobald Du erwachsen wirst kriegst du sie und stirbst.

00:54:27: Sonst war ich jetzt kein Guckenduft.

00:54:30: Sex wird zu Einiges aber ja

00:54:33: Auf jeden Fall.

00:54:34: Es ist so, dass wir eben in diese Welt eingeführt werden im Medias-Rais.

00:54:38: Es geht direkt rein und du siehst halt so Kinderklans die sich zusammen rotten.

00:54:42: Die haben ihre Eltern verloren.

00:54:45: Die sind zwischen na also acht und achtzehn Jahren alt.

00:54:50: und die älteren... Und das Spannende ist, die fangen dann auch an untereinander Revalitäten zu haben um Ressourcen zu kämpfen, die versuchen den Gegenmittel zu finden.

00:55:00: Die wollen ja alle nicht Älter werden und sterben?

00:55:02: Und das Interessante ist aber, dass die eben genau die gleichen Probleme haben wie die Erwachsenen auch.

00:55:07: Die großen Kinder wollen die Kleinen beherrschen?

00:55:10: Es gibt natürlich auch Clans, Tribes wo es besser läuft, die demokratisch sind und auch eine Utopie leben wollen!

00:55:16: Aber es ist nicht so, dass diese Welt sich verändert und plötzlich hast du da eine Utopia und kannst deine Sachen machen sondern du musst dich mit den ganz normalen Sachen herumschlagen.

00:55:24: Eine zweite Lehrstelle, die ich wirklich als Familien... Teil einer Familie so krass finde, die werden ja alle aus ihren Familien herausgerissen.

00:55:36: Und du erfährst außer bei Henry der eben einen kleinen Sohn in den USA hat er also eh schon weit weg ist der Sohn?

00:55:43: Kein wirklich existenziellen Schmerz darüber!

00:55:47: Wenn ich mir vorstelle auch, du hast ein Kind und bist selber im gleichen Tag gefangen.

00:55:52: Das heißt so siehst dein Kind nicht älter werden während du selber ältern wirst.

00:55:55: es gibt keine Entwicklung.

00:55:57: Du hast vielleicht eine Partnerschaft wo du wirklich dich verzerrst nach dem anderen weil du den so vermisst irgendwann Weil du mit dieser Familie nicht mehr leben kannst.

00:56:05: also das ist ja eigentlich Literarischer Stoff Der ist ja schlecht hingeeignet, um all das auszuloten.

00:56:15: Aber es wird alles so als abgebügelt bezeichnet – ich finde, es trifft's ganz gut!

00:56:19: Es ist so

00:56:20: glattgezogen.".

00:56:21: Also als Obtara Selta irgendwann gemerkt hätte….

00:56:24: Ja, dieses zwischenmenschliche Okay.

00:56:26: Aber ich will mich halt mit den theoretischen Konstrukten dahinter beschäftigen hat aber zur Folge das es ein relativ unemotionales

00:56:34: Buch ist.

00:56:35: Ein extrem unemationales Buch und zwar von Beginn weg.

00:56:38: also man denkt irgendwie finde ich am Anfang okay dieser Thomas diese Beziehung zwischen Tara und Thomas die ja auch noch quasi mit dem selben Anfangsbuchstaben beginnen wo wirklich viel über Sprache zusammengerückt wird.

00:56:49: sie haben denselben Job und so weiter.

00:56:51: Aber du hast das Gefühl, es ist eigentlich in den Bänden nie wirklich ein Problem.

00:56:54: Also es gibt dieses zeitliche Problem und das ist interessant.

00:56:56: Das hat sie auch erzählt.

00:56:58: aber Es ist eigentlich nicht wirklich so ein richtiges Problem dass der Mensch den sie liebt sie plötzlich keinen Zugang mehr zu ihm.

00:57:04: Sie kommt damit super zurecht dann hat sich zwischendurch eine Affäre.

00:57:07: Ist aber irgendwie auch kein Problem.

00:57:09: Dann ist es voll schön und dann ist es wieder vorbei.

00:57:12: Und aber auch in dieser Affäre hat man das Gefühl also ich jetzt lese darf jetzt nicht wirklich mitbekommen, warum die eigentlich aufeinander stehen.

00:57:19: Das ist halt einfach so wird mir erzählt irgendwie es praktisch.

00:57:21: beide haben gerade eine Trennung hinter sich und die Gelegenheit ist gut.

00:57:24: Und das ist an diesem Roman an so vielen Stellen frustrierenderweise so dass auch es gibt ein paar die versuchen im Kind zu kriegen und das klappt dann nicht.

00:57:34: Also sie ist schwanger aber

00:57:36: Also das

00:57:36: Kind kann

00:57:37: sozusagen wegen dieser Zeitbegrenzung, kann es einfach irgendwie nicht raus.

00:57:40: Es wird dann gesagt, dass ist nicht das Gleiche wie eine Fehlgeburt, das ist irgendwie ein bisschen anders.

00:57:44: aber das Kind kommt nicht.

00:57:45: und was ich dann auch so fand, dann ist so bei einem Treffen heißt sein ja die konnten nicht kommen, sie waren noch betrübt wegen ihrem kind Und dann paar Seiten später heißt's dann Ja die waren wieder da und jetzt auch wieder gute Dinge Das war alles verarbeitet und man denkt sich so Das ist das, was du glaube ich meinst.

00:58:01: Wir haben eine Erfahrung die ist einfach existenziell offensichtlich existenzielle egal ob man sie positiv erzählen will oder negativ.

00:58:09: Oder

00:58:09: beides.

00:58:10: Aber ich darf als Leser und Leserin nicht daran teilhaben sondern mir wird es einfach nur so alles gesagt jetzt haben wir die Erkenntnis Jetzt haben wir das.

00:58:17: aber ich darf nicht dass in irgendeiner Weise nachvollziehen Und das ist etwas was mich an diesem Buchern auch extrem geärgert hat und irgendwie auch oder extrem schwierig war sagen wir mal so dann Lust zu haben irgendwann, weil ich das Gefühl hatte es wiederholt sich ja alles ist so.

00:58:31: Ja naja genau das liegt in der Natur der Sache und gleichzeitig weiß ich genau was du meinst.

00:58:35: man hat das Gefühl des Projekt dieses Buches ist nicht Ich hole euch alle die ihr das lest in den achzehnten sondern ihr seid alle draußen Und ich verstehe dass als ich glaube das eine literarische Entscheidung zu sagen Diese Leute sind da drin gefangen und vielleicht kann man das nicht nachvollziehen?

00:58:55: Also das Projekt hätte mich noch mehr von den Socken gehauen, wenn es gelungen wäre, mich in den achtzehnten November hineinzuziehen.

00:59:01: Ich möchte noch ein Aspekt mit dir besprechen auch, wenn ich weiß ... dass wir dieses Buch wirklich sehr genau besprechen

00:59:08: aber... Das sind fünf Bücher!

00:59:10: Wir dürfen!

00:59:12: Ich hab gesagt einerseits kam's mir vor wie eine Utopie weil in der Gesellschaft ist dann plötzlich alles gut und sie finden Sachen raus und forschen plötzlich ohne Druck Geld verdienen zu müssen.

00:59:22: Manche Sachen klappen nicht, aber sie lösen alles irgendwie.

00:59:25: Aber dann kam es mit teilweise beim Lesen im Allgemeinen eher total dystopisch vor.

00:59:33: Und das liegt jetzt an einem Aspekt, den ich auch stark vermisst habe.

00:59:37: Denn die Außenwelt spielt irgendwann so wenig eine Rolle, dass du das Gefühl hast, sie sind alleine auf der Welt – so ging's mir jedenfalls!

00:59:44: Ich dachte wirklich bei dem Lesen nicht aktiv.

00:59:48: aber Wenn ich gelesen habe, dann stellt man sich ja automatisch vor.

00:59:51: Wie ist das da gerade?

00:59:52: Da tauchen einfach keine anderen Menschen auf und manchmal wird es sogar explizit beschrieben.

00:59:57: Sie sind dann auf diesem Campus in Lüttich In dieser alten Universität Und es gibt ein Wachdienst.

01:00:03: Das ist üblich bei solchen Abriss Gebäuden, man bei solchen riesigen Geländen und einmal am Tag auch am achtzehnten November gehen zwei Wachleute über dieses Gelände.

01:00:12: Nun ist es so.

01:00:13: wenn du das einmal beobachtest wann kommen die?

01:00:15: zwanzig Uhr dreinvierzig Die sind nach fünfzehn Minuten wieder runter.

01:00:18: dann weiß ich wo gehen die lang?

01:00:20: Wo kann ich mich aufhalten dass sie mich nicht sehen So dass sich den tag nicht durcheinander bringe und dort bleiben kann Leuchtet mir ein dass das irgendwann kein riesiges Ereignis mehr als.

01:00:30: aber Es gibt kein einziges Mal eine wirkliche Konfrontation, weil die Leute sich durch diesen achtzehnten November frei bewegen.

01:00:41: Die also ihren Tag jeden Tag neu gestalten können, die im Raum sich frei belegen können.

01:00:46: Die bringen ja auch den Tag für den der sich immer wieder wieder holt durcheinander.

01:00:52: bis auf die Konfrontations mit Thomas, mit dem sie im Gespräch ist oder so einzelnen Bezugspersonen, bemerkt man davon aber nichts.

01:01:00: Und ich hab noch ein Beispiel mitgebracht.

01:01:04: Es gibt zum Beispiel ja dieses Phänomen, du hast es schon angesprochen ... dass die anfangen müssen wirklich aufwendig Lebensmittel zu beschaffen.

01:01:14: Das ist dann auch nur so eine Aufgabe, die irgendjemand immer wieder übernimmt und dann ist das halt so... Die Person fährt dann teilweise ne Stunde weg.

01:01:21: Irgendwo hin wo sie noch einen großen Händler entdeckt der noch Lebensmittel kurz vom Verfallsdatum anbietet und die werden dann aufgekauft.

01:01:29: Wie is' das denn wenn du wirklich die Aufgabe hast, irgendwo hinzufahren da aufzutauchen innerhalb von einer Tagesfrist an Lebensmittel kommen muss.

01:01:42: Weil wenn dir jemand sagt hey wir kriegen morgen eine Lieferung komm doch dann kannst du damit nichts anfangen weil es gibt kein Morgen.

01:01:47: das weiß der aber nicht das kannst du dem auch nicht erklären.

01:01:50: und diese Gespräche wie das ist mal mit jemandem in Kontakt zu treten in so Alltagsdingen Das passiert gar nicht.

01:02:00: Das passiert wirklich einfach überhaupt nicht.

01:02:02: Und das sind aber Aspekte, die mich total interessiert hätten um auch schlüssiger zu machen wie es ist sich in dieser Welt zu bewegen dadurch dass der Fokus da drauf nicht liegt.

01:02:10: Dass das ausgeklammert wird entsteht nicht... ...das Gefühl das is alles easy Sondern es entsteht das Gefühl Die Leute gibt's nicht mehr Diese welt ist leer und

01:02:18: es entstehen vielleicht auch so ein gefühl Du hattest das an einer stelle in den büchern Du hättest ja immer vorgelesen ich immer nach und dann habe Ich eine stelle auch in den Büchern Ein Zitat von dir entdeckt, ein Notiz.

01:02:31: Und die ging irgendwie so ein bisschen... wird das jetzt hier eine Verschwörungstheorie?

01:02:35: Ja!

01:02:35: Und

01:02:35: dieses Gefühl hat man aber irgendwann.

01:02:37: leider und es finde ich auch was Negatives eigentlich oder was mich gestört hat dass du so das Gefühl hast diese Leute leben so sehr in ihrer eigenen Plase.

01:02:45: Das aus dem was eigentlich ein interessantes nach außen auf die Welt gucken hätte sein können wird stattdessen Also wo man auch sehen könnte, okay die Menschen sind viel zu schnell.

01:02:54: Das wird auch im Buch immer wieder thematisiert und versucht zu erklären quasi so schnell wie wir leben und immer mehr und was weiß ich da?

01:03:00: Da lese ich schon eine starke implizite oder eingearbeitete Kritik an den Problemen mit, die uns zum Klimabandeln so führen.

01:03:09: Der Kapitalismus

01:03:09: wird ganz stark kritisiert.

01:03:11: Aber ich habe halt dann irgendwann das Gefühl, die sind diesem Viso auch mit dieser Wissenschaft.

01:03:14: Das trägt in so eine Richtung ab wo sie dann irgendwie sagen ja Wissenschaft kann alles mögliche sein wir entscheiden das jetzt frei hier.

01:03:21: das muss nicht mehr den Zwängen der Welt unterworfen sein.

01:03:24: Wir machen unsere eigenen Kategorien.

01:03:26: da hast du einerseits dieses was du schon gesagt hast dieses philosophische Spiel und die philosophische Suche die interessant ist.

01:03:32: Aber manchmal wirkt das halt in diesem kompletten Desinteresse am Außen, an der Welt und in diesem Kompletten auf sich bezogen sein.

01:03:40: Dann wirklich auch wie so eine Unangenehme... Plase von Menschen, die sich auch nur noch sozusagen in ihrem eigenen Saft

01:03:48: befinden.

01:03:48: Ja und das hat den Höhepunkt tatsächlich in dem Strang des Buches, in dem Ralf, den wir schon erwähnt hatten immer so belächelt wird.

01:03:55: Weil Ralf ist dieser Typ der sagt Ey wenn wir doch den Tag kennen dann können wir doch ganz viele Unglücke verhindern weil wenn die Zeit irgendwann weiterläuft dann wollen wir doch dass sie vielleicht ein bisschen gedreht hat ne?

01:04:06: Und zum Beispiel Jemand fährt also, Tara Selter fährt irgendwo lang und sieht es wird ein Unfall passieren.

01:04:14: Dann könnte die ja rein theoretisch nach vierundzwanzig Stunden bisschen früher zu der Stelle kommen und irgendwie versuchen Einfluss auf das Geschehen zu nehmen um diesen Unfall zu verhindern.

01:04:23: oder man geht irgendwohin wo jemand krank ist und leidet Und versucht dessen Situation zu lindern Könnte oder jemand fällt irgendwo rein und droht zu ertrinken gibt auch so eine stelle.

01:04:33: Die finden den dann nicht.

01:04:35: aber Der Ralf mit seinem Projekt, der will das nämlich eben nicht so zufällig machen sondern er sagt wir haben jetzt hier die Chance diesen Tag systematisch zu durchsuchen und eine Datenbank anzulegen.

01:04:47: Über alles drohende Unglück!

01:04:49: Und äh... Wir brauchen ganz viele Daten.

01:04:52: ich will das alles verwerten.

01:04:53: und da ist wieso der Trottel habe ich das Gefühl?

01:04:55: Der Trottelt dieser Gemeinschaft.

01:04:56: manche hängen sich dann an den dran und der geht auch weg und gründet seine eigene Gruppe.

01:05:01: aber ich hab so das Gefühl Die anderen sind so intellektuell damit beschäftigt, ihr Ding zu machen.

01:05:07: Die wollen auch nicht mehr raus da?

01:05:09: Das ist für die okay!

01:05:11: Und die anderen Menschen sind halt so...die sind halt da.

01:05:15: Aber ich hab das teilweise auch...also ich fand es teilweise skurril irgendwie wie sich das entwickelt.

01:05:21: und dann gibt's dann auch ganz interessant weil ich von Hierarchien gesprochen habe.

01:05:25: Es gibt ja eigentlich nicht.

01:05:26: aber es gibt diese eine Figur Gita die auch diese Uni da gründet die dann immer so reden hält, wo ich mir auch mal denke.

01:05:33: Aber gibt es da niemanden der mal sagt ey ich finde das hier irgendwie komisch wie du das machst oder ich widerspreche dir jetzt mal wirklich?

01:05:39: Das kann man alles gar nicht so...jetzt gibt's alles auch nicht in der Schilderung und diese Gita wird dann auch teilweise eben seitenweise werden die Reden nach erzählt, die Gita hält Diese Wissenschafts-Neudefinition oder beziehungsweise diese Kategorisierungen, die du angesprochen hast und ihr redet auch eben davon dass das eigentlich die bessere Welt ist jetzt in der sie jetzt sind weil Sie jetzt frei sind von diesen Zwängen des Fortschrittes.

01:06:07: Und da kommen wir zu einem wichtigen letzten Punkt vielleicht mit dem wir ja auch enden können nämlich was will dieses Buch eigentlich?

01:06:14: Von uns... Was passiert da?

01:06:17: Was soll uns damit geteilt werden?

01:06:20: Du hast den Begriff Klimawandel aufgeschrieben.

01:06:24: Was ist denn jetzt, wir sind jetzt bei Band fünf von sieben.

01:06:28: Was ist das für dich?

01:06:30: Naja, das ist wirklich eine schwere Frage.

01:06:33: also ich glaube Wir haben jetzt verschiedene vielleicht haben wir verschiedene Wege ausgearbeitet wie man das Buch lesen kann.

01:06:39: Man kann es nämlich entweder lesen als ein philosophisches gedankenexperiment oder Als ein Gedanken ja philosophisches Gedanke.

01:06:45: experiment über die zeit Über Raum über unser verhältnis zurzeit Vielleicht den Versuch, die Zeit ein bisschen anders zu denken als wir sie sonst so verstehen.

01:06:57: Eben als Behälter und was das dann implizieren würde einen Behältern mit wenden wo wir nicht mehr raus können nach rechts oder links Und was das mit uns machen könnte.

01:07:06: so dass könnte man so verstehen man könnte es auch Quasi.

01:07:09: zwischendurch hatte ich manchmal den Eindruck, die Autoren versucht indem sie die Zeit anhält mal auf die Welt zu gucken.

01:07:16: Sie versucht das schon hin und wieder.

01:07:18: Dann wird es Kapitalismus kritisch.

01:07:20: dann geht's um die Natur Und diese Frage von Es muss nicht immer mehr mehr mehr sein sondern es kann manchmal auch einfach innehalten sein.

01:07:29: und dass gibt zum Beispiel Die die Tara selters hat dann so eine Phase wo sie irgendwie Sterne beobachtet oder Wo wo sie zb dann die Samen holt die bei dem älteren, also dem Vater von dem Thomas im Garten irgendwie sind und wo das so wichtig ist.

01:07:45: Gartenanbau, Fruchtfolgen.

01:07:48: Genau und es gibt ja auch dieses Phänomen da.

01:07:51: drüber haben wir jetzt noch nicht gesprochen.

01:07:52: das gibt so ein bisschen merkwürdige Regel in dieser Mechanik der Zeit und eine Regel ist dass Gegenstände eigentlich verloren gehen wenn die Leute sie nicht ganz eng bei sich haben und deswegen müssen Sie damit Gegenständen bei Ihnen bleiben mehrere Nächte bei den Schlafen und so.

01:08:05: und ich finde da steckt auch so'n bisschen diese Idee hinter von Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit für die Dinge um uns herum.

01:08:13: Was die Wert sind und dass man sie sozusagen sich wirklich nicht einfach immer mehr mehr mehr sondern das was man hat wirklich aufmerksam bei sich zu haben und darüber nachzudenken.

01:08:22: es kommt auch motivisch immer wieder genau

01:08:23: alles was man tragen kann.

01:08:25: letztendlich gehört dir dann auch.

01:08:26: das ist auch ein starkes bild und es gibt auch diese szenen.

01:08:29: ich glaube im zweiten buch da lebt sie eine zeitlang alleine immer am selben ort.

01:08:34: nachdem sie gemerkt hat den jahreszeiten hinterher reisen ist auch einen trugschluss ein Hinterhof und da fallen manchmal die Früchte vor, also fallen jeden Tag Frükte vom Baum ohne natürlich dass es weniger werden.

01:08:45: Und das Leben bekommt etwas Mönchisches.

01:08:47: Also immer die gleichen Abläufe und Rituale und das fand ich auch ganz ganz interessant diese Szenen wie sie da dann so ganz reduziert lebt und man plötzlich merkt so kann ein Leben sein.

01:09:01: ja wir müssen auch wenn die Zeit vergeht dieses Hamsterrat nicht mitmachen.

01:09:05: Was ich aber interessant finde ist, dass ja diese Leute eigentlich nicht aus der Zeit ausbrechen oder aus diesem Kapitalismus oder aus dem Verbrauch – denn da ist ja auch das Bild so ein bisschen schief!

01:09:21: Sie sind jetzt die einzigen, die aufbrauchen können.

01:09:23: Das heißt sie sind die Heuschrecken, die durchs Land ziehen und die Ressourcen verbrauchen.

01:09:28: Der Kniff ist ja eigentlich in dem ich die Zeit anhalte weiter Ressourcen verbrauchen zeige ich erst mal, wie wir Menschen Raubbau an der Erde betreiben.

01:09:37: Weil ich kann das in den normalen Dimensionen nicht zeigen weil es für uns so natürlich geworden ist.

01:09:43: Weil wir immer so schnell nachfüllen ja aber wenn dann plötzlich Leute dazu kommen die mehr verbrauchern nämlich weil sie den gleichen Tag immer und immer wieder für sich beanspruchen was die ressourcen betrifft da merken wir's plötzlich.

01:09:54: also ist eigentlich ein interessanter kniff zeigt ja auch, dass diese Wohlwollen in dem sich alle befinden.

01:10:00: Weil sie die Zeit so stillsteht.

01:10:02: Dass das eigentlich nicht richtig trägt.

01:10:04: Weil dieser Konflikt auch dafür sorgen könnte, dass sie irgendwann mal denken ... Wie geht es weiter?

01:10:12: Wenn alle im achtzehnten November feststecken, dann all sind und sterben!

01:10:15: Was ist denn ... Das frag ich mich halt auch, ob das noch passiert, weil es kommen keine Neuen dazu.

01:10:20: Also alle sind im gleichen Jahr stehen geblieben.

01:10:22: Ja, es ist wirklich was des ... Wir haben jetzt gesagt, okay es gibt so diese politischen Implikationen die ein bisschen miterzählt werden.

01:10:32: Es gibt diese Ideen, diese Philosophischen aber ist einfach auf der Erzählebene wirklich super viel verschenkt!

01:10:38: Das ist bei den Figuren super viel verschänkt, das ist bei der Erziehe Form viel verschänkt finde ich und da muss ich sagen es ist irgendwie für mich so ein bisschen wie vor allem über so viele Bände erzählt dann denke ich mir so okay, aber wenn du diese Welt so ausführlich über sieben Bänden erzählen willst.

01:10:57: Dann ist Worldbuilding wichtig!

01:10:59: Dann das auch Strukturwichtig!

01:11:00: Dann es auch Aufbau-Wichtig!

01:11:01: Wenn du sagst, ich will einfach die Idee durchspielen... ...dann reicht auch ein Band theoretisch um die Idee so durchzuspielen.

01:11:06: Weil ich habe das Gefühl in den anderen Bändenden Es kommt kaum noch was dazu Also nichts was wirklich neu ist.

01:11:12: Wir erleben weitere Reisen durch Europa Es kommen halt mehr Leute dazu.

01:11:17: Aber also diese Grundgedanken und diese Grundbetrachtung von der Natur Bei diesem ersten Band, der ist ja super dünn.

01:11:23: Ich könnte mir, wenn es ein Buch wäre auch vorstellen, dass das ein längeres Buch ist?

01:11:28: Das ist gar nicht die Frage!

01:11:29: Aber so ich hatte wirklich das Gefühl jetzt drehen wir uns hier ein bisschen und am Ende wird irgendwas reingeworfen damit ich mir vielleicht noch Band drei besorge.

01:11:39: Aber ich habe wirklich das gefühlt...ich kriege nichts Neues mehr.

01:11:42: Ich komme nicht tiefer in die Welt rein.

01:11:44: Ich erfahre nichts Neudes über sie als Figur mit der Zeit mehr.

01:11:48: Und da denke ich mir so Einfach, da gibt es zu viele innere Widersprüchlichkeiten.

01:11:54: Wo ich das Gefühl habe, die werden nicht befriedigend genug ausgearbeitet... Sie werden ja älter und sie machen ja Erfahrungen.

01:12:03: Das heißt, das einfach nur damit zu begründen, dass auch der Tag sich die ganze Zeit wiederholt funktioniert so nicht?

01:12:07: Dann müssen es Figuren sein, die mir wirklich so erzählt werden, dass sie's nicht wirklich checken und die die ganze zeit immer wieder durchgehen.

01:12:12: und dann mach ich das mit.

01:12:13: aber das ist ja nicht so... Die machen Erfahrungen, die gründen Beziehung, die versuchen Kinder zu kriegen, die betreiben Akkordbau sozusagen also versuchen irgendwie Dinge anzupflanzen.

01:12:23: Und dann müsste sich ja auch eigentlich vom vom Leseerlebnis was ändern, was entwickeln.

01:12:28: Und dann muss ich so ein bisschen an, musste sich an Tolkien auch denken.

01:12:34: Der ja als Fidologe auch eine extreme, extrem von der wissenschaftlichen Seite und von seiner Begeisterung für Sprachen kamen und dann diese Welt entwickelt hat.

01:12:43: So.

01:12:43: aber diese Welt ist dann halt auf einer Weise durchdacht und sozusagen lebendig gemacht und wirklich ernst genommen, dass ich halt auch in diese Welt dann eintauchen kann.

01:12:53: Und auch wenn ich nicht so ein philologisches Interesse habe trotzdem die Sprachen noch voll wertschätzen kann als Teil dieser welt.

01:13:00: und das ging mir hier halt wirklich ab.

01:13:02: also ich hatte wirklich einen problem damit irgendwann diese Erzählung zu viel abzugewinnen, weil ich irgendwann so dachte okay.

01:13:08: Ich fand die Idee gut!

01:13:09: Ich fand dieses was du sagst, diese Momente die dann so erschaffen werden?

01:13:14: Gut?!

01:13:14: Ich fand sprachlich steckt es drin dass man das Gefühl hat da könnte etwas total Schönes drauswerden, aber irgendwann dachte ich so ne nicht schon wieder eine Aufzählung, nicht schon Wieder eine Wiederholung von was was Du mir schon dreimal erzählt hast, nicht Schon wieder so eine komplette Verweigerung mich an irgendwas teilhaben zu lassen, weil dann denke ich mir halt oft Und das gibt's ja manchmal so in der Literatur.

01:13:35: Aber das ist dann vielleicht auch einfach die Literatur, die mich irgendwann nicht mehr abholt.

01:13:38: Weil ich mir so denke, nee, das möchte ich nicht!

01:13:39: Ich möchte ja mit irgendwas in Kontakt treten was mir noch nicht vertraut, dass ich möchte ja etwas nachvollziehen und nicht einfach nur ... Also weißt du?

01:13:48: Ja deswegen... Das unbehagene Wuchs mit jedem Band würde ich mal sagen.

01:13:54: Schöner Satz!

01:13:55: Ich würd' noch ein bisschen ergänzen für alle, die es auch nicht so genau wissen, ob sie das reinlesen sollten oder nicht.

01:14:04: Ich finde man sollte auf jeden Fall den ersten Band lesen.

01:14:08: da steckt eine ungeheure Wucht drin.

01:14:10: ich wirklich also als ich den ersten band gelesen habe war ich derartig Davon geblasen dass sich wirklich dachte das könnte jetzt also oder das ist auch ich möchte das ein bisschen trennen weil der erste band hat wirklich ganz viel mit mir gemacht und ich glaube den würde ich auch zu meinen Lieblingsbüchern dazu zählen.

01:14:28: Mir geht es aber wie dir, dass je weiter das Projekt fortschreitet.

01:14:33: Ich immer öfter mich auch ertappt habe, wie ich so angefangen hab, Seiten zu überfliegen weil ich so dachte na die nächste Diskussionsrunde Wo eh niemand streitet und wo alle dann nur darüber sprechen, welche Polster sie jetzt für ihre Möbel benutzen wollen.

01:14:46: Die interessiert mich einfach nicht wirklich.

01:14:48: Da wäre ich auch bei der Diskussion selbst nicht gerne anwesend.

01:14:50: Und die nächste Reise nach Bordeaux und das nächste mal bei Thomas da waren wir jetzt aber schon fünfmal

01:14:55: also... Genau es ändert sich auch nichts.

01:14:58: Also da geht's mir wie dir.

01:15:00: Ich war dann teilweise einfach genervt Und gleichzeitig merke ich aber dass mich Solvebala auf jeden Fall noch am Haken hat weil ich denke mir nämlich Da muss doch jetzt noch was passieren!

01:15:10: Genau dieses Ding, das mich durch jeden Band getragen hat.

01:15:13: Dass ich denke, jetzt sind noch zwei Bände.

01:15:15: also irgendwas muss da jetzt noch kommen und deswegen werde ich die auch auf jeden Fall lesen und kann nur allen raten zumindest mal den Sprung zu wagen in dem ersten Band weil der enttäuscht auf jeden fall nicht.

01:15:25: und ob man sich dann wirklich noch die anderen wie viele Seiten sind dass dann ja achthundert ungefähr... Ob man die dann noch mitnimmt oder ob man sagt mir reicht es weil es ist anregend und berührend im ersten Band.

01:15:39: Das muss man dann immer selber gucken, ich glaube aber es ist... Ich habe kein Buch in den letzten Jahren gelesen was so viel Rede bedarf bei mir ausgelöst hat und ich finde das ist trotzdem immer etwas Gutes.

01:15:48: also ich hab ein großes... Also ich bin auch gedanklich sehr viel dort und denke weiter mit und so.

01:15:53: Aber du hast schon recht Man wird halt nicht Teil der Welt, man fühlt sich ausgestoßen Und das ist halt so'n bisschen Du guckst durchs Schlüsselloch und hast das Gefühl Wow!

01:16:05: Was für eine krasse Idee.

01:16:07: Aber du kriegst diese Tür einfach nicht geöffnet.

01:16:09: Und man bleibt außen.

01:16:10: und was mich halt auch wirklich stört ist, dass ich das Gefühl habe vieles es auch nicht so ganz plausibel.

01:16:15: also weißt du ne utopische erfundene welt ist die muss hat nicht muss nicht plausibel sein.

01:16:22: aber sie hat ihr muss ihre eigene mechanik haben und ich muss diese mechanik glauben können.

01:16:28: So ist es bei der ringe so ist es bananier so ist Es auch bei irgendwelchen dystopien so ist Das auch bei dem oval buch farm der tier oder so.

01:16:35: es muss einfach.

01:16:37: Da ist es ja auch nicht glaubwürdig, dass Tiere jetzt sprechen können und die dann da miteinander Gericht abhalten.

01:16:41: Aber ich muss mich auf diese Welt und auf die Mechanik einlassen können.

01:16:45: Und das ist die Aufgabe des Autos oder der Autorin, mich dazu zu bringen, mich darauf einzulassen.

01:16:51: Das ist auch so ein Stephen King-Ding oder so, der das kann.

01:16:53: Und da fehlt mir das halt einfach komplett.

01:16:56: Da hab' ich wirklich das Gefühl, das schafft sie nicht!

01:16:58: Ich habe immer die Lust, mich drauf einzulassen.

01:17:02: Warum ist das eigentlich so?

01:17:04: Also zum Beispiel diese grundlegenden Sachen.

01:17:06: Warum gibt es so viele, die das nicht checken aber auch im Tag bleiben und nicht älter werden.

01:17:11: Und dann gibt's die, die's checken und die dann ältern werden.

01:17:15: Die Grundmechaniken über die sie auch super viel schreibt, die werden mir nicht so ganz geläufig.

01:17:20: Was ich aber auch glaube was du gesagt hast unbedingt Band eins lesen.

01:17:24: Es ist viel interessantes drin.

01:17:25: Das lohnt sich trotzdem.

01:17:27: Was ich auch denke, wir haben die jetzt halt alle direkt hintereinander gelesen.

01:17:31: Und dadurch dass sie so keine Entwicklung haben, rostriert ein das immer mehr?

01:17:34: Vielleicht ist es auch im Buch wo man sagt, ich lese Band eins und in zwei Jahren lese ich Band zwei weil ich noch mal dahin zurück will und in drei Jahren lse ich Band drei also wie Sie ja auch ein bisschen mehr so erschienen sind mit ein bisschen Abstand.

01:17:45: Das ist eine faire Bemerkung.

01:17:46: Dann sagt man okay gut dann stört mich vielleicht dieses Entwicklungsding nicht so weil ich wieder in dieses Gedankenkonstrukt so ein bisschen rein gehen, mal ein bisschen reingucken und dann sage okay aber dann ist ja jetzt auch nach hundertachzig Seiten schon wieder vorbei.

01:17:57: Also das muss man ihr ja auch zugute halten dass sie die Bücher nicht zu dick macht wenn sie so viele Bände macht und so wenig Entwicklung quasi erzählen möchte.

01:18:07: ich hätte mir trotzdem ein bisschen mehr existenzielle Wucht gewünscht von dieser krassen Idee was vom

01:18:15: Tage übrig

01:18:16: blieb.

01:18:19: Ja, lieber Josef!

01:18:20: Zum Schluss erinnern wir uns an einer Autorin, deren literarische Karriere mit einer winzigen Münze begann.

01:18:27: Wir befinden uns in Oguta im Osten Nigeria's – das Jahr hat gerade begonnen als am dreizienten Januar, die kleine Florence-Banzu Ruacho und Kiron Vapa zur Welt kommt.

01:18:40: Wir kennen sie heute als Florian Vapa und so werden wir sie ab jetzt auch nennen.

01:18:45: In den neunzehntreißiger Jahren erlebte die am Ostufer des Oguta seesgelegene Stadt Oguta eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und des kulturellen Wandels.

01:18:55: Und als historisches Handelzentrum profitierte der Ort von seiner strategisch eben sehr günstigen Lage an den Wasserwegen, die das Land des Innere der Igbo-Region über den Oraschifluss direkt mit dem Niger Delta und dem Atlantik verbanden.

01:19:08: Noch mal zur Einordnung – ganz Nigeria stand unter britischer Kolonialherrschaft und Oguta fugierte als einer der wichtigsten Binnenhefen für den internationalen Handel.

01:19:18: Ja, das Leben der Menschen dort ist geprägt von der Wasser-Gottheit Uhamiri.

01:19:24: Man kann sich das vorstellen in einer Landschaft die von Wasserwegen geprägt ist und trotz des Einzugs des Christentums blieb der traditionelle Glaube tief verwurzelte Menschen nur guter verehrten und verehren eben bis heute diese Göttin des Sees, die in der lokalen Kosmologie für Fruchtbarkeit Wohlstand und weibliche Unabhängigkeit steht – und das können wir uns mal merken!

01:19:46: In der Kultur der Igbo, zu denen eben auch unsere Flora gehört hatten Frauen historisch gesehen eine enorme wirtschaftliche Autonomie.

01:19:55: Die sogenannten Marktfrauen haben also den lokalen Handel kontrolliert mit Nahrungsmitteln, mit Stoffen und Palmöl – der mehr eigenes Geld verdient besaßen oft eigenen Grundbesitz und waren das logistische Rückgrat der Gesellschaft.

01:20:07: Durch die britische Kolonialisierung allerdings und die christlichen Missionare ist Nigeria ein extrem westliches und extempatriarchales Gesellschaftsbild übergestülpt wurden.

01:20:18: Also die Briten brachten das Ideal der viktorianischen Hausfrau mit, einer Frau, die passiv und vom Ehemann abhängig ist und die sich auf den Haushalt beschränkt.

01:20:30: Auch die koloniale Verwaltung und die neuen Universitäten wurden dann rein männlich aufgebaut und strukturiert – und das traditionelle Ansehen und die politische und wirtschaftliche Stimme der afrikanischen Frauen wurde dadurch systematisch

01:20:42: unterdrückt.".

01:20:44: Flora entstammte einer wohlhabenden und einflussreichen Igbo-Familie dort.

01:20:48: Ihr Vater arbeitete für das britische Handelsunternehmen United African Company, ihre Mutter war Lehrerin mit einer Leidenschaft für Theater und sie führte einen Nähgeschäft.

01:20:59: Ihre Kindheit war geprägt von der reichen mündlichen Erzähltraditionen der Igbo – also auch eine mündliche Kultur sowie dem Einfluss britischer Literatur.

01:21:07: Da sind wir jetzt wieder bei Jane Orston Und Charles Dickens hat auch eine große Rolle gespielt und diese Romane lernt sie eben in den Missionsschulen kennen.

01:21:17: Sie studierte in den Fünfzigerjahren Englisch, Geschichte & Geographie am University College in Ibadan und gehörte damit zu den akademischen Pionierinnen ihres Landes.

01:21:27: Nach ihrem erfolgreichen Erststudium in Nigeria erhielt sie dann ein Stipendium für die Universität von Edinburgh in Schottland.

01:21:35: Das ist natürlich auch ne biografische Sache, Kolonialgebieten, dass die Kinder dann eine gute Bildung bekommen und dann in diese Kolonialehrenländer geschickt werden um dort noch mehr Bildung zu bekommen.

01:21:51: Und so geht es auch Flora, die eben sehr, sehr klug ist und dann dieses Stipendium bekommt.

01:21:59: Ja, und dann kommt sie eben im Herbst, unheimlich in das zugegebenermaßen raue und windige Schottland.

01:22:07: und bekommt einen absoluten Schock.

01:22:10: Wie viele afrikanische Studierende dieser Zeit, also aus den afriikanischen Ländern war sie da nicht die einzige denen das so ging und sie vermisst einfach in dem Fall dass tropische Klima Nigeria ist Und natürlich auch die lebendige Gemeinschaft aus dem Ort, aus dem sie kommt Also aus Oguta.

01:22:29: Sie hat sich dann dort intensiv an die Geschichten erinnert, die sie als Kind im Nehegeschäft ihrer Mutter von den Igbo-Frauen gehört hat.

01:22:37: Diese Sehnsucht nach der Heimat und der Wunsch, auch diese reichen mündlichen Erzähltraditionen für sich zu bewahren, brachte sie eben dazu, ihre ersten literarischen Entwürfe zu verschriftlichen.

01:22:48: Sie hat dann in Schottland, in deiner Präsentation, in Schotland in den letzten Jahren eine Diplomenpädagogik bekommen.

01:22:54: Und damit war sie einer der ersten nigerianischen Frauen überhaupt die Einabschluss an einer britischen Universität bekommen haben.

01:23:01: Ja, sie schickt dann eins ihrer Manuskripte an ihren ehemaligen Studienkollegen aus Ibadanzeiten einen heute weltberühmten Autor, nämlich Chinua Achebe.

01:23:13: Und er erkennt den Wert des Manuskripts und hat ihr Antwort geschrieben – in diesem Kuvert, das er geschickt hat, lag eine Münse bei!

01:23:23: Diese Münse hatte genau den Wertes Portos, den Flora benötigte um das schwere Paket mit dem Manuskrit nach London zum Heinemann Verlag zu schicken.

01:23:31: Ohne diese eine Münze wäre das Buch vielleicht nie oder erst sehr viel später in Großbritannien gelandet.

01:23:37: Und im Jahr nineteenhundertsechzig wurde Ephuro, der Titel des Textes, der Titel des Romans in der African Writers Series des Verlags veröffentlicht und damit ging Flora erneut in die Geschichte ein als erste schwarze afrikanische Frau, die einen englischsprachigen Roman international publizierte.

01:23:58: Josef nickt die ganze Zeit sehr begeistert.

01:24:00: Ja, weil ich muss gerade an Aditji denken und die ja auch aus Nigeria stammt.

01:24:05: Und die wird

01:24:05: auch noch rollisch spielen?

01:24:07: Ja und wo ich es einfach so interessant finde, weil du ja sozusagen uns jetzt jemanden mitgebracht hast, der quasi den Grundstein gelegt hat für Danner Autoren wie Aditchi, die einfach hier auch weltweit einfach extrem erfolgreich ist

01:24:19: Und gerade

01:24:21: eine sehr schwere Zeit durchmacht.

01:24:22: Aber das so zu sehen, einfach wie diese Wege eben immer erst mal wer gehen muss damit später dann noch wer anders kommen kann finde ich einfach total schön.

01:24:30: Danke auch nochmal für die Einordnung denn genauso ist es.

01:24:35: sie kämpft sich da grad wirklich diesen Weg frei der für viele dann einfach immer weiter ausgetreten wird im Laufe der zeit.

01:24:41: und dass ist was ganz ganz besonderes.

01:24:44: Der literarische Erfolg von Flora fiel mit dem Ausbruch des Nigerianischen Bürgerkriegs zusammen und da dauerte drei lange Jahre.

01:24:50: Und nochmal kurz zur Einordnung, weil bei mir war das überhaupt nicht mehr präsent.

01:24:54: aber diese Ursachen für den Ausbruchs, das war so ein bisschen ein Zusammenspiel einmal natürlich aus diesem kolonialen Erbe, aus den ethnischen Spannungen und dem Kampf um das Erdöl.

01:25:04: also Nigeria wurde neunzehntsechzig von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen um dass jetzt mal klingt irgendwie so positiv, aber die Kolonialherrschaft hat dann geendet.

01:25:17: Allerdings... hatten die Briten eben zuvor drei völlig unterschiedliche Volksgruppen in diesem künstlichen Staatsgebiet Nigeria's zusammengefasst.

01:25:25: Und zwischen diesen Regionen herrschte von Beginn an tiefes Misstrauen, man kann sich das vorstellen – das haben wir sowieso schon oft besprochen – dieses Problem der künstlich Grenzziehungen hat gerade bei vielen Völkern, die eben auch traditionell vielleicht eher auf Bewegung ausgelegt sind, auf fließende Grenzen und Übergänge für extrem viel Spannungen gesorgt.

01:25:47: Im Januar neustand sechsundsechzig putschten dann junge Offiziere, viele davon waren eben von diesem Stamm der Igbo gegen die korrupte Regierung.

01:25:54: Dann folgte ein Gegenputsch aus dem Norden und das hat dann im Norden des Landes blutige Progroma an der Igbominderheit ausgelöst.

01:26:02: da wurden zehn tausende Menschen ermordet Und ganz viele, ich glaube über eine Million Igbo sind in ihrer Heimatregion im Südosten geflohen.

01:26:09: Ja auf aus dem Norden heraus und angesichts dieser Gewalt erklärte der Gouverneur der Ost-Regionen wo sie eben hingeflohen sind die Unabhängigkeit dieser Region hat gesagt gut wenn überall dieses Volk der Igbo bedroht getötet angegriffen wird dann machen wir hier jetzt ne eigene Republik Biafra.

01:26:30: Das hat dann zu neuen Problemen geführt, diese eigentlich ja auch nicht schlechte Idee.

01:26:35: Denn die nigerianische Zentralregierung hat das nicht akzeptiert und wollte diese Abspaltung militärisch verhindern.

01:26:40: Es ist ganz interessant, diese Abschaltungsbewegungen haben wir in Spanien immer wieder mal thematisch gesehen Warum das hier so ein Riesenthema wurde und man nicht einfach gesagt hat, völlig verständlich wird, dass ihr euch schützen möchtet ist?

01:26:55: Weil im Süden Nigerias genau in der Region dieser neuen Republik kurz zuvor riesige Erdölvorkommen entdeckt worden waren.

01:27:01: Und jetzt kann man sich vorstellen auch wenn Großbritannien sich als Kolonialmacht zurückgezogen hat wollten sie natürlich weiterhin an diesem Land verdienen.

01:27:08: Das heißt weder die nigerianische Zentralregierung noch die internationalen Großmächte wie Großbritanien wollten zulassen, Biafra fehlen.

01:27:19: Der Krieg endete in den Segen mit dem Sieg der Zentralregierung, und Biafa wurde durch eine Blockade ausgehungert und über eine weitere Million Menschen gestorben – die meisten davon an Unterernährungen.

01:27:31: Warum erzähle ich das so genau?

01:27:33: Erstens war ich es nicht wusste und ich finde es gut, dass ich sehr zweis weiß.

01:27:38: Und zweitens ist es ganz eng verbunden mit dem Schreiben von Flora.

01:27:44: Denn mit ihrem Roman von nineteenundfünfundsiebzig in Neva-Egan hat sie ein radikales und zutiefst ehrliches Werk über diesen Krieg verfasst.

01:27:51: Während die meisten anderen männlichen afrikanischen Autoren dieser Zeit den Krieg aus der Sicht der Soldaten, der Generäle und der großen Politik beschrieben – wir kennen es auch von anderen Regionen auf dieser Erde, dass das so läuft – Blick radikal gewendet und erzählt den Krieg aus der Sicht der betroffenen Frauen, der Zivilisten, der Kinder.

01:28:10: Und sie beschreibt dem Krieg nicht als heldenhaftes Abenteuer sondern eben als eine Reihe aus Hunger, Krankheit und der ständigen Angst vor dem

01:28:17: Tod.".

01:28:19: Und sie geht dann auch in die humanitäre Hilfe, schon währenddessen und nach dem Krieg.

01:28:23: Sie organisierte Rettungs- und Versorgungsmaßnahmen insbesondere für Frauen und Weisenkinder.

01:28:28: Ja und weil sie ein enormes Organisationstalent für dieses Mammutprojekt an den Tag gelegt hat wurde sie nach dem Krieg in den Regierungsrat des East Central State berufen und übernahm dort wichtige politische Ämter als Ministerin für Gesundheit und Soziales und im Anschluss auch für Landvermessung und Stadtentwicklung.

01:28:45: Jetzt ist es aber so, dass trotz ihres Ansehens extrem schwer ist die eigenen Bücher in Nigeria auf den Markt zu bringen.

01:28:51: Wir schauen uns mal genauer an mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte Denn bis weit nach der Unabhängigkeit wurde der afrikanische Buchmarkt von britischen Verlagen aus London dominiert Die entschieden also nach europäischen Kriterien welche in Anführungszeiten afriksanischen Geschichten gut genug für den Druck sind.

01:29:10: Eine eigenständige lokale Verlagsinfrastruktur steckt in Nigeria zu der Zeit in den Kinderschuhen und außerdem war die Szene, die es dort gab definitiv ein Boys Club.

01:29:18: Also männliche Autoren und Verleger.

01:29:22: Wir erinnern uns... Hatten ja von Großbritannien auch nicht wirklich viel geschenkt bekommen, außer das Patriarchat.

01:29:30: Haben dann der Ansicht gefröhnt dass Frauen eben eh keine ernste Literatur schreiben können und ihre Alltagsthemen in Anführungszeichen irrelevant gemacht.

01:29:41: Ja und nach dem Krieg war ja außerdem die Wirtschaft im Osten Nigeria ist zerstört.

01:29:45: es fehlt an Druckmaschinen, an Papier, an Geld... Und dann kommt noch ein vierter Aspekt dazu Die etablierten Verlage, die scheuen sich natürlich politisch präsante Bücher wie Flora's Kriegsrom anzudrucken.

01:29:57: Sie hatten Angst vor der Zensur durch die negerianische Militärregierung und dann fehlt eben auch zu guter Letzt schlicht ein Netzwerk aus weiblichen Lektorinnen, VerlegerInnen oder KritikerInnen, die sich gegenseitig hätten unterstützen können.

01:30:10: also hat sie beschlossen diese Strukturen zu verändern.

01:30:17: und die Flora Nwapa Company.

01:30:20: Sie war damit die erste afrikanische Frau, die ein eigenes Verlagshaus besaß und leitete.

01:30:25: Ihr Ziel war es, indigene Kultur zu fördern, Kinderliteratur für Kinder aus Nigeria- und anderen afriikanischen Staaten jenseits westlicher Stereotype zu etablieren und eben eine Plattform für die nächste Generation von Schriftstellerinnen aufzubauen.

01:30:42: Und ich will mir jetzt mit dir noch mal ansehen was ihre Literatur so besonders macht!

01:30:45: Ihre Protagonistinnen sind oft Händlerin, die wirtschaftlich eigenständig sind und ihr eigenes Geld verdienen.

01:30:50: Sie hat tabus thematisiert das gesellschaftliche Leid von Frauen thematisiert, die eben zum Beispiel unter Kinderlosigkeit litten oder unfaire Witwen-Rieten ausgesetzt gewesen sind.

01:31:03: und ihre Geschichten zeigen Frauen, die durch Solidarität, Klugheit und durch eine tiefe spirituelle Verbindung zur Kultur der Igbo eben oft durch die Wassergöttin Uhami re-symbolisiert, die wir schon am Einstieg kennengelernt haben.

01:31:18: Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

01:31:20: und ich hatte schon ihren Effuro, ihren Debüromann erwähnt.

01:31:24: der Handel zum Beispiel von einer wohlhabenden und stolzen Igbofrau, die trotz persönlicher Tragödien ihre Unabhängigkeit bewahrt.

01:31:32: Es gibt den Roman Idou von neunzehntsiebzig, auch eine ihrer starken Figuren die das traditionelle Familienleben und die Bedeutung von Ehe- und Mutterschaft analysiert.

01:31:42: In dem Roman One ist enough erzählt sie von einer Frau, die nach einer unglücklichen Ehe wegzieht und als erfolgreiche Geschäftsfrau ein neues selbstbestimmtes Leben beginnt.

01:31:51: in dem Roman Woman Art Different begleitet sie vier Frauen von ihrer Schulzeit in den Vierzigern bis ins Erwachsene leben und zeigt den gesellschaftlichen Wandel Nigerias.

01:32:00: Des Weiteren hat sie natürlich zahllose Erzählungen und Gedichte veröffentlicht.

01:32:05: Sie hatte in ihren späten Lebensjahren als Gastprofessorin an verschiedenen internationalen Universitäten gelehrt, unter anderem in dem USA.

01:32:12: Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und in ihrer Heimat wurde ihr der traditionelle prestigeträchtige Stammtitel einer Häublingen zugesprochen – eine Ehre die ja auch bis dato fast ausschließlich Männern vorbehalten war.

01:32:26: Und deswegen denken wir heute an sie, verstarb sie am sechzehnten Oktober, da waren wir beide noch sehr klein.

01:32:36: Gerade ein paar Monate auf der Welt im Alter von zweiundsechzig Jahren an den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

01:32:43: Postum wurde dann auch The Lake Goddess von nineteen-neinzig veröffentlicht und da sind wir wieder bei der Göttin im See die für die unabhängigen Frauen eine große Rolle spielt, dort in Nigeria.

01:32:59: Ja und ich habe es schon angekündigt als du es angesprochen hast jede zeitgenössische Autorin von Buchi Metshita bis hin zu Chimamandan Gouzi Adiji betont bis heute das Flora Enwapa Das Fundament für ihren eigenen Erfolg gelegt habe.

01:33:18: Eine letzte Bemerkung noch dazu Jahrzehnte lang war Flora enwapas Zeit in Schottland Selbst in Universitätsarchiven kaum sichtbar, man feiert natürlich die männlichen afrikanischen Intellektuellen über Saadi Frauen vom afriikanischen Kontinent aber komplett.

01:33:34: Und im Jahr two-thausend acht startete die Universität dann ein akademisches Detektivprojekt namens Uncovered Und da haben studentische Forscherinnen die alten Akten durchforstet und haben die oft vergessenen Geschichten bemerkenswerter internationaler Alungnie ans Licht gebracht.

01:33:50: Und Flora Anvapar wurde dabei als eine der schillerndsten historischen Figuren der Universität wiederentdeckt, und im Zuge einer großen Ausstellung nachträglich geehrt – die eben ihren Verdienst um Pädagogik und das negerianische Empowerment von Frauen und Kindern verbunden hat.

01:34:11: Und ja, dafür stoßen wir heute auf Sie

01:34:59: und Josef Braun.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.